
| Sacha: | Mir geht es ähnlich. Wenn ich mir die Situation im Zoo Berlin in Gedanken vergegenwärtige (und zusätzlich auf google maps vergleiche), dann hat es im Bärenkomplex Platz für bis zu drei Grossbären-Arten. Selbst bei einer Doppelung der Eisbären (wäre für mich ausnahmsweise okay) könnten Lippenbären und Malaienbären (ggf. als weitere Doppelung, da Zucht zur Bestandserhaltung in Zoos besonders wichtig) gehalten werden. Dafür würde ich die Europäischen Braunbären sowie die Wölfe (in den Tierpark?) abgeben. Je nach Volumen und Gestaltung wären für mich sogar Gemeinschaftshaltungen mit Polarfuchs (Eisbär), Makak/Hulman oder Goldschakal (Lippenbär) sowie Zwergotter/Binturong mit Malaienbär denkbar. (27.12.2025, 14:53) | ||
| Markus Boers: | Es waren mal mindestens 7. Hier ein Bild aus einem älteren Jahresbericht. (27.12.2025, 12:52) | ||
| Adrian Langer: | Ich weiß, dass jede Eisbärenhaltung dringend gebraucht wird. Das man hierfür aber nun die Lippenbären geopfert hat ist schon etwas traurig. Zumal in Zoo und Tierpark Eisbären geplant sind. (27.12.2025, 12:49) | ||
| W. Dreier: | @cajun: Beim Zusammenlegen dürfte ein Eisbär nur noch mit einem Fernglas zu sehen sein - wenn man nicht "die größte Eisbär-Herde Europas " ausstellt. Das wären dann gut ein ha ! (27.12.2025, 11:56) | ||
| cajun: | Ich muss meinen Eintrag unten korrigieren. Ich schrieb im Zoo Berlin verbleibt 0,1 Lippenbär. Stimmt so nicht, da die Bärin bereits im laufenden Jahr verstarb. Die ZTL listet nur noch eine ehemalige Haltung. Das Areal soll bei einer Neuaufnahme der Eisbärenhaltung, dieser neuen Anlage zugeschlagen werden. (26.12.2025, 20:45) | ||
| Sacha: | @Carsten Horn: Ich muss hier mildernde Umstände geltend machen, da ich längere Zeit nicht mehr in Münster war. Und wurde der Anlagenkomplex (insbesondere die für Besucher zugänglichen Innenanlagen), in dem heute die Lippenbären sind, seinerzeit nicht auch bzw. sogar in erster Linie (= innen) für Malaienbären gebaut... (hust, hust) - Aber ja, den Forenbetreiber sollte ich wirklich mal wieder besuchen (grins). @Simon Kirchberger: Ich merke, wir sehen das grundsätzlich gleich. Einzig der Punkt mit der aufwändigeren Fütterung erschliesst sich mir nicht (ganz). Es ist schon länger in EAZA-Zoos usus, dass allgemein das Futter von Grossbären (und anderen Raubtieren) nicht mehr einfach im Gehege verteilt wird, sondern so versteckt/abgedeckt/verhüllt etc. wird, dass sich die Tiere möglichst lang damit beschäftigen müssen. Also nicht nur für Malaienbären und folglich keine oder kaum Ersparnis beim Aufwand. Und ich denke (und hoffe) mal, dass die Kuratoren und anderen Zooverantwortlichen bezüglich der neusten Haltungserfahrungen bei den Lippenbären auf einem besseren Stand sind als wir und somit solche Vorbehalte kaum noch kursieren (bzw. die Fachleute nicht auf diese achten). (16.12.2025, 00:00) | ||
| Simon Kirchberger: | @Sacha: Absolut, Lippenbären lassen sich auch ohne einsehbare Innenanlage gut präsentieren, wobei Carsten da schon Recht hat mit dem Allwetterzoo:) Da würde ich vielmehr andere Gründe erwähnen, ich orientiere mich da immer am Artikel im TIERGARTEN 02/2012 von Achim Johann, der die Planung und Entwicklung der Lippenbärenhaltung in Rheine beschreibt. Dort schreibt er, dass Lippenbären aus verschiedenen Gründen nicht die erste Wahl waren (auch wenn sich diese Gründe im Nachhinein als falsch herausstellten). Zum Beispiel erwähnt er auch die potentiell aufwändigere Fütterung, da ja im Gegensatz zu anderen Bären ein spezielles Ersatzfutter zubereitet werden muss und es nicht getan ist, Obst, Gemüse und manchmal Fleisch zu verteilen. Ein "Hindernis" ist das sicher nicht, aber wenn es darum geht, den geringstmöglichen Personalaufwand in Zeiten von Fachkräftemangel zu wählen, ist das eben nicht so förderlich für Lippenbären. Außerdem erwähnt er den schlechten Ruf der Lippenbären, aufgrund deren Aggressivität und geringen Aktivität. Am Ende schreibt er aber auch, dass diese Argumente nach Austausch mit Kollegen entkräftet wurden und im Nachhinein die Entscheidung immer wieder pro Lippenbär fallen würde. Am Ende hat sich Rheine ja auch nur auf Empfehlung der Bear TAG der EAZA für Lippenbären entschieden, andere Zoos haben da vielleicht noch einen geographischen Faktor und dann landet man schnell beim Brillen-/Braunbär. Wenn man dann also davon ausgeht, dass ähnliche Erfahrungsberichte und Vorbehalte immer noch in der Zoowelt kursieren, verwundert es mich weniger, dass Lippenbären immer seltener gehalten werden. Zum Thema Exporte: Klar gibt es auch noch andere Gründe, warum so etwas noch zu selten umgesetzt wird und die Bürokratie wird dazu sicher einen großen Teil beitragen. Und auch wenn die Sanctuarys in Südostasien eigentlich gemeinnützig arbeiten, verdienen auch die ihr Geld ja mit Einnahmen von Besuchern und/oder Volunteers, die natürlich eher dort hingehen, wenn es auch genug Bären zu sehen/zu versorgen gibt. Also ich kann mir vorstellen, dass die ihre Bären einem auch nicht unbedingt "hinterherschmeißen", auch wenn da die Zoos mit dem Thema Arterhalt kommen. Und dann bleibt eben noch das Haltungsthema, gerade Malaienbären müssen ja quasi wie Menschenaffen gehalten werden - was sicher nicht günstig in Planung und Bau ist. Und die Influenza ist mittlerweile für jedes Säugetier potentiell gefährlich, die tausenden Seelöwen und Seeelefanten in Südamerika die jedes Jahr daran versterben sind da nur der Anfang... Aber daran würde der Export nicht scheitern denke ich. (15.12.2025, 15:10) | ||
| Carsten Horn: | @Sacha: Vielleicht solltest Du den Forenbetreiber mal besuchen und könntest bei der Gelegenheit gleich die Innenanlage der Lippenbären im gleichen Ort anschauen, :-) (15.12.2025, 14:41) | ||
| Sacha: | Bei den Lippenbären käme man unter Umständen um eine warme (und vor allem besucherzugängliche) und grosse Innenanlage noch rum (kenne ad hoc keine solche Haltung in Europa), bei den Malaienbären nicht (bzw. ohne Einsicht möglich, aber dann nicht besonders sinnvoll und attraktiv). Ich lese zum ersten Mal, dass (das richtige) Futter ein Problem bei den Lippenbären darstellen kann/soll. Heutzutage gibt es doch gute Surrogate für Insekten/Termiten. Oder meinst Du was anderes? Es müssen auch nicht zwingend Infektionskrankheiten sein, die den Ex- und Import erschweren. Andererseits ist es immer wieder erstaunlich, auf was für Tiergruppen/-Klassen/-Familien/-Gattungen solche Seuchen AUCH Einfluss haben können. Ist nicht die aktuelle Vogelgrippe ebenfalls eine Gefahr für Katzenartige? Wenn es so viele Sanctuarys mit Malaienbären gibt und die froh um westliche Abnehmer wären, dann frage ich mich, warum das nicht viel öfter geschieht. Schliesslich ist die Malaienbärenpopulation in westl. Zoos schon länger am schrumpfen. Last but not least eine kleine Korrektur meinerseits. Natürlich müsste es heissen: "..gibt es wie bei Paarhufern, INSBESONDERE Schweineartigen..." (da ja echte Schweine mit vier Zehen/Klauen auch Paarhufer sind). (14.12.2025, 20:38) | ||
| Simon Kirchberger: | Ich glaube eher, dass es am „Aufwand“ der Haltung liegt. Gerade Malaienbären dürfte es in den verschiedenen Sanctuary’s (wahrscheinlich genauso wie Kragenbären) in Südostasien sicher genug geben, u.a. Chester hat seine Tiere ja genau über diesen Weg erhalten. Im Gegensatz zu Schweinen oder Wiederkäuern gibt es bei Bären meines Wissens nach keine Infektionskrankheiten, die einen Import genauso unmöglich machen. Aber es ist schon ein Unterschied, ob man eine quasi gleichwertige Innenanlage, am besten auch einsehbar für Besucher, zusätzlich bauen muss, um dann Malaienbären adäquat halten und präsentieren zu können. Und die Fütterung ist bei Lippenbären sicher auch ein Thema. Wie du sagst, ist es schon schade wenn die immer weniger werdenden Haltungen für Bären dann auch noch für Braunbär-Hybride genutzt werden - frag mal bei den Syrischen Braunbären nach^^ (12.12.2025, 15:43) | ||
| Sacha: | Sowohl für Lippenbären wie für Malaienbären sieht es mit der Bestandserhaltung in Zoos ausserhalb der Heimatländer ziemlich düster aus (Letztere sind m. W. darum in Nordamerika auch eine phase-out-species). Kragenbären werden ebenfalls immer seltener, dafür habe ich das Gefühl, in jeder Ecke Braunbären- UA-Hybriden zu sehen... Dazu die passende Frage: Gibt es wie bei Paarhufern und Schweineartigen auch für Tropenbären strengere Ex- und Importvorschriften (=erschwerende Umstände)? Oder hängt das vor allem mit dem Schutzstatus und der jeweiligen Bürokratie (Indien soll ja ganz schlimm sein) zusammen, dass man zur Aufstockung des Bestandes und der genetischen Vielfalt keine (Zoo-)Bären aus Asien importiert? (Insider-Wette: @cajun hat sicher den passenden Link dazu;)) (12.12.2025, 15:19) | ||
| Simon Kirchberger: | @cajun: absolut unverständlich aus meiner Sicht - zumindest wenn man die Art überhaupt und grundsätzlich in Europa erhalten will. Zumal die beiden Berliner Bären ja ursprünglich aus Indien sind und damit genetisch sehr wertvoll. Und auch die männliche Leipziger Nachzucht ist ja auf die Insel gereist, also noch mehr Männchen im UK ohne Weibchen… (12.12.2025, 14:49) | ||
| cajun: | Eine rein männliche Haltung in Schottland? Gibt es keine Zuchtambitionen mehr? Hat es in Rheine mittlerweile geklappt? Die Meldung wirft schon ein paar Fragezeichen auf...Im Zoo Berlin verbleibt ein einzelnes Weibchen: "Edinburgh Zoo begrüßt zweiten Lippenbären Rajath kam aus dem Berliner Zoo und wird sich niederlassen, bevor er dem anderen Lippenbären Cipisek vorgestellt wird. Rajath, ein männlicher Lippenbär, kam im Zoo in Edinburgh Monate nach der Ankunft von Cipisek an, der im Juli in den Zoo eintrat. Der 15-Jährige, der aus dem Berliner Zoo ankam, wird sich einige Zeit einleben, bevor er mit Cipisek vergesellschaftet wird, der im Juli aus der Tschechischen Republik ankam. Glückliche Besucher haben vielleicht die Möglichkeit, einen Blick auf Rajath zu werfen, wenn er in den kommenden Tagen seinen Lebensraum erkundet. Cipisek und Raj werden dann in den kommenden Wochen in ein neues Gehege eingewöhnt, das den natürlichen Lebensraum der Bären nachahmt. Lippenbären sind in weiten Teilen Indiens, Bangladeschs und Sri Lankas sowie im südlichen Tiefland Nepals und vermutlich Bhutan zu finden. Die Art ist in freier Wildbahn als gefährdet eingestuft, wobei eine abnehmende Population auf weniger als 10.000 geschätzt wird. Verschwindende Wälder und Wildererei sind die Hauptursachen. Der Edinburgh Zoo hofft, dass die beiden Ergänzungen der Einrichtung die Besucher darüber informieren können, wie sie sie in freier Wildbahn schützen können." Quelle: https://news.stv.tv/east-central/edinburgh-zoo-welcomes-second-sloth-bear (12.12.2025, 14:45) | ||
| cajun: | Der Zoo Rheine hegt Hoffnung auf Nachwuchs: "Nachwuchshoffnung im Zoo: Erfolgreiche Paarung der bedrohten Lippenbären Große Freude im NaturZoo: Die Lippenbären (Melursus ursinus), eine seltene und bedrohte Tierart aus Südasien, haben sich erfolgreich gepaart! Dieser bedeutende Schritt ist nicht nur ein Highlight für das Zoo-Team, sondern auch ein wichtiger Erfolg im Rahmen des internationalen Erhaltungszuchtprogramms (EEP – EAZA Ex-situ Programme). „Die erfolgreiche Paarung unserer Lippenbären ist ein Meilenstein für den Artenschutz“, erklärt Zoodirektor Felix Husemann. „Diese Tiere stehen auf der Roten Liste der IUCN als „gefährdet“. Jeder Zuchterfolg trägt zur Erhaltung der genetischen Vielfalt dieser faszinierenden Art bei.“ Seltene Wildtiere mit besonderem Verhalten Lippenbären sind in freier Wildbahn vor allem in Indien und Sri Lanka heimisch. Laut aktuellen Schätzungen leben dort nur noch rund 6.000 bis 11.000 Individuen – Tendenz sinkend. Der Bestand schrumpft durch Lebensraumverlust, Wilderei und Mensch-Tier- Konflikte. Besonders tragisch: Immer wieder werden Lippenbären auch Opfer des illegalen Tierhandels. Dabei sind sie biologisch höchst interessant: Anders als andere Bärenarten sind sie hauptsächlich insektenfressend – mit ihrer langen, rüsselartigen Schnauze und ohne Schneidezähne im Oberkiefer saugen sie Termiten regelrecht aus ihren Bauten. Auch das Sozialverhalten ist bemerkenswert: Mütter tragen ihre Jungtiere wochenlang auf dem Rücken – ein einzigartiges Verhalten unter Bären. Warum Zoos eine Schlüsselrolle spielen In Zoos wie dem NaturZoo Rheine werden Lippenbären im Rahmen koordinierter Zuchtprogramme gehalten, um stabile Reservepopulationen zu sichern. Ziel ist es, durch genetisch vielfältige Nachzuchten das langfristige Überleben der Art zu gewährleisten. Die Tiere in Zoos dienen nicht nur dem Artenschutz, sondern auch der Umweltbildung: Sie machen auf die Situation ihrer wildlebenden Verwandten aufmerksam und fördern das Bewusstsein für Biodiversität. „Lippenbären sind leider oft unterschätzte Tiere“, so Zooinspektor Michael Rolfs. „Aber sie sind äußerst intelligent, neugierig und haben einen hohen Wiedererkennungswert – echte Botschafter für den Schutz asiatischer Wildnis.“ Die nächsten Wochen werden im Zoo spannend: Die Tragezeit beträgt etwa 6 bis 7 Monate. Mit etwas Glück kann der Zoo noch in diesem Jahr über Nachwuchs berichten – ein weiterer kleiner, aber bedeutender Schritt gegen das Aussterben dieser einzigartigen Tiere." Quelle: Pressemitteilung des Zoos (17.06.2025, 16:07) | ||
| cajun: | Die Randnotiz einer Leipziger Pressemeldung hier eingestellt: "Jahrelanger Zuchterfolg der Indischen Großbären Außerdem feiert die Lippenbärenschlucht in diesem Mai ihr 20-jähriges Bestehen. Nach zehn Monaten Bauzeit eröffnete am 1. Mai 2002 das neue Zuhause der Lippenbären, die zuvor in der 1929 eröffneten Bärenburg gelebt hatten. Dort sorgten diese für 62 Nachkommen, wovon im Jahr 1963 sogar die europäische Erstzucht dieser Art gelang. Zusammen mit den 13 Jungtieren, die gesund im ersten Teilabschnitt der neuen Asienerlebniswelt aufgekommen sind, ist der Zoo Leipzig der erfolgreichste Züchter von Lippenbären außerhalb Indiens." Quelle: https://www.zoo-leipzig.de/artikel/jubilaeen-in-der-erlebniswelt-asien-1270/ (28.04.2022, 15:22) | ||
| Michael Mettler: | @Oliver Müller: Die besagte Tendenz beim Kragenbären besteht schon länger und war auch schon mehrfach Diskussionspunkt im Forum, zuletzt im Juni 2012 im Thread "Bären in Zoos". Zu Tropenbären allgemein siehe auch die dort erwähnte EAZA-Empfehlung. (30.10.2012, 10:55) | ||
| Oliver Müller: | Sehe ich das richtig, dass Tropenbären in deutschen Zoos langsam zu den vom Aussterben bedrohten Arten gehören? Insbesondere bei Kragenbären scheint mir die Situation bedenklich. Es gibt m.W. bei dieser Art fast nur noch "Altenheime" in Deutschland. Berlin will wohl weiter Kragenbären halten und Neunkirchen in die Haltung einsteigen, aber sonst kenne ich nur Haltungen, bei denn alte Tiere ihr "Gnadenbrot bekommen". Weiß jemand mehr? (29.10.2012, 18:00) |
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