
| Zooinsider: | Wie wäre es dem einen Eurasien-Nord-und Südamerikazoo zu planen. (05.09.2007, 15:11) | ||
| Michael Mettler: | Eine m.E. interessante Variante für einen neu zu planenden Erlebniszoo nach Geoprinzip wäre es, frühe Tierhaltungen des Menschen darzustellen und damit gleichzeitig die eigene Geschichte didaktisch aufzuarbeiten. Die Grundidee hat Amersfoort mit der "Stadt des Altertums" schon vorgelegt: Die Tierwelt der in der Antike bekannten Welt vom Braunbären bis zum Elefanten ließe sich in einem "römischen Vivarium" präsentieren, die Haustiere in einem vorderasiatischen Karawanenhof, die Tierwelt Ost- und Südasiens in einem chinesischen "Garten der Intelligenz", die Fauna Mittelamerikas im "Zoo Montezumas", diverse Arten in einer "mittelalterlichen Menagerie".... Natürlich alles unter heutigen Haltungsmaßstäben. Selbst Anfänge der Wildtierhaltung ließen sich darstellen, z.B. ein Indiodorf mit Affen, Papageien, Pekaris und Pakas (als Tropenhalle) oder ein Aboriginelager mit Dingos. (05.09.2007, 10:45) | ||
| IP66: | Irgendwie läßt sich wohl jeder geographische Fehlgriff rechtfertigen - man sollte sich aber verdeutlichen, daß es kaum möglich ist, tiergeographisches Wissen zu vermitteln, wenn dieses durch den Besatz der entsprechenden Anlagen unterlaufen wird. (05.09.2007, 10:30) | ||
| Ulli: | @zooinsider den Ausführungen zu Eurasien und Europa kann ich nur beipflichten. Bei einem Asienzoo würde sich also eine Hinführung über die europäische Tierwelt im eurasischen Waldbereich/Taiga, am Nordkap oder Griechenland in die entsprechenden Biotope anbieten, ehe es in die für "Europa" fremdartigen Biotope übergehen würde. Am Ausgang des Rundganges gelangt man dann wieder nach "Europa". Das gleiche Prinzip läßt sich auch für ein Aquarium umsetzen. Eurasien die orientalische Zone und die südostasiatische Inselwelt sind sehr wohl völlig eigenständige tiergeographische Zonen, eventuell übereinstimmende Arten wie die verschiedenen Unterarten bei den Tigern sind hier kein Widerspruch, auch in Nord- und Südamerika gibt es identische Arten, ohne das man die Verschiedenartigkeit in Frage stellen würde. Das Spiel mit einem reinen "Amerikazoo" habe ich auch einmal durchgeführt, dort würden aber eine ganze Reihe für Europäer typische Zootierarten fehlen (... Elefanten, viele Huftierarten, Menschenaffen, Löwen und Tiger...). Dies wäre bei einem Asienzoo weniger (nicht ganz) der Fall. (05.09.2007, 09:25) | ||
| Zooinsider: | Also ich finde, dass man keinen Asienzoo bauen bauen oder planen sollte. Ich würde mich dann schon an Eurasien probieren. Europa wird nur aus historischen und politischen Gründen als eigener Kontinent gezählt. Mit der Politik haben Tiere ja nicht gerade viel am Hut. Deshalb würde ich es Eurasien nennen. Übrigens bestehen Europa und Asien aus der selben tiergeographischen Region. Bis Auf die orientalische Region im Bereich Indien haben diese Kontinente keine großen Unterschiede in der Tierwelt. Bei Nord-und Südamerika ist es da schon anders. (04.09.2007, 19:05) | ||
| Michael Mettler: | P.S. in Sachen Erlebniszooplaner: Die gaukeln uns eh schon vor, dass Gebirgsloris in madegassischen Dörfern herumfliegen (Hagenbeck), da ist es bis zu Eselpinguinen in "Asien" ohnehin nicht mehr weit :-) (04.09.2007, 18:30) | ||
| Michael Mettler: | @Sacha: Fällt mir schwer, die Quelle zu nennen, aber in China wurden fossile Reste gefunden, die man zur (je nach Systematiker) Gattung/Untergattung Dolichohippus stellte - wie das Grevyzebra. Da der Gattungskomplex Equus ursprünglich aus Nordamerika stammt (und vielleicht schon dort Zebras umfasste), ist er auf seinem Weg nach Afrika und Europa ganz automatisch an Ostasien vorbeigekommen. Was die Systematik der eigentlichen Wildpferde betrifft: Laut einem Bericht in der Zeitschrift des Kölner Zoo über dessen Hortobagy-Projekt soll inzwischen der Beweis erbracht worden sein, dass das Hauspferd nicht vom Przewalskipferd abstammen kann. Damit fehlt nun plötzlich der wirkliche Vorfahre des Hauspferdes, bzw. wenn dies einer der Tarpane gewesen ist (liegt ja nahe), könnte er folglich nicht so nahe wie vorher gedacht mit dem Przewalskipferd verwandt sein. Ob die Trennung dann allerdings gleich bis auf Artniveau gehen würde, würde mich auch interessieren - mehr Information enthielt der Artikel leider nicht. Aber wie dem auch sei: Wenn man ein asiatisches Przewalskipferd als Modell für das europäische Wildpferd anerkennt, darf sich auch niemand darüber beschweren, wenn ein Zoo europäische Elche als Modelle im Alaska-Bereich zeigt... (04.09.2007, 18:26) | ||
| Sacha: | Eselspinguine im Parkteil Asien - Gnade uns Gott, dass die Erlebniszoo-Planer Deinen Beitrag nicht lesen...:) Aber mal im Ernst: So falsch ist das mit den Przewalski-Urwildpferd doch nicht. Sind denn das ausgestorbene europäische Waldtarpan und das mongolische Przewalski-Pferd nicht Unterarten derselben Art? Oder hinke ich da mit meinem Wissenstand hintendrein? Und gab es tatsächlich mal nahe (neuzeitliche) Verwandte der Grevyzebras in China? (04.09.2007, 18:09) | ||
| Michael Mettler: | @Ulli: Deinen letzten Gedanken hatte ich in den Anfangstagen von "Eure Planung" schon mal bei der gedanklichen Umgestaltung von Hagenbeck zu einem reinen Asienzoo umgesetzt - es bietet nämlich wirklich faszinierende Möglichkeiten. Wenn man frech wäre, könnte man wie erwähnt tatsächlich noch Standard-Zootiere wie Zebra und Giraffe einbauen, indem man didaktisch aufbereitet, dass diese Tiergruppen im Laufe der Stammesgeschichte vorher in Asien lebten (Grevyzebras z.B. in China!). Zu weit hergeholt? Nein: Vielerorts werden auch Przewalskipferde klaglos als frühere europäische Fauna dargestellt.... Da es ja in den Zoos Mode geworden ist, Neuguinea zu Südostasien zu zählen, gäbe es sogar noch ein Schlupfloch für die Haltung von Pinguinen im Konzept: Der Eselpinguin heißt schließlich wissenschaftlich Pygoscelis papua, weil man damals fälschlicherweise annahm, er lebe auf Neuguinea... DIESE Story in einem Asien-Zoo anhand lebender Exemplare zu erzählen wäre schließlich nicht ungewöhnlicher als ein in Alaska gestrandeter Frachter mit Brillenpinguinen :-) (04.09.2007, 17:20) | ||
| Ulli: | Zum Ausgangspunkt: Eurasien, Südasien, indonesische Inselwelt, Nordamerika, Südamerika speziell bei Asien geht auch Polargebiete, Tundren, Taiga, Steppen und Wüstengebiete, Hochgebirge, Arabien, Indien, China, südostasiatische Inselwelt mit einer Vielzahl endogener Arten --- demnach wäre ein kompletter Zoo inklusive vieler sogenannter Standardtierarten (Elefanten, Panzernashorn, diverse Bärenarten, Robben, diverse Großkatzen, fast alle Huftierformen, Orangs und andere Affen sowie ungewöhnliche Arten) umsetzbar - wozu also die anderen Kontinente (04.09.2007, 16:37) | ||
| IP66: | Wie sahen denn die ersten Geo-Ideen von Herrn Heck aus? Ich denke, daß auch da von den ersten Umbauten bis zum endgültigen Konzept einiges Zeit vergangen ist. Auf der anderen Seite ist DER deutsche NS-Zoo in Nürnberg ja nicht geographisch organisiert, und auch in Berlin, wo die Anbindung an die Diktatur besonders eng war, entstanden lediglich der "deutsche ZOO" und ein paar geographische Gemeinschaftsanlagen. Vielleicht versteht man es besser, wenn man die geographische Gliederung als eine Ordnung versteht, die den Massenzoo der Zwischenkriegszeit organisieren konnte, nachdem das taxonomische Prinzip des Aktionärszoos aufgegeben worden war. Mich würde es aber freuen, wenn die Familie Heck, die sich ja recht eng mit dem Nationalsozialismus eingelassen hat, ihre bahnbrechenden Erfindungen politisch unabhängig verwirklicht hätte, gerade wenn wir Zoogeschichte auch als Geistesgeschichte verstehen wollen. Daß allerdings geographisierende Zoos "demokratischer" wirken als taxonomisch organisierte, würde ich nicht behaupten wollen - auch wenn erstere möglicherweile einfacher zu verstehen sind. (04.09.2007, 14:36) | ||
| Carsten Horn: | @Michael Mettler: Ich hatte auch nicht an passenden Tierbesatz gedacht, als Gondwana noch existierte, sondern an die daraus entstandenen Kontinente Südamerika, Afrika, Antarktis und Australien sowie ggf. noch Indien, vielleicht hab ich das etwas ungünstig ausgedrückt... Der Tierbesatz dürfte dann ruhig etwas neuzeitlicher sein. (04.09.2007, 00:18) | ||
| Michael Mettler: | ...sollte "Mehrzweckhaus" heißen, ich wollte den Bewohnern keine Blutsaugerschwemme an den Hals wünschen :-) (03.09.2007, 23:44) | ||
| Michael Mettler: | @Carsten Horn: Der dürfte aber schwierig zu besetzen sein. Als der Urkontinent Gondwana existierte (hab extra noch mal ins Lexikon geschaut, weil ich mir nicht ganz sicher war), gab es noch nicht mal Dinosaurier, geschweige denn Säugetiere und Vögel... So gesehen ist auch das Thema der Leipziger Gondwanahalle streng genommen nur ein Vorwand, darin Kontinente zusammenschmeißen zu können, was sonst nicht ins Geokonzept passt. Früher hätte man sowas einfach "Warmhaus" oder "Mehrzeckhaus" genannt :-) Aber ein "Urzeitzoo" jüngerer Stammesgeschichte hätte auch noch seinen Reiz: Kamele, Geparden und Wildpferde in Nordamerika, Elefanten, Nashörner und Hyänen in Europa, Zebras, Strauße und Giraffen in Asien.... (03.09.2007, 23:42) | ||
| Carsten Horn: | Das Problem in München sind die verschachtelten Kontinente und herkömmlichen Wege, da bemerkt man die Kontinentalsprünge nicht. Das Gelsenkirchener Konzept, das man sich nur in einem Kontinent mit eigenem Eingang bewegen kann und vor dem Wechsel des Kontinents wieder zu einem zentralen Punkt zurückmuß, ist sicher ein Möglichkeit, dem Besucher bewußt zu machen, auf welchem Kontinent er sich befindet. Einen Geozoo auf der Basis von Gondwana fände ich interessant... (03.09.2007, 23:12) | ||
| Michael Mettler: | Laut Münchener Chronik "Nilpferde an der Isar" soll sich Heinz Heck ab 1927 mit der Umgestaltung zum Geozoo befasst haben. Für die Untergliederung eines Geozoos fände ich den Mittelweg zwischen den Konzepten von Zooinsider und TimZ interessant, der sich ergeben würde, wenn man die zoogeografischen Zonen der Erde zum Thema nehmen würde. Und da gehört z.B. die afrikanische Mittelmeerküste zusammen mit dem größten Teil Eurasiens zur Paläarktis oder der Süden Arabiens (eigentlich Eurasien) wie der größte Teil Afrikas zur Äthiopis. Alle diese Konzepte bedingen aber, dass der Besucher sich ihrer auch bewusst ist und sie versteht. Und daran krankt der "Ur-Geozoo" München, wo der Besucher nicht mal merkt, dass er zwischen zwei Gehegen gerade "den Kontinent gewechselt" hat. Das Zusammenschmeißen von Tieren unterschiedlicher Lebensräume vom Hochgebirge über die Pampa bis zum Amazonasbecken ist zwar auf Südamerika-Anlagen besonders auffällig, aber ich stimme IP66 zu, das auch unter anderen Themen im Prinzip unsinnig gemischt wurde und wird. Säbelantilopen auf ost- oder südafrikanischen Savannenanlagen sind hier im Forum schon mehrfach kritisiert worden, aber auch z.B. die Kombination Banteng/Hirschziegenantilope macht geografisch-didaktisch wenig Sinn. Mindestens eine, sogar sehr große Heufresserwiese kenne ich übrigens noch: den Safaribereich in Stukenbrock. Da laufen von Giraffen über Zebras, Antilopen, Groß- und Kleinkamele, Watussirinder und Nandus diverse Erdteile durcheinander... (03.09.2007, 22:31) | ||
| WolfDrei: | @IP66: Hat München in schöner Eigenwerbung den Geozoo nicht schon früher "erfunden"? So gegen 1927-29? (03.09.2007, 20:08) | ||
| IP66: | Manchmal - insbesondere bei Südamerikaanlagen - habe ich den Eindruck, daß hier die gute alte Heufresserwiese einfach geographisch legitimiert wird. Man löst damit das Problem, dem Besucher auf der einen Seite eine Grundstock an Arten, auf der anderen möglichst riesige Gehege bieten zu wollen - oder zu müssen. Interessanterweise ist das Geo-Zoo-Konzept von München ja ein Kind des Faschismus und seiner Neigung zu Großgehegen. Das heißt nicht, daß geographisch besetzte Anlagen nicht interessant sein können, es zeigt aber, daß eine solche Gemeinschaftshaltung ebenso unnatürlich ist wie eine Unterbringung derselben Arten in Gemeinschaftsanlagen. Wenn wir bis zur Erfindung der Heufresserwiese durch Carl Hagenbeck zurückdenken, können wir die Großgehege als Folge des Verschwindens der Aktionärszoos ansehen, gewissermaßen als Befriedigung eines Massengeschmacks, was ja nicht im Widerspruch zu den heutigen Entwicklungen stehen muß. (03.09.2007, 19:36) | ||
| Zooinsider: | Ich persöhnlich würde meinen Zoo in Afrika, Eurasien, Australien, Südamerika und Nordamerika einteilen. Dann wäre da noch Antarktika. (03.09.2007, 18:57) | ||
| TimZ: | Hallo, für Otto N. bzw. generell ist es in meinen Augen erstmal wichtig möglichst unterschiedliche Ökosysteme darzustellen. Beispiel: Dschungel - Steppe - Arktis usw... Gerade hier würde sich Südamerika super anbieten (Regenwald, Pampas, Anden, Feuerland). Ich persönlich würde, wenn ich denn was zu melden hätte, nicht einfach nur nach Kontinenten unterscheiden sondern mir einige Bereiche (z.B. den indischen Trockenwald oder den Regenwald im Kongo) raussuchen und diese dann möglichst detailiert, anschaulich und artenreich präsentieren! Ich hoffe meine Gedankengänge können nachvollzogen werden! Gruß Tim (03.09.2007, 18:54) | ||
| Zooinsider: | Du hast recht. Eigentlich ist Europa nur nach der politischen Definition eines Kontinents ein solcher. (03.09.2007, 18:54) | ||
| Michael Mettler: | P.S. Wenn - wie in Hodenhagen - in einem Parkteil "Amerika" Bisons und Wapitis zusammen mit Guanakos und Nandus präsentiert werden, wird ein Geokonzept zur Farce. (03.09.2007, 18:48) | ||
| Michael Mettler: | Das Zusammenschmeißen der beiden Amerikas unter einem Oberbegriff stört mich schon lange - nicht nur in Zoos. Sowohl zoogeografisch als auch erdgeschichtlich ist Südamerika etwa ganz Eigenes, und das sollte man auch thematisch entsprechend würdigen. Wenn eine schmale Landbrücke (= Mittelamerika) ausreicht, um Amerika als Doppelkontinent zu definieren, dann müsste Afrika auch zu Asien gehören (oder umgekehrt)... Europa dagegen ist eigentlich nicht mal ein eigener Kontinent, sondern nur ein Teil der eurasischen Landmasse. Das spiegelt sich ja auch deutlich in der Tierwelt wider. (03.09.2007, 18:44) | ||
| Zooinsider: | Hallo Leute hier ist der Zooinsider mit seinem ersten eigenen Thread. Was würdet Ihr bei der Geozoogestaltung bevorzugen? Eurasien oder Europa und Asien. Dann noch Amerika oder Süd-und Nordamerika? (03.09.2007, 17:07) |
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