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Tropische Zootiere im Winter



Shensi-Takin:   @MM: ...und ich hatte extra noch ueberlegt, "tropische" einzuklammern...;)
(10.02.2009, 17:29)
Michael Mettler:   Die unterschiedliche Feuchtigkeit von Kälte ist nicht nur für Tropentiere von Belang. Ich erinnere mich an eine Schilderung aus Springe, wohin man Wisente aus Osteuropa importiert hatte, die erhebliche Probleme gehabt haben sollen, sich an den feuchten norddeutschen Winter anzupassen.
(10.02.2009, 17:25)
Shensi-Takin:   @Oliver Jahn: Schon klar-deswegen habe ich das ";)" angefuegt. "Trockene" Tage ist das Stichwort; v.a. feuchte Kaelte macht den tropischen Tieren (und uns Menschen) zu schaffen. Das ist auch in Hinblick auf genannte Moskauer Loewen von Bedeutung.
(10.02.2009, 16:05)
Oliver Jahn:   @Shensi-Takin, bei den Hochebenen Afrikas handelt es sich in dem Artikel eher um eine beispielhafte Nennung, als um eine abschließende Aufzählung.

In Magedeburg sah ich die Flusspferde früher trotz beheiztem Becken im Winter nie draußen, Spitzmaulnashörner und Elefanten in beiden Arten hingegen schon, allerdings nur an kalten, aber trockenen Tagen.
(10.02.2009, 15:49)
krümmel:   @IP66:
War es denn ein Beitrag, der (im Gegensatz zu Ihren letzten sechs Einträgen) zum Thema passte?
(10.02.2009, 15:02)
IP66:   Meiner auch! Ob man unsere Beiträge nicht mehr haben will ...
(10.02.2009, 14:10)
Shensi-Takin:   Nanu, mein Beitrag ist weg...

@Oliver Jahn: Der Wink mit dem Zaunpfahl wurde verstanden-darum nur diese kurze Erwiderung:
@ IP66: Ihre fortwaehrende Herbeibemuehung der "Metaphysik" erschliesst sich mir nicht. Erwaehnte potentielle, bislang unbekannte Mechanismen duerften sich mEn im Bereich des (An)Erkannten, sprich Naturwissenschaften, finden lassen-und dann eher im Bereich der Biochemie/Molekularbiologie als in der Physik (allen Wortspielen zum Trotz).
Im Grunde ist jedliches "Artensystem" in der einen oder anderen Weise unzureichend-da man eine sich fortwaehrend wandelnde, flexible und vielschichtige natuerliche Dynamik nur schwer in ein starres begrenztes System pressen kann.

Zu den Hochebenen Afrikas: wikipedia listet da 3 Bspe.-und nicht alle winterharten afrikanischen Tiere in europaeischen Zoos duerften aus diesen Gegenden kommen, oder? ;)
(10.02.2009, 14:03)
Oliver Jahn:   Vielleicht wäre dieses Thema ja einen eigenen Thread wert.
Zu eigentlichen Thema habe ich noch einen interessanten Artikel in den Mitteilungen des Zoo Halle von 1931 gefunden. "Heute weiß man, dass die Hochebenen Afrikas in der Nacht sehr niedrige Temperaturen aufweisen und dass Tiere, die dorther stammen, sich durchaus an unser Klima anpassen können. Daher sieht man Antilopen, Strauße, Zebras und vieles andere, selbst die Flamingos bei Schnee und Eis im Freien...ja selbst Tiere, die aus dem tropischen Indien stammen, wie unsere prachtvolle Muntjakherde können sich akklimatisieren. Sogar den Polarwinter 1928/29 haben diese zierlichen Hirsche ohne Schaden im Freien überstanden."


(10.02.2009, 09:10)
IP66:   Da sind wir uns ja über das grundlegende Problem der Darwin'schen Evolution einig: obgleich es ein ideengeschichtlich genialer Schritt war, die bekannten zufälligen Mutationen mit der Entstehung der Arten kausal in Verbindung zu bringen, scheint auch mir diese Überlegung als "Weltformel" oder Welterklärung eher ungeeignet.
Allerdings scheint mir ihre Überlegung, die "unbekannte" Kräfte bemüht, da auch ein wenig problematisch, vielleicht sogar metaphysisch insofern, als sie ja Ziel- oder Bewegungsursachen außerhalb des naturwissenschaftlich Erkannten (=Physik) bemüht. Gemäß einer vorsokratischen Überlegung müßte ihre originelle Form der Ferrari-Produktion sogar möglich sein, wenn man die fraglichen Bestandteile nur oft genug die Treppe hinunterwirft.
Die andere, gleichsam praktische Seite der Medaille spiegelt sich aber doch in unserem Artensystem, dessen auf Konstanz beruhende Grundlagen letztlich in evolutionäre Stammbäume umgedeutet wurden. Doch bewirkt die Inkonstanz der Arten - man denke nur an die Herrschaften, die ein Tigerunterartengen entdeckt zu haben glauben - eben erklärungsbedürftige Probleme, und ich würde diese doch lieber auf einer darwinistischen als auf einer metaphysischen Ebene erklärt wissen wollen.
(09.02.2009, 17:36)
IP66:   Da sind wir uns ja über das grundlegende Problem der Darwin'schen Evolution einig: obgleich es ein ideengeschichtlich genialer Schritt war, die bekannten zufälligen Mutationen mit der Entstehung der Arten kausal in Verbindung zu bringen, scheint auch mir diese Überlegung als "Weltformel" oder Welterklärung eher ungeeignet.
Allerdings scheint mir ihre Überlegung, die "unbekannte" Kräfte bemüht, da auch ein wenig problematisch, vielleicht sogar metaphysisch insofern, als sie ja Ziel- oder Bewegungsursachen außerhalb des naturwissenschaftlich Erkannten (=Physik) bemüht. Gemäß einer vorsokratischen Überlegung müßte ihre originelle Form der Ferrari-Produktion sogar möglich sein, wenn man die fraglichen Bestandteile nur oft genug die Treppe hinunterwirft.
Die andere, gleichsam praktische Seite der Medaille spiegelt sich aber doch in unserem Artensystem, dessen auf Konstanz beruhende Grundlagen letztlich in evolutionäre Stammbäume umgedeutet wurden. Doch bewirkt die Inkonstanz der Arten - man denke nur an die Herrschaften, die ein Tigerunterartengen entdeckt zu haben glauben - eben erklärungsbedürftige Probleme, und ich würde diese doch lieber auf einer darwinistischen als auf einer metaphysischen Ebene erklärt wissen wollen.
(09.02.2009, 17:31)
Shensi-Takin:   @IP66: "schöpfungsplanorientiert"? Gewiss nicht-s.a. ' "Gefaehrlich" wird's nur, wenn derlei im Sinne der ID-Anhaenger umgedeutet wird...'

Wenn man davon ausgeht, dass Lorenzinische Ampullen, der Schwaenzeltanz der Honigbienen oder die EAP-Sekretion bei sauegenden Pferdestuten in ihrer jetzigen Form nicht durch eine Aneinanderkettung von Zufaellen entstanden sind, sondern sich zielorientiert als bestmoeglichste Adaptation fuer Sinn & Zweck entwickelt haben und noch flexibel weiterentwickeln, so muss dies nicht zwangslaeufig Darwin/Wallace widersprechen. Vielmehr stellt sich die Frage, welche bisher noch nicht genauer bestimmten Mechanismen da eine Rolle spielen koennte, und wie man das feststellen koennte. Den "Zufall" oder am besten gleich "Karma" als Erklaerung zu akzeptieren, ist mir zu einfallslos und fatalistisch-und in gewisser Weise eher "metaphysisch"...;)
(09.02.2009, 11:43)
IP66:   Ihre Überlegungen hinsichtlich einer zielgeführten Artenentstehung oder eines gar schöpfungsplanorientierten Naturverständnisses wurden und werden ja vielenorts geteilt.
Ideengeschichtlich scheint mir ein solches Naturverständnis jedoch den Darwin'schen Überlegungen zur Evolution zu widersprechen - und wenn ich mir die Maximen von Zuchtprogrammen oder gar genetischer Unterartendefinition ansehe, so gründen zumindest die dortigen Erkläungen auf darwinistischer Grundlage.
(09.02.2009, 09:54)
Shensi-Takin:   @IP66: "Metaphysisch" scheint mir eher die Vorstellung zu sein, komplexe biologische Systeme haetten sich nur durch Zufall ergeben. Das waere ungefaehr so, um ein altbekanntes Bsp. zu zitieren, als ob man Metallschrott eine Rolltreppe hinunterwirft und am Treppenende stuende dann ein funkelnagelneuer, funktionstuechtiger Ferrari...
Unter Laborbedingungen gibt es bereits Nachweise fuer adaptive Mutagenese, z.B. bei Fruchtfliegen-was nicht heissen muss, dass nicht "zufaellige" Mutagenese existiert. Man sollte nur nicht vorschnell alle Moeglichkeiten negieren...
(08.02.2009, 18:32)
IP66:   Das Problem liegt darin, daß in der Unterscheidung zwischen zufälliger Mutation und deren durch die Umstände bedingten Förderung oder Beseitigung letztlich der einzige wichtige ideengeschichtliche Mehrwert der Theorie lag. Wenn man die aufgibt, wie das in der Tat bei einigen Naturwissenschaftlern der Fall ist, landet man bei einem eher frühaufklärerischen Evolutionsverständnis. Der Nachteil von dergleichen Positionen liegt darin, daß ihnen jene Möglichkeit zur Falsifizierung fehlt, die der Darwin'schen Theorie zumindest in überschaubaren Bereichen innewohnt, so daß ich die fraglichen Erklärungen eher als metaphysische Glaubensbekenntnisse verstehe.
(06.02.2009, 18:46)
Shensi-Takin:   @IP66: "Die" Erklaerung der Welt hat bislang keiner liefern koennen.;) Eine Entwicklung der Organismen mit der moeglichst optimalen Adaptation an die jeweilige Umwelt als Ziel beseitigt oder widerspricht der Evolutionstheorie nach Darwin & Wallace (bzw. den daraus abgeleiteten Theorien & Ueberlegungen) nicht, ganz im Gegenteil. "Gefaehrlich" wird's nur, wenn derlei im Sinne der ID-Anhaenger umgedeutet wird...
(06.02.2009, 14:21)
IP66:   Von den fraglichen Theorien habe ich auch schon gehört. Ich würde aber behaupten, daß sie den Wallace-Darwin'schen Theorienkomplex nicht ergänzen, sondern beseitigen und als eine Art Welterklärungsversuch weniger überzeugend wirken.
(06.02.2009, 13:59)
Shensi-Takin:   @IP66: Nicht unbedingt-u.a. auch, wenn man Wallaces Vorstellung der natuerlichen Selektion als einem "Rueckkopplungsmechanismus" in Hinblick auf die Umwelt aufgreift:
http://www.wku.edu/~smithch/wallace/S043.htm

Eine zielgerichtete Entwicklung wuerde indes auch mehr Sinn hinsichtlich Entstehung komplexerer Koerperteile/-funktionen und Verhaltensweisen machen. S.a.
Simon Conway Morris: "Life''s Solution - Inevitable Humans in a Lonely Universe" (auch wenn ich ihm in mancherlei Aspekten nicht ganz zustimme).
(06.02.2009, 11:25)
IP66:   Daß Herr Wallace regelmäßig zu kurz kommt, wenn vom Darwinismus die Rede ist, scheint mir auch problematisch.
Die fragliche Theorie - und mir ihr ein Gutteil der derzeit verwandten Taxonomie - geräte allerdings aus den Fugen, wenn man den Ausgangsmutationen ihren zufälligen Charakter abspricht.
(06.02.2009, 11:13)
Shensi-Takin:   @Onca: Wir vielleicht nicht, aber wer weiss, wie haarig z.B. Neandertaler waren? Anscheinend war die adaptive Bekleidung mit Fell (bzw. Jack Wolfskin Jacken) ausreichend, um die Auspraegung eines dichteren Haarkleides bei unseren unmittelbaren Vorfahren und uns in noerdlicheren Breiten nicht zur Bedingung zu machen.
@IP66: Ob die Mutation "zufaellig" geschieht, ist ja heute ein heissumstrittener Punkt. Was "Ideen Herrn Darwins" angeht: ich find's ja ungerecht, dass der arme Herr Wallace hierbei immer voellig uebergangen wird...;)
(05.02.2009, 13:51)
Onca:   ich sagte auch es erinnert mich daran.
Aber was heißt Anpassungsfähigkeit? Alles was mit Wachstum von dichterem Fell zu tun hat und ähnlichen Sachen, abgesehen von Anpassung des Kreislaufsystems und Stoffwechsels (kennt der Mensch durch Sauna und Eisbäder), hat einen genetischen Urpsrung. Denn das Wachstum der Haare benötigt Hormone die wiederum entsprechende Proteine zur Aktivierung brauchen. Diese werden wiederum durch Ablesung der DNA gebildet (vereinfacht gesehen).
Aber da frag ich mich eins. Wieso schaffen es diese Tiere sich so anzupassen und der Mensch nicht? Wir kriegen kein dichteres Haarkleid, wenn wir von Südeuropa in den Polarkreis ziehen.
(05.02.2009, 13:13)
IP66:   Ich würde dergleichen Winteranpassungen nicht als Ausprägung der Evolution gemäß den Ideen Herrn Darwins ansehen wollen. Hier braucht es doch die zufällige Mutation und die sich daraus ergebende Auslese innerhalb der nächsten Generationen. Ich würde hier eher von Anpassungsfähigkeit sprechen wollen, wie sie die Haltung der meisten Tiere in zoologischen Gärten überhaupt erst ermöglicht.
(05.02.2009, 10:07)
Onca:   die Diskussion über die Schnelligkeit der Anpassung, bzw Anpassung innerhalb von 1-3 Jahren, erinnert mich an einen kürzlich erst gelesenen Artikel.
Hier wird erklärt, dass bei bestimmten Arten innerhalb von wenigen Jahren die Evolution beobachtet werden kann. Im Grunde sind diese Zoobeobachtungen auch ein Hinweis darauf.
Also hier mal der Artikel.
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,604020,00.html
(04.02.2009, 23:51)
Michael Mettler:   Übrigens: Bei Standortwechseln von der Nord- zur Südhalbkugel und umgekehrt müsste man natürlich in Sachen Anpassung noch einkalkulieren, dass sich die Tiere ja auf einen neuen jahreszeitlichen Ablauf einstellen müssen - was sowohl auf die hannoverschen Kaamas als auch auf den aus Australien importierten Münsterschen Leoparden zuträfe.
(04.02.2009, 17:13)
Michael Mettler:   Vielleicht müsste man das "kälteliebend" eher durch "Kälte aushaltend" ersetzen... Nachdem ich kürzlich Malaiische Tiger mit viel Spaß im Schnee habe spielen sehen, müsste ich die ja sonst auch als "kälteliebend" einordnen :-)
(04.02.2009, 16:52)
Klaus Schüling:   Nordpersische Leoparde gelten ja als "kälteliebende Katzen". In Münster haben vor Jahren Importtiere aus Forida und Australien (nur) in ihrem ersten Winter ziemlich gefroren - danach hatten sie sich akklimatisiert...
(04.02.2009, 16:47)
Michael Mettler:   @Anti-Erdmännchen: genau das war das Prinzip dieser recht kleinen Ställe. Ob die wohl heute noch den Haltungsrichtlinien entsprächen...?

@Shensi-Takin: Unsere beiden Faktoren gehen im Prinzip Hand in Hand. Ohne "Anlagen" keine Anpassung, auch nicht an das Klima des (heutigen) Herkunftslandes. Wer damit nicht zurechtkam, als er in das Land einwanderte oder sich in seiner damaligen Heimat das Klima änderte, der stand quasi vor der Wahl: Anpassen, abwandern oder aussterben.
(04.02.2009, 15:30)
Shensi-Takin:   @kruemmel: Inwieweit "Erfolg"?
Manchen der Akklimatisationsvereinen des 19. Jhds. ist als zweifelhafter Erfolg die Verbreitung verschiedenster, nicht unbedingt immer nuetzlicher Neozoen zu verdanken...
http://www.teara.govt.nz/1966/A/AcclimatisationOfAnimals/AcclimatisationSocietiesAndTheirActivities/en
Was Carl Hagenbeck angeht-s. seine Bemerkungen in seinem Buch 'Von Tieren und Menschen'. Er glaubte, eine hoehere Vitalitaet und Widerstandsfaehigkeit bei derart "extensiv" gehaltenen Tieren im Vergleich zu reinen "Stubenhockern" beobachtet zu haben.
@MM: Ich wuerde nicht mal eine schlummernde Eiszeit-Vergangenheit dafuer verantwortlich machen, sondern eine unterschiedlich ausgepraegte Adaptationsfaehigkeit, gefoerdert durch klimatische Unterschiede im Herkunftsland. Dementsprechend ist ein Bewohner immergruener aequatorialer Regenwaelder wie das Okapi hinsichtlich Kaelte empfindlicher als z.B. die Elenantilope, die sich in ihrem natuerlichen Verbreitungsgebiet auch mal mit Schnee und kaelteren Naechten konfrontiert sieht. Aehnliches duerfte fuer Rot-bzw. Kaffernbueffel (der mW sogar im (sub)alpinen Bereich des Kilimandscharos gesichtet wird) gelten.
Anti-Erdmännchens Hinweis ob ungewolltem Ausselektieren zimperlicherer Naturen ist so falsch nicht, aber v.a. in neuerer Zeit duerfte MM hinsichtlich vorgebeugter Auslese in Zoos recht haben.
(04.02.2009, 14:10)
Anti-Erdmännchen:   Noch zu den unbeheizten Kaffernbüffel- und Rotbüffelställen: Na die Tiere werden sich ihre Herbergen schon durch die eigene Körperwärme selbst aufgeheizt haben.
(04.02.2009, 13:56)
Michael Mettler:   Ausschließen würde ich in dieser Hinsicht nichts. Letztlich ist das Prinzip, sich an eine neue Lebenssituation anzupassen, bei einer Überführung von der Wildbahn in einen Zoo oder bei der Selbstbesiedlung eines neuen Lebensraumes das Gleiche, und da greift dann die natürliche Auslese. Letztlich gibt es vielleicht auch je nach Art Unterschiede, wie schnell "fröstelnde" Exemplare auffielen. Wenn z.B. ein einzeln gehaltener Sumatratiger bei Kälte Anzeichen von Unwohlsein zeigte, hat man das bestimmt schneller gemerkt und ihn wieder in den Innenraum geholt (und damit "der Auslese vorgebeugt", als wenn eine Impala unter zwanzig Artgenossen die einzige frierende war.
(04.02.2009, 09:05)
Anti-Erdmännchen:   Ja, aber dieses Vermögen wird doch bei den Individuen unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Ob die Gene von zimperlichen Exemplaren in der Geschichte der Zootierhaltung nicht in gewissem Maße ausselektiert worden sind, weil sie durch Kränkeleien o.ä. einfach nicht so sehr zur Fortpflanzung kamen?
(04.02.2009, 01:13)
Michael Mettler:   Ich denke eher, dass viele uns heute als tropisch geläufige Arten noch "schlummernde" Anlagen zur Winterpelzentwicklung usw. in sich tragen, weil sie stammesgeschichtlich schon mal Perioden mit starken Temperaturschwankungen überstanden haben. Während der letzten Eiszeit z.B. war der afrikanische Regenwald zu relativ kleinen Flächen zusammengeschmolzen, weil das in den Gletschern der kalten Zonen gebundene Wasser nicht mehr für Regenfälle zur Verfügung stand. In dieser Ära waren noch größere Teile Afrikas als heute Trockensavanne, Halbwüste und Wüste, und gerade deren Fauna zeichnet sich ja in hiesigen Zoos durch gute Anpassungsfähigkeit auch an kalte Temperaturen aus. Selbst die hannoverschen Kaffernbüffel waren im Winter viele Stunden im Außengehege (auch bei Schnee), obwohl die kein bisschen Unterwolle zu haben scheinen, und zumindest ihr erster Stall war nicht mal geheizt. Die früheren Rotbüffel waren meiner Erinnerung nach im Winter dagegen nicht so lange draußen, obwohl deren Fell eigentlich viel dichter aussieht. Auch deren Stall war aber m.W. unbeheizt.
(03.02.2009, 22:14)
Oliver Jahn:   Also an eine Selektion glaube ich da eher noch nicht. Denn bestimmte Tierarten wurden (teilweise aus der Not heraus) ja schon sehr früh den winterlichen Verhältnissen "angepasst". Dieser Bursche hier hatte Eltern, welche noch Wildfänge waren.
(03.02.2009, 21:49)
Anti-Erdmännchen:   Kann man sagen, daß es bei tropischen Tieren innerhalb der jeweiligen Arten in den Zoos eine gewisse Selektion hin zu Winterhärte gegeben hat bzw. noch gibt? Hinsichtlich anderer Merkmale wie Streßanfälligkeit ist das ja sicherlich so.
(03.02.2009, 21:29)
Oliver Jahn:   @krümmel, ich hoffe ja immer ein wenig bei solchen Verweisen, den ein oder anderen Interessenten neugierig zu machen, um anschließend beim Schüling-Buchkurier oder Antiquariat nach diesem oder jenem Stück zu suchen. ;-)
Hier mal die wichtigsten Arten:
Nutria,Dingo, Wolf, Goldschakal, Rot- und Silberfüchse, Marderhund, Lippenbär, Kragenbär, Waschbär, Marder, Frettchen, Fischotter, Luchs, Trampeltier, Isubrahirsch, Dybowski, Reh, Wasserbüffel, Goral, Argali, Karakulschaf, Mufflon, Mähnenspringer, Bezoarziege, Schraubenziege, Steinböcke, und dann noch unzähligen Vogelarten, von Greifvögeln über sämtliche Fasanenarten, bis hin zu Enten, Gänsen, Pfauen, Hühnervögeln, Emus, Wellensittiche, Möwen, Rallen und Schwänen. Sicher bei weitem nicht nur tropische Tiere, aber dennoch beachtlich bei Temperaturen von -20 Grad.

(03.02.2009, 19:50)
IP66:   An diesen Vorgängen merkt man aber auch, wie man Artgerechtigkeit versteht und wie nicht: Offensichtlich darf ein Löwe, der dies in Namibia nicht tut, im russischen Winter frieren, jedenfalls beklagt sich darüber niemand. Sitzt der dagegen in einem zu klein oder falsch dekorierten Käfig, erscheinen die entsprechenden Leserbriefe und Artikel.
(03.02.2009, 17:21)
Michael Mettler:   Über eine der vom Zoo Hannover aus Namibia importierten Kaama-Gruppen hieß es damals, sie hätten in ihrem ersten europäischen Winter noch erbärmlich gefroren und im zweiten dann ein Winterfell gehabt...
(03.02.2009, 13:21)
Karsten Vick:   Auch von den Löwen im Moskauer Zoo wird berichtet, dass sie ein dickes Winterfell anlegten. Ich hab aber leider noch keine Fotos davon gesehen.
(03.02.2009, 12:47)
krümmel:   @Oliver
Lieber Oliver: Würdest Du denn einmal aus Deiner Quelle einige Beispiele an dieser Stelle nennen?
Das würde der Diskussion mehr helfen, als auch einen mehr als 40 Jahre alten Jahresbericht zu verweisen.

@Snesi-Takin
Und worin unterscheiden sich die Hagenbeckschen bzw. Pariser Akklimatisationsversuche?
Welche Erfolge hatten diese?
(03.02.2009, 12:19)
Shensi-Takin:   @Ulli: Zum Teil ja, z.B. bei den damals "extensiv" gehaltenen Zebras war ein Zunahme des Pelzwuchs festzustellen-uebrigens nicht nur in Salzburg. Bei Mendesantilopen z.B. kann man das auch gut beobachten; auf der HP des kanadischen Mountain View Conservation Center gab es mal eine wunderschoen passende Aufnahme, die Addax mit dickem Winterpelz in huefthoehem Schnee zeigte...
(03.02.2009, 11:57)
Ulli:   Ich habe einmal gelesen, in Salzburg habe es zumindest felltechnisch Anpassungen seitens der tropischen Arten gegeben ... stimmt das ?
(03.02.2009, 11:32)
Shensi-Takin:   Tierische Adaptation ans urspruengliche Herkunftsgebiet, "Art" der Kaelte (feucht oder trocken?) und tierhalterische Herangehensweise (s. Hagenbecksche oder Pariser Akklimatisationsversuche) sind generell von Bedeutung. Erfrierungsgefaehrdete Akren wie Zehen, Ohr-oder Schwanzspitzen schraenken je nach Art uns Auspraegung den Aufenthalt im winterlichen Freien ein.
(03.02.2009, 09:18)
Oliver Jahn:   Auch auf die Gefahr hin, hier als Altvorderer klassifiziert zu werden ;-) , muss ich da doch mal wieder auf die jüngere "Historie" verweisen und empfehle hier mal einen Blick in die Mitteilungen aus dem Zoo Halle Heft 3 1963 bis 1967. Hier findet der geneigte Leser eine imposante Liste von Tieren (inklusive Exoten), die in den Wintermonaten 62/63 bei Temperaturen von bis zu -24 Grad in offenen und ungeheizten Stallungen, die sie jederzeit aufsuchen konnten, gehalten wurden.
(02.02.2009, 22:58)
Onca:   Fang ich mal bei den Flamingos an.
Die Flamingos in Hagenbeck sind das ganze Jahr über draußen und nur wenn es gefährliche Eiskanten oder es wie neulich -10°C sind, kommen die Cuba und Chile ins Haus. Die Rosa hab ich noch nie im Haus gesehen.
Die restlichen Tropentiere können (abgesehen vom Troparium) wenigstens zeitweise raus oder können selber entscheiden wo sie sein wollen, Stall/Gehege.
Andererseits find ich es schon erschreckend wie manche Zoos mit ihren Tieren umgehen. Neulich im TP Berlin jagten sich die Oryx über Eisflächen und glitschen dabei mehrfach fast hin bzw in den Zaun. Das finde ich unverantwortlicher, als Tiere einzusperren.
(02.02.2009, 22:46)
Anti-Erdmännchen:   Geht man des Winters durch den Tiergarten, stellt man doch fest, daß die Gehege insgesamt nicht ganz so stark besetzt sind wie sonst. Vielen Arten aus wärmeren Gefilden will man es offenbar nicht zumuten, längere Zeit draußen zu stehen. Wobei die Empfindlichkeit von Art zu Art unterschiedlich ist. Welche Arten sind nach Eurem Kenntnisstand besonders widerstandsfähig, und welche sind ausgemachte Frostköttel (Wechselwarme brauchen natürlich nicht erwähnt zu werden)?
Elefanten sieht man z.B. auch im Winter viel draußen. Die Afrikanischen Zwergziegen sind nicht minder winterhart als europäische Ziegenrassen. Am meisten staune ich aber über die Flamingos. Die werden zwar manchmal weggesperrt, können aber eigentlich Minusgrade ohne Probleme überstehen. Das ist doch gerade bei einer Tierform mit einem extrem "ungünstigen" Verhältnis von Körpervolumen und -oberfläche sehr verwunderlich.
(02.02.2009, 22:01)

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