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Menschenaffenhäuser



Sascha M.:   Am 11.August soll im Zoo Neuwied die neue Menschenaffenanlage für Schimpansen eröffnet werden. (Nähere info´s auf der Zoo WEB-Seite, diese ist sehr interresant es wird z.B. monatlich mit Bildern der Baufortschritt Dokumentiert). Es entstand ein kompletter Neubau und eine neue Aussenanlage. Krallenaffen sollen ebenfalls in das neue Haus einziehen, es ist auch von Meerkatzen,Makis die Rede auf einem Prospekt (aus 2005) des Zoo´s über den Neubau.
(03.08.2006, 13:06)
IP66:   Ich hatte ja schon darauf hingewiesen, daß das hamburger Orang-Utan-Haus das krefelder Konzept reduziert umgesetzt hat. Der Unterschied besteht darin, daß man bei der Gehegeabgrenzung auf Betonfelsen, nicht auf unverkleideten Beton gesetzt hat und die Form des Gebäudes etwas anspruchsvoller gestaltet hat. Ich weiß nicht, ob pro Tier in Hamburg wirklich mehr Quadratmeter zur Verfügung stehen als in Krefeld (zumindest bei den Orangs), ein gewisser Rückschritt scheint mir aber darin zu bestehen, daß die bepflanzten Flächen in Hamburg deutlich kleiner ausgefallen sind als in Krefeld oder beim entsprechenden Nachfolgebau in Köln.
Herrn Soldwedels Beitrag, daß es ein gewisses Bedürfnis der Besucher gab, von den Käfigreihen wegzukommen, kann ich nur bestätigen. Allerdings gab es verschiedene Wege, dies zu realisieren, und man hat bis heute ja das Problem, daß eine bepflanzte Innenanlage nicht zu realisieren ist. Den Verzicht auf eine Außenanlage finde ich allerdings unter den hamburger oder krefelder Bedingungen wenig problematisch - in Köln spricht mancher davon, daß, wenn die Bonobos die ihrige wirklich nutzen würden, es deutlich verwüsteter aussehen müßte.
(02.08.2006, 19:01)
klaus Wünnemann:   In Heidelberg sind die Innenanlagen für Schimpansen und Gorillas im Jahr 2000 mit einem Stahlnetz überspannt worden. Seitdem werden die Klettermöglichkeiten ständig ausgebaut zuletzt durch erhöhte Plattformen.

(02.08.2006, 18:25)
Dennis:   Ich finde die innenanlage der Gorillas und Schimpansen in München vorbildlich, aber die Außenanlagen sind
1. zu klein
2. wie gesagt zu offen
3. Nutzen die gorillas die dünnen Kletterstäbe überhaupt nicht..
(27.07.2006, 15:04)
Sitara:   @ Karsten Vick: Das ist richtig, aber soweit ich es bisher beobachten konnte, kann von "Genuß" des Regens nicht die Rede sien.;-)Sie ziehen sich dann meist in den hinteren geschlossenen "Halbkuppelbereich" zurück, sei es, weil es für sie bisher ungewohnt war, sei es, was ich eher annehme, dass sie als Urwaldbewohner von Natur aus sich vor dem Nass von oben schützen. Diversen Berichten ist zu entnehmen, dass die Tiere in ihren natürlichen Habitaten sich bei Regen in ihre Nester zurückziehen und sich aus großen Blättern tropischer Pflanzen eine Art Regenschutz bauen, um sich darunter aufzuhalten.
(26.07.2006, 10:47)
Michael Mettler:   Unabhängig von Hamburg: Ist denn irgendwo in der Zoowelt mal das Ertrinken eines Menschenaffen durch "Sicherheitsseile" am Grabenrand verhindert worden? Über den New Yorker Unfall hieß es z.B., dass der Silberrücken wie ein Stein untergegangen sei, ohne auch nur nach den vorhandenen Tauen zu greifen.
(26.07.2006, 10:10)
Karsten Vick:   "Geschützter" Bereich ist die hintere Hälfte der Kuppel? Ich hätte gedacht, dass die Affen ein bisschen Regen auch mal genießen würden. Die Möglichkeit haben sie doch, denn soweit ich mich erinnere, geht ihre Anlage bis in den vorderen offenen Bereich der Kuppel?
(26.07.2006, 09:33)
Sitara:   Bei starkem Regen wird es geschlossen, bei leichtem kurzem Regen auch mal offen gelassen. Für die Orangs ist dies unerheblich, da sie sich im "geschützen" Bereich befinden.
(26.07.2006, 09:28)
Karsten Vick:   Was passiert eigentlich in Hamburg, wenn es im Sommer regnet? Bleibt dann das Dach auch mal auf?
(26.07.2006, 09:20)
Sitara:   Ich hoffe hier jetzt nichts überlesen zu haben, aber anscheinend war noch niemand in Hamburg und hat die dortige neue Orang-Utan-Anlage gesehen?! Hier haben die Tiere hervorragende Rückzugsmöglichkeiten und sie nutzen die "3. Dimension" zum Klettern vollkommen aus. Bis auf Sinjo, dem Chef der Gruppe, werden alle Tiere regelmäßig in luftigen Höhen gesichtet, teils an Seilen schwingend, teils auf hohen Astgabeln und Sitzmöglichkeiten hockend, teils in „Tagesnestern“ ruhend, die sie sich mit angebotenen Zweigen und Stofflappen selber bauen. Hier wird dem Besucher weniger Platz eingeräumt als den Tieren, ein für mich wesentlicher Fortschritt in der Tierpräsentation, die einbettet in eine urwaldähnliche Bepflanzung dem Betrachter die Illusion der natürlichen Umgebung der Waldbewohner vermittelt. Auch hier gibt es einen Wassergraben, der von den vergesellschafteten Kurzkrallenottern mit genutzt wird, allerdings mit flachem Ufer und Sicherheitsseilen, die im Wasser befestigt sind, so dass im Notfall die Tiere sich daran festhalten und rausklettern können. Der lang erhobene Vorwurf, dass Hagenbeck keine Außenanlage zur Verfügung stellen konnte, hat sich inzwischen erübrigt, da die Kuppel in der warmen Jahreszeit immer geöffnet wird und die Tiere sowohl Tages- als auch Sonnenlicht haben. Als Urwaldbewohner halten sie sich sowieso meist in den Schattenbereichen auf.
Auch die Spezialfolie lässt das Tageslicht fast ungefiltert rein und man kann das Prasseln des Regens darauf vernehmen, was den Eindruck eines Tropenregens auf dem Blätterdach der Urwaldriesen Sumatras noch verstärkt...

Auch nicht alle Orangs ziehen sich nachts in ihre Schlafboxen zurück, es gibt Ausnahmen und dies wird von den sehr sensiblen Pflegern in Hamburg berücksichtigt. Wenn ein Tier lieber in seinem Baumnest übernachten möchte, bekommt es diese Möglichkeit auch. Nach Eröffnung des Hauses, das auch architektonisch viele Besucher positiv anspricht, gab es dort vierfachen Nachwuchs, zum Teil auf der neuen Anlage gezeugt... darunter von einer 44-jährigen Orang-Utan-Frau, die ihr wohl letztes weibliches Jungtier hervorragend aufzieht! Gerade sie, der einzige Wildfang bei Hagenbeck, nutzt diese Klettermöglichkeiten ganz besonders aus.

@ Andreas Soltwedel: Ich bin erstaunt über die Argumentation, dass wir Menschen nicht wissen sollten, was unsere „nächsten Verwandten“ ;-), „mögen“. Darüber haben sich mit ihren Forschungen schon lange bekannte Ethologen beschäftigt und auseinandergesetzt, die ich in diesem „Expertenforum“ hier wohl nicht alle aufzuzählen brauche. Vielleicht hat der eine oder andere ja schon mal was von Jane Goodall, Dian Fossey und Biruté Galdikas gelesen, um nur die bekanntesten zu nennen...

(26.07.2006, 09:03)
Saya:   Auch wenn Wassergräben immer gefährlich sind, halte ich es für vertretbar, wenn es flach rein geht und vor allem auch das Ufer flach ist. Das ist in Apenheul der Fall. In Leipzig und Hannover hingegen geht es saumäßig steil rein an einigen Stellen! Deswegen ist das auch alles mit E-Draht zusätzlich abgesperrt. Das das im Ernstfall ein spielendes Jungtier oder 2 sich streitende Erwachsene schützt, wage ich aber zu bezweifeln.
Dass auch die schweren Gorillas Klettermöglichkeiten "in schwindelnder Höhe" sehr gut nutzen habe ich in Köln oft beobachtet. Und etwas weniger "hoch" in Berlin, Stuttgart und Frankfurt. Die Nutzen den Platz nach oben voll aus. Ob das auch der Silberrücken macht daran kann ich mich nicht ausdrücklich erinnern aber die Weibchen und Jungtiere auf jeden Fall!
Dass die Hannoveraner Schimpansenanlage innen oder außen auch nur annähern ausreichend Kletter- und Versteckmöglichkeiten hat bestreite ich energisch.
Im Übrigen sind Gorillas - und die anderen Menschenaffen auch - Waldbewohner. Leben auf offenen einsehbaren Flächen widerspricht deren Biologie und das Anlagen, die reichlich Versteckmöglichkeiten bieten und nicht vom Besucher von allen Seiten eingesehen werden können, von Gorillas viel besser angenommen werden, ist mir von Menschenaffenpflegern bestätigt worden.
(26.07.2006, 00:09)
Michael Mettler:   @Karsten: Die heutige Gorilla-Außenanlage war ursprünglich von einem Wassergraben umgeben und wurde damals auch von Schimpansen genutzt. Der besagte Unfall liegt also schon sehr lange zurück, und wenn ich mich recht erinnere, wurde er auch nicht beobachtet, sondern man versuchte den Vorgang aus dem familiären Zusammenhang der Opfer zu rekonstruieren. Der New Yorker Unfall ist ebenfalls schon einige Jahrzehnte her, in Antwerpen müsste es in den 80ern passiert sein. Hannover liegt ja erst ein paar Jahre zurück.

Und es hat ja auch durchaus schon Gitter-Unfälle gegeben! In Duisburg hatte sich ein Orang nachts mit einem Finger im Deckengitter verklemmt, wurde morgens noch so vorgefunden und starb kurz darauf an einer Sepsis. Und irgendwo - Zoo habe ich vergessen - hat auch schon ein junger Menschenaffe den Kopf durchs Deckengitter gesteckt und allein nicht wieder raus bekommen.
(25.07.2006, 23:53)
Tom Schröder:   @ M.M.: Zwei hintereinander ertrunkene Gibbons in Leibzig, daher ist das verblieben Weibchen nun allein geblieben....
(25.07.2006, 23:41)
Karsten Vick:   Wo haben denn die Frankfurter Schimpansen einen Wassergraben?
(25.07.2006, 23:40)
Michael Mettler:   Da fällt mir ein: Wieviele Wassergraben-Unfälle mit Menschenaffen gab es eigentlich? In Erinnerung habe ich außer dem hannoverschen Gorillamann Artie noch einen Gorilla in New York, einen in Antwerpen sowie drei gleichzeitig umgekommene Schimpansen in Frankfurt (Mutter mit Brustkind wollte vermutlich ihre ins Wasser gestürzte ältere Tochter retten). Da noch immer Wassergräben Verwendung finden, scheinen die Erfahrungen ja nicht überwiegend negativ zu sein. In der Relation dürften sich jedenfalls weitaus mehr Huftiere an Zäunen das Genick gebrochen haben als Menschenaffen ertrunken sein.
(25.07.2006, 23:25)
Michael Mettler:   @Andreas Soltwedel: Dass auch Silberrücken Klettertouren machen, würde ich nicht so generell ausschließen. Obwohl ich Menschenaffen bei Zoobesuchen selten länger beobachte, weil mich andere Tiere eher interessieren, ist mir doch z.B. aus Berlin der Anblick eines Silberrücken in oberen Bereichen der Innenanlage in Erinnerung. Sicherlich sind es keine graziösen Turner, aber "3-D-Raumnutzung" schließt ja auch massivere Klettermöglichkeiten - und seien es Felsaufbauten - ein. Den alten hannoverschen Silberrücken Jambo habe ich andererseits nie auf den Kunstbäumen der Innenanlage gesehen, seinen damaligen Mitbewohner und späteren Nachfolger Toni hingegen öfter.

Die Zuchterfolge bei den Schimpansen würde ich nur indirekt mit dem Urwaldhaus in Verbindung bringen. Das weitgehende Ausbleiben von Nachzucht im alten Haus lag schließlich nicht an den Haltungsbedingungen - in Frankfurt z.B. züchteten die Schimpansen in ihren Kachelkäfigen regelmäßig - sondern am Fehlen eines Zuchtmannes: Maxi, der noch heute Hordenchef ist, interessiert sich bekanntlich aufgrund einer Fehprägung nicht für weibliche Artgenossen, sondern ausschließlich für Menschenfrauen.... (Es war damals ein beliebter Joke unter den Zoofreunden, dass die Zooleitung es mal mit blonden Perücken auf den Affendamen versuchen sollte...) Das 1979 im alten Haus geborene Jungtier Maleika war das Ergebnis einer Hochzeitreise der Schimpansinnen Minguni und Tschita nach Münster (nachzulesen im Jahresbericht). Maleika war Tschitas erstes Kind und somit zu dieser Zeit keine "ungewöhnliche" Handaufzucht.

Die Umsiedlung ins Urwaldhaus brachte jedoch den Vorteil, dass nun genug Platz da war, einen Schimpansenmann von auswärts zum Decken einzustellen, und das wurde dann auch mindestens zweimal mit dem Braunschweiger Jimmy gemacht. Dass die ebenfalls erstgebärende Schika dann ihr Junges selbst aufzog, würde ich nicht unbedingt auf die neuen Haltungsbedingungen schieben; vielleicht brachte sie einfach bessere Voraussetzungen mit (sie war ja nicht in Hannover aufgewachsen).

Trotzdem finde auch ich, dass ich schon schlechtere Haltungsbedingungen für Menschenaffen gesehen habe als in Hannover. Neuere Gorilla-Anlagen täuschen durch ihre Berberitzen-Anpflanzungen sicher mehr Natürlichkeit vor als die hannoversche, aber einen unmittelbaren Nutzen bringen die dornigen Büsche den Affen auch nicht (sonst hätten sie diese wohl kaum überlebt).

Was mich interessieren würde: Ich habe schon oft wahre Lobeshymnen über die Menschenaffenhaltung in Apeldoorn vernommen, aber noch nie gehört, dass auch für dort gefordert wurde, die Wassergräben der Gorillas und Orangs durch andere Absperrungen zu ersetzen. Und der Gorillagraben ist nicht nur ein paar Meter lang wie in Hannover, sondern einige hundert Meter!
(25.07.2006, 23:09)
Andreas Soltwedel:   @ Saya: Über Ihren Beitrag zu deutschen Menschenaffenhäusern und -anlagen bin ich wirklich erstaunt und, Sie werden verzeihen, in Bezug auf Hannover auch ein wenig ungehalten. 3-D-Raumnutzung ist ja schön und gut, aber hat es wirklich bei ALLEN Menschenaffenarten auch einen praktischen Nutzen? Bei Gorillas wohl eher weniger. In ihrer afrikanischen Heimat halten sich Gorillas tagsüber wohl eher in Bodennähe auf. Nachts suchen nur Gorillafrauen und Jungtiere Bäume auf. Oder haben Sie schon ein mal einen 250-kg-Silberrücken gesehen, der sich in eine Baumkrone oder, im Zoo, auf einen Kletterbaum schwingt? Unter Zoobedingungen sehen die Dinge ein wenig anders aus. Nachts verbringen die Affen in Schlafboxen, also in einer ihnen vertrauten Umgebung, ohne das sie befürchten müssten, von Raubtieren angegriffen zu werden.

Für die leichteren und beweglicheren Schimpansen sind gerade in Hannover sowohl innen wie außen genügend Klettermöglichkeiten gegeben. Dies vor allem deshalb, weil mit der Eröffnung des Gorillaberges Schimpansen und Gorillas die Innengehege getauscht haben. Hier wurden den Schimpansen die ehemalige Gorilla-Außenanlage zusätzlich zur Verfügung gestellt. Die beiden Außengehege sind mit einer Tür in einer Zwischenwand verbunden, so dass die Affen beide Anlagen nach belieben aufsuchen können. Das ist zwar nicht schön anzusehen, wegen der baulichen Besonderheiten des Hauses aber nicht anders machbar. Andererseits bietet diese Lösung den Schimpansen die Möglichkeit des Rückzugs, auch voreinander.

Ein Wort zu Gehegeabgrenzungen und Gehegeeinrichtungen: In irgend einer Weise müssen Tiergehege nun mal abgegrenzt werden. Wassergräben taugen Ihrer Ansicht nach nicht, weil die zu gefährlich sind (Rutschgefahr, steile Grabenwände usw.). Menschenaffen, ich zitiere "mögen keine von Kunstfelsen eingerahmte grüne Wiese". Woher wissen Sie, was Menschenaffen "mögen"? Hat´s Ihnen einer erzählt? In Hannover hat man in der Menschenaffenhaltung bewusst auf Kunstfelsen bzw. künstliche Felswände als Gehegeabgrenzung zurück gegriffen, weil diese unmöglich von den Affen erklettert oder überklettert werden können. Was die Einrichtung betrifft, so ist es den Menschenaffen egal, ob ein Felsen künstlich oder echt ist. Verstecken können sie sich dahinter alle mal. Vermutlich denkt man in anderen Zoos ähnlich.

Abschließend noch etwas zum Urwalshaus in Hannover. Und ich will hier nicht auf der architektonischen oder konzeptionellen Seite rum reiten! Das Haus wurde in einer Zeit gebaut, als es die Zoobesucher leid waren, dumpf vor sich hin starrende Menschenaffen in Gitterkäfigen zu betrachten. Man versuchte jetzt, die Menschenaffen in einer der Natur nachempfundenen Umgebung zu zeigen. Aus der Sicht der Besucher war dies ein großer Fortschritt gegenüber dem Grünkachel-Stil der 50er und 60er Jahre. Aus tiergärtnerischer Sicht war diese Art der Menschenaffenhaltung zunächst vor allem bei den Schimpansen erfolgreich, weil geborene Jungtiere jetzt in der Gruppe und nicht von Menschenhand aufgezogen wurden. Das es bei den Gorillas nicht geklappt hat, lag an dem damals gehaltenen Gorillamann Jambo, der schlicht unfruchtbar war.

Nach dem sich diese Art der Menschenaffenhaltung (und -präsentation) etabliert hatte, wurden überall in westdeutschen Zoos Menschenaffenhäuser nach krefelder bzw. hannoverschem Vorbild gebaut. Das alles, was danach kam, nur besser sein konnte liegt wohl auf der Hand.
(25.07.2006, 22:26)
IP66:   Möglich - Münster hat ja einen breiten Wassergraben gebaut, die Gorillas ebendort sitzen aber wie in Duisburg draußen hinter einem Trockengraben.
(25.07.2006, 18:18)
Michael Mettler:   Ich könnte mir vorstellen, dass Trockengräben in der Menschenaffenhaltung wieder "aussterben" werden. Heute legt man ja eher Wert auf natürlich-idyllisch wirkende Absperrungen (Wassergräben) oder hautnahen Einblick per Glasscheibe.
(24.07.2006, 18:35)
IP66:   Die Übergitterung in Köln gehört nicht zum urprünglichen Konzept, sondern wurde nach dem Ausbruch der Schimpansen im alten Vogelhaus neu eingebaut. Die Außenanlage für Orangs wird jetzt umgebaut, bis dato strotzte sie nicht vor Klettergelegenheiten, wurde allerdings, wie alle kölner Außenanlagen, nur wenig genutzt.
Die Argumentation mit dem Pfad und den Lichtungen gab es auch in Krefeld und, so viel ich weiß, selbst für das in der Tat ja nicht eben große heidelberger Haus. Es scheint ein Topos bei der Schilderung neuer Menschenaffenhausbauten zu sein, denn es tauchte auch bei Ankündigungen zu dem neuen Bau in Frankfurt auf. Der hannoveraner Weg ist aber doch ein rechter Brezel-Pfad, auf dem man sich meiner Erinnerung nach ständig selbst begegnet. Für mich ist das entscheidende Kriterium die Frage gewesen, ob man wie in Krefeld die Anlagen in eine Gewächshausstruktur einbettet oder sie vielmehr wie in Hannover um ein zentrales Pflanzbeet mit Weg herum anordnet. Dieses "Anordnen" wäre auch das tertium comperationis in Bezug auf Frankfurt, weil hier eben auch Anlagen nebeneinander angeordnet wurden. Ihre Argumentation zeigt allerdings, daß sich eben nicht alles um die Anordnung dreht und Hannover vielleicht doch eher ein Übergangstyp zwischen dem überlieferten und dem Urwaldhaustyp darstellt.
So schlecht sind die krefelder Klettermöglichkeiten für die krefelder Orangs mittlerweile auch nicht mehr, zumal die kölner Klettergitter sich ja auf die obere Abdeckung beschränken. Aber die Gräben verbrauchen natürlich viel Platz. Die andere Seite der Sache ist allerdings, daß die Tiere sich viel stärker als in Köln für ihre Umwelt interessieren, da sie eben alles nicht nur sehen, sondern riechen und zur Not auch bewerfen können. Das Problem in Krefeld scheint mir vor allem die Größe der Gorillagruppe und das Vorhandensein von zwei ausgewachsenen männlichen Tieren dort zu sein. Dem hilft auch keine Außenanlage ab, und ob man in der Geländesituation das Haus vergrößern kann, weiß ich nicht. Gorillas schlachten kann man aber auch nicht so einfach, und insofern wird man sich eine Lösung überlegen müssen.
(24.07.2006, 18:26)
Karsten Vick:   Kennt ihr diesen Bericht:
http://www.leszoosdanslemonde.com/html/etudes_zoologiques/review_gorilla_1993_2003/review_gorilla.htm

Da wird Nürnberg besonders gelobt. Kernaussage: Gorillas brauchen ein (Blätter)Dach, um sich wohlzufühlen. Deswegen hab ich auch in meiner Zoo-Rostock-Phantasie das Menschenaffenhaus in einen bewaldeten Bereich gebaut. Wenn es bei anderen Tieren vielleicht noch legitim ist, im Interesse der (Wunschvorstellungen der) Besucher ohne sichtbare Gitter zu bauen, sollte man bei Affen von dieser Bauweise wieder abkommen.
(24.07.2006, 18:13)
Saya:   Beste Menschenaffenanlagen in Deutschland: Innen meiner Meinung nach eindeutig Köln, für alle 3 Arten, weil relativ groß und hoch und vor allem komplett übergittert und super eingerichtet (Seile, erhöhte Sitzgelegenheiten ect). Da kommen die neueren Anlagen (Leipzig, Hannover, Orangs in Münster) nicht ran, die 3-dimensionale Raumausnutzung ist in Köln viel besser.

Außenanlagen: für alle Arten Leipzig, mit der Einschränkung dass die Wassergräben ganz schön gefährlich sind weil es teilweise sausteil rein geht, für Gorillas auch Duisburg und Nürnberg. Die "tollen neuen" Anlagen in München und Münster sind viel zu offen. Menschenaffen mögen keine von Kunstfelsen eingerahmte grüne Wiese, sondern brauchen ganz viele Kletter- und Versteckmöglichkeiten.

Was das Haus in Hannover angeht, die architektonische Seite und inwieweit da nun ein Konzept der Urwald-Illusion umgesetzt wurde, interessiert mich ehrlich gesagt nicht so. Mir ist wichtig dass die Häuser Krefeld-Hannover-Heidelberg total an den Bedürfnissen der Tiere vorbeigebaut wurden, weil die - bis heute! - auf dem Boden sitzen, ohne richtige Klettergelegenheiten, keine Raumausnutzung nach oben, keine vernünftige Einrichtung möglich wegen "Wurfgefahr". Da müsste Hannover ganz dringend handeln anstatt Yukon Bay zu bauen...
(24.07.2006, 17:58)
Hannes:   Was Orangs angeht finde ich Münster auch sehr schön wobei man Innen wegen der uneingeschränkten Sicht nicht sagen kann wie Groß die Anlage tatsächlich ist. Meiner Meinung nach hätte man den Besucherraum ruhig ein wenig kliener gestalten können. Außen finde ich die Anlage auch Top da man die Tiere trotz mehrere Einsichten nicht immer zu Gesicht bekommt.
Wie wohl sich die Tiere fühlen kann man z.B. daran sehen das die nahezu Haarlose Mali innerhalb weniger Wochen in dem Gehege volles Fell bekam.
(24.07.2006, 12:14)
Walter Koch:   Für mich ist díe Kölner Orang-Anlage das
Top Orang-Gehege Innen, und nach dem
jetzigen Umbau auch Außen für Orangs.
(24.07.2006, 10:58)
Michael Mettler:   Nachtrag: Ich finde übrigens schon, dass es seit Krefeld eine Neuentwicklung gegeben hat. Während die diversen Urwaldhäuser die natürlichen Verhältnisse umgekehrt haben - der Mensch befindet sich im Urwald, der Menschenaffe in der Betonlandschaft - ist z.B. mit Pongoland in Leipzig ein Stil entstanden, bei dem sich BEIDE in einer pseudonatürlichen Umgebung befinden.
(24.07.2006, 08:59)
Michael Mettler:   Die Typisierung des hannoverschen Hauses kann ich nicht ganz nachvollziehen, denn es befinden sich keineswegs nur Pflanzenbereiche in der Mitte des Hauses, sondern auch hinter den bzw. oberhalb der Affenanlagen und zwischen ihnen - ganz im Gegensatz zu Frankfurt. Das gestalterische Konzept des Hauses wurde seinerzeit so beschrieben, dass der Besucher auf verschlungenen Wegen einen "Urwald" durchwandert und auf "Lichtungen" die Menschenaffen sieht - dementsprechend sind die Affenanlagen in den "Urwald" eingebettet. (Und der Besucher verlässt das Haus nicht nach einem Rundweg wieder durch den Eingang, sondern an ganz anderer Stelle.) Da sieht das Heidelberger Haus mit seinem zentralen Pflanzbett und Rundweg deutlich anders aus.

Der ursprüngliche Plan, auch über den Gitterkuppeln der Orangs Pflanzkübel zu bestücken, musste übrigens aus versicherungstechnischen Gründen fallengelassen werden: Der "Arbeitsplatz" wurde für die Zoogärtner als zu gefährlich eingestuft. Deshalb wurden die Kübel schließlich mit künstlichen Pflanzen bestückt. Und die rückwärtige Bepflanzung hatte unter der Intelligenz der Orangs zu leiden: Als einzige der drei Arten kamen sie auf die Idee, sich aus Spielästen "Bootshaken" zurechtzubeißen, mit denen sie sich Pflanzenteile heran-angeln konnten - sogar über den Pflegergang hinweg.

Ein großer Unterschied der Modelle Krefeld/Köln zu Hannover/Heidelberg ist für mich, dass die "echte", langgestreckt-rechteckige Gewächshausform der Erstgenannten zwangsläufig mit sich bringt, dass der Besucherweg dicht entlang der Außenwand geführt werden muss, um Tiefe für die Anlagen zu gewinnen. Die Grundform des Hannover/Heidelberg-Modells erlaubt hingegen eine Wegeführung ins Innere des Hauses (in Hannover deutlich großzügiger).

Auch in Hannover gibt es Mitbewohner: Der "Urwaldbach" (welch irreführender Name für eine mühsam dekorierte Betonrinne) ist von Anfang an mit tropischen Fischen besetzt, zu denen auch von Besuchern immer wieder Wasserschildkröten hinzugeschmissen wurden (und einmal sogar ein ausgewachsener Piranha!), der Luftraum wurde ursprünglich zur biologischen Schädlingsbekämpfung mit Brillenvögeln, Chinanachtigallen u.ä. Insektenfressern besetzt (auf welche allerdings die damaligen, handaufgezogenen Jungschimpansen systematisch Jagd machten). Der Versuch, den "Urwaldbach" mit Mohrenrallen zu besiedeln, schlug insofern fehl, als die Vögel sich lieber im Kronendach der Bäume aufhielten! Auch von ihnen wurden welche von den Schimpansen geschlachtet, und da dies vor den Augen der Besucher und auf eine Weise geschah, die an "sie liebt mich, sie liebt mich nicht" erinnerte, wurde lange Zeit auf einen Neubesatz mit Vögeln verzichtet. Offensichtlich hat der Jagdeifer der Schimpansen aber im Lauf der Jahrzehnte nachgelassen, so dass sich der heutige Vogelbestand anscheinend hält. Es gibt im Haus auch frei lebende Geckos, ebenfalls zur Insektenbekämpfung.
(23.07.2006, 22:13)
IP66:   @Herr Mettler: Ich verweise zunächst einmal für alle übrigen auf den Überblick über die Entwicklung der Menschenaffenhäuser, die Herr Mettler und ich in der Wilhelma-Diskussion unter den Zoos im Südwesten gegeben haben. Ihre Frage nach dem "Frankfurter" System in Hannover beantworte ich so: Krefeld hat in seinem Menschenaffenhaus versucht, Freianlagen in einem Gewächshaus einzurichten und die mit Pflanzen, Vögeln und anderen Tieren zu umgeben. Das heißt zwar nicht, daß die Tiere in diesen Pflanzen leben, daß aber Gewächshausraum wie Anlagenraum eine Einheit bildern und vom Betrachter auch so wahrgenommen werden. Der kölner Nachfolgebau war da in seiner Ursprungskonzeption ähnlich, hat allerdings auf die Gräben und den Besatz der Halle mit Vögeln verzichtet. Hannover und Heidelberg dagegen sind für mich insofern einen Schritt zurückgegangen, als sie die Anlagen - auch die Freianlagen - um einen bepflanzten Raum angelegt haben, diese also zumindest konzeptionell nicht mehr Teil einer Gesamtlanschaft im Haus sind - und das wäre für mich das "frankfurter" Prinzip, konevtionell die Käfige um einen wie auch immer gestalteten Besucherraum anzuordnen. Wenn man auch bei den Menschenaffen eine Entwicklung in Richtung Urwaldhaus wie in Arnheim postuliert (wobei es ein solches Haus für Menschenaffen ja noch nicht gibt), wäre Hannover ein Rückschritt. Allerdings hat man in Hannover - und in Heidelberg - die Bauten ja bewußt als Architektur gestaltet, mit Beton skuptiert und durch Verschiebung von Raumeinheiten auch versucht, zu einem Nebeneinander von Anlage, Urwald und Bau zu kommen, was ich recht reizvoll und vorbildlich finde. In Krefeld findet diese Architektur nur bei den Anlagen im Haus statt, in Köln gibt es sie nur als Restbestand aus den übernommenen Krefelder Plänen.
Es ist jedoch interessant, daß wir bei den Menschenaffen seit Krefeld keinen wirklich neuen Bautyp gesehen haben - deshalb scheint mir die Schimpansenhaltung in Gelsenkirchen ja so wichtig, weil es dort vielleicht den gesuchten neuen Typ gibt.
(23.07.2006, 20:12)
Dennis:   Für Oranutans wuppertal für Gorillas gäbe es mehrere Anwerter: Münster, münchen, leipzig..
die außenanlage der gorillas in Nürnberg ist 2000qm groß und sehr gut, finde ich.
(23.07.2006, 10:59)
th.oma.s:   für bonobo und schimpanse unter mitteleuropäischen verhältnissen leipzig
(23.07.2006, 09:37)
Michael Mettler:   Dass wir schon einen eigenen Thread zu diesem Thema hatten, ist mir eben erst wieder eingefallen. Vielleicht sollten wir die unter dem BaWü-Thema begonnene Diskussion über Menschenaffenanlagen lieber hier fortsetzen, um nicht ein ganzes Bundesland nur auf ein paar Primatenarten zu reduzieren.

Frage an die Menschenaffenspezialisten: Welche Anlage in den deutschen Zoos - ob Einzelanlage oder Komplex - würdet ihr als "Musteranlage" für Menschenaffenhaltung bezeichnen? Es ist zwar viel zu lesen, welche Anlagen es alle NICHT sein sollen, aber wo sind die positiven Beispiele und warum?

Und ganz nebenbei wäre es mal interessant, Quadratmeterzahlen für Menschenaffenanlagen zu vergleichen, da die Optik doch sehr trügerisch sein kann. Die Flächengröße sagt zwar noch lange nichts über die Haltungsqualität aus, aber immerhin ist sie ein wesentlicher Faktor.
(22.07.2006, 12:51)
Michael Mettler:   Hallo Michael (Amend), ist in deine neue PC-Tastatur mein Nachname eingebaut?? Du darfst ruhig weiter unter deinem Namen schreiben (und jetzt sogar MIT Umlauten!!), trotzdem danke für die Auskunft....
(17.02.2006, 00:00)
Michael Mettler:   @Michael Mettler
Eigentlich erübrigt sich die Frage, denn die Wilhelma hat eindeutig zuviele Huftiere, also, weg damit.Das neue Haus soll auf dem Platz von Warzenschweinen,Wasserböcken,Somaliwildeseln usw.gebaut werden.Somalis und Grevys bleiben garantier
(17.02.2006, 00:00)
Michael Mettler:   Auf welcher Fläche soll eigentlich in der Wilhelma das geplante Menschenaffenhaus entstehen bzw. welche Gehege und Tierarten befinden sich dort jetzt?
(17.02.2006, 00:00)
IP66:   Sollte einmal ein afrikanischer Staat mit Schimpansenbevölkerung der EU betreten, müßte dort so manches wenig kontaktfreudiges Exemplar wohl sein Leben ändern. Was plant Rostock denn: Wieder Urwald oder etwas neues. Mir scheint das Thema Freianlage im Innenraum noch nicht ausgereizt: Krefeld bietet einen auch von den Besuchern sehr geschätzten direkten Kontakt zu den Tieren, wobei die Gorillaanlage ein wenig klein ist. Da könnte man m. E. anknüpfen.
(27.01.2006, 00:00)
Dirk K:   In Rostock wird wohl schon fleißig für ein neues Menschenaffenhaus gesammelt. Dieses Projekt soll auf jeden Fall vor den Elefanten angegangen werden.
(25.01.2006, 00:00)
Zoosammler:   Wie sieht es eigentlich in Rostock aus? Bei meinem letzten Besuch waren noch Gorillas und Orang-Utans in großen, einrichtunglosen Gitterkäfigen, die zur Besucherseite offen waren und vom Lichteinfall her eher an ein Fotolabor erinnerten untergebracht. Von einem Neubau habe ich nie etwas gehört.
(25.01.2006, 00:00)
Michael Mettler:   Die Konzeption der Menschenaffenhäuser wandelt sich schon allein dadurch, dass viele Zoos auch bei diesen Tieren vom Artensammeln abrücken - nicht zuletzt zu sehen am Rückgang der Schimpansenhaltungen. Damit stehen weniger Arten größere Flächen zur Verfügung. Es wird sich zeigen, was z.B. die Wilhelma bei einem Neubau vorhat, auch dort spielten die Schimpansen nach den drei anderen Arten nur die "vierte Geige".

Und soweit ich weiß, erlauben die Zoo-Richtlinien eine Schimpansenhaltung nur noch ab einer gewissen Hordengröße, die dementsprechend viel Platz braucht. Weiß jemand dazu Genaueres? Eigentlich hätte doch Bremerhaven dann gar nicht mehr neu für Schimpansen bauen dürfen?
(25.01.2006, 00:00)
IP66:   Wie schon häufiger hat sich in der Zoo-News-Diskussion eine solche über Menschenaffenhäuser entfaltet, die sich jetzt stark in die Historie ausdehnt.
Es geht um die Frage der Bautypen, um die Notwendigkeit von Außenanlagen und der Haltung verschiedener Arten. Zumindest die neuen Aspekte könnte man vielleicht in dieser Spalte etwas organisierter unterbringen.
(25.01.2006, 00:00)

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