
| Sitara: | Da hier von dem Flutturm der Primatenanlage im Prager Zoo der Rede ist, den so mancher nicht kennt, möchte ich auf folgende website http://www.rozhlas.cz/unmasking/comments/_zprava/203227 hinweisen, wo man dazu auf englisch mit Bildern Informationen erhält. Dies gehört zu folgendem Projekt: Seit Mitte November kann man im Internet für ca. 2 Monate rund um die Uhr durch Live-Videos die Gorillagruppe des Prager Zoos beobachten; inszeniert vom tschechischen Fernsehen als sogen. unmasking . Das Publikum erhält die Möglichkeit, einen Favoriten per SMS zu wählen, der Erlös soll einem In-situ-Projekt für Flachlandgorillas zu Gute kommen. Flankierend dazu laufen sehr interessante Informationen zu Gorillas im allgemeinen und der Haltung der Gruppe im Prager Zoo von Wissenschaftlern, Zoologen, Tierpsychologen, Tierpflegern etc. meist in Interviewform, die man als der tschechischen Sprache nicht Mächtiger in der ENGLISH VERSION unter: http://www.rozhlas.cz/odhaleni/live/?video=1&kvalita=s&format=wm sehen und mitlesen kann. (10.12.2005, 00:00) | ||
| Konstantin Ruske: | In Prag wird der Ostafrikanische Spießbock gehalten, auch das würde einen wegfall der haltung sehr bedauerlich machen. Grundsätzlich sollten im unteren Gelände des Prager Zoos ( zur Topographie: grob 3 Bereiche- 1. Uferwiese, an der Moldau 2. diese begrenzend auf ganzer Länge ein steiler Höhenzug mit Hochplateau 3. andere Seite des Höhenzuges, die ein breites langes Tal bildet.) " wassertiere" im weitesten Sinne gehalten werden ( also wasservögel, tapire, Sitatungas, Affen auf Inseln, die auf Bäume flüchten könnten- habe übrigens in der neuen " Wasserlandschaft" bei den Affen keine Türme gesehen,und es sollten Areale enstehen, deren Mögliche Überschwemmung nicht so gravierend wäre ( Kinderzoo). Mit der wiederinbetriebnahme des Riesenschildkrötenhauses und des Raubtierhauses hat man sich zwar etwas davon abgewandt, aber sonst eigentlich so durchgeführt. Der Kinderzoo wurde dort wieder aufgebaut, Kranichgeghege ausgestaltet und große Volieren an die Felswand, ( die aber schon recht weit oben liegt) angebaut. (09.12.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Ein Funke Hoffnung... An dieser Stelle übrigens mal ein Lob an den im Forum auch oft kritisierten Tierpark Berlin, denn dieser ist einer der wichtigsten Zuchtstandorte für die großen Wüstenantilopen! (08.12.2005, 00:00) | ||
| Konstantin Ruske: | es war doch nicht ganz unsinnig, dem Zoo Prag zu schreiben. Die prompte Antwort ist erst einmal positiv: Der Zoo plant wie erhofft laut Aussage nur eine Verlagerung innerhalb des zoos, keine Reduzierung des Antilopenbestandes. Vorerst also Entwarnung, hoffen wir, das es so bleibt, aber erst mal bin ich ein bißchen beruhigt. (08.12.2005, 00:00) | ||
| Sitara: | Der Zoo versteht sich AUCH als "Arche", aber nicht nur! Dazu kommt eben auch der wirtschaftliche Aspekt, der ist nun mal nicht wegzudenken, im besonderen auch bei privat geführten Zoos/Zooparks/Safariparks. Es ist schon was Wahres dran, dass ALLE an der Tierwelt Interessierten sowohl in situ als auch ex situ miteinander Wege finden müssen, um nicht weitere Arten aussterben zu lassen, aber ich fürchte, dass es über die weitere Zukunft hinaus gesehen, in 100-200 Jahren viele Tierarten, darunter auch Orang Utans, Asiatische Elefanten etc. nicht mehr geben wird. Ein sehr pessimistischer Ausblick, und trotzdem oder gerade deshalb lohnt JEDER Versuch dagegen etwas zu unternehmen. Die Tiergärten tragen neben vielen anderen (Privat)Initiativen einen Teil dazu bei, aber es muß eben finanzierbar bleiben. (07.12.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | @Sitara: Wo in situ nix mehr ist, kann sich auch nix reproduzieren, ob mit niedriger oder hoher Rate..... Und den Bongos in den Aberdares hat anscheinend ihre Vermehrungsrate auch nichts genützt, da sie offensichtlich nur leckeres Futter für die neu ange (07.12.2005, 00:00) | ||
| Stefan Schubert: | Zunächst wurde nach der Flut an der Eindeichung gearbeitet. Die Fachleute behaupteten, das so eine Flut hier nur alle 500 Jahre auftreten würde. Schon davor hatte man vorsorglich im neuen Gorillahaus einen Flutturm integriert, in dem sich die meisten Tiere auch retteten und schliesslich mit Booten evakuiert wurden. Die neuen Affenanlagen kannte ich nur aus der Bauphase, doch fallen hier hohe nicht unbedingt schönen Türme auf, mit eben diesen Zweck! Doch haben die Prager Zooleute das Vertrauen in den unteren Teil wiedergefunden und so wurden hier die Volieren, die Vogelhäuser, das Schildkröten- und das Raubtierhaus instandgesetzt, sowie Anlagen für Flachlandtapire am Elefantenhaus, für Geparden und einige begehbare Volieren neu erstellt! Für die Leute, die Prag nicht kennen ein kleiner Tipp: Den Höhenzug zwischen dem unteren und oberen Parkteil bilden natürlich Felsgehege, für mich eines der Highlights des Zoos! (07.12.2005, 00:00) | ||
| Sitara: | Wenn man mal von dem Faktor absieht, dass Elefanten im Zoo wohl einen größeren Beliebtheitsgrad bei der Mehrzahl der Besucher aufweisen als z. B. Antilopen, Gazellen und Co., gibt es noch einen mir wichtig erscheinenden Aspekt, der sicher auch die Verantwortlichen der Erhaltungszuchtprogramme und die Zoodirektoren beeinflußt und das ist die sehr niedrige Reproduktionsrate bei Elefanten und den meisten Menschenaffen sowohl in situ als auch ex situ. Diese ist eben bei den Antilopenarten um ein Vielfaches größer. Wie es dann in der Wirklichkeit aussieht, vor allem auch in situ in erster Linie durch Reduzierung des Lebensraums, ist ein sehr weitläufiges und häufig diskutiertes Thema, das den Rahmen hier wohl sprengen dürfte. Nicht umsonst gehen zur Zeit wieder Schlagzeilen um die Welt, dass umfassendere Culling-Aktionen von Elefanten im Krüger Nationalpark "notwendig" (!?) werden... Was die zukünftige Tierhaltung im unteren Teil des Prager Zoos betrifft, kann uns sicher Jana eine kompetente Antwort geben, da sie direkt am "Geschehen" dran ist. Mein Besuch dort ist bereits über ein Jahr her. (07.12.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Ich war nie in Prag und kenne deshalb die Topografie nicht: Wie - wenn überhaupt - soll denn in Zukunft der flutgefährdete Bereich genutzt werden? Wenn für Tierhaltung, kommen ja eigentlich nur Haustiere in Frage, die man im Bedarfsfall umproblematischer als Wildtiere evakuieren kann! (07.12.2005, 00:00) | ||
| Karsten Vick: | Ich hoffe sehr, dass Prag sich als schlechtes Beispiel für diese Diskussion erweist, also dass sie ihre Antilopen nur intern verlagern. Es geht ja hier darum, gefährliche und unhandliche Tierarten so schnell wie möglich aus dem flutgefährdeten unteren Zooteil rauszukriegen. Dafür ist unten zumindest eine Antilopenanlage (Sitatungas) schon neu entstanden. Übrigens halten sie OSTafrikanische Beisas. (06.12.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Leute, das wird jetzt der längste Beitrag in der Geschichte des Forums, aber es macht wenig Sinn, ihn zu stückeln. Also lehnt euch zurück auf euren Schreibtischstühlen und lasst die Zahlen auf euch wirken. Wie angekündigt habe ich wegen Bestandszahlen verschiedener Antilopenarten im Freiland recherchiert, um den Elefantenvergleich mit Fakten belegen zu können. Quellen waren diverse Bücher (nicht älter als 10 Jahre) und Wikipedia. Freiland ist dabei relativ, in Südafrika z.B. leben die meisten Großtiere auf Farmland und werden wie Vieh gemanagt. Selbst in situ stimmt nicht immer, gibt es doch manche Arten durch Umsiedlungen auch außerhalb ihrer eigentlichen Verbreitung. Leider stellte sich heraus, dass die Angaben teilweise erheblich schwanken. So ist z.B. aus der Angabe in Südafrika nicht immer ersichtlich, ob damit das Staatsgebiet Südafrikas oder der gesamte afrikanische Süden (analog zu Nordafrika) gemeint ist, also auch Länder wie Namibia, Botswana, Simbabwe oder Mosambik umfasst. Ich beschränke mich überwiegend auf Großantilopen und darunter solche Arten, die in deutschen und europäischen Zoos derzeit (noch?) gehalten werden oder bis vor kurzem wurden, denn nur diese leiden ja unter den Reduzierungsmaßnahmen. Und da ich schon beim Vergleichen bin, habe ich noch Zahlen für Menschenaffen (die in den Zoos analog zu den Elefanten höchste Priorität genießen) und einige andere, ebenfalls in den Zoos vertretene Großtiere zusammengesucht. Es ist mir klar, dass dabei Apfel-Birne-Vergleiche entstehen, also Art gegen Unterart gestellt wird oder Arten mit riesigem Verbreitungsgebiet gegen solche mit inselartigem Vorkommen, und dass Großraubtiere naturgemäß zahlenmäßig seltener sind als die großen Pflanzenfresser, von denen sie leben. Es geht hier ausschließlich um die nackte Zahl, denn nur diese gilt schließlich auch in populationsgenetisch gemanagten Zuchtprogrammen. Ich erinnere zur Einleitung an die Bestandszahlen der beiden Elefantenarten (die Frage, ob der Waldelefant eine eigene Art ist, lasse ich mal beiseite, da auch in manchen Quellen die beiden Formen in einer gemeinsamen Stückzahl zusammengefasst sind): Asiatischer Elefant 40.000 bis 70.000, Afrikanischer Elefant ca. 600.000. Zum Vergleich beginne ich mit den derzeit in Prag gehaltenen Antilopenformen, da sich an diesem Beispiel die Diskussion entzündet hat. Mendesantilope (Addax): im Freiland höchstens 500 Tiere, dazu angeblich 2.000 in Zoos Säbelantilope: im Freiland höchstwahrscheinlich ausgerottet, Kleinstgruppen in Wiederansiedlung; in Zoos ca. 3.500 (zweithäufigste Zoo-Antilope überhaupt!) Ostafrikanischer Bongo (alle Zoo-Bongos gehören zu dieser Unterart): im Freiland weniger als 500 mit fallender Tendenz, in Zoos etwa 500. Der größte Freilandbestand in den Aberdare-Bergen Kenias brach zusammen, als dort Löwen angesiedelt wurden!! Kafue- oder Brauner Litschiwasserbock (alle Zoo-Litschis gehören dieser Unterart an): im Freiland ca. 50.000 in einem räumlich eng begrenzten Gebiet Sambias. Kulturflüchter, zudem neigen die ortstreuen Litschis nicht dazu, neue Areale zu erobern (oder zurückzuerobern). Rappenantilope: im Freiland ca. 60.000. Akut bedroht sind zwei Unterarten, die nicht in den Zoos gehalten werden, nämlich Riesenrappenantilope und Kenia-Rappenantilope. Überlebenschance durch kommerzielle Nutzung (Tourismus und Trophäenjagd). In Zoos allmählich selten werdend. Blässbock: im Freiland = Farmland je nach Schätzung zwischen 50.000 und 150.000 Tieren. Wird schon lange kommerziell (Fleisch und Felle) gezüchtet und bereits auf Größe selektiert (u.a. durch Bastardisierung mit dem Buntbock!), auf dem Weg zum Haustier. Zukunft damit vorerst gesichert. In Zoos häufig gehalten. Tieflandnyala: im Freiland verbreiteter denn je, da bevorzugte Art für Neuansiedlungen (auch in Gebieten, in denen sie vorher nie vorkam verdrängt dort teilweise den Buschbock!). Allein die Parkbehörde in KwaZulu-Natal hat innerhalb 25 Jahren 8.000 Nyalas umgesiedelt! In Zoos häufig gehalten. Sitatunga: keine umfassenden Zahlen gefunden. Im südlichen Afrika wahrscheinlich um 30.000, im westlichen, zentralen und östlichen Afrika nur lokal verbreitet, aber dann nicht selten (alle Zoo-Sitatungas dürften der west- und zentralafrikanischen Unterart angehören). In Zoos häufig gehalten. Beisa: Welche wird in Prag gehalten? Der Südafrikanische Spießbock zählt 200.000-300.000 und wird speziell in Namibia kommerziell genutzt (Fleisch, Trophäenjagd), im Moment sicher. Die Ostafrikanische Beisa mit ihren beiden Unterarten (Beisa und Büschelohr-Spießbock) zählt zusammen ca. 75.000 Stück, überwiegend in Nationalparks und damit zurzeit gesichert. In Zoos immer seltener. Nun zu anderen Arten und Unterarten: Weißschwanzgnu: 4.000-12.000 im Freiland = Farmland, in Zoos immer seltener (in Deutschland ausgerottet!) Buntbock: 2.000 im Freiland, auf Farmland Bastardisierung mit Blässböcken. In europäischen Zoos so gut wie ausgerottet. Kleiner Kudu: im Freiland 40.000. Südliche Unterart derzeit sicher, nördliche in Somalia sehr unsicher. In Zoos nicht häufig. Elenantilope: im Freiland ca. 150.000. Kommerzielle Nutzung z.B. in Simbabwe. Derzeit nicht bedroht. Weißnacken-Moorantilope (Mrs. Grays Wasserbock): im Freiland 30.000-40.000. In Zoos immer seltener. Damagazelle (inklusive Mhorr-): im Freiland und in Wiederansiedlugen zusammen weniger als 2.000. In Zoos nicht häufig. Springbock: Schätzungen schwanken gewaltig, zwischen 100.000 und 600.000! In Südafrika kommerziell (Fleisch und Felle) genutzt, Selektion auf Größe läuft bereits (u.a. durch Verkreuzung verschiedener Populationen, Unterarten sind umstritten). Auf dem Weg zum Haustier, keine Gefährdung. In Zoos häufig. Nilgau: im Freiland in Indien ca. 10.000, in Pakistan deutlich weniger; dazu ein fast gleichgroßer, in Texas angesiedelter Bestand. Aus vielen Zoos bereits verschwunden. Hirschziegenantilope: im Freiland ihrer Heimat ca. 50.000, dazu mehrere Tausend in Zoos (häufigste Zooantilope weltweit) Impala: im Freiland ca. 1,5 Millionen, davon zwei Drittel im südlichen Afrika. Wie die Nyala bevorzugtes Umsiedlungswild, da kommerziell bedeutsam (Fleisch, Trophäenjagd, Tourismus) innerhalb von 30 Jahren wurden allein in Südafrika 250.000 Impalas umgesiedelt! Da Impalas extrem konkurrenzfähig sind (und selbst auf Golfrasen noch brauchbare Lebensbedingungen finden!), führte ihre übermäßige Anwesenheit in vielen Gebieten zum Rückgang anderer, spezialisierterer Antilopenarten (z.B. Pferde-, Rappen- und Leierantilope, Wasserbock, Großriedbock und Oribi). Was fällt dabei auf? 1. Genau die Arten, die KEINER akuten Bedrohung unterliegen, bilden ein bevorzugtes (und in Ausbreitung begriffenes) Antilopenspektrum in den Zoos: Blässbock, Springbock, Impala, Sitatunga, Tieflandnyala, Elenantilope. 2. Schon lange vor der Bush meat-Krise hat es eine Desert meat-Krise gegeben, während der die nordafrikanischen Großantilopen aus ähnlichen Gründen praktisch ausgerottet wurden. Es wäre also auch in dieser Richtung mal eine Kampagne fällig aber da in Nordafrika weder Elefanten noch Menschenaffen betroffen sind, wird es dazu wohl nicht kommen.... 3. Nationalparkverwaltungen arbeiten nicht immer zum Guten aller Tierarten. Das genannte Beispiel mit den Löwen und Bongos ist zwar das Spektakulärste, aber gerade in Südafrika werden Wildtierbestände häufig zu Gunsten touristisch wertvoller Arten (und somit zum Nachteil anderer) gemanagt. So legte man im Norden des Krüger-Parks zusätzliche Wasserstellen an, um auch dort Herden von Steppenzebras und Büffeln präsentieren zu können. Diese zerstörten in der Folge die Hochgrasflächen, welche u.a. von Pferdeantilopen für den Schutz ihrer Kälber benötigt werden. Da Pferdeantilopen (zu) sehr standorttreu sind, brach der ohnehin kleine Bestand zusammen! Und jetzt noch einige Zahlen anderer Tierarten und -unterarten zum Vergleich: Westlicher Flachlandgorilla 90.000-100.000; Östlicher Flachlandgorilla 5.000-15.000; Berggorilla 400-700; Bonobo 5.000-20.000; Schimpanse 200.000; Sumatra-Orang 3.000; Borneo-Orang 15.000; Dschelada 600.000. Afrikanischer Wildhund 2.000-3.000; Afrikanischer Gepard 9.000-12.000; Afrikanischer Löwe 16.000-50.000. Breitmaulnashorn 5.000-11.000; Spitzmaulnashorn 2.000-3.000; Panzernashorn 2.500; Sumatra-Nashorn 300. Grevyzebra 5.500 (hatte ich nicht letztens irgendwo was von höchstens noch 1.000 gehört?); Kap-Bergzebra 350; Hartmann-Bergzebra 7.000-15.000; Steppenzebra 700.000-1.300.000. Hirscheber 4.000; Vikunja 150.000; Atlashirsch 4.000; Okapi 10.000-20.000; Wisent 3.000; Banteng 5.000; Gaur 20.000; Riesenelenantilope 16.000; Jentinkducker 2.000-10.000; Hunters Leierantilope 400; Giraffengazelle 70.000; Moschusochse 25.000-30.000. Interessant, dass manche Art, vor denen wir Zoofans in Ehrfurcht erstarren, im Freiland weniger selten ist als gedacht. Das Selbe gilt auch und besonders für die Menschenaffen! Schlagen wir nun den Bogen zurück und beziehen uns auf die jeweils pessimistischste Schätzung: Der Asiatische Elefant zählt demnach mindestens 40.000 Tiere. Sein Weltbestand ist damit fast dreimal so groß wie der von Mendesantilope, Säbelantilope, Ostafrikanischem Bongo, Buntbock, Weißschwanzgnu und Damagazelle ZUSAMMEN (inklusive Zoobeständen!). Da kommt man doch zwangsläufig ins Überlegen, ob die derzeitige Ausrichtung der Zoos wirklich so sehr dem Arterhalt dient wie propagiert... Ostafrikanischer Bongo und Mendesantilope bewegen sich mit ihrer Bestandszahl im Freiland in der Liga von Berggorilla, Kap-Bergzebra und Sumatranashorn, die Säbelantilope gar auf dem Niveau des Javanashorns. Es gibt mehr als dreimal so viele Schimpansen wie Rappenantilopen auf dieser Welt, und selbst die Elenantilope wird von ihnen zahlenmäßig übertroffen. Und die geschätzte Bestandszahl des Afrikanischen Elefanten nähert sich der unteren Schätzgrenze des Steppenzebras.... So, und jetzt genug meiner Interpretationen, jetzt sind eure dran. (06.12.2005, 00:00) | ||
| Aguti: | Meinte die neue Gorilla-Anlage in Frankfurt. (06.12.2005, 00:00) | ||
| Aguti: | @Michael Mettler: Laut Masterplan dürfte die neue Gorilla-Anlage sich wohl über Teile des Streichelzoos, Anlage für Kleine Pandas und Irrgarten erstrecken. (06.12.2005, 00:00) | ||
| Dirk K: | Hoffentlich findet so eine Tendenz zu Standardzootieren nicht auch in Krefeld statt. So ist ja der Bau der Gorillaaußenlage auf der ehemaligen gr. Ameisenbär/Ceylon-Hulman-Anlage ja scheinbar schon beschlossene Sache. Aber vielleicht wird ja eine Möglichkeit gefunden, die Tiere zoointern zu verlegen. (06.12.2005, 00:00) | ||
| Konstantin Ruske: | Der Bau findet statt, klar, aber verlagerungen im Zoo wären ja schon noch möglich ( der Antilopen). Das soll ja auch keine " Unterschriftensammlung" werden, sondern einfach ein zeichen, das doch Interesse an huftieren besteht, was bestimmt in manchen zooleitungen schlicht nicht vermutet wird. (06.12.2005, 00:00) | ||
| Oldzooboy: | Ich denke,d as wird die Prager Zooleute kaum beeindrucken, wenn villeicht 50 Zoo-Freaks ihr Bedauern über die geplanten Reduzieungspläne im Antilopenbestand in diesem Gästebuch audrücken.Der Bau der Elefanten,-und Flußpferdanlagen sowie des Südamerikahauses ist wohl beschlossene Sache und wird sich so nicht mehr aufhalten lassen. Ich frage mich nur, warum der Zoo nicht andere Anlagen abreisst ( Emus, Känguruhs, Greifvögel,Wölfe)um somit Platz zu machen für eine Verlegung der Antilopen. (06.12.2005, 00:00) | ||
| Konstantin Ruske: | warum sollte nicht jeder, der ganz aktuell eine mögliche Reduzierung des Antilopenbestandes in Prag bedauert, sich in höflicher und angemessener Form an das unten angeführte Internet- Gästebuch wenden? Wenn auch vielleicht keine Entscheidungen revidiert werden, so würde doch deutlich, das die Antilopen nicht unbemerkt und auch nicht bei gleichgültiger Bewertung des Vorganges verschwinden würden. (06.12.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Bin noch am Recherchieren bezüglich weiterer Bestandszahlen bedrohter (Zoo-)Tierarten. Um ehrlich zu sein, habe ich mich bislang auch in der Regel mit der Information "bedroht" zufrieden gegeben und hatte erst am genannten Beispiel das Aha-Erlebnis mit den absoluten Zahlen. Dazu später mehr. Vorab möchte ich noch anmerken, dass ich keineswegs generell gegen den Neubau von Elefantenanlagen bin, denn so könnte man meine bisherigen Äußerungen interpretieren. Solange eine bislang ungenutzte Fläche zur Verfügung steht, auf der entweder die neue Elefantenanlage gebaut wird oder ein neues Quartier für jene Tierarten, die dem Ausbau der bestehenden Anlage weichen müssen, spricht ja nichts gegen dagegen. Und das gilt keineswegs nur in Bezug auf Elefanten, sondern auch für andere Bauprojekte, denen derzeit "Tierarten zum Opfer fallen". (Wie ich hörte, soll demnächst mit dem Bau der großen Gorilla-Anlage in Frankfurt begonnen werden - mal sehen welche Auswirkungen DAS hat.) Denn das ist das von mir angeprangerte Problem: Die einseitige Ausrichtung vieler Zoos auf neue, große Anlagen für Arten, die auch ohne didaktischen Aufwand den normalen Zoobesucher schon interessieren. Und das sind vorrangig genau jene - diesen Vergleich werden die Zoos nicht gern hören - mit denen noch vor wenigen Jahren jeder größere Circus sein Publikum anlockte: Elefanten, Großkatzen, Bären, Ohrenrobben, Menschenaffen. Eine WIRKLICHE Aufgabe der Zoos in Sachen Artenschutz besteht aber m.E. darin, den Besucher über die Bedrohung solcher Arten zu informieren (und selbst den züchterischen Beitrag zu leisten), die nicht sowieso schon jeden Tag auf irgendeinem Fernsehsender in irgendeiner Doku zu sehen sind. Ich habe schon an anderer Stelle meine Meinung geäußert, dass es an mangelnder Didaktik von Seiten des Zoos liegt, wenn eine Tierart oder -gruppe (z.B. die hier behandelten Antilopen) beim Besucher nicht richtig "ankommt". Hier gilt es eben, Interesse zu wecken und wach zu rütteln, statt sich bequemerweise auf die Wirkung der schon vorhandenen Publikumslieblinge zu verlassen. Vor allem bei räumlich enger Nachbarschaft von Zoos bietet sich durchaus auch der Verzicht auf Elefanten an, wenn einer der Nachbarn nur unzureichende Bedingungen für die Haltung aufweist, während der andere diese bereits optimiert hat. Das beim "Elefanten-Wettrüsten" auf diese Weise eingesparte Geld könnte dann anderen Arten zugute kommen. Dortmund und Frankfurt sind gute Beispiele "großer" Zoos (wie auch immer man diesen Begriff definiert), die ohne Elefanten "funktionieren". In beiden Fällen gibt es relativ nahe gelegene Zoos, in denen Elefanten gehalten werden (Duisburg/Wuppertal bzw. Kronberg). Warum sollte also nicht z.B. Augsburg irgendwann auf Elefanten verzichten (die im nahe gelegenen München mit einer Zuchtgruppe vertreten sind) und auf deren bisheriger Fläche einer (oder mehreren) anderen bedrohten Arten einen Erhaltungszuchtstandort bieten? Aber ich fürchte, man wird dort eher sagen "Klar wollen wir auch Elefanten züchten, und wenn München Asiaten hat, nehmen wir eben Afrikaner"..... (06.12.2005, 00:00) | ||
| Hannes: | Sehr Informativ. Und hier geht es nur um eine Art die von Elefanten verdrängt wird. Ich finde die Zoos müssen die elefantenhaltung nicht aufgeben und ich befürworte die Ausbauten der jetzt schon züchtenden zoos oder die die schon lange dazu ansätze haben (münster z.b.) Aber ich finde es müssen nicht noch mehr halter hinzukommen und die baukosten für eine zucht werden den bekanntheitsgard oder die einnahmen des zoos nicht ausgleichen. ich finde solche zoos sollten bei den anderen selten arten bleiben. Diese können gerne auch für attraktionen bauen(menschenaffen;Großkatzten)diese brauchen auch nicht so unglaublich große areale (05.12.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Da ich den Stein "Elefanten vs. Antilopen" in Bezug auf Erhaltungszucht ins Rollen gebracht habe, liefere ich nach einiger Recherche nun auch ein paar Zahlen zum Vergleich nach. Ich habe mich dabei auf den Asiatischen Elefanten als die bedrohtere Zoo-Elefantenart beschränkt (für den Afrikanischen Steppenelefanten mit einem Freilandbestand von ca. 400.000 Tieren kann man m.E. wirklich nicht von unmittelbarer Bedrohung sprechen) sowie auf die Mendesantilope (Addax) als hochgradig bedrohte und trotzdem aus vielen Zoos verschwundene Antilopenart. 1999 erschienen sowohl die bisher letzte gedruckte Ausgabe des Addax-EEP-Zuchtbuches als auch eine Dokumentation der European Elephant Group, weshalb sich dieses Jahr für einen Vergleich anbietet. Die Bestandsliste der EEG-Doku umfasst dabei nur die Bestände der Zoos mit tatsächlicher oder potenzieller Elefantenzucht, das Addax-Zuchtbuch den gesamten Bestand der Art. Asiatischer Elefant: in Europa 36 Zoos mit Zucht bzw. Perspektive dazu zzgl. 6 Zoos mit zuchtfähigen Tieren eines Geschlechtes, für die seinerzeit kein Partner angedacht war = 42 Haltungen (davon 8 in Deutschland). Gesamtbestand dieser Haltungen: 191 Tiere, davon 57 in Deutschland. Von den 8 deutschen Zoos (Zoo und Tierpark Berlin, Hagenbeck, Hannover, Halle, Leipzig, Münster und München) hat seitdem nur der Zoo Halle seine Elefantenhaltung (vorübergehend!) beendet. Nochmals sei betont: In diesen Zahlen sind Haltungen ohne Zuchtperspektive wie z.B. Stuttgart oder Karlsruhe NICHT enthalten. Das Addax-Zuchtbuch nennt als europäische Haltungen 1999 32 Zoos, davon 10 in Deutschland, und als europäischen Gesamtbestand 197 Tiere (davon 48 in Deutschland). Von den 10 Zoos haben seitdem 4 (!) die Haltung beendet: Zoo Berlin, Osnabrück, Magdeburg und Gelsenkirchen. Übrig blieben Tierpark Berlin, Cottbus, Dresden, Hannover, Nürnberg und Stuttgart. Neu hinzugekommen sind meines Wissens seitdem nur Eberswalde und Thüle. (Schon vorher verabschiedeten sich die Mendesantilopen aus Münster, Karlsruhe, Jaderberg und Hodenhagen, und mit Schließung von Alfeld fiel ein weiterer Halter weg.) Die Situation in den Heimatländern: Der Asiatische Elefant bewohnte ein riesiges Verbreitungsgebiet in Süd- und Südostasien, das heute in viele kleine "Inseln" zersplittert ist. Das macht ihn bestens vergleichbar mit der Addax, die einst fast alle Sahara-Anrainerstaaten und damit ebenfalls ein riesiges Areal bewohnte. Die Schätzungen über die Zahl der frei lebenden Asiatischen Elefanten schwanken stark: Von weniger als 30.000 bis hin zu 55.000. Dazu kommen - hier ähneln sich die Schätzwerte - etwa 15.000 Arbeits-, Tempel- und Bettelelefanten. Die "paar" Zoo-Elefanten (in Europa derzeit 300 laut EEG-Magazin vom November 2005) fallen bei diesen Zahlen kaum ins Gewicht. Weltbestand also zwischen 40.000 und 70.000 Asiatischen Elefanten. Bei der Addax ist das Zählen einfacher und deprimierender: Wikipedia nennt einen Zoo-Weltbestand von 2.000 Tieren, das EEP-Zuchtbuch listete 1999 nicht mal 200 (also müssten ca. 90% außerhalb Europas gehalten werden - halte ich für fragwürdig). Dazu kommen ca. 150 Tiere in zwei nordafrikanischen Nationalparks, in denen Addax aus Zoonachzucht wiedereingebürgert wurden) und im eigentlichen Freiland ca. 350 (kein Schreibfehler!) Tiere mit fallender Tendenz, noch dazu über mehrere Staaten verteilt und teilweise in Gruppen von höchstens zehn Tieren isoliert. Aus Zoosicht ist der Asiatische Elefant eine Tierart, deren Haltung enormen Aufwand bedeutet (massive Bauten, große Flächen, viel Pflegepersonal, hoher Wasserverbrauch), die aber äußerst beliebt beim Publikum ist und - zusammen mit dem Afrikanischen Elefanten - eine spezielle und nicht gerade kleine Fangemeinde besitzt. An Wiederauswilderung von Zoonachzuchten ist in naher Zukunft nicht zu denken. Im Gegensatz dazu ist die Addax in allen haltungstechnischen Punkten unkompliziert und ohne großen Aufwand zu halten, und Ausbürgerungsprogramme laufen bereits seit Jahren. (Obwohl viele Zoos dies als willkommene Möglichkeit nutzten, überschüssige Jungböcke loszuwerden, konnte immerhin unter Einschluß dieser gewährleistet werden, dass alle vorhandenen Blutlinien in das Wiedereinbürgerungsprogramm einflossen!)Im Gegensatz zu den Elefanten besitzen Antilopen keine sonderlich große Lobby. Soviel zu nackten Fakten. Meine persönliche Meinung ist, dass die derzeitige Entwicklung "pro Elefant" zwar für diese Tierart einen Glücksfall, für den Artenschutz im Zoo im Gesamten jedoch eine sehr einseitige Tendenz zu Gunsten publikumswirksamer Tiere darstellt (und somit wieder dem kommerziellen Faktor sehr nahe kommt). Das Argument, der Elefant sei schließlich eine Flaggschiff-Art für seinen bedrohten Lebensraum, lasse ich in diesem Zusammenhang nicht gelten, denn das ist eine Großantilope für den bedrohten Lebensraum Sahelzone ebenfalls. Das Forum sei hiermit aufgerufen zu Kommentaren! (05.12.2005, 00:00) | ||
| Jana: | @Konstantin Ruske Ja, diese Rubrik dient den Leuten ihre Meinungen und Fragen dem Zoo zu schreiben. (05.12.2005, 00:00) | ||
| Konstantin Ruske: | @ Jana: Als eigentlich großer fan des Zoo Prag würde ich dort gerne kund tun, wie leid mir eine Reduzierung des Antilopenbestandes täte. Ist die Rubrik auf der Internetseite des Zoos " Zeptejte se Nas" dafür da, daß man per e- mail Botschaften an den Zoo senden kann ( eine Art Gästebuch)? Bin leider nicht so gut in tschechisch. (05.12.2005, 00:00) | ||
| Konstantin Ruske: | Sollte sich die Prager Antilopenhaltung so entwickeln, wäre das sehr schade. Es paßt eigentlich nicht zu diesem Zoo, der sich bisher für artenvielfalt eingesetzt und auch einiges auf Tradition gehalten hat. Deshalb habe ich noch ein klein wenig Hoffnung, daß manches vielleicht doch nur verlagert wird. (05.12.2005, 00:00) | ||
| Jana: | Naja, die Nyalas sind im Prag nicht mehr zu finden. Vor einem Jahr ist die ganze Herde an eine Infektion gestorben, nur der Zuchtbulle hat noch ein Paar Wochen gelebt. Dann kam er in die Afrika-Anlage zu Giraffen. Und hier haben die drei Böhme-Zebra-Stuten ihm zu Tode geprügelt. ZOO hat sich entschieden, diesen tradizionellen Art hier nicht mehr zu halten. Die erste Öpfer also. (05.12.2005, 00:00) | ||
| Oldzooboy: | Die Absichten des Prager Zoos,zu Gunsten von Elefanten und Flußpferden auf die Hälfte ! seines Antilopenbestandes(Aten)verzichten zu wollen, zeigt doch sehr deutlich, das die Zoos nur noch darauf aus sind,dem Besucher gerecht zu werden, in Form von Tierarten, die den herkömlichen Besucher eben mehr ansprechen als z.B Antilopen(unattraktiv ? )Oder kennt Jemand einen Zoo, der seine Elefantenanlagen abgerissen hat, um Platz zu schaffen für seine Antilopen und die Elefanten abgegeben hat ? Ich nicht ! Zum Glück hat der Prager Zoo so viele Antilopen,wenn nicht, hätte er ein großes Problem gehabt,denn hätte er auch seine Großkatzen, Bären, Menschenaffen und Robben abgeschafft, für die Elefanten und Flußpferde ? Nun, eigentlich könnte der Zoo doch seinen kompletten Antilopenbestand abschaffen, dann wäre noch Platz für einen Safari-Simulator,vieleicht könnte man ja eine kleine Gruppe Kudus für die Afrika-Anlage behalten....Nun,laut Jana soll ja nur die Hälfte abgegeben werden. Derzeit werden in Prag Addax, Rappenantilope,Bongo, Blesbock , Nyala , Beisa , Säbelantilope,Sitatunga und Litschi-Wasserbock gehalten, also 9 Formen gehalten. Ich bin gespannt, welche davon gehen müssen, ich tippe Mal auf Blesbock, Säbelantilope, Rappenantilope,Litschi-Wasserbock und Addax. (04.12.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Ich schwenke hier mit einem andernorts ("Beste Gemeinschaftshaltung") begonnenen Diskussionspunkt ein: Prag wird laut Forum-Teilnehmerin Jana in naher Zukunft seine Antilopenhaltung drastisch reduzieren, um auf diesen Flächen u.a. Elefanten-, Flusspferd- und Südamerikahaus zu bauen. Somit stelle ich fest, dass viele Antilopen in modernen Zookonzepten offensichtlich als "überflüssig" betrachtet werden, während Elefanten höchste Priorität genießen. MUSS ein moderner Zoo wirklich unter allen Umständen Elefanten halten, auch wenn dafür andere - eventuell sogar wesentlich seltenere - Arten weichen müssen? Allmählich bekommt man ja den Eindruck, es entsteht ein ähnlicher Wettstreit unter den Zoos, wie er bei Elefanten früher unter den Großcircussen herrschte (WIR haben die größte Elefantenherde in einem Circus Europas, Nordamerikas, der Welt...). (04.12.2005, 00:00) | ||
| IP66: | Ich würde mich Herrn Vicks Argumentation durchaus anschließen, zumal ich in der berliner Edelhirschsammlung einiges gelernt habe und es die Artenfülle ja bei den Krallenaffen, Lemuren, Reptilien etc. auch anderenorts gibt. Es gibt aber darüber hinaus auch einen gewissen Hang zur Größe, der letztlich auf Kosten der Artenfülle geht. Wenn man sich Elefanten- oder Affenhausneubauten der letzten 20 Jahre anschaut, so fällt auf, daß der Flächenverbrauch pro Tier in dieser Zeit gewaltig gestiegen ist. Und da frage ich mich gelegentlich, ob nicht weniger die Bedürfnisse des Tieres als der - nur vermutete? - Wunsch des Besuchers erfüllt wird, möglichst nichts zu sehen, was darauf hinweist, daß das Tier eben nicht in "Freiheit", sondern in menschlicher Obhut lebt. (03.12.2005, 00:00) | ||
| Karsten Vick: | Ich habe dieser Tage zweimal was über Tierarten gelesen, die anderen "den Platz wegnehmen". Das trifft nach meiner Meinung das Grundproblem dieser Diskussion. Beschränkung auf wenige Arten ist keine gottgewollte Tugend, auch wenn manche Zoodirektoren in ihre Jahresberichte schreiben: Geil, schon wieder ne Art abgeschafft! Das ist nur eine aus der Not der europäischen Zoo-Platzverhältnisse gemachte Tugend. Daher finde ich es in Ordnung, wenn bei vorhandenem Platz auch mehrere verwandte Formen im selben Zoo gezeigt werden. Es ist also nicht verwerflich, wenn im Berliner Tierpark 4 (von mir aus auch wieder 5) Edelhirsch-Unterarten, in Magdeburg 12 Krallenaffen oder in Perleberg 10 Häherlinge gezeigt werden. Daher kann ich es auch nicht gut finden, wenn Bernhard Blaszkiewitz als Artensammler quasi beschimpft wird. Er hat immerhin 160 ha zu bebauen. Sicher fallen diese Bauten aus Geldmangel etwas schmucklos aus, aber seid ihr sicher, dass sie den Tieren nicht gefallen? (02.12.2005, 00:00) | ||
| IP66: | Ich frage mich, in wie weit Arten und Bestände überhaupt planbar sind. Gerade im Vogelbereich hat eine in wenigen Exemplaren importierte Art aufgrund engagierter Pflege plötzlich so viel Nachwuchs, daß viele Tiere abgegeben werden müssen, die man dann auch in Vogelhäusern ausstellen kann. Andererseits erweist sich manchmal die geplante Haltung einer Art als nicht möglich, weil sich der Gemeinschaftsbesatz nicht verträgt oder das Brutpaar nicht züchtet. Wie schwierig es ist, ansprechende und geplante Vogelanlagen mit einem didaktisch überzeugenden Besatz einzurichten, zeigt die kölner Fasanerie: In den Großvolieren müssen die teuren schönen und mit viel Liebe gestalteten Schilder immer wieder abmontiert werden, weil Umbesetzungen nötig werden oder Arten aussterben, auf der geographisch und didaktisch nicht gebundenen Rückseite kann man viel freier agieren. Eine gute Beschilderung ist sinnvoll, und da wir gerade bei Vögeln auch viel versäumt, aber sie muß so flexibel sein, daß man umbesetzen kann. Außerdem scheint mir gerade im Bereich von Vögeln das Artenvergleichen doch Sinn zu machen - daß sich eine Krontaube von der Masse der Tauben durch Größe und Gefieder unterscheidet, daß sie sich aber eben doch sowohl anatomisch wie vom Verhalten her vergleichen läßt, erkennt nur, wer auch andere Tauben gesehen hat. (14.11.2005, 00:00) | ||
| Matthias Papies: | @Dirk L. Wie ist das denn mit den "Ausrutschern" bei den Regional Collection Plans zu verstehen? (14.11.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | @Dirk L.: "Zu gewöhnlich"....Das ist eigentlich nicht das Problem, auch Afrikanische Elefanten sind jeden Tag auf irgendeinem TV-Sender zu sehen und somit ebenfalls "gewöhnlich". Wenn eine Tierart im Zoo nicht recht wahrgenommen (und deshalb unter "überflüssig" abgebucht) wird, spricht das meines Erachtens für eine falsche Präsentation, denn selbst die "gewöhnlichste" Art hat etwas Interessantes zu bieten. In diesem Fall würde ich sagen: didaktisches Ziel verfehlt! Wenn der zitierte Princess-of-Wales-Sittich nicht in einer Sterilvoliere mit Glasbaustein-Rückwand und Kantholz als Sitzstange gezeigt wird, sondern als Beispiel für eine australische Vogelart in einer Biotopanlage, sieht die Sache (und Sittich!) schon ganz anders aus. Die Zoos haben (mit wenigen Ausnahmen wie z.B. Rheine und Aquazoo Düsseldorf) einfach einen Riesen-Nachholbedarf in Sachen Didaktik, und diese sollte meines Erachtens auch nicht nur auf Arten- und Naturschutzprobleme beschränkt sein. Da kommt mir nämlich einer der Hauptgründe für den Zoobesuch zu kurz, nämlich die schlichte Freude am Tier - und die ist nicht von dessen Seltenheit abhängig. (12.11.2005, 00:00) | ||
| Susanne: | Sehe ich auch so. Oder kurz gesagt: Es gibt eine Tieraten, die für ALLE Zoos überflüssig sind, aber für jeden einzelnen Zoo sehr viele ARten, die er nicht "braucht", die nicht ins Konzept passen usw. Da die Zoos ohnehin ihren Tierbestand drastisch reduzieren - wir sind hier sicher nicht am Ende der Fahnenstange - ist es um so wichtiger, den künftigen Bestand genau nach verschiedensten Kriterien zu planen - sowohl finanziell (d.h. auch dem Normalbesucher entsprechend) wie auch zur Erfüllung der klassischen Zoo-Aufgaben; alles natürlich unter den Zoos abgestimmt. Daß da die Wünsche der Zoo(arten)freaks nicht unbedingt erfüllt werden können, ist klar. Es sei denn, der Direktor ist selbst Artensammler - dann ist er aber für seinen Zoo vielleicht selbst nicht die optimale Art... (12.11.2005, 00:00) | ||
| Dirk L: | Überflüssige Tierarten gibt es nicht. Aber im Kontekt der Beschränkungen eines Zoos macht es sicher Sinn, auf die eine oder antere Art zu verzichten. - Tiere, die nur durchgefüttert werden, aber keinerlei Zweck erfüllen, z.B. die 25. Art unscheinbarer Sittiche in einer Volierenreihe: Die Besucher schauen nicht hin, es wird nichts damit erklärt oder vermittelt, kein Artenschutzweck, ... - kostet nur Geld, das man anders einsetzen könne. Nichtmal wir Zoofreaks wissen den irgendwo versteckten Princess-of-Wales-Sittich zu schätzen, weil dann doch wieder zu gewöhnlich. - Aus Zucht- und Artenschutz-Gründen: Einzelimporte (von Artensammelzoos?), mit denen man im jeweiligen Zoo sicher nie eine vernünftige Zucht aufbauen kann (auch aus Geld- und Personalgründen) und wofür es auch keinen Grund gibt (Arbeitsaufwand) In der besten aller Zoowelten wäre natürlich jede Tierart willkommen, da optimal präsentiert, didaktisch bis zum letzten ausgereizt, mit einem enthusiastischen Zuchtbuchführer und reichlich Geld für Pflege und Gehege. Faktisch müssen sich die Zoos aber beschränken, und dann fallen eben Arten zwangsläufig weg. Letztlich muß man halt für jede Art im jeweiligen Zoo die Kriterien durchgehen - gibt es wenigstens einen guten Grund, die Art zu halten? Ich halte den Ansatz des Regional Collection Planning der AZA und EAZA daher grundsätzlich für gut (bei allen Ausrutschern, und ohne daß dabei Einzel-Engagement untergebuttert wird) (12.11.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Da in verschiedenen Forumthemen immer wieder mal der Gedanke geäußert wird "man sollte im Zoo X die Tierart Y durch Z ersetzen", stelle ich mal eine äußerst provokante Frage: Gibt es wirklich "überflüssige" Tierarten in Zoos, und muss ein Zoo immer um "Veredelung" seines Bestandes bemüht sein? (12.11.2005, 00:00) |
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