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Der "Schauwert" von Tieren



Michael Mettler:   @Stefanie Fischer: Einen solchen Versuchsaufbau habe ich vor etlichen Jahren mal gemacht, allerdings wirklich nur auf den Panda bezogen, "just for fun" und mit einer Zahl von Befragten (Kollegen, Familie Freunde), die für eine ernsthafte Statistik natürlich nicht ausreichend wäre. Ich hatte damals einen Großen Panda von einem Foto abgepaust und neben der Originalversion (also echten Proportionen und echter Farbverteilung) zeichnerisch eine ganze Reihe von Varianten (bei gleich bleibender Körperhaltung) drum herum fabriziert: Mit vergrößerten oder fehlenden Augenflecken, mit schlankeren Gliedmaßen oder spitzen statt runden Ohren, in Negativ-Farbverteilung usw. Dann habe ich meinen Befragten das ganze Sortiment vorgelegt und "hitparadenmäßig" mit Punkten nach Sympathie bewerten lassen. Ich erinnere mich zwar nicht mehr an alle Platzierungen, aber gut an die beiden ersten: Der naturgetreue Panda hatte nur den zweiten Platz belegt, Sieger wurde mit Abstand eine "aufgeplüschte" Version mit größeren Augenflecken und molligerer Kontur...

Damals faszinierte mich das Ergebnis, weil es mich an die Versuche von Verhaltensforschern erinnerte, bei denen verschiedene Arten von Seevögeln (Möwen, Austernfischer, Regenpfeifer) beim Zurückrollen von Eiern ins Nest übergroße und/oder kontrastreicher gefärbte Eiattrappen ihren eigenen Eiern vorzogen (wenn ich mich richtig erinnere, nannte man das Prinzip den "übernatürlichen Auslöser"). Anscheinend ist ein Panda mit überzeichnetem Kindchenschema für uns Menschen ein ähnliches "Idealbild".

Inzwischen interessiert mich viel mehr, den Gedankengang mal rückwärts zu spinnen: Ist womöglich schon der normale Panda bzw. seine Schwarz-Weiß-Färbung ein übernatürlicher Auslöser für uns (also eine Steigerung von etwas Ähnlichem), und falls ja, welche Bedeutung für den Menschen steckt hinter dieser Signalfärbung (zumindest nehmen wir sie ja offenbar als solche wahr - beim Schabrackentapir z.B. wird ja gern angeführt, dass die Kontrastfärbung im heimischen Lebensraum zur Auflösung der Körperkontur und damit zur Tarnung beitragen soll)? Wirklich nur eine Art Neugier, weil vor allem das Weiß eine eher seltene Färbung in der Natur ist, wie uru unten schrieb? Ist der Panda nur ein Symbol für das Ungewöhnliche - oder eine Art "Supermodel" für etwas instinktiv Vertrautes, das bei uns aus irgendwelchen Gründen positive Assoziationen hervorruft?
(16.11.2012, 11:57)
Stefanie Fischer:   @Michael Mettler: Genau das meine ich auch. Ich denke man kann das nicht so allein gestellt sehen, da immer mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Im Versuchsaufbau müsste man den schwarz-weißen Panda z.B. gegen einen lila oder rein schwarzen antreten lassen.

Wenn es sich um das Buch handelt, das ich grade im Kopf habe, dann werden dort der Orca und Panda auch als Beispiele für großen Schauwert durch Größe/Menschenähnlichkeit genannt.
(16.11.2012, 10:46)
Michael Mettler:   Übrigens möchte ich das "generell sympathisch" anzweifeln - zwischen dem Erwecken von Interesse und von Sympathie besteht ja doch noch ein Unterschied.

Zum Teil ist das sicherlich auch durch Wissensvermittlung bedingt. Der Orca z.B. hat erst seit seiner Haltung in Ozeanarien ein positives, symphatisches Image bekommen; vorher hatte er ein ähnliches wie Hai oder Krokodil - trotz Schwarz-Weiß-Färbung. Die Elster wäre ein weiteres Beispiel, da überwiegt m.E. das schlechte Image (Dieb, Nesträuber), auch wenn sie durchaus Aufmerksamkeit hervorruft. Und eine Kalifornische Kettennatter wird wohl nur bei ausgesprochenen Schlangenliebhabern Sympathie wecken.

Abgesehen von möglichen kulturellen Unterschieden wären da vielleicht gerade die Wertungen und Reaktionen von Kindern in einer Altersklasse interessant, in der sie noch nicht "verkopft" wurden. Mir ist z.B. schon öfter aufgefallen (da wären wir wieder bei ganz weißen Tieren), dass Kinder albinotische Tiere toll fanden und sich nicht an deren roten Augen störten, während die dazugehörigen Erwachsenen die Augen "irgendwie krank" empfanden - da spielen vielleicht Erfahrungswerte und Erlerntes/Überliefertes (blutunterlaufene Augen beim Menschen = ungesund), was Kinder anfangs nicht kennen, eine Rolle.

Aber je mehr ich darüber nachdenke und stöbere, desto mehr schwarzweiße Tierarten finde ich, die für mein Empfinden beim Zoobesucher nicht mehr Interesse hervorrufen als andersgefärbte nahe Verwandte (und wenn doch, dann vielleicht eher wegen anderer tatsächlicher oder angedichteter Eigenschaften, wie z.B. Stinktier oder Weißstorch). Ich denke da an Beispiele wie Spaltfußgans, Silberfasan oder Palmgeier. Auch bei einem Straußenhahn wäre ich mir nicht so sicher, ob nicht Größe und Gestalt eine wichtigere Rolle für seinen unbestrittenen Schauwert spielen als die Färbung. Ebenso bei einer schwarzrückigen Möwe - sorgt wirklich die Färbung für Aufmerksamkeit, oder kommt bei dem Anblick nicht eher Urlaubsstimmung wegen der Erinnerung an Ferien am Meer hoch...? Sonderlich sympathisch scheinen Möwen jedenfalls vielen Menschen nicht zu sein. Arabische Oryx hatte ich schon genannt, mit der männlichen Hirschziegenantilope hätten die Paarhufer sogar ein Tier mit kontrastreich "geschminktem" Gesicht zu bieten - aber quasi als Negativ zur Pandazeichnung, nämlich schwarz mit weißer Nase, weißen Augenringen und weißen Ohren. Aber erregt ein solcher HZA-Bock wirklich gesteigerte Aufmerksamkeit oder gar Sympathie?

Scheint so, als müsse neben der Färbung und ihrer Verteilung doch noch ein weiterer Faktor (wahlweise Menschenähnlichkeit, Kindchenschema/Niedlichkeit, vertraute - haustierähnliche? - Körpergestalt) ins Spiel kommen, um Effekt beim Menschen zu erzielen. Da hätten dann Säugetiere schon mal die besten Karten, und so scheint es mit Blick auf die beliebtesten Schwarz-Weißen ja auch zu sein. Vielleicht gilt das für die "ganz Weißen" sogar genauso.
(12.11.2012, 22:22)
Michael Mettler:   @Liz: Klasse, die Äußerung von Hediger kannte ich, aber die noch recht aktuelle Aussage von Meier war mir nicht bewusst (auch wenn ich das Buch habe). Also gibt es da tatsächlich noch Forschungs- bzw. Erklärungsbedarf.
(12.11.2012, 19:15)
Michael Mettler:   @Stefanie Fischer: Ja, da schließe ich mich an - die Art der Farbverteilung dürfte eine Rolle spielen. Je kleiner/schmaler die einzelnen Musterelemente, desto eher verwischt es sich optisch zu einem Grau-Effekt. Wie z.B. bei einem von weitem betrachteten Grevyzebra. Das, was man bei Haustieren als Plattenscheckung oder Gürtelzeichnung bezeichnet - großflächige, klar abgegrenzte Farbfelder wie z.B. bei Shetlandpony-Schecken oder Sattelschweinen - erzeugt wahrscheinlich mehr Schauwert. Im Grunde ist ja auch ein Großer Panda oder ein Schabrackentapir nichts weiter als ein (sehr symmetrisch gefärbter) Schecke.

Ich hatte auch schon gedacht, dass eine optische Betonung der Augen eine Rolle spielen könnte (Mensch = Augentier); das passt allerdings zwar bei Panda, Katta, Orca und in gewissem Sinne auch bei Zebras, aber bei Pinguinen nicht unbedingt. Immerhin betonen auch manche Menschen, die mit starker Mimik "darstellen", durch Schwarz-Weiß-Schminke ihre Gesichter (Pantomimen, Clowns) - das spricht vielleicht Ähnliches in uns an wie der Anblick eines Pandas.

Auch der jeweilige Anteil von Schwarz zu Weiß könnte eine Rolle in der Beurteilung spielen. Bei Panda, Böhmzebra oder Pinguin nähert sich das ja einem 50:50-Verhältnis.
(12.11.2012, 19:10)
Liz Thieme:   Zur Ausgangsfrage:
>Interessanterweise wirken schwarz-weiß gefärbte Tiere auf Menschen generell sympathisch. Diese Tatsache wurde allerdings bisher wissenschaftlich nicht näher untersucht. Bereits Hediger (1965) hat darauf hingewiesen, dass schwarz-weiß gefärbte Tiere ideale "Werbetiere" sind.< (Jürg Meier, 2009, Hanbuch Zoo, Seite 120)
(12.11.2012, 18:53)
Stefanie Fischer:   Ich denke ebenfalls, dass dies am Kontrastempfinden liegt. Stärker als schwarz-weiß kann der Farbunterschied nicht sein. Ich glaube, dass da aber auch die Musterung eine große Rolle spielt. Ein Schaf was zur Hälfte weiß und die andere schwarz ist, wird weniger Aufmerksamkeit erregen als eines mit schwarz-weißen Zebrastreifen.
(12.11.2012, 18:16)
Michael Mettler:   Ich meine übrigens mal in sehr alter Zooliteratur gelesen zu haben, dass einige Zoos die Haltung der südlichen Steppenzebra-Unterarten beendet hatten, als Böhm- alias Grantzebras über Importe verfügbar wurden (in Ostafrika waren ja erst wesentlich später Tierfänger unterwegs als im südlichen Afrika), und zwar mit der Begründung, dass deren klare Schwarz-Weiß-Zeichnung attraktiver sei.
(12.11.2012, 17:08)
Michael Mettler:   @WolfDrei: Die Vari-Frage finde ich tatsächlich spannend.

Dass Weiß auch ohne Kontrastzeichnung großes Interesse auslöst, wie uru schreibt, ist zweifellos richtig, egal ob es sich um die "reguläre" Färbung eines Tieres handelt wie beim genannten Eisbären oder um eine Farbmorphe/Mutation. Ob Weiß aber tatsächlich immer mit "unschuldig" assoziiert wird...? Das dürfte wohl eher vom Gesamtimage eines Tieres abhängen. Weiße Schlangen rufen wahrscheinlich trotz der "Unschuldsfarbe" nur wenige positive Reaktionen hervor.

Ist der kleinste gemeinsame Nenner vielleicht wirklich nur die optische Auffälligkeit, um den Gedanken von Holger Wientjes weiterzuspinnen? Vom Durchschnitt Abweichendes (in Farbe, Gestalt, Größe usw.) zieht ja eher die Blicke auf sich als das "Normale". Aber wenn es eine einfarbige Pinguin-Art gäbe, dann wäre die der Exot unter den "Normal-Schwarzweißen" - trotzdem würde ich wetten, dass sie in der Beliebtheit nicht gegen Letztere ankäme. Auffälligkeit also nur bezogen auf die Umgebung im Zoo, sprich den Hintergrund des Geheges?

@C. Lissner: Niedlichkeitsfaktor passt nicht bei allen Schwarzweißen - ein Zebra oder auch eine Arabische Oryx fällt da m.E. nicht unbedingt drunter, Pinguin und Panda dagegen zweifellos.

Wäre mal interessant zu wissen, ob Besucher eines Streichelzoos innerhalb der selben Herde z.B. gescheckten Zwergziegen größere Aufmerksamkeit schenken als ungescheckten und weiße Schafe andersgefärbten vorziehen. Dass viele Schafrassen auf Weiß selektiert wurden, hat ja eher damit zu tun, dass man weiße Wolle beliebig einfärben kann. Einige Haustierrassen sollen bewusst auf Schwarz-Weiß-Kontrast selektiert worden sein, weil man dann im Gelände bei jeder Wetterlage zumindest einen Teil von ihnen sehen kann (z.B. Border Collie und Walliser Ziege).
(12.11.2012, 16:19)
uru:   Vielleicht sind Tiere mit Weiss als hauptfarbe seltener in der Natur und deshalb atraktiver.Was wirkt atraktiver als ein Blauer Pfau?Ein Weisser "Blauer" Pfau.
(12.11.2012, 15:11)
C. Lissner:   Niedlichkeitsfaktor? Ist ja beim Panda und bei jungen Eisbären der Fall. Und Koalas sind ja auch populär, obwohl sie grau sind.
(12.11.2012, 14:55)
Regina Nieke:   @ uru: Stimmt! Als die Knut-Manie damals ausbrach wurde auch oft geschrieben/gesagt, dass "weiß" halt unschuldig wirkt und damit auch positiv...
Persönlich muss ich sagen, das ich Schabrakentapire interessanter finde als Flachland/Bairds... was aber vermutlich NUR daran liegt, dass - bevor Leipzig kam - keines in der Nähe von Berlin zu finden war. Somit ist da wohl nicht die Schwarzweißfärbung der Grund (jedenfalls für meine Person).
(12.11.2012, 14:49)
uru:   Vielleicht ist Weiss als Hauptfarbe wichtig.Polarbär ist beliebter als andere Báren, sogar schwartz-weisse.
(12.11.2012, 14:32)
Sacha:   @Holger Wientjes: Guter Einwand. Mich selbst faszinieren beispielsweise Tiger und Leoparden auch mehr als (ausgewachsene) Löwen. Könnte durchaus am Kontrast liegen.

@MM: Der Weisse Ohrfasen hat aber nur einen sehr geringen Schwarzanteil, weshalb ich ihn nicht ihn diese Kategorie einteilen würde.
(12.11.2012, 13:16)
Holger Wientjes:   Vielleicht liegt es einfach auch nur daran, dass das der maximal mögliche Kontrast ist, der die Arten so auffällig und damit interessant macht ?!
(12.11.2012, 10:32)
WolfDrei:   Was macht ein nicht wissender Betrachter mit roten und schwarzweißen Varis?
(12.11.2012, 10:23)
WolfDrei:   Obwohl "an sich" schon mit hohem Schauwert, kämen wohl noch u.a. Orca und Jacobita hinzu. Spontan würde ich sagen, daß ein Hartmannzebra mich stärker fesselt als ein doch etwas bunteres Steppenzebra. Und beim Grevy liegen mir die Streifen doch etwas zu dicht aneinander. Der "prefessionelle" Amateur wird natürlich gleich Seltenheit etc. mit in die Betrachtung einbeziehen und vor einem grauen afrikan. Rhebok auf die Knie sinken.
(12.11.2012, 10:20)
Michael Mettler:   Laut Tiergartenbiologie erfreuen sich plakativ schwarz-weiß gefärbte Tiere besonderer Beliebtheit beim Publikum, als Beispiel werden gern Großer Panda, Pinguine und Zebras genannt. Möglicherweise fällt auch z.B. der Katta noch in diese Kategorie, obwohl bei ihm eine weitere Farbe hinzukommt - Gesicht und Schwanz sind aber am auffälligsten, und die sind nun mal klar schwarz-weiß gemustert. Verallgemeinern darf man die Erkenntnis wohl nicht - ich habe noch nie gesteigertes Publikumsinteresse z.B. beim Anblick Weißer Ohrfasane bemerkt. Insofern muss also wohl noch ein zusätzlicher Faktor eine Rolle spielen.

Aber: Hat jemand schon mal irgendwo Deutungsversuche gehört oder gelesen, WARUM der Mensch sich ausgerechnet für schwarz-weiße Tiere begeistert? Für einen Primaten mit ausgeprägtem Farbsehvermögen ist das doch eine recht ungewöhnliche Vorliebe.
(12.11.2012, 09:26)

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