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Farbvarianten bei Wildtieren



cajun:   In Wuppertal ist ein geschecktes Halsbandpekari Ferkel geboren worden. Das Tier hat u. A. eine Blesse und rosa Hufe. Fotos findet ihr auf: https://www.zoo-wuppertal.net/1-home/dasistneu.htm
Interessant ist diese Meldung gerade im Zusammenhang mit den Fellvariationen der wilden Przewalski Pferde. Im Wuppertaler Zuchtstamm der Pekaris war sicher kein Hausschwein "drin".
Andererseits denkt man unwillkürlich an die gezielte Zucht (Experiment zur Domestikation) von Famfüchsen, die auf Zahmheit selektiert wurden und dadurch u.A. die Scheckenfärbung entwickelten.
(24.08.2022, 15:26)
Michael Mettler:   Die Ueno-Giraffe ist auch in Krumbiegels Giraffen-Monografie in der Neuen Brehm-Bücherei vertreten, siehe Scan; das linke Foto diente zumindest bei der mir vorliegenden Auflage sogar als Titelbild.

Mit einem Wegfall der Flecken oder des Netzes ist die Färbung dieses Tieres m.E. nicht ausreichend erklärt (laut Text entwickelte es übrigens "Andeutungen von Flecken", also das, was man bei anderen Tierarten "Geisterzeichnung" nennen würde), denn die flächige Farbe scheint heller gewesen zu sein als die Flecken der Mutter, aber dunkler als deren Netzwerk. Man beachte auch die recht klar, wenn auch nicht mit scharfer Grenze abgesetzte helle Unterseite des Jungtieres auf dem rechten Bild.

Interessant sind auch die damaligen Deutungsversuche: Krumbiegel selbst schreibt "kann auch als Ausdruck beginnender Gefangenschaftsentartung angesehen werden" und zitiert den Direktor des Ueno-Zoos, "dass man die Verwandtschaft der Eltern (Vater-Tochter) als Ursache für das Phänomen ansieht". Wobei das Muttertier laut Bildunterschrift "ein Mischling von Nordwestafrikanischer und Rothschildgiraffe" war und im gleichen Buch eine männliche Rothschildgiraffe aus dem Ueno-Zoo abgebildet ist - das kamelfarbige Jungtier war also nicht etwa ein Produkt längerer Inzucht.
(13.12.2020, 10:43)
cajun:   @Liz: Genauso ist es. Das Tier hatte keine Netzzeichung. Es war einfarbig hell.
(10.12.2020, 18:20)
Liz Thieme:   Sieht für mich eher so aus, als ob ihr eher die helle Färbung des Netzes fehlt, als die dunklere Färbung der Flecken.
(10.12.2020, 16:21)
W. Dreier:   Hier die angesprochene Giraffe im Ueno Zoo/Tokio - Bild von Prof Klös bi einem Besuch in Japan, Geschäftsbericht Zoo Berlin für 1974
(10.12.2020, 11:58)
cajun:   Im Zoo Dortmund gab es eine zeitlang einen sehr hellen Dachs. Der Rüde war aus von irgendwo aus BeNeLux (2009?) importiert worden und sollte, angeblich aufgrund der Farbanomalie tagaktiver sein. Zumindest versprach man sich das davon. Zu Beginn war das auch so. Nach einiger Zeit hatte er sich allerdings umgestellt.
(05.12.2020, 18:24)
Oliver Muller:   @Michael Mettler: Zumindest lebten auch in den 70er Jahren noch Pumas (allerdings normalfarbige) im größeren der beiden Käfige. Da kann ich mich noch dunkel erinnern, die als Kind gesehen zu haben.
(04.12.2020, 22:20)
Liz Thieme:   Das kann ja der Puma sein, den ich unten genannt habe. Da stand nicht dabei wo es war.
(04.12.2020, 21:47)
Michael Mettler:   Der Kölner Zoo hatte ca. in den 60er Jahren einen weißen Puma, davon gibt es sogar mindestens ein Foto. Soweit ich mich an das darüber Geschriebene erinnere, war er in einem der kleinen Mittelkäfige der Löwen-Tiger-Anlage untergebracht, weil er empfindlich gegen Helligkeit war, also dürfte es ein echter Albino gewesen sein und kein Leuzist. Die Käfige waren ursprünglich m.W. vergittert (gebaut wohl eigentlich zur zeitweiligen Unterbringung der Jungtiere beider Großkatzenarten) und wurden erst später voll verglast.

Der südafrikanische "Erdbeerleopard" könnte schlichtweg aus der gleichen Mutation resultieren wie ein Golden-Tabby-Tiger. Ich habe auch schon mal einen Serval mit entsprechender rötlicher statt schwarzer Fellzeichnung gesehen (in natura). Bei manchen Tierarten (z.B. Kornnattern) nennt man einen solchen Effekt "amelanistisch".
(04.12.2020, 20:25)
Liz Thieme:   Man hat ihn aber bis 2018 nicht wieder gesehen... aber hoffen wir es.
(04.12.2020, 15:09)
cajun:   Die unten gemeldeten weißen Giraffen sind mittlerweile leider gewildert worden. Soviel zu: "sich den Blicken entziehen". Drücken wir dem Puma mal die Daumen. Bisher scheint er ja nicht nur zu überleben, sondern auch erfolgreich zu jagen.
(04.12.2020, 14:03)
Liz Thieme:   In einem Wald an der brasilianischen Atlantikküste bei Rio de Janeiro wurde ein weißes Puma-Männchen mit Hilfe einer Kamerafalle entdeckt. Das Tier ist ein Leuzist und kein Albino. Es ist schon 2013 aufgenommen worden, das erste Mal berichtet wurde darüber 2018. Allerdings wurde das Tier nie wieder von Kameras aufgenommen.

Melanismus wurde bisher bei 14 von 40 Arten von Katzen beobachtet. Bisher bei keinem Puma. Es wurden auch bisher nur 2 Puma-Albinos gesichtet (1x in einem Zoo / 1x West-USA)
Angeblich gibt es noch ein Foto eines leuzistischen Pumas aus einem unbekannten Zoo.

https://www.nationalgeographic.com/animals/2020/12/extrremely-rare-white-cougar-highlights-quirk-of-species/#/leucistic-puma.jpg


In Südafrikas Madikwe Game Reserve wurde 2012 ein männlicher Leopard mit hellem Fell / Flecken beobachtet. Im Englischen wird die Fellfarbe "Strawberry" genannt, vergleichbar mit der Haarmode "Erdbeerblond" vor paar Jahren [ich weiß bis heute nicht was daran wie eine Erdbeere ist]. Es wird vermutet, dass der Leopard Erythrismus* hat. Leider ist das Reservat in der Nähe einer Jagdsafari-Farm, so dass wenn er das Reservat verlassen würde, auch als Jagdtrophäe dienen könnte.

Erythrismus wurde bisher bei Waschbären, Koyoten und Eurasischen Dachsen gesehen.

https://www.nationalgeographic.com/news/2012/4/120412-strawberry-leopard-south-africa-animals-science/#/51436.jpg

* Erythrismus m [von *erythr- ], Rufinismus, Rubilismus, bei dunkelgefärbten Menschen und/oder Tieren das Auftreten von rötlicher Haar- (Haare), Haut- (Hautfarbe) bzw. Federfärbung; kann u.a. durch Wegfall der dunklen Pigmente zustandekommen [oder einer Überproduktion der roten Pigmente]; wird manchmal als unvollkommener Albinismus aufgefaßt; gelegentlich auch Bezeichnung für Rothaarigkeit allgemein. [Quelle: Spektrum]


Und als Erweiterung der Sammlung noch ein Beispiel, dass ich auch von damals aus dem TV kenne.
Der "schwarze" Königspinguin in Südgeorgien.

https://www.nationalgeographic.com/news/2010/3/100316-antarctica-black-penguin-video/
(04.12.2020, 12:34)
Michael Mettler:   Da immer wieder betont wird, dass der Mensch in praktisch jeden noch so abgelegenen Winkel der Erde vorgedrungen ist bzw. ihn beeinflusst, finde ich es irgendwie beruhigend, dass sich selbst in einem vom Wildlife-Management doch recht gut "erschlossenen" Land ein so auffälliges Wildtier wie eine weiße Giraffe bis zum Erwachsenwerden und zur eigenen Fortpflanzung hin offenbar selbst den Blicken der Einheimischen entziehen kann (denn sonst hätte man ihr doch wohl schon viel früher nachgespürt)...!
(28.09.2017, 09:16)
Oliver Muller:   Weiße Giraffen gesichtet!!!

http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/panorama/Weiße-Giraffen-in-Kenia-gesichtet-article3656202.html?utm_campaign=Echobox&utm_medium=Social&utm_source=Facebook#link_time=1505798416


(19.09.2017, 09:15)
Michael Mettler:   @Hannes: Von den sechs in der ZTL erwähnten Haltungen habe ich die (extrem dunklen) Tiere in dreien selbst gesehen: Bern, Balle (aus diesen beiden stammen meine dort eingestellten Fotos) und Heidelberg, in letzterem Zoo 2009 sogar "herdenweise" zusammen mit normalfarbigen Artgenossen - siehe nebenstehendes Bild. Ich erinnere mich auch an frühere Sichtungen von Waschbären in Zoos wie Osnabrück und Duisburg, die eine Art Zwischenform darstellten: Der Kernkörper wirkte einfarbig schwärzlich oder dunkelbraun, Schwanz und Kopf waren aber eher "normal" gefärbt.

Die dunklen Morphen werden vermutlich noch viel öfter gehalten als man denkt. Nur sind Waschbären gemeinhin keine Tiere, bei denen man als Zoofan jedes Individuum im Gehege nach Abweichungen "abscannt".

Es gibt eine ganze Menge von Wildtieren in Zoos, bei denen man bei genauem Hinsehen Farbvarianten feststellen kann, die nicht auf den ersten Blick ins Auge stechen wie Albinos oder Melanos. Das reicht von eher unauffälligen Arten wie der Dunklen Nil-Stachelmaus (ich kenne - und hatte in meinem früheren Zuchtstamm selbst - drei Varianten: mit scharf abgesetztem hellem Bauch; mit hellem Bauch, der fließend in das Grau der Flanken übergeht; mit dunklem Bauch) bis zu Großtieren: Bei der Rothschildgiraffe werden manche Bullen im Alter immer dunkler, andere immer heller. Ich fände es spannend, wenn gerade bei Säugetieren mal Untersuchungen gemacht werden würden, welche Färbungen tatsächlich einen erblichen Hintergrund haben und welche u.U. durch äußere Faktoren beeinflusst werden (Klima, Nahrung, Stoffwechsel usw.). Bei Flusspferden kennen wir z.B. die familiäre Häufung pigmentloser Flächen an den Füßen, die von einer einzelnen hellen Zehe bis zu einem komplett weißen Fuß variieren können, da scheint mir ein erblicher Faktor naheliegend zu sein. Nun wurden ja auch schon Nashörner (Sumatra- und Panzernashorn) und ein Großer Panda mit solchen Abzeichen in Zoos geboren...
(16.03.2016, 22:08)
Hannes Lueke:   Ein Blick in die Zootierliste hat mich etwas überrascht
Bei Zuchtformen des Waschbären sind extrem wenige Einträge
Wer kennt Farbvarianten des Waschbären aus eigener Anschauung?
Ich persönlich kenne neben Albinos in Privathaltung nur ein extrem dunkles (melanistisch?) Tier aus der Anholter Schweiz und einem Zimtfarbenen im ehemaligen Zoo Metelen.
Wo werden noch Farbmorphen gezeigt?
(16.03.2016, 19:09)
Michael Mettler:   @Maik Schilde: Melanismus wird allerdings auch mit feuchten Lebensräumen in Verbindung gebracht, so z.B. bei den schwarzen Panthern in Südostasien oder bei den schwarzen Rehen und Wildkaninchen im maritimen Klima Norddeutschlands. Von den Beispielen aus Krumbiegels Buch passen z.B. auch die rein melanistischen Populationen von Fleckenmusang (südostasiatische Inseln) und Kanadischem Rothörnchen (in einem Küstenbereich) in diese Theorie.

Dominante Scheckungsmutationen, die sich phänotypisch häufig durch "unsaubere" Übergänge zwischen Grundfarbe und Weißscheckung äußern, können sich bei Reinerbigkeit auf die körperliche Fitness niederschlagen (siehe z.B. der Merle-Faktor bei Hunden) oder sogar zum Absterben der Embryonen im Mutterleib führen (siehe Mongolische Rennmaus). Dennoch sind z.B. dominante Melanismen nicht zwingend mit Nachteilen verbunden - siehe z.B. Hund und Wolf, und es gibt auch "ungefährliche" dominante Scheckungen. Über einen Kamm scheren kann man Mutationen jedenfalls nicht.
(23.08.2010, 16:09)
WolfDrei:   anbei ein anderes Beispiel: die berühmte "goldene" Bambusbärin aus Xian, von mir 1994 fotografiert. Sie hatte normafarbene Nachkommen.
(23.08.2010, 15:39)
Maik Schilde:   Schwärzlinge treten häufiger in Höhenlagen bzw. kühlerem Klima auf, so ist bekannt, dass in den Aberdares in Kenia vermehrt Schwärzlinge bei Leoparden und Servalen auftreten.
Den Erbgang müsste man sich zur Beurteilung der Häufigkeit auch anschauen. Meist wird Melanismus rezessiv vererbt, so dass z.B. die roten Ricken die Erbanlagen für schwarz weitergeben ohne selbst schwarz zu sein.
Oft sind Farbanomalien mit anderen Defekten gekoppelt. So können in Zoos schwarze Jaguare nicht miteinander verpaart werden, ohne dass die Jungtiere schwere genetische Defekte haben. Bei schwarzen Panthern ist dies nicht so und dadurch auch die Zucht reinerbig möglich.
(23.08.2010, 13:31)
Michael Mettler:   Mir ist im Nachhinein auch noch aufgefallen, dass der Autor für die Rot/Schwarz-Statistik gar nicht den dritten, mischerbigen Phänotyp einbezogen hat, den er in seinem Reh-Buch ausführlich beschreibt und der deutlich dunkler als ein normalfarbiges Reh sein soll. Hat er das nun zu Schwarz oder zu Rot gerechnet...? Fakt ist jedenfalls: Irgendwer muss ja nun die schwarzen und heterozygoten Rocken decken, sonst würde sich der Melanismus der norddeutsche Rehe nicht über Jahrhunderte hinweg (vielleicht viel länger, nur gibt es keine Aufzeichnungen) halten.

Es fällt bei genauerem Hinsehen auf, wie gehäuft manche Mutationen bei bestimmten mehr oder weniger großen Verwandtschaftgruppen vorkommen. So z.B. braune bis gelbliche Tiere bei normalerweise schwarzen bzw. schwarz-weißen Großbären (mir bisher bekannt von Brillenbär, Großem Panda, Kragenbär, Baribal und Lippenbär - vielleicht ist die Färbung des Braunbären auf vergleichbare Weise entstanden); Schwärzlinge bei gefleckten Katzen, Schleichkatzen und Mangusten; Gürtelschecken bei Nagetieren von der Feldmaus bis zum Eichhörnchen. Rote statt schwarzer Zeichnung tritt bei gemusterten Katzen auf, teilweise als Seltenheit (Tiger, Serval), teilweise als mehr oder weniger typische Färbung (Goldkatze).
(22.08.2010, 22:13)
Anti-Erdmännchen:   Danke für`s Raussuchen, auch wenn Du es ein bißchen kompliziert geschrieben hast :) Demnach gibt es also doch keine Bevorzugung melanistischer Artgenossen. Was ich nicht verstehe: Wo blieben die ganzen schwarzen Ricken ab? Die müssen doch auch irgendwo Reviere gebildet haben, und ich glaub nicht, daß dann da gar kein Bock vorbeischaute.
(22.08.2010, 17:31)
Michael Mettler:   So, ich habe mir die Rehwild-Angaben nochmal zur Hand genommen. Die Vorliebe für die jeweilige "Gegenfarbe" wurde erstmals 1935 behauptet oder beschrieben von A. Schraube in "Beiträge zur Kenntnis des schwarzen Rehwildes". Im selben Jahr
schrieb Krumbiegel, dass rote Rehböcke nicht nur schwarze, sondern auch albinotische Ricken bevorzugen. Diese Angaben lösten gezielte Beobachtungen in Haste in den Jahren 1962 bis 1964 aus. In diesem Zeitraum konnten insgesamt 71 "treibende" Rehpaare dokumentiert werden, davon war bei 32 Paaren der Bock schwarz, bei 71 Paaren rot. Eine Bevorzugung schwarzer Ricken durch rote Böcke geht aus den Ergebnissen nicht hervor allerdings auch keine ungewöhnliche Ablehnung schwarzer Ricken: Von den Partnerinnen der 39 roten Böcke waren 21 rot und 18 schwarz. Anders sieht es bei den schwarzen Böcken aus: Von den 32 beobachteten Paaren war nur bei 8 auch die Ricke schwarz, bei 24 hingegen rot. Das Ergebnis wird vor allem dadurch erstaunlich, weil der Anteil melanistischer Rehe an der Gesamtpopulation in Haste in den fraglichen Jahren bei 58 bis 68% lag (und somit dort eigentlich als Normalfärbung gelten müsste), so dass ein schwarzer Bock mehr schwarze als rote Ricken "zur Verfügung hatte", aber in genau 75% der beobachteten Fälle die seltenere Fellfärbung (rot) zur Partnerin wählte.

Krumbiegel führt in seiner "Biologie der Säugetiere" unter "Farbanomalien" jede Menge Beispiele vom Einzelfall bis zur Häufung auf, wobei sich letztere in einigen Beispielen auf die Auswertung größerer Stückzahlen von Fellen (vermutlich aus dem Pelzhandel) beziehen. Er weist auch darauf hin, dass sich viele Zoologen nicht für Farbanomalien interessieren, so dass die relativ seltenen Veröffentlichungen darüber über die wahre Häufigkeit solcher Fälle hinwegtäuschen. Z.B. fand er selbst unter 3.000 Maulwurfsbälgen nicht weniger als 90 Albinos, andererseits unter 6.000 Lemmingbälgen eines "Lemmingjahres" keinen einzigen. Bei der Tayra gab es unter 200 Fellen 24 Teilalbinos und einen Vollalbino, bei einer anderen Untersuchung unter 87 Fellen 11 Melanos. Bei Stinktieren (keine genaue Art genannt) gab der Pelzhandel 5% Albinos an, die dann auf normal eingefärbt wurden... Hier auch häufig Schwärzlinge. "Binturongs sind oft gelblichweiß, Waschbären häufiger vollweiß mit roten Augen, auch in Freiheit wohlgenährt und nicht beeinträchtigt". Unter 300 Fellen des Südopossums 11 Melanos, beim Gleichfarbkuskus häufig Melanismus, bei der Elefantenspitzmaus (Art?) nicht selten, Fuchskusu sehr häufig schwarzbraun, Wildkaninchen häufig schwarz oder weißgescheckt, im Norden von Peru auffällige Häufung schwarzer Tamanduas und Nasenbären. Bei Feldhamster, Schermaus, Wander- und Hausratte Schwärzlinge häufig, z.B. 30 schwarze Hamsterfelle in einer Gesamtzahl von 500, in Polen Melanos sogar vorherrschend. Dagegen beim Jaguar, dessen Schwärzling uns durch Zoopräsenz viel vertrauter ist, unter 414 Fellen nur 19 Schwärzlinge. Beim Fleckenmusang komplett melanistische Populationen auf einigen Inseln, beim Kanadischen Rothörnchen regional Ähnliches, bei afrikanischen Genetten bis zu 45% Schwärzlinge. Bei mitteleuropäischen Mardern häufig Flavismus (Gelblinge). Silberfuchs im Freiland 1-2 Exemplare auf 1.000 Felle; vom Eisfuchs auf Grönland vorherrschend die blaue Form, während in Kanada nur 3-4% blau sind.

Zumindest all diese Beispiele sprechen nicht gerade dafür, dass "Fehlfarben" in der Partnerwahl generell benachteiligt sind - und auch nicht dafür, dass sie in der Natur immer sehr schnell ausgemerzt werden. Die Felle im Pelzhandel dürften wohl in den meisten Fällen von adulten Tieren stammen, die es also "bis dahin geschafft haben", vielleicht sogar schon einige Jahre auf dem Buckel hatten.
(20.08.2010, 23:46)
Michael Mettler:   @Anti-Erdmännchen: Ich werde den entsprechenden Textabschnitt noch mal im Buch suchen. "Zaghaft" ist vielleicht zu vorsichtig ausgedrückt, aber Wissenschaft erkennt ja Statistik gemeinhin erst ab einem relativ hohen Zahlenmaterial an, und zudem macht es vielleicht auch einen Unterschied, ob eine Farbvariante als häufige Morphe (wie in Haste) den normalfarbigen Artgenossen geläufig ist oder urplötzlich als einzelner "Fremdling" in einer sonst komplett normalfarbigen Population auftaucht.

Dass Farbmutanten schlechte Karten bei der Partnerwahl haben sollen, würde dem Vorkommen nicht weniger Farbmorphen/-phasen gerade bei überwiegend optisch orientierten Tieren wie Vögeln widersprechen (z.B. Waldkauz, Schneegans, diverse Reiher). Spontan fällt mir als polymorphe Art nur der Kampfläufer ein, bei dem die Farbe des Balzkragens von den Hennen unterschiedlich attraktiv bewertet werden soll.

Auch bei Säugern sprechen diverse fest etablierte Farbabweichungen (z.B. bei Tüpfelkuskus, Rotem Riesenkänguru, Leopard, Jaguar, Baribal, südlichen Steppenzebras mit unterschiedlicher "Grundfarbe" und verschieden ausgeprägtem Muster, Khur, Festland-Banteng) gegen eine allgemeine schlechte Partnerfindungschance. Außerdem würde eine Ablehnung von Andersfarbigkeit nur schlecht die Entstehung der heutigen Färbungen von Tierarten erklären.

Eine Ablehnung von Albinos bzw. generell von Artgenossen, deren Sinneswahrnehmungen beeinträchtigt sind (bei Albinos das Sehvermögen) lässt sich auch anders als durch die abweichende Farbe erklären. Beeinträchtigte Wahrnehmung der Umgebung führt nämlich zwangsläufig auch zu abweichendem Verhalten, z.B. zu späterer Flucht. Folglich verhält sich das entsprechende Tier auch anders als ein in dieser Hinsicht "normaler" Artgenosse und ist diesem womöglich allein schon deshalb suspekt - so wie es auch ein wegen Krankheit zu spät reagierender Artgenosse wäre. Denn solche rutschen ja nicht nur bei der Partnerwahl durchs Sieb, sondern werden außer bei extrem sozial vernetzten Tierarten auch generell mit Misstrauen betrachtet oder sogar getötet.
(19.08.2010, 21:32)
Anti-Erdmännchen:   Bezogen auf Menschen höre ich von Diskussionspartnern manchmal die Theorie, wonach man sich instinktiv einen möglichst ganz und gar anderen Partner suchen würde, weil die Kombination dieser Gene gesunden Nachwuchs verspräche. Das hieße ja, wir Mitteleuropäer stünden alle auf die sehr schwarzen Westafrikaner. Mmhh, ich weiß nicht. Ich bin eigentlich gegenteiliger Auffassung: Man sucht sich instinktiv einen möglichst ähnlichen Partner, damit die eigenen Gene am besten durchschlagen können. Darauf kommt es in der Natur doch an, auf die Weitergabe der eigenen Gene. Wobei der Mensch bekanntlich kein reines Naturwesen mehr ist und daher ein denkbar schlechtes Beobachtungsobjekt darstellt.

Ohne jetzt Quellen von Statistiken zur Hand zu haben, war mir bisher immer so, als hätten Mutanten (insbesondere Albinos) bei der Partnerfindung schlechte Karten. Daß die andere Fellfärbung bei den Rehen sogar als attraktiver angesehen wird, scheint nicht bewiesen zu sein, jedenfalls klingt Deine (MM) Formulierung zaghaft. Ich kann mir eher vorstellen, daß die Fellfarbe bei den Rehen keine Rolle spielt und der Anteil gemischter Sexualpartner nur zufällig höher war. Vielleicht ist es einfach egal, weil die Tiere die Farben eh nicht unterscheiden können oder andere Sinneswahrnehmungen einzig ausschlaggebend sind?




(19.08.2010, 20:39)
Michael Mettler:   Im Grunde muss man sich doch jede Tierart einzeln anschauen, um den Wert/Nichtwert von Farbvarianten für sie zu beurteilen (bzw. genau genommen nur zu interpretieren). Was unter den einen Bedingungen ein biologischer Vorteil ist, kann ja unter anderen/veränderten Bedingungen durchaus auch in eine Sackgasse führen. Das Beispiel hat einen unnatürlichen Hintergrund: Unter Naturbedingungen würde eine solche Ammenaufzucht bei Kranichen wohl kaum vorkommen. Gegenbeispiel wären die Brutschmarotzer (Kuckucke, Witwenvögel usw.): Die Zieheltern erkennen ihre Jungtiere an, obwohl sie in vielerlei Hinsicht vom Bild der Art abweichen, und dennoch wird der Jungvogel nicht auf seinen Ammenart als Sexualpartner geprägt (sondern allenfalls darauf, sie später selbst als Ammenart zu benutzen). Wichtig ist wohl vor allem, ob einer Tierart ihre eigene Färbung (natürlich auch Gestalt usw., aber hier geht es ja vorrangig um Farbvarianten) bewusst ist, denn nur dann kann sie ja eine abweichende Farbe erkennen und bewerten. Käme ein Brutparasit, der von einem Albino aufgezogen wird, später nicht zur Fortpflanzung, weil er vergeblich nach "seinem" Wirtsvogel sucht? Ist einem Kranich die Färbung "seiner Familie" völlig gleichgültig für die Artenunterscheidung, weil er sich vielleicht an ganz anderen Merkmalen orientiert?

Der erfolgreiche Brutparasitismus unseres heimischen Kuckucks wird mit dem übergroßen Schlüsselreiz des sperrenden Rachens seiner Jungvögel erklärt. Wie Konrad Lorenz so schön sagte: Das artfremde Muttertier hat einfach viel zu viel "Lust", diesen Mega-Rachen zu stopfen, dass es die Fremdartigkeit des Nestlings in Kauf nimmt. Bietet womöglich ein Kanadakranich einem Schreikranichzögling ebenfalls einen übergroßen Schlüsselreiz, der ihn die fremde Art seiner eigenen vorziehen lässt? Spielt hier womöglich ein ähnlicher Faktor eine Rolle wie bei den rot/schwarz gemischten Rehpaaren?
(19.08.2010, 08:58)
WolfDrei:   Und welche Rolle spielt hier die Prägung nach der Geburt bei "falschfarbenem" Nachwuchs? Die seinerzeitigen Bemühungen, die Anzahl der Schreikraniche und das Zugverhalten durch Kanadakranichammen zu erhöhen bzw. zu ändern, scheiterte ja bekanntlich - die "Weißen" erkannten ihre gleichgefärbten Brüder und Schwestern nicht. Man könnte nun sagen: nun ja, Vögel?
(19.08.2010, 07:39)
Michael Mettler:   Sacha hatte es in der Diskussion um weiße Löwen angeregt, mit etwas Verspätung soll er nun hier entstehen: Ein eigener Thread zu diesem Thema, der nicht auf eine spezielle Tierart bezogen ist. Denn die Grundfrage bleibt ja bei jeder Tierart die gleiche: Ist eine Farbmutation ein "Ausrutscher" der Natur oder ein evolutionärer Versuch, der eventuell sogar einen Fortschritt bedeutet?

Um mal von den hinlänglich diskutierten weißen Löwen und Tigern wegzukommen (obwohl zumindest mir dieses Thema nicht langweilig wird und immer wieder neue Denkanstöße liefert), fange ich mal damit an, dass ich kürzlich ein (sogar recht umfangreiches) Buch über melanistische Rehe meiner Bibliothek einverleiben konnte und auch bereits in weiten Teilen gelesen habe. Andere Farbvarianten des Rehes (Albinos, rotweiße und schwarzweiße Schecken usw.) werden darin ebenfalls am Rande behandelt. Die schwarze Mutation/Morphe ist in der norddeutschen Tiefebene und den angrenzenden Niederlanden stellenweise nicht selten, ich habe selbst schon mehrfach vom Auto aus welche gesehen.

Der Autor des Buches konnte auf langjährige eigene und fremde Feldbeobachtungen im Bereich des Forstamtes Haste (südwestlich von Hannover) zurückgreifen, das für seine besonders hohe Dichte schwarzen Rehwildes bekannt ist (zurückzuführen auf besondere Schonung der Schwärzlinge bei zeitweise gezielter Bejagung normalfarbiger Böcke). Dass für fast alle in freier Wildbahn beobachteten, abweichend gefärbten Rehe galt, dass ihre Artgenossen am "falschen" Aussehen keinen Anstoß nahmen, verwunderte mich nicht so sehr, weil das bei vielen Tierarten ähnlich ist. Aber: Nach der statistischen Auswertung der Beobachtung von Rehpaaren während der Paarungszeit stellte sich heraus, dass die Rehe andersfarbige Partner sogar zu bevorzugen schienen: Rote Böcke wurden häufiger mit schwarzen Ricken, Schwarze Böcke häufiger mit roten Ricken gesehen als jeweils farbgleiche Tiere zusammen. Und das finde ich nun wirklich bemerkenswert. Suchen die Tiere einen möglichst anders aussehenden Partner, weil dieser unverwandt zu sein scheint? Oder finden Sie dessen abweichendes Aussehen womöglich schlichtweg reizvoll? Keine der beiden Farbformen ist bisher durch die andere verdrängt worden. Natürliche Auslese findet zwar heute zumindest durch Großraubtiere kaum noch statt, aber schwarze Rehe sind seit etlichen Jahrhunderten in Norddeutschland verbürgt (die Quellen werden sämtlich im Buch abgehandelt), und damals kam zumindest der Wolf noch als natürlicher Feind in Frage.


(18.08.2010, 23:52)

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