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Andreas Hg.:
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Ich war am Samstag im Gifttierhaus Eimsheim. Es handelt sich um eine wirklich winzige, vereinsgetragene Einrichtung von 100 m², die aus einem Gang um zwei Ecken, d.h. drei kleine Räume mit Terrarien auf beiden Seiten, besteht, aber gerade für Giftschlangenenthusiasten einen Besuch absolut wert ist. Die Sammlung ist mit allen vier Mamba-Arten in fünf Formen (Jamesons Mamba ist in beiden Unterarten vertreten), einer 3,70 m messenden Königskobra (die ausschließlich mit toten Schlangen befreundeter Terrarianer gefüttert wird und aus Indonesien stammt - was für die zu erwartende Aufteilung in mehrere Arten interessant sein könnte; der exakte Fangplatz des Exemplars lässt sich jedoch nicht zurückverfolgen), Inland- und Neuguinea-Taipan, der erst 2003 entdeckten Nubischen Speikobra usw. wahrlich beeindruckend. Daneben gibt es noch diverse Froschlurche, Spinnen, Skorpione und einen Skolopender. Positiv fällt neben dem hervorragenden Gesundheitszustand und der Ausgeglichenheit aller Tiere (keine Verwendung von Schlupfboxen bei Giftschlangen, daher gute Gewöhnung an Besucher) die Geräumigkeit der Terrarien im Verhältnis zur Größe der Bewohner auf. Auch habe ich selten zuvor so viele aktive Giftschlangen in einem Zoo gesehen, was daran liegt, dass die Tiere hier gefüttert werden, wenn sie hungrig sind, und nicht wie sonst üblich zu festen Uhrzeiten. Ich habe mich stundenlang mit dem 1. Vorsitzenden Herrn Steige, ein sehr kompetenter und auskunftsfreudiger junger Mann, unterhalten können und dabei allerhand über die schwierige Entstehungsgeschichte des Hauses (das übrigens ein umgebauter Kuhstall ist) mit allen nur erdenklichen bürokratischen und politischen Hürden erfahren, das war höchst interessant... Die China-Alligatoren sind übrigens nicht wirklich Teil der Ausstellung, sondern werden einige Meter neben dem Haus im Freien gehalten, interessierten Besuchern aber dennoch gezeigt; er hat sie auch eher "zufällig" bekommen. Momentan sind sie aber schon eingewintert. Die bei www.zoo-infos.de noch als Besonderheiten erwähnten Papua-Neuguinea-Kleinaugenschlangen und Mangshan-Vipern (auf der HP www.gifttierhaus.de auch beide noch abgebildet) sind leider auch nicht zu sehen; erstere sind verstorben und die Vipern hält er privat zuhause. Das tut dem durchgehend positiven Gesamteindruck aber keinen Abbruch.
Einen Besuch kann ich vorbehaltlos empfehlen. Dazu ist dieses Jahr allerdings nur noch dreimal Zeit, bis zum 24.11., denn das Haus hat nur samstags geöffnet, es sei denn man macht eine Gruppenführung mit (nur nach vorheriger Terminabsprache). Danach ist Winterpause, welche mit möglichem hohem Schneefall, der auswärtige (Fach)besucher abschreckt, begründet wird. Apropos Erreichbarkeit: Diese 600-Seelen-Weinbaugemeinde wird ausgerechnet am Wochenende überhaupt nicht von der Deutschen Bahn angefahren...
Der Eintritt beträgt fünf Euro, was aber angesichts der Exklusivität vieler Arten und der Vereinssituation sicher angemessen ist.
Anbei ein Foto der Vergesellschaftung von Boomslang und Blattgrüner Mamba.
Bei Interesse kann ich hier auch den kompletten Schlangenbestand (wissenschaftliche Namen) in der Reihenfolge des Rundgangs auflisten. (04.11.2007, 03:47)
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