
| Michael Mettler: | Im Englischen gibt's auch verschiedene Bezeichnungen für männliche Hirsche, wahrscheinlich von der Größe der Art abhängig: "buck" (für z.B. Reh und Weißwedelhirsch) und "stag" (für Großhirsche) habe ich öfter gelesen, meine aber sogar "ram" (steht eigentlich für männliche Schafe, also Widder) schon in diesem Zusammenhang gesehen zu haben. Und ich nehme an, ein männlicher Elch ist im Englischen ein "bull"? Oder bezeichnen "buck" und "stag" sogar nur verschiedene Altersstufen? Zumindest in Amerika nennt man übrigens einen weiblichen Bären "sow" (Sau) - das Gegenstück wäre dann wohl der Ebär :-) Und weil's gerade so schön ist und sich sogar in unserer deutschen Umgangssprache eingebürgert hat: Ein "kid" ist eigentlich ein Zicklein und eine "nanny" eine Muttergeiß.... (10.02.2006, 00:00) | ||
| Kahuna: | Die Holländer nennen einen männlichen Damhirsch "Bok" (also das selbe als Bock) (10.02.2006, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Servus ist zwar ebenfalls Latein, bedeutet aber "Sklave" oder "Diener" (siehe auch servieren, Service usw.).... Und als wohlerzogener Junge macht(e) man ja zur Begrüßung auch einen "Diener". Der Hirsch dürfte da jedenfalls außen vor sein! (10.02.2006, 00:00) | ||
| Hannes: | Kommt die begrüßung "Servus" eigentlich auch vom hirsch? (10.02.2006, 00:00) | ||
| Ollo: | In der Schweiz nennt man männliche Hirsche zoologisch auch Stier. (10.02.2006, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Das ist auch wieder eine Definitionssache und somit willkürlich. Im Bezug auf Antilopen sagte mir mal Prof. Walther, bis Riedbockgröße sollte man von Bock, Geiß und Kitz, darüber von Bulle, Kuh und Kalb sprechen. Die Holländer nennen einen männlichen Rothirsch "stier", wie ich mal gelesen habe - leider keine Ahnung, wie dort ein männlicher Damhirsch genannt wird. Ist aber ohnehin alles nicht einheitlich. Warum spricht man beim Kamel von Hengst, Stute und Fohlen? Weil man darauf reiten kann wie auf einem Pferd? Selbst bei Giraffe und Okapi habe ich schon von "Hengsten" gelesen. Und wie nennt man korrekt die Geschlechter beim Tapir (immerhin mit dem Pferd verwandt)....? Besonders bekloppt ist es in der Terraristik-Szene, wo männliche Echsen oder Schlangen umgangssprachlich "Böcke" genannt werden (merkwürdigerweise aber die weiblichen Tiere nicht "Geißen")! (10.02.2006, 00:00) | ||
| Ollo: | @ Michael Mettler Ein männlicher Damhirsch ist zoologisch bezeichnet ein Damhirschbulle, oder habe ich jetzt etwas falsch verstanden? (10.02.2006, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Meines Wissens leben männliche Rothirsche außerhalb der Brunftzeit unabhängig vom Alter in Junggesellengruppen, in denen sich dann auch vorherige "Gegner" wieder vertragen - bis zur nächsten Brunft. (10.02.2006, 00:00) | ||
| IP66: | Ich habe mich jüngst auch in Dortmund gewundert, dort im Hirschgehege - eine Traditionsanlage aus der Vorkriegszeit in der sog. "Schondelle" - eine ganze Gruppe von Geweihträgern friedlich nebeneinander zu sehen. Bei Renern oder den kölner Buchara-Hirschen funktioniert das zwar auch, ich habe dort aber selten mehr als einen richtigen Geweihträger im Gehege gesehen. (10.02.2006, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Es kommt natürlich auf die Zielsetzung des Parks an! Springe betrachtet sich selbst als eine Art lebendiges Jagdmuseum, da ist die jägersprachliche Benennung wohl umumgänglich. Allerdings finde ich, dass dann der "richtige" Name daneben stehen müsste. Mit "Wasserwild" kann nämlich kaum ein Besucher etwas anfangen, da wäre "Schwimmvögel" doch etwas eindeutiger. Andererseits wird ein absoluter Laie weder aus "Mufflon" noch aus "Muffelwild" schlau. Gefährlich sind männliche Hirsche ja vor allem, wenn sie ihr Mütchen nicht an artgleichen Rivalen kühlen können - diese Möglichkeit besteht aber in dem weitläufigen Gehege in Springe, und ich habe auch noch von keinem Unfall dort gehört. Die Hirsche sind allerdings auch nicht futterzahm. Der Tiergarten in Hannover mit seinen Damhirschen, die sich aus der Hand füttern lassen, wird dagegen meines Wissens zur Brunftzeit gesperrt, oder? "Brunft" ist übrigens auch ein Begriff aus der Jägersprache und hat sich so durchgesetzt, dass man sogar von "brünftigen" Elefanten liest. In der Zoologie heißt es eigentlich Brunst. Auch die Bezeichnungen Keiler, Bache und Frischling sind längst allgemeines Sprachgut - das finde ich nicht so schlimm. Ich habe auch noch nie gehört, dass jemand einen weiblichen Fuchs als "Hündin" bezeichnet, obwohl er doch eine Wildhundart ist (und "Rüde" auch für den Fuchs allgemein üblich). Der Einwand, dass z.B. "Damhirsch" eigentlich nur ein Geschlecht bezeichnet, ist ja nicht ganz falsch. Wie heißt denn dann zoologisch korrekt der männliche Vertreter: Damhirsch-Hirsch? Heißt ja immerhin auch Damhirschkitz, selbst wenn es weibliche ist.... Ähnliches gilt allerdings auch für viele andere (Steinbock!) und auch fremdländische Tierarten, für die es keine jägersprachlichen Benennungen gibt. Kein Mensch spricht von Gabelwild, wenn er den Gabelbock meint. Aber mit den wissenschaftlichen Namen wird das auch nicht unbedingt korrekter, denn das bei vielen Hornträgern enthaltene Wort -tragus (u.ä.) ist griechischen Ursprungs und heißt "Bock" (im Sinne einer männlichen Ziege). (10.02.2006, 00:00) | ||
| Ollo: | Aja, ich meinte nicht (nur), daß der korrekte lateinische zoologische Name am Schild stehen sollte, sondern der deutsche zoologische Name. (10.02.2006, 00:00) | ||
| Martin: | Der korrekte zoologische Name für den Rothirsch ist 'Cervus elaphus', und der sollte natürlich in jedem Fall genannt werden. Welches jetzt der korrekte deutsche Name ist, da gehen die Meinungen auseinander. Ich erlebte einmal im Tierpark Straubing, dass ein Besucher, der wohl dem edlen Waidwerk nahestand, die Gehegebeschilderung 'Damhirsch' verkehrt fand, denn Hirsche seien ja nur die männlichen Tiere. Allerdings habe ich mich auch schon daran gestört, wenn männliche Luchse 'Kuder' genannt wurden, für mich sind das ebenso wie Tiger oder Leoparden 'Kater'. In jedem Fall halte ich die Jägersprache für die Fachterminologie einer bestimmten Gruppe, nicht aber verbindlich für den Rest der Welt. (10.02.2006, 00:00) | ||
| Ollo: | Apropos Frankenberg. Dort MUß man durch das Rothirschgehege gehegen, sonst kommt man nicht weiter. Als ich den Wildpark besuchte, war ich wohl der einzige Besucher. Sobald ich das Rothirschgehege betrat, standen alle Insassen still und nahmen mich ins Visier. Darunter war gut und gerne ein Dutzend Geweihträger. Ich entschied in dieser Situation für mich, umzukehren und den Park zu verlassen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß eine Mutter mit Kind da anders gehandelt hätte. (09.02.2006, 00:00) | ||
| Ollo: | Was haltet Ihr davon wenn in Tiergärten der Rothirsch als Rotwild bezeichnet wird (und das Reh als Rehwild usw.)? Ich bin der Meinung, die Einrichtungen können natürlich Namen wie Wildgehege oder Wildpark weiterhin tragen, und die Jägersprache soll auch ruhig erklärt werden, aber die Arten gehören auf jeden Fall beim korrekten zoologischen Namen genannt. Und gleich eine weitere Frage dazu: Männliche Hirsche gehören glaube ich in die höchste Gefahrengruppe bei den Sicherheitsvorschriften. Trotzdem gibt es sogar für den Rothirsch Gehege, durch das die Besucher hindurchgehen können (z.B. Frankenberg, Springe). Ich halte das für weitaus zu gefährlich, was meint Ihr? (09.02.2006, 00:00) |
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