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Ertrinkende Menschenaffen und dies ermöglichende Anlagen



Michael Mettler:   Zur Gewöhnung von Menschenaffen an Wasser: In Heft 4/2007 der "Zeitschrift des Kölner Zoo" wird u.a. über Westliche Flachlandgorillas in der VR Kongo berichtet. Mit einer Fotoserie ist dokumentiert, wie ein Gorillaweibchen einen "Spazierstock" benutzt, um beim Durchwaten eines Teiches vorab die Wassertiefe zu testen. Zudem wird erwähnt, dass Silberrücken unter den dortigen Verhältnissen ein spezielles Imponierverhalten zeigen, "indem sie in tiefes Wasser springen und dabei mit einer Hand oder beiden Händen auf die Wasseroberfläche schlagen und so eine beeindruckende Welle vor sich her schlagen".
(01.03.2008, 11:05)
Ulli:   @Michael Mettler:
Genaues weiß ich auch nicht, nur hat der gute Otti es trotz Wassergraben geschafft. Angeblich hat er schwimmen gelernt - eine Insellösung für ihn ist nicht mehr tolerierbar.Man kann mit Fug und Recht behaupten, er habe einen gewissen Killerinstinkt. Jedenfalls hat er mehrfach Besucher attakiert und er wurde mehrfach in dem Eingangsbereich des Urwaldhauses zwischen den beiden Türen eingeschlossen und dann eingefangen.

Otti hat ein sehr gutes Erinnerungsvermögen. Meine Frau hatte vor Jahren während eines Praktikums unliebsame Erfahrung mit Otti gemacht und wurde von ihm gebissen. Nichts desto trotz begrüßt er sie noch heute sehr intensiv.
(22.10.2007, 13:05)
Michael Mettler:   @Ulli: Die Vorfälle mit dem Gibbon Otti passierten in Hannover zu einer Zeit, wo ich den Zoo nicht gerade intensiv verfolgte. Weißt du, wie sich das entwickelt hatte? Ich hatte nämlich immer geglaubt, er sei über den Graben gesprungen (z.B. in einen Nachbarbaum hinein) - hat er sich selbst das Schwimmen beigebracht, oder ist er durch den Graben gewatet?
(22.10.2007, 12:28)
IP66:   Vielleicht liegen die Dinge auch umgekehrt: Da Menschenaffen sehr viele Dinge erlernen, gibt es keine angeborene Wasserscheu, sondern eine Art Erkundungsverhalten, ob es sich nun um die fast überall vorhandenen Kleinbecken handelt oder um Wassergräben. Wenn selbst Klamemraffen sich zunächst über Jahre vor dem Wasser fürchten, um dann von einem besonders forschungsfreudigen Exemplar zu lernen, daß da wenig zu fürchten ist, zeigt, wie Primaten Lebensräume erkunden. Zumindest der münchner Fall spricht dafür, daß die Gefahr entsteht, wenn das fremde Element in einer Paniksituation erfahren wird und nicht erkundet werden kann. Zudem mag mancher Menschenaffen als Handaufzucht wenig Erfahrung mit großen Wasserflächen gemacht haben, es sei denn, seine Ersatzeltern hätten das Tier mit ins Freibad genommen.
(22.10.2007, 11:22)
Ulli:   Menschenaffen können wie Menschen auch nachweislich von Haus aus nicht schwimmen.

Menschenaffen „waten“ durch das Wasser – also können sie dort stehen !

Das Wasser perlt bei Regen (sprich auch im Regenwald) an den Tieren ab, auch Menschen trocknen nach einem Regenschauer sehr schnell!

Kaum jemand legt mit kleinen Kindern Gartenteiche an, weil sie zu gefährlich sind – warum um Alles in der Welt macht man dies bei Menschenaffen (auch mit kleinen Kindern).

Wenn man die Geschichte mit Artie im Zoo Hannover Revue passieren lässt – so ist Artie tatsächlich wie ein nasser Sack untergegangen.

Es ist mir bis heute nicht ersichtlich, warum sich an eben jener Stelle am Gorillaberg immer noch ein Wassergraben befindet. Den Graben dort kann man hinreichend tief absenken und man kann vermeiden, dass tragfähige Baumstämme lose im Gehege herumliegen. Gegen den kleinen Bachlauf habe ich wenig bis gar nichts (auch in Pfützen könnte man theoretisch ertrinken) einzuwenden, dieser könnte genauso gut im Boden versickern oder aber (falls man den Gorillaberg anders gebaut hätte) außerhalb des Gorillageheges in einen kleinen Teich münden.

Ich finde Wassergräben als Begrenzung an Menschenaffenanlagen schlichtweg unsinnig – mit entsprechenden Trockengräben, großen Sichtfenstern sowie mit Aussichtsplattformen kann man den Blick auf die Menschenaffen ähnlich besucherfreundlich gestalten – Trockengräben haben überdies den Vorteil eines nutzbaren Raumes sowie der Unterdrückung von Sichtkontakten untereinander oder gegenüber der Besucher.

Also beendet den Unfug mit den Wassergräben als Absperrung !!!!!

Wasserumgebene Gibboninseln finde ich genauso problematisch – die Wassergräben dienen einzig der Sichtfreude der Besucher. In vielen Gibbonanlagen ist der für die Tiere uninteressante und gefährliche (!) Wassergraben oft um ein Mehrfaches größer als die Nutzfläche der Gibbons. Die Gestaltung in Osnabrück mit den Gittern sowie den zwei großen Scheiben finde ich persönlich die bessere Unterbringungsmethode für Gibbons.

Außerdem kann der schwimmfähige „Otti“ so nicht mehr ausbrechen und Tierpfleger oder ahnungslose Omis überfallen.
(22.10.2007, 11:21)
Michael Mettler:   Das (Pseudo-?)Argument mit dem sich vollsaugenden Fell ist neu für mich. Da Menschenaffen fast ausschließlich in REGENwäldern leben, müssten sie demnach zeitlebens als riesige Schwämme durch die Gegend wandern - was zumindest die hohen Gewichte von Berggorillas erklären würde :-)

Wasserscheu i.e.S. können Menschenaffen ohnehin nicht sein, schließlich plantschen sie ja auch mit in Wannen usw. gebotenem Wasser herum. Allerdings ist solches Wasser klar und der Boden darunter erkennbar (wie auch an einem flachen Sandstrand wie in der "Abenteuer Zoo"-Folge) - vielleicht haben die Affen eher Angst bzw. Respekt, wenn sie den Grund des Gewässers nicht sehen können? Auch viele (die meisten?) Menschen haben Hemmungen, z.B. auf offener See ins Wasser zu springen - man weiß ja nie, was da im Dunkel lauert... Da es in einigen Lebensräumen der Menschenaffen Krokodile gibt, wäre eine Abneigung gegen "unübersichtliches" Wasser erklärlich. Und mal ganz vermenschlicht gesagt: Würde Unsereiner wirklich einen klaren Kopf behalten und unverzüglich zur Rettung schreiten, wenn ein Mitmensch von einem Angst erzeugenden Medium "verschlungen" würde, oder säßen nicht auch wir wie das berühmte Kaninchen vor der Schlange...?

Durch Gewöhnung können übrigens auch andere Affenarten ihren Respekt vor Gewässern verlieren; die letzten Klammeraffen des hannoverschen Zoos mussten nach vielen Jahren problemloser Haltung von der damaligen Gibboninsel entfernt werden, nachdem ein Tier der Gruppe herausgefunden hatte, dass das Wasser auch für Klammeraffen flach genug zum Hindurchwaten war. Lernen durch Beobachtung des Pflegers?
(21.10.2007, 22:08)
Shensi-Takin:   Ich glaube mich erinnern zu können, dass in "A Different Nature" von David Hancocks sowohl von einem Gorilla die Rede war, der sich ans Ufer retten konnte, als auch von einem Exemplar, das es offenbar genoss zu plantschen.
Dass Schimpansen & Gorillas durchaus (u.a. mit Hilfe von Ästen) in Freiland durch Gewässer waten können, ist fotografisch ja bereits dokumentiert worden; s.a. die Abenteuer Zoo-Doku über die Schimpansenauswilderung in Uganda mit im seichten Wasser tollenden Schimpansenkinder sei des weiteren erwähnt. Der oft genannten Grund der Wasserscheu von Menschenaffen, demzufolge das Fell sich zu schnell mit Wasser vollsöge, leuchtet in Hinblick auf den z.T. recht wasserreichen Lebensraumen bestimmter Populationen nicht wirklich ein. Gibt es eigentlich Berichte von Menschenaffen, die unter anderen Bedingungen (z.B. Zirkusse) ertranken?

Dass die Muttertiere/Artgenossen ertrinkenden Jungtieren/Gefährten nicht zu helfen wissen, könnte zum einen auf eine hohe angeborene Wasserscheue deuten-oder darauf, dass derlei Situationen im Freiland nicht vorkommen.
(21.10.2007, 21:34)
IP66:   Interesseant scheint mir, daß die epochemachende frankfurter Gorillaanlage eine Art Notlösung vorstellt und daß es offenbar Möglichkeiten gibt, Menschenaffen an Wasser zu gewöhnen, ohne daß dies häufig praktiziert wurde, wohl auch nicht in einem Forschungszentrum wie Leipzig. Ich frage mich noch immer, ob die Gorillahalltung die Gestaltung neuer Menschenaffenhäuser geprägt hat, allerdings scheint mir die Idee einer wasserumgebenen Großanlage als eine Beispiel, an dem sich ablesen läßt, wie stark ästhetische Vorstellungen und wie wenig die Bedürfnisse einer Tierart die Gestaltung einer Anlage bestimmt.
(21.10.2007, 18:58)
Ralf Sommerlad:   ..sagen wir: Nicht ganz vollständigen...
(21.10.2007, 10:53)
Michael Mettler:   Dann hätten wir also ein neues Beispiel für einen nicht ganz ehrlichen Jahresbericht...
(20.10.2007, 22:02)
Ralf Sommerlad:   Der Wassergraben war damals von einer dünnen Eisschicht überzogen, ich erinnere mich gut.Ob Abraham diese betreten wollte ( woran ich zweifle) oder daran herumkratzte und das Gleichgewicht verlor, wird wohl ungeklärt bleiben.Jedenfalls fiel er in den eisigen Wassergraben. Nach diesem Unfall wurde dann die Freianlage nicht mehr für die Gorillas geöffnet, sondern den Schimpansen zur Verfügung gestellt, mit dem bekannten Resultat 1 Jahr später. Nachdem Unfall von Uschi und den Jungtieren blieb die Anlage bis zum Bau der Glaswand geschlossen.
(20.10.2007, 21:11)
Michael Mettler:   Nach Blick in die Frankfurter Jahresberichte: Dass der Gorilla Abraham im Jahr nach der Eröffnung der Freianlage dem Wassergraben zum Opfer fiel, ist dort mit keinem Wort erwähnt. Laut entsprechendem JB starb er am 5. Januar 1967 unerwartet an einem Herzschlag (den er natürlich gehabt haben kann, weil er in eisig kaltes Wasser fiel). Der Unfall der Schimpansin Uschi und ihrer Kinder (1 und 6 Jahre alt) ereignete sich 1968. Ende 1969 begannen die Bauarbeiten, im Zuge derer statt des Wassergrabens eine Panzerglaswand errichtet wurde.

Im Buch "Grzimek unter Afrikas Tieren" erwähnt Grzimek im Gorilla-Kapitel mit einem Satz, dass schon mehrere Gorillas in Zoos in Wassergräben ertrunken seien - jedoch nicht, dass das auch schon in SEINEM Zoo passiert war...
(19.10.2007, 22:34)
Michael Mettler:   Vom New Yorker Makoko heißt es, dass er ähnlich wie Artie in Hannover auf dem Grabenrand balancierte und dabei den Halt verlor. Das wären also zwei Unfälle im eigentlichen Sinn und eine ganz andere Situation als im Fall des nunmehr verunglückten Münchener Schimpansen, denn der wird ja wohl kaum versehentlich über den Elektrozaun gesprungen sein. Über die Umstände in Antwerpen weiß ich nichts, über die Frankfurter Unfälle müsste sich eigentlich etwas in den Jahresberichten finden lassen - ich schaue mal nach.

Wenn wir das Artenspektrum auch auf die Kleinen Menschenaffen ausdehnen, dann sind bisher mit Sicherheit mehr Gibbons als Große Menschenaffen ertrunken. Bei meinen Gibbon-Recherchen für den betreffenden Thread stieß ich jedenfalls nicht gerade selten auf diese Todesursache. In diesem Zusammenhang ist etwas bemerkenswert, das ebenfalls Crandall in seinem Buch (erschienen 1966) über New Yorker Zootiere schildert. Im Bronx Zoo wurden Weißhandgibbons auf einer 50 m langen und 25 m breiten Insel gehalten; von solchen Platzverhältnissen können hiesige Gibbons nur träumen. Dennoch geschah es auch hier, dass ein etwa einjähriger Junggibbon einen Zweig verfehlte und nur einen Meter vom Inselufer entfernt in 60 cm tiefes Wasser fiel. Im Gegensatz zum Gorillamann strampelte der Gibbon zwar, konnte sich aber dennoch nicht über Wasser halten, und der von Besuchern gerufene Pfleger kam zu spät. Besonders bemerkenswert dabei finde ich, dass die Mutter des Junggibbons den Vorfall vom Ufer aus beobachtete, aber keinen Finger rührte, um ihrem Nachwuchs zu helfen - als wenn sie durch die Situation ebenso überfordert war wie das Opfer.
(19.10.2007, 22:08)
Ralf Sommerlad:   Der Gorillamann "Abraham" in Frankfurt, noch vort der Schimpansin "Uschi" und ihren 2 Kindern.
(19.10.2007, 21:31)
Michael Mettler:   Zur Ergänzung: Der voll erwachsene New Yorker Gorillamann Makoko ertrank am 13. Mai 1951 in einem 1,8 Meter tiefen Wassergraben. Das heißt, er wäre eventuell in der Lage gewesen, bei aufrechtem Stehen Mund und Nase über Wasser zu halten. Aber er machte keinerlei Versuche, zu schwimmen oder sich an den "zur Sicherheit" angebrachten Stahlseilen festzuhalten, sondern ging augenblicklich unter. Nachzulesen bei Lee S. Crandall, "Im Zoo daheim". Als Beleg für eine erfolgreiche Gewöhnung an Wasser nennt Crandall darin einen Gorilla namens Phil in St. Louis, der nach allmählicher Gewöhnung schließlich in bis zu 1,2 Meter tiefes Wasser sprang (!) und sich dort hinsetzte, so dass er sich bis zum Hals im Wasser befand.

Auch ein junger Orang ging in New York in nur 1 Meter tiefem Wasser unter, konnte aber umgehend gerettet werden. Das junge Weibchen hatte ebenfalls keinerlei Versuch gemacht, sich über Wasser zu halten oder gar zu retten, sondern krabbelte unter Wasser am Boden des Grabens umher!
(19.10.2007, 20:12)
Michael Mettler:   Die letzte Frage ist am leichtesten zu beantworten: Weil es für Besucher schöner aussieht und dieser unsere nächsten Verwandten noch viel weniger als andere Tiere hinter Gittern sehen will.

Ich weiß nicht, ob es der erste Fall war, aber der früheste mir bekannte in einem Gehegegraben ertrunkene Menschenaffe war ein Gorillamann in New York. Das müsste in den 50ern/60ern gewesen sein, und meines Wissens vor Publikum. Ansonsten wüsste ich spontan von:

- einem Östlichen Flachlandgorillamann in Antwerpen, weshalb die dortigen Freianlagen später zu verglasten Gehegen umgebaut wurden

- drei Schimpansen in Frankfurt, die Außenanlage hatte damals noch einen Wassergraben; m.W. unbeobachtet und dahingehend rekonstruiert, dass eine Schimpansin mit Brustkind ihrem älteren Kind zur Hilfe hinterhersprang, das ins Wasser gefallen war

- dem Westlichen Flachlandgorillamann Artie (Artis) in Hannover; laut Zeugen verlor er auf der damals steilen Grabenkante den Halt; der Graben wurde danach "entschärft" (was aber nicht heißt, dass er nicht doch noch ein Risiko birgt)

Fairerweise sollte man aber auch sagen, dass die Unfallquote angesichts der Mengen von Menschenaffen, die weltweit mit Wassergräben oder Teichen konfrontiert sind, wahrscheinlich sehr niedrig ist; aufgrund der "Prominenz" von Menschenaffen wird allerdings um jeden Fall viel Wirbel gemacht (Ähnliches gilt für Trockengrabenstürze bei Elefanten). Im selben Zeitraum dürften weltweit unzählige Huftiere an Gehegezäunen verunfallt sein, ohne dass deswegen jemand die Haltung von Huftieren hinter Zäunen generell in Frage stellen würde.
(19.10.2007, 18:54)
IP66:   Die Diskussion um den münchner plötzlichen Schimpansentod durch Ertrinken hat den Hellabrunn-Thread ein wenig verstopft - deshalb hier ein neuer Anfang.
Drei Fragenkomplexe scheinen mir Interesse zu beanspruchen:
Seit wann gibt es Freianlagen für Menschenaffen und ab wann gab es dort wo die ersten Fälle von Ertrinken im Wassergraben?
Ist es möglich, daß eine Vertrautheit mit Wasserbecken, entweder durch besonders kleine Anlagen oder ein besonderes Training diese Gefahr verringern kann?
Weshalb sind in jüngerer Zeit noch Großanlagen mit gefärhlichen Wassergräben entstanden?
(19.10.2007, 18:30)

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