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Weiße Körperunterseite bei Mäuseartigen



Michael Mettler:   P.S.: Dunkle Haut unter weißem Haar ist übrigens bei Säugetieren gar nicht so ungewöhnlich - fällt einem aber oft erst auf, wenn wegen Verletzung o.Ä. eine kahle Stelle im Fell entsteht (oder an schwach behaarten Stellen wie dem Anogenitalbereich). Z.B. haben Addaxantilopen und Zebras unter den weißen Fellpartien dunkle Haut, und beim Eisbären ist das ja wegen seines Sonnenkollektoreffektes schon recht bekannt geworden. Umgekehrt können schwarz behaarte Tiere auch eine hellrosa (also unpigmentierte) Haut haben.
(31.05.2011, 17:28)
Michael Mettler:   @Rattus: Du musst dir nur die Füße der Mongolenrennmäuse anschauen, da siehst du die schwarze Haut zwischen den weißen Haaren durchschimmern. Dass die Mongolen schwarze Krallen haben, dürfte damit ebenfalls zusammenhängen, denn unpigmentierte Haut an den Füßen steht ja eher (immer?) mit hellen Krallen in Verbindung.

Auch bei dieser Tierart ist das Bauchhaar zweifarbig, die Haarbasis ist dunkel (eher blau als schwarz). Dieser Farbton ist der gleiche wie bei der Basis der Haare der Oberseite - würde man das Körperfell auf eine Haarlänge von 1 bis 2 mm kurzrasieren, gäbe es keine Spur mehr von unterschiedlicher Färbung an Ober- und Unterseite (schon gar nicht mit scharfer Trennkante, die Rennmaus wäre ringsum einfarbig "blau".

Atavismus ist m.W. nicht als Neumutation definiert, sondern eher als Erwecken einer "schlummernden" alten Erbanlage. Aber im Detail habe ich mich damit auch noch nicht beschäftigt.
(31.05.2011, 17:17)
Rattus:   Hallo Michael
Die pigmentierte Haarbasis kenne ich nur zu gut. Bei meinen wildfarbigen Campbell-Zwerghamstern ist das einzelne Haar an der hellen Körperunterseite auch zweifarbig. Die Haarspitze ist zwar weiß, aber von der Wurzel bis zur Mitte ist das Haar fast schwarz.

Gegen das biologische Gesetz spricht meiner Meinung nach mehrere Beispiele von Atavismus (Menschen mit verlängertem Steißbein, Huftiere mit "überzähligen" Zehen), oder habe ich dich falsch verstanden?

Mongolische Rennmäuse haben eine dunkle Haut? Ich habe gerade versucht, Bilder der Nacktmutation zu finden, aber mit google war ich nicht erfolgreich... dabei sind die tiere doch bei der geburt rosa. ich muss heute abend bei meinen beiden nachsehen.

der weiße bauch zieht sich wirklich durch und ist natürlich nicht nur bei mäuseverwandten oder nagetieren, sondern auch bei anderen arten zu finden hermelin, rotfuchs, einige Spitzmäuse...
(31.05.2011, 13:55)
Michael Mettler:   @Rattus: Es gibt ein biologisches "Gesetz", laut dem ein genetisch "verlorengegangenes Körpermerkmal" nicht wieder neu gebildet werden könnte. Nun weiß ich leider nicht, ob das auch für die Pigmentierung von Haaren gilt - falls doch, würde das bedeuten, dass ein einmal "weiß gewordener" Bauch nicht wieder in einen farbigen "zurückmutieren" könnte. Eine Steppenmaus-Art, die sich nachträglich ans Waldleben anpasst, müsste dann also wohl oder übel mit ihrem weißen Bauch weiterleben, auch wenn er keinen bestimmten Zweck mehr erfüllen sollte.

Nun ist ja ein weißer Bauch nicht unbedingt komplett pigmentlos, sondern die Haarbasis kann pigmentiert sein, und weiße Haare können auch auf pigmentierter Haut stehen. Somit ist nur der Transport des Pigments bis in die Haarspitzen "verlorengegangen" und nicht das Pigment im Ganzen - deshalb mein Zweifel, ob das als wirkliche Verlustmutation im o.g. Sinne gewertet werden kann. Weiße Haare auf dunkler Haut gibt es z.B. auch bei der genannten Mongolischen Rennmaus (siehe Schnauze und Füße); ich habe Fotos von der "nackten" Mutation dieser Tierart gesehen, da wirkt die Rennmaus fast wie ein Negativ ihrer normal behaarten Form (beinahe akromelanistisch). Andere Mäuseverwandte mit weißer Unterseite haben hingegen unpigmentierte (rosa) Haut an den Füßen. Insofern mag es auch unterschiedliche Gründe für eine helle Unterseite geben, so dass man die Fälle nicht alle über einen Kamm scheren kann - zumal das Phänomen auch unter Nagern nicht auf Mäuseartige beschränkt ist (siehe z.B. Eichhörnchen).
(30.05.2011, 15:45)
Rattus:   Hallo!
Vielen vielen Dank düe die Ausführungen! Bei der Hitzeabstrahlung würde ich zustimmen, insbesondere, wenn es um Bewohner offener Gebiete geht. Jedoch würde mir diese Erklärung, dass bei Waldbewohnern wie Waldmäusen, Gelbhalsmäusen oder Sumpfbewohnern wie dem Rattenartigen Zwerghamster der weiße Bauch als Relikt aus Wüstenzeiten bestehen bleibt nicht wirklich einleuchten. Bei Mäuseeartigen haben wir so viele Mutationen [vor wenigen Tagen habe ich Fotos von Stachelmäusen mit Satinfell und Feldmäusen mit Chinchillafaktor gesehen], zudem gehe ich davon aus, dass eine Tiergruppe die unter derart großem Feinddruck steht, bei ihrem Aussehen nichts dem Zufall überlässt...

Da ist die Sache mit dem Ungeziefer schon einleuchtender. Zumal deine Beobachtung bei hellen Hunden auch andere gemacht haben.
(30.05.2011, 15:13)
Michael Mettler:   @Rattus: Vielleicht ist es eine Frage der jeweiligen Perspektive des Beutegreifers, ob "man" die weiße Unterseite nicht sieht. Aus Sichthöhe eines Mauswiesels z.B. sieht die Sache schon ganz anders aus, und deshalb würde ich das Prinzip der Gegenschattierung nicht generell ausschließen.

Die Hausmaus halte ich für eine für deine Kategorisierung weniger geeignete Art, immerhin umfasst sie Unterarten mit dunklem UND mit weißem Bauch. Zwar fehlen mir eigene Erfahrungen mit Östlichen (weißbäuchigen) Hausmäusen, aber sitzen die wirklich öfter aufrecht als Westliche (dunkelbäuchige) Hausmäuse...? Signalwirkung bei aufgerichteter Haltung mag für manche Arten zutreffen, die in gewissem Maße wehrhaft sind (Hamster) und aufgerichtet ihre Abwehrbereitschaft darstellen; der Feldhamster soll ja aus diesem Grund seine kontrastierende Bauchfärbung haben, nur dass die in seinem Fall nicht heller, sondern dunkler als die Oberseite ist (nämlich schwarz).

Ohne Literaturhinweise liefern zu können, einige Gedanken zum Thema: Erstens könnte pigmentarmes bis -loses Haar (bei manchen weißbäuchigen Tieren, z.B. Kaninchen, ist die Haarbasis des Bauchhaares durchaus pigmentiert - daraufhin müsste man die betreffenden Mäuseartigen erst mal untersuchen) Vorteile im Temperaturhaushalt bringen, weil es Wärmestrahlung reflektiert. Bei Bewohnern offener Flächen mit zumindest saisonal starker Sonneneinstrahlung könnte das durchaus hilfreich sein; in Wüsten z.B. wird es zwar nachts sehr kalt, aber der von der Sonne tagsüber erhitzte Sandboden strahlt noch lange seine Wärme ab. Dass auch waldbewohnende Arten weiße Bäuche haben können, könnte zumindest bei manchen durchaus bedeuten, dass diese von Steppenbewohnern abstammen und das für sie nutzlos gewordene, aber vielleicht auch nicht nachteilig gewordene Merkmal quasi als Relikt behalten haben. Von der Hausmaus wissen wir, dass sich Weißbäuchigkeit gegenüber Dunkelbäuchigkeit dominant vererbt, somit ist eine stammesgeschichtliche "Rückkehr" vom weißen Bauch, wenn dieser sich in einer Population durchgesetzt hat, zur Dunkelbäuchigkeit nur sehr schwer vollziehbar. Interessant ist, dass kommensal - also in menschlichen Behausungen und somit in "Höhlen" - lebende Mäuseartige offenbar eher auf eine helle Unterseite "verzichten können" bzw. rundum dunkle Färbung möglicherweise sogar einen Selektionsvorteil für sie darstellt. Darunter fallen z.B. Arten wie die Hausmaus (die Westliche H. ohne weißen Bauch ist die am stärksten an den Kommensalismus angepasste Unterart), die Hausratte und die Nil-Stachelmaus (jeweils melanistische Populationen in menschlicher Umgebung), in gewissem Sinne auch die Vielzitzenmaus.

Zweiter Gedanke: M.W. ist die Bauchseite junger (nur junger?) Mäuseartiger besonders sensibel für Wärmewahrnehmung, Nestlinge drehen ihre Bauchseite externen Wärmequellen zu und finden auf diese Weise auch den Bauch (und damit die Milchzitzen) der über ihnen sitzenden Mutter. Nun kann es z.B. in einem Mäusenest sehr warm sein, wie jeder Züchter weiß; die Lage eines Hausmaus- oder Rennmausnestes mit noch nackten Jungtieren in einem Terrarium oder Käfig mit Kunststoffwanne lässt sich mit geschlossenen Augen problemlos erfühlen, wenn man den Boden von außen abtastet. Nun würde nach o.g. Gedanken auch diese Wärmeabstrahlung der Nestlinge von einem hellen Bauchfell der Mutter besonders gut reflektiert, was den Jungen eine schnellere Orientierung ermöglichen könnte.

Dritter Gedanke, vielleicht etwas weit hergeholt, da auf schmaler Erfahrungsbasis stehend: Bei meinen beiden Hunden - einer weiß, einer bis auf kleine Abzeichen schwarz - stelle ich immer wieder fest, dass Zecken auf weißem Fell Orientierungsprobleme zu haben scheinen. Auch wenn der letzte Gang ins Grüne Stunden her ist, sehe ich manchmal noch Zecken im Haarkleid der weißen Hündin herumirren, die längst genug Zeit gehabt hätten, sich eine gemütliche "Bohrstelle" zu suchen; fest- oder gar vollgesogene Zecken finde ich an dieser Hündin im Gegensatz zu ihrer Artgenossin fast nie, obwohl beide die gleichen Wege laufen (oft genug quasi Schulter an Schulter) und somit der gleichen Wahrscheinlichkeit des Befalls ausgesetzt sind. Ich will die Färbung als Ursache nicht überbewerten, schließlich könnten auch unterschiedliche Körpergerüche eine Rolle spielen (wie beim Menschen mit der "Anfälligkeit" für Mückenstiche), aber auch bei Menschen soll ja helle Kleidung besser gegen Zeckenbefall schützen als dunkle. Nun ist es für ein so kleines und kurzbeiniges, "bodennah gebautes" Tier wie eine Maus sicher von Vorteil, wenn wenigstens die Unterseite frei von Blutsaugern bleibt; festgebissene Zecken etwa in den Achselhöhlen oder im Leistenbereich würden mit wachsendem Umfang die Bewegungsfähigkeit doch sehr behindern. Für ein Beutetier könnte das schon einen Selektionsunterschied ausmachen.

Auf jeden Fall sollte man bei der Bauchfärbung wie bei allen möglichen Körpermerkmalen im Hinterkopf behalten, dass das Vorhandensein eines Merkmals noch nicht automatisch eine spezielle Anpassung bedeuten muss (da es zufällig entstanden sein kann und wenigstens keine Nachteile mit sich bringt) und dass andersrum eine Art ohne dieses Merkmal nicht unbedingt darauf verzichtet, sondern wegen des dafür notwendigen Mutationszufalls schlichtweg bisher nicht in den Genuss eines solchen "Upgrades" gekommen sein könnte.
(23.05.2011, 15:49)
Rattus:   Hallo!
Es geht um ein Phänomen das einige Nagerzüchter seit längerem interessiert. Wir kommen jedoch nicht wirklich zu einer Lösung und auch wenn es kein Zoothema ist, wüsste ich nicht, wo ich sonst eine Antwort finden sollte, wenn nicht hier.

Wir sehen, dass es bei unheimlich vielen Mäuseartigen (Hirschmaus, Gelbhalsmaus, Mongolische Rennmaus, verschiedene Zwerghamsterarten etc. etc.) weiße Färbung der Körperunterseite gibt. Und wir fragen uns, warum das so ist. Gegenschattierung wie bei Pinguinen oder manchen Huftieren kann man meiner Meinung nach als Erklärung ausschließen. Schließlich sieht man die weiße Körperunterseite bei vielen Mäusen nicht, sofern sie mit allen Vieren auf dem Boden stehen.
Damit würde sich die Erklärung aufdrängen, dass an den Körperstellen, die man sowieso nicht sieht, einfach auch kein Pigment im Haar eingelagert wird. Sozusagen eine Sparmaßnahme, wie z.b. bei manchen Höhlentieren, die nie mit Sonnenlicht konfrontiert und daher komplett weiß sind.

Dem Erklärungsansatz steht dann aber die Beobachtung gegenüber, dass sich gerade unter den Tieren, die eine weiße Körperunterseite haben, viele Arten befinden, die sich oft auf die Hinterbeine setzen oder stellen (Mongolische Rennmaus, Waldmaus, Zwergmaus) sodass die weiße Unterseite sichtbar wird, während jene, die eine pigmentierte Körperunterseite haben, eher weniger zum aufrechten Sitzen oder "Männchen machen" neigen (Hausmaus, Vielzitzenmaus).

Hat sich da schonmal jemand näher befasst? Ich wäre besonders für Literaturhinweise dankbar.
(23.05.2011, 13:57)

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