
| Matthias Papies: | Zitat: "Und genau da liegt doch der Hase bzw. der Riesenotter im Pfeffer: Wenn ich zwei Tiere mit einem verdeckten rezessiven Erbfehler habe und diese miteinander verpaare, wird der Fehler bei den Nachzuchttieren sichtbar (rein theoretisch bei 25% der Jungen). Weitere 50% der Jungen sind verdeckte Träger des Fehlers, die restlichen 25% sind "fehlerfrei" - aber leider nicht unbedingt als solche erkennbar... " Richtig. Das macht in Dortmund schliesslich auch nicht. Beide Elterntiere zuechten mit anderen Partnern. Ich gebe ihnen Recht, dass man solchen Tieren moeglichst nicht weiterzuechten sollte. Die Betonung liegt hier aber auf "moeglichst", denn Tiere von der Zucht auszuschliessen kann man nur bei groesseren Population verantworten. Wuerde man das bei den Riesenottern machen, haette man schon in wenigen Generationen wieder daselbe Problem mit den Inzuchtschaeden. Man muss sich also fuer das "geringere Uebel" entscheiden. (04.10.2005, 00:00) | ||
| Ralf Ließ: | Ich habe heute mal wieder den Duisburger Zoo besucht. An einem Infostand in der neuen Halle für die Flussdelfine sagte man mir, einer der beiden Riesenotter hat man nach Dortmund abgegeben. Ob wieder ein neuer kommen soll, weiss man noch nicht. Übringens scheinen die beiden Tonions sich gut eingelebt zu haben. Dies ist zumindest der Eindruck, der sich mir als Laie vermittelt. Auch beim Nachfragen erhielt ich die selbe Auskunft. Nur zum Füttern mussten alle Besucher das Haus verlassen... (03.10.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Und genau da liegt doch der Hase bzw. der Riesenotter im Pfeffer: Wenn ich zwei Tiere mit einem verdeckten rezessiven Erbfehler habe und diese miteinander verpaare, wird der Fehler bei den Nachzuchttieren sichtbar (rein theoretisch bei 25% der Jungen). Weitere 50% der Jungen sind verdeckte Träger des Fehlers, die restlichen 25% sind "fehlerfrei" - aber leider nicht unbedingt als solche erkennbar... Wenn ich jetzt die beiden Vererber NICHT von der Zucht ausschließe, sondern mit anderen Partnern verpaare, ist der Erbfehler dadurch nicht etwa ausgelöscht, sondern kann sich unerkannt über etliche Generationen "durchschleichen" - bis er zufällig wieder auf einen vererbenden Zuchtpartner trifft. Und das ist bei Tieren mit kleinen Zoopopulationen nun mal sehr wahrscheinlich. Da es sich um das gleiche Prinzip handelt, haben auch die Züchter seltener Hunde- oder Katzenrassen solche Probleme: Keiner will natürlich ein äußerlich fittes, aber Fehler vererbendes Tier aus der Zucht nehmen, und so werden Erbfehler nie ausgemerzt, sondern nur - wie schon erwähnt - in nächste Generationen verschoben (und dabei möglicherweise noch weiter gestreut!!). Hier kommt zum Sinn des Populationsmanagements in Zoos auch der Unsinn hinzu: Theoretisch darf mit genetisch unterrepräsentierten, aber offensichtlich rezessive Fehler vererbenden Individuen gezüchtet werden, während möglicherweise erbgesunde, aber genetisch überrepräsentierte Individuen von der Zucht ausgeschlossen werden. Genetische Vielfalt ist übrigens sehr relativ und wird in den Zuchtprogrammen gern etwas zurechtgebogen. Im Prinzip zählen zur genetischen Vielfalt nämlich auch Farbmutationen, sonst hätten sich in der Evolution nicht die vielen Färbungen und Musterungen der Tiere entwickelt. In Zuchtprogrammen sind jedoch "Fehlfarben" teilweise unerwünscht, selbst wenn sie die Lebensfähigkeit des Trägers nicht einschränken (z.B. die Fuchsfarbe beim Przewalskipferd), während Schwärzlinge beim Leoparden "salonfähig" sind - selbst bei Amurleoparden.... Glaubt man an die Evolution, sind Mutationen ihr Motor. Sind sie negativ, sterben ihre Träger schnell aus (was übrigens ebenfalls einen Verlust genetischer Vielfalt darstellt, aber eben einen zu verschmerzenden). Andererseits haben sich viele Tierformen mit größter Wahrscheinlichkeit aus einem von seinen Vorfahren genetisch abweichenden Individuum und seinen Nachkommen entwickelt (z.B. Inselarten!) und trotz größter Inzucht überlebt - weil sie keine rezessiven Schadgene trugen. Dies mag auch erklären, warum die Zoo-Populationen mancher Arten trotz schmalster genetischer Basis noch immer florieren (z.B. Mishmi-Takin, Watussirind). Es wäre ja zu wünschen, dass sich eine gesunde Zuchtpopulation des Riesenotters entwickelt, aber mit solchen Startvoraussetzungen? (03.10.2005, 00:00) | ||
| Matthias Papies: | Das man mit den beiden Elterntieren die bisher nur Jungtiere mit Gendefekten hervorbrachten, weiterzuechtet, natuerlich jeweils mit anderen unverwandten Partnern, muss nicht unbedingt ein Problem sein. Was bei der Verpaarung von nahe verwandten Tieren passieren kann, ist dass schaedliche rezessive Gene reinerbig werden und dadurch Inzuchtschaeden verursachen. Was dann zu den missglueckten Aufzuchten der letzten Jahre fuehrte. Solche schaedlichen Gene traegt jeder Organismus, nur halt resseziv. Das heisst bei allen Organismen sind diese schaedlichen Gene durch dominante Gene "zugedeckt" und werden auf die folgenden Generationen weitergegeben. Also ist es kein Problem mit diesen Tieren weiterzuzuechten, sondern vielmehr ein lebendes Beispiel das Inzucht reversibel ist. Man sollte also bei kleinen Populationen nicht die genetische Vielfalt aufgeben, durch Tiere auszuschliessen. Wenn sich Moeglichkeiten ergeben neue Founder in die Population einzufuehren, kann Inzucht wieder zurueck gedraengt werden. Der Verlust von Genen ist ein viel groesseres Problem als Inzucht (wobei natuerlich auch Inzucht ein Problem ist), da dies irreversibel ist. (03.10.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Anmerkung eines Hobby-Genetikers: Wenn die Dortmunder Riesenotter bereits unter Inzuchtschäden leiden, sollte man eigentlich - auch wenn's schwer fällt - mit BEIDEN Elterntieren nicht weiter züchten, auch nicht mit anderen Partnern. Denn die durch die Inzucht aufgedeckten Erbfehler würden dadurch nur wieder "zugedeckt" und auf folgende Generationen verschoben.... (02.10.2005, 00:00) | ||
| Oliver Jahn: | Schaut mal in die Leseprobe vom neuen TG-Rundbrief. Da steht ein Artikel über die Riesenotter in Dortmund. (02.10.2005, 00:00) | ||
| Dirk: | Nachdem es in den letzten Jahren nicht möglich war, den Nachwuchs wegen Inzuchtschäden aufzuziehen, soll es wohl jetzt schon ein oder zweimal geklappt haben. Bei meinem letzten Besuch in Dortmund waren aber keine neuen Jungtiere ausgeschildert und die drei Tiere auf der Anlage waren alle schon ausgewachsen. Ansonsten weiss ich nur von dem Einzeltier in Duisburg und einer gut funktionierenden Zucht in Brasilia(Brasilien)woher auch ein Dortmunder Tier stammt. Soll es nicht auch im zukünftigen Leipziger Zooteil Südamerika Riesenotter geben? (02.10.2005, 00:00) | ||
| Aguti: | Stimmt es, dass es eine weitere erfolgreiche Aufzucht von Riesenotterjungtieren im Zoo Dortmund gab... wieviele Einzeltiere und wo werden sie überhaupt in Europa gehalten? (02.10.2005, 00:00) |
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