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Michael Mettler:
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Ich weiß leider nicht mehr, in welchem Thread wir mal diskutiert hatten, welcher Zoo als erster eine Glasabsperrung vor dem Käfiggitter von Menschenaffen eingesetzt hatte, um den direkten Kontakt zwischen Besuchern und Affen zu unterbinden. Auf jeden Fall waren wir rückwärts schon mindestens beim Anthropoidenhaus in Halle angekommen, doch die neu erschienene Dresdner Chronik belegt, dass der dortige Zoo schon fast dreißig Jahre vorher eine Glasabschrankung eingesetzt hatte. In Zusammenhang mit der 1873 angekauften Schimpansin Mafoka, um die sich ein Streit der Systematiker entsponnen hatte (ob es sich um einen Schimpansen oder einen Gorilla handelte), ist hier zu lesen:
"Schoepf hatte für die Äffin einen etwa drei mal drei Meter breiten und fünf Meter hohen Raum herrichten lassen, der mit einem Kletterbaum und Schwungseilen, Stuhl und Tisch sowie einer Bettstatt ausgestattet war. Mit Gittern und Glasscheiben gegen den Besucherraum abgegrenzt... (...)" (14.06.2011, 09:05)
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Michael Mettler:
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@Karsten Vick: Mit den selben Suchbegriffen habe ich auch schon gegoogelt und wohl den selben Artikel gefunden - wobei die Begebenheit mit Ruhe vielleicht erklärt, warum es ein hannoversches Gehegeschild vom Rheinardtfasan aus den 30er/40er Jahren gibt... Aber u.a. habe ich eben dabei auch gelesen, dass Delacour nach seinem Anfangserfolg mit den beiden ersten Gibbons noch von mehreren eigenen Reisen weitere Gibbons mitbrachte. Und darunter könnten durchaus auch Jungtiere gewesen sein, die er dann mit älteren Exemplaren zu "Familien" zusammenfügte. (24.11.2009, 23:58)
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Karsten Vick:
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Dass hier Delacour schon erwähnt wurde, und zur selben Zeit auch im Gibbon-Thread, ist mir schon bewusst. Ich denke aber, dass der von mir zitierte Artikel der Angabe von Dittrich widerspricht und es bei Delacour schon vorher, vielleicht schon vor der angeblichen europäischen Erstzucht in Aarhus 1936, Gibbonnachwuchs gab. Er selbst hat wohl nie darüber publiziert, oder besser gesagt erst viel später und auch da eher im Plauderton, keine Faktensammlung. 1941 jedenfalls war Delacour gar nicht mehr in Cléres, sondern in Amerika. 1939 brannte das Schloss ab und kurz danach wurde Frankreich von den Deutschen besetzt. Daraus erklärt sich womöglich auch, wie ein hannoverscher Zoodirektor zu einer "Erst"zuchtnachricht aus dem Jahr 1941 kommen kann, denn die Firma Ruhe aus Hannover nahm damals viele Tiere aus Cléres an sich.
Das hab ich alles beim Googeln nach Delacour Cleres Gibbon gefunden. Alles Stückwerk, muss ich noch mal in Ruhe sichten und zusammenstellen. (24.11.2009, 23:38)
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Michael Mettler:
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@Karsten Vick: Nicht erwähnt stimmt nicht ganz, aber mangels Detailkenntnis nur angeschnitten - siehe 24.7.2007 in diesem Thread. (Kinder, wie die Zeit vergeht!) Dittrich nannte als Datum für die erste Nachzucht bei Delacour 1941. Wenn diese Angabe stimmt, dürften also die 1939 vorhandenen "Familien" lediglich Patchwork-Familien gewesen sein - wobei allein schon deren Zusammenstellung für die damalige Zeit als bemerkenswerter tiergärtnerischer Erfolg zu werten wäre. (23.11.2009, 23:05)
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Karsten Vick:
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Ich habe ein Kapitel aus der Frühzeit der Gibbon-Inselhaltung und Gibbonzucht gefunden, das hier, soweit ich diesen und den Gibbon-Thread recht übersehe, noch nicht erwähnt wurde.
Dieser Artikel von Jean Delacour findet sich im "Zoologischen Garten" Bd. 26 Heft 1/2 von 1961.
Monsieur Delacour besaß bekanntlich einen großen Park in Cléres in der Normandie, mit vielen Tieren, aber er wollte nie Säuger im Käfig halten. Es gab nur frei laufende HZA, Zwergmuntjaks, Wasserrehe, Bennett- und Damawallabies sowie Hirsche und andere Huftiere in einem angrenzenden Gatter.
Auf seinen ersten Reisen nach Französisch-Indochina verguckte er sich zwar in die Schopfgibbons, die von den dortigen Beamten und Soldaten als Haustiere gehalten wurden, aber er dachte nicht daran, sich welche anzuschaffen.
Im Juni 1926 bekam er aber von Dr. Cognacq, dem wohlmeinenden Gouverneur von Cochinchina, eine Lieferung, die nicht nur Vögel, sondern auch je 2 Schopfgibbons und Germains Languren enthielt. Was tun? Einfach hinter dem Chateau die Kisten aufmachen und sehen was passiert. Und es hat funktioniert. Alle Affen waren standorttreu und wetterfest. Die Languren waren zwar "stupid monkeys", die von den Bäumen fielen und sich den Hals brachen, die Gibbons aber gediehen so gut, dass Delacour sich bald Nachschub holte.
1939 hatte er 2 Familien, bestehend aus 1 Männchen, 1-2 Weibchen und 2-3 Jungen, auf 2 Inseln im See sowie ein halbes Dutzend frei im Park. Ein Weibchen aus dem ersten Transport lebte bis 1946 im Park und brachte mehrere Junge. Das alles zu einer Zeit, als Gibbons in Zoos noch als hinfällig galten und die Zucht in den Kinderschuhen steckte. Die 20-jährige Haltungsdauer wird in der deutschen Zusammenfassung noch mit einem (!) kommentiert. Gut, wir haben in Hamm 40-jährige Gibbons gesehen, aber eine solche Haltungsdauer wurde damals überhaupt nicht für möglich gehalten. Absolute Pionierarbeit also.
Leider wird nicht erwähnt, welche Formen gehalten wurden, aber es waren welche aus den heißen Niederungswäldern Südindochinas, aus dem kühlen Norden und aus Gebirgsgegenden. (23.11.2009, 22:35)
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Die Zoorestaurants stellten oft die jeweils größten Säle ihrer Art in der jeweiligen Stadt dar - sicherlich einerseits, um alle Aktionäre gleichzeitig unter Dach bedienen zu können, aber auch, um entsprechend große Feste ausrichten zu können. Daß Sie auf den Massenbetrieb hin ausgerichtet waren, glaube ich nicht ganz, ich vermute, daß der durch die Sommerrestaurants und Waldschenken bedient wurde. Anscheinend hat man nach 1924 sehr schnell den Weg in Richtung Massenzoo beschritten und dabei auch gute Erfolge erzielt. Dabei spielt bei den Gehegen nicht nur eine Rolle, daß sie für den Besucher leicht erfaßbar waren, es ging auch darum, an den Sonn- und Feiertagen vielen Menschen gleichzeitig Einblick in die Anlage zu verschaffen. Sehr deutlich wird das, wenn man zusammenzählt, wie viel Besucher sich um die Löwenanlage in Berlin versammeln können, und diese Masse mit der geringen Anzahl von Menschen vergleicht, die vor einen herkömmlichen Löwenkäfig passen. Die hannoveraner Neuanlage am Raubtierhaus löste ein ähnliches Problem, und gerade in Bezug auf das kleine zweite Affenhaus dort dürfte eine derartige Rechnung noch prägnanter ausfallen. (20.08.2008, 17:30)
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Michael Mettler:
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Die Krise Hannovers in der Zwischenkriegszeit lässt sich zwar wegen der Zooschließung 1922-24 nicht wegdiskutieren, aber andererseits spricht es doch sehr für einen "Massenzoo", dass das Zoorestaurant schon wenige Jahre danach (1927) sage und schreibe 10.000 Sitzplätze bot!
Zur hannoverschen Affeninsel gab es bezeichnenderweise zeitgenössische Kritik, dass man die Tiere über den Teich hinweg und in den Wipfeln der Bäume kaum erkennen könne. Da saßen sie doch in den alten Häusern viel praktischer auf dem Präsentierteller... (20.08.2008, 16:12)
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Ich finde es interessant und in gewisser Weise bezeichnend, daß die Aktionäre an den alten Häusern hingen: Sie hatten aufgrund ihrer Besuchserlaubnis zeit, den Tierbestand kennenzulernen, sich Neuerwerbungen zeigen zu lassen und im Restaurant oder in den Gebäuden ihre Kontakte zu pflegen. Tieranlagen mit Großgruppen wollten sie nicht, aber noch problematischer war großer Besucherandrang, der die Exklusivität der Anlage zunichte machte und die Tierhäuser verstopfte. Hannover hat, wenn ich es recht übersehe, bestenfalls in der Zeit kurz vor dem ersten Weltkrieg einigermaßen als Massenzoo funktioniert, geriet aber dann tiefer als andere Zoos in die Krise der Zwischenkriegszeit. (20.08.2008, 15:54)
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Michael Mettler:
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Der Text in der Dittrich-Chronik ist hierzu sehr aufschlussreich. Die hannoversche Affeninsel sollte nicht nur dem durch Hagenbeck ausgelösten Zeitgeist folgen, sondern auch mehr Besucher anziehen und dem Garten dadurch mehr Einnahmen bringen. Ein erheblicher Teil der Aktionäre war allerdings gegen die Schaffung von Freianlagen, weil man den Erfolg anzweifelte, und der Verwaltungsratsvorsitzende plädierte stattdessen dafür, die naturwissenschaftlichen Sammlungen des Provinzialmuseums für den Zoo zu übernehmen... Wie man sieht: Auch der Spagat zwischen wissenschaftlichem Anspruch und Attraktion für das Massenpublikum ist kein neuzeitliches Phänomen, sondern schon über hundert Jahre alt. (23.07.2008, 19:29)
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Ich möchte nicht ausschließen, daß es gegen Ende des Jahrhunderts zu einer gewissen Verkindlichung der Kulissen kam - wer in der Mitte des 19. Jahrhunderts für sein Straußenhaus noch Ägyptologen bemühte (Antwerpen) und in seine Reptilienburg echte gotische Fragmente einbaute (Frankfurt), der tendierte um 1900 hier und da schon in Richtung Märchenpark und beglückte wohl auch ein größeres, über die gebildeten Schichten hinausreichendes Publikum. (23.07.2008, 19:12)
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Michael Mettler:
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Man könnte diese Art, Affen in "menschlicher" Kulisse zu zeigen, allerdings auch schon auf die mittelalterlichen Affentheater der reisenden Schausteller zurückführen; nur dass die Affen im Zoo unkostümiert und undressiert blieben.
Zootiere in Miniaturhäusern gab es auf jeden Fall schon lange, laut Frankfurter Chronik z.B. seit mindestens 1861 (vielleicht sogar schon ab Zoogründung) eine Miniaturburg mit Meerschweinchen am ersten Standort des Zoos an der Bockenheimer Landstraße.
Letztlich hat man aber damit nur die "menschlichen" Bauten der Körpergröße der Bewohner angepasst, denn eine Antilope im maurischen Palast oder ein Elefant im ägyptischen Tempel sind ja im Prinzip auch nichts Anderes (wenn auch geografisch z.T. etwas passender). Nur verzichtet man dort auf humoristisches Zubehör wie die "Herrentoilette" :-) (23.07.2008, 14:59)
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Ich habe nachgeschaut! Ich würde die Insel mit dem Kleintierpanorama bei Hagenbeck (und seinem Nachfolgebau in Wuppertal) in Verbindung bringen, aber auch mit einem zunehmend auf kindliche Besucher ausgerichteten Zoo. DIe Märchenbilder im alten Nagetierhaus in Berlin passen in die selbe Richtung, die letztlich zur Konzeption der heutigen Kinderzoos führte. (23.07.2008, 11:06)
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Michael Mettler:
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@IP66: Das muss eine Verwechslung mit dem hannoverschen Pavianfelsen von 1924 sein, der war tatsächlich im Gegensatz zu seinen Vorbildern in anderen Zoos vergittert. Zur Insel siehe die Diskussion in diesem Thread, die mit meinem Beitrag vom 18.7.2007 begann. Die Dittrich-Chronik enthält ein weiteres Foto und einen kurzen Text zu dieser Affeninsel (S. 85/86). (22.07.2008, 19:54)
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Bislang bin ich davon ausgegangen, daß das hannoveraner Affenparadies eine vergitterte Großanlage vorstellte? Jetzt sehe ich eine Insel ... (22.07.2008, 19:32)
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Michael Mettler:
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Ich habe eine alte Ansichtskarte der 1911 errichteten hannoverschen Affeninsel aufgetan. Wie man sieht, folgte deren Gestaltung eher der Tradition der Meerschweinchen- und Kaninchen"dörfer", indem sie ein Strandbad en miniature darstellte und damit den Betrachter karikierte. Nicht mal die Herrentoilette fehlte... Gut, auf heutigen Affeninseln, in Affenwäldern usw. sind die Schutzhütten und Klettermöglichkeiten gemeinhin schlichter oder naturnäher, aber mehr Struktur als diese historische Anlage bieten sie den Bewohnern auch nicht. (22.07.2008, 10:05)
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Die Käfige des hannoveraner Affenhauses sind in der Tat recht hoch, auf mich wirken sie jedenfalls höher als jene des ja fast gleichzeitigen Affenpalmenhauses in Berlin, auf das sich vermutlich auch die Kritik des Artikels bezieht. Allerdings hat der Architekt duch die drei spornförmigen Käfige die steilen Proportionen noch unterstrichen. Ich vermute, daß sich die Beschreibung der Käfigreihe darauf bezieht, daß die Rückwand des Hauses nicht zugleich die Rückwand der Käfige war, sondern sich zwischen diesen beiden noch ein Gang befand, in den man auch Pflanzen stellen konnte. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob die älteren Menschenaffenkäfige im neubarocken Affenhaus in Schönbrunn ähnlich organisiert waren, und auch in Köln könnte man die beiden ältesten Menschenaffenkäfige als Vorwegnahme dieses Prinzips verstehen. Auch diese Käfige wurden durch eine Glasdecke beleuchtet. In dem Vorgängerbau des beschriebenen Hauses in Hannover wird es aber wohl anders gewesen sein. Interessant wäre auch die Frage nach der Beheizung der Innenkäfige. Beim Besuch des Menschenaffenhauses in Rostock im Rahmen der gerade abgeschlossenen Mecklenburg-Tour ist Karsten Vick und mir aufgefallen, daß hier eine Heizung von unten erfolgt, die Käfige also nicht auf dem Boden des Hauses gründen, sondern einen halben Meter darüber, wodurch sich die Möglichkeit ergab, hier Heizungsanlagen unterzubringen. (17.01.2008, 12:15)
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Michael Mettler:
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Nein, sicher bin ich nicht. Aber m.W. war nicht bei allen Tierarten das Füttern erlaubt, Ruhe wollte bestimmt keine empfindliche Handelsware verderben lassen.... Auf dem Schild könnte z.B. auch eine Warnung gestanden haben, dass die Affen Brillen klauen o.Ä., aber für ein Tierschild im eigentlichen Sinn ist es zu groß (ich kenne die Schilder aus dieser Ära, hab' ja einige davon in meiner Sammlung). (14.01.2008, 09:06)
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Tim Sagorski:
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@ MM :
Sicher, dass das Große ein "Bitte nicht füttern"-Schild ist ? Wenn das Foto kurz nach dem zweiten WK entstand, dann war füttern doch größtenteils noch erlaubt, oder ? (14.01.2008, 08:22)
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Michael Mettler:
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Laut Gerlach lebten die Ameisenbären für sich. Es gab ja auch genug Platz im Haus und somit keinerlei Vergesellschaftungsdruck...
Im schon andernorts erwähnten, um 80 Jahre alten Buch von Sokolowsky "Erlebnisse mit Tieren" schreibt dieser, dass es in Hamburg immer amüsant zu betrachten gewesen sei, wie die Affen mit den robusten Gürteltieren umgingen, sie am Schwanz zogen usw. Kurios ist dabei, dass er nur wenige Sätze zuvor schreibt, dass Nasenbären, die man mit Affen vergesellschaftet hatte, unter deren derben Späßen sehr zu leiden hatten... Gürteltiere durften also gequält werden, Nasenbären nicht? Hm. (11.01.2008, 12:57)
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Tim Sagorski:
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Die wären dann aber nicht unbedingt geeignete Martertiere für die Affen gewesen... Der Ameisenbär wohl leider schon... Bei Grzimek steht ja auch was über den Wombat des Zoos von Rom, der sich als sehr geduldig gegenüber den Pavianen erwiesen hat...*grusel* (11.01.2008, 12:21)
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Michael Mettler:
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Interessantes Detail. Das große dürfte wohl das "Bitte nicht füttern"-Schild gewesen sein. Ob die vier Arten schon dem Tierhandelstransit entsprangen, ist aber nicht sicher. Falls das Foto kurz nach der Wiederinbetriebnahme des Hauses (1948) entstanden sein sollte, waren gemischte Affengesellschaften mangels Verfügbarkeit von Importen sicher auch in anderen Zoos nicht ungewöhnlich, da man Einzeltiere einfach in Gemeinschaftskäfigen zusammensetzte. Womöglich waren außer Ameisenbären auch noch andere Tierarten im Haus untergebracht, denn es beherbergte z.B. in der Nachkriegszeit bis zur Renovierung des Raubtierhauses auch Raubtiere wie Wölfe, Füchse usw. (11.01.2008, 10:08)
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Tim Sagorski:
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Auf dem Foto kann man auch gut das damalige "Artensammeln" bzw. die Transit-Funktion des arks erkennen, am linken Erkerkäfig sind ja schon vier kleine Schilder und ein großes Schild angebracht... Und damals dürften doch Namensschilder der einzelnen Tiere noch nicht so im Trend gewesen sein, oder ? (11.01.2008, 07:57)
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Michael Mettler:
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P.S. In dem mittleren der drei Erkerkäfige fällt mir gerade dieser schräg liegende Gegenstand auf. Richard Gerlach hat in einem seiner Bücher erwähnt, dass im Affenhaus zeitweise Große Ameisenbären untergebracht waren und den Innenraum nur über eine hölzerne Rampe erreichen konnten, weil die Schieber nicht auf Bodenhöhe, sondern weiter oben in der Wand angebracht waren! (10.01.2008, 22:26)
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Michael Mettler:
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Leider undatiert. Da aber die Dächer der "Erkerkäfige" beschädigt wirken, dürfte es sich tatsächlich um eine Nachkriegsaufnahme handeln. (10.01.2008, 21:44)
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Oliver Jahn:
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Und von wann ist das Bild? Das muss ja dann nach dem Krieg entstanden sein, denn diese Dachkonstruktion auf dem Bild ist garantiert nicht ganz aus Glas. (10.01.2008, 20:38)
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Michael Mettler:
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Nach der Schilderung, die ich jetzt in einer hannoverschen Zoozeitschrift von 1930 fand, scheint das 1924 errichtete und in den 70ern abgerissene Affenhaus in der damaligen Zeit geradezu revolutionär gewesen zu sein. Der damalige Zooinspektor Karl Wache schreibt darüber:
"Unser neues Affenhaus bietet seinen Bewohnern einen der Freinatur höchst angepassten Aufenthaltsraum, in welchen die Tageslichtfülle durch die in ihrer gesamten Ausdehnung ganz aus Glas bestehende Dach- und Zwischendeckenkonstruktion keinen Deckenschatten auf die Tiere werfen kann, wie es in den Affenhäusern anderer Zoologischer Gärten bisher noch nicht gezeigt worden ist. Um den lebhaften Affen viel Freiheit nach allen Seiten zu geben, haben die Aufenthaltsräume ihre Aufstellung in der Mitte des großen Hauses entlang erhalten, weit entfernt von den Hauswänden. Dadurch werden die ringsum aus leichten Stabgittern hergestellten Tierräume von Sonnenschein, Tageslicht, künstlicher Wärme während der kühlen Jahreszeiten und frischer Luft in vorbildlicher Weise berührt. Es ist hier zum ersten Male mit der bisher in Zoologischen Gärten üblichen Gewohnheit, die Käfige an den Wänden entlang anzulegen, gebrochen worden, in der richtigen Erkenntnis, dass dem Wandschrankkäfigsystem im Innern von Affenhäusern neben der wichtigen Lichtzufuhr auch die durchgreifende schnelle Frischluftzufuhr fehlt. Große, sehr hohe Aufenthaltsräume, die den Affen nach allen Seiten und nach oben hin Ausblicke auf die verschiedenartige Umgebung, welche auch die reichhaltige Pflanzung des Hauses gewährt, wie in unserm neuen Affenhause, haben hervorragende Erfolge bei der Haltung aller Affenarten, besonders auch bei den empfindlichen Menschenaffen gezeitigt."
Die letztere Äußerung muss man wohl relativieren und in Bezug auf die vorher sehr unbefriedigenden Haltungsergebnisse bei Menschenaffen in Hannover beziehen, denn m.W. fing eine wirklich "erfolgreiche" Menschenaffenhaltung im Zoo erst Jahrzehnte später an. Aber immerhin waren in diesem Haus neben Schimpansen auch zeitweise Orangs aus dem großen Ruhe-Importen untergebracht, auch wenn es vorwiegend (und ab 1956 ausschließlich) der Haltung Niederer Affen und gelegentlicher "Fremdmieter" wie Ameisenbären diente.
Wie schon mal erwähnt habe ich an das Hausinnere, dessen Betreten in seinen letzten Jahren auch wegen einer bröckelnden Deckenkonstruktion für Besucher nicht mehr möglich war, keine eigene Erinnerung. Nach diversen Schilderungen befand sich entlang des Besucherraumes eine Käfiggalerie (Das Wort "Aufenthaltsräume" im Artikel klingt allerdings deutlich positiver!) und hinter dieser in ausreichend Abstand zu den Käfigen die tropische Bepflanzung. Im Rücken des Betrachters gab es keine Käfige (ich vermute dort aber weitere Pflanzgefäße), alle Außenkäfige waren an der selben Hausseite nebeneinander platziert - siehe nebenstehendes Foto aus der 125-Jahre-Chronik.
Da man mir erzählte, das Haus sei zum Schluss so dunkel gewesen, dass man kaum die Affen hinter den Gittern sah, gab es wahrscheinlich zuletzt eine provisorische Deckenkonstruktion. Das Originaldach wurde im Krieg zerstört, und aus den Chroniken geht leider nicht hervor, ob es danach wieder in der Ursprungskonstruktion aus Glas rekonstruiert wurde oder im Hinblick darauf, dass ohnehin ein neues Haus geplant war (zu dem es dann nie kam), nur eine provisorische, mehr oder weniger undurchsichtige Eindeckung bekam. (10.01.2008, 19:23)
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Leipzig stellte ausgewachsene Orangs im alten Antilopenhaus aus - eine weitere Fremdhaltung. Ich würde allerdings die Vogelhäuser in Basel und Köln zu den Bauten zählen, die in der Tat für Vögel UND Menschenaffen errichtet wurden, also gewissermaßen kombinierte Menschenaffen/Vogelhäuser waren. Finden sich eigentlich in der älteren Literatur - etwa den von Heck bearbeiteten Bänden von Brehms Tierleben - Hinweise darauf, daß man Menschenaffen in solcher Weise gehalten hat? (31.08.2007, 11:52)
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Michael Mettler:
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Dresden hatte seine Orangs der Brandes-Ära im selben Anbau des Aquariums, der auch die Flusspferde beherbergte. Nach den Schilderungen schien der Käfig sogar teilweise über das Flusspferdbecken zu ragen. Der Grund für die Platzierung dürfte die in diesem Gebäudeflügel herrschende hohe Wärme und Luftfeuchtigkeit = Urwaldluft gewesen sein.
Die Liste der "Fremdeinquartierungen" von Menschenaffen wird somit immer länger: In Aquarien/Terrariengebäuden (Dresden, anfangs Hannover, Berlin Aquarium Unter den Linden), in Vogelhäusern (Köln, Basel).... (30.08.2007, 12:24)
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Die Glasscheiben-Gitter-Kombination in Wuppertal ist in der Tat sehr aufschlußreich. Die Außenanlage der Schimpansen war allerdings nicht nur durch Glasscheiben, sondern auch durch einen Graben begrenzt - die Tiere kamen also nicht an die Scheiben heran, sondern diese dienten eher dazu, die Besucher abzuschirmen. Ein ähnlicher Außenkäfig, der für Orang-Utans errichtet wurde, existiert ja noch am Südamerikahaus in Köln.
Äußerst wenig weiß ich über das Affenhaus im alten nürnberger Zoo, das doch mit seiner Orang-Nachzucht für Neubauten der Zwischenkriegszeit sicher eine Rolle gespielt hat. Es scheint relativ geräumig gewesen zu sein und besaß wohl drei verglaste Außenkäfige (Mühling S. 225). Leider datiert Mühling seine Abbildungen nicht, so daß nicht sicher nachgewiesen werden kann, ob die Verglasung von Anfang an bestand. Jedenfalls wurden in dem Gebäude 1912 Menschenaffengehalten, mit relativ geringem Erfolg. Interessant ist, daß der größte der verglasten Außenkäfige die Position des überlieferten Gesellschaftskäfiges übernimmt. Es gibt ihn also auch in einem so reformerisch orientierten Bau wie diesem, aber es wird der Schritt getan, ihn auch für die größten Affen zu verwenden - so lange man solche hat. Interessant wäre die Innengestaltung des Bauwerks, in dem nach Mühling ebenfalls Verglasungen eingesetzt wurden - da kenne ich aber keinerlei Ansichten oder Pläne. Die Nachzucht erfolgte allerdings im großen Warhmhaus des Zoos, was vermuten läßt, daß die Käfige im Affenhaus für die Haltung erwachsener Menschenaffen doch zu klein waren.
Interessant wäre zudem, wo Dresden seine Orangs, die ja auch früh gezüchtet haben, untergebracht hat. (30.08.2007, 12:11)
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Michael Mettler:
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In Schürers Chronik zeigt ein Foto auf S. 60, dass einige der schon von Beginn an vorhandenen Außenkäfige auf der Ostseite des Hauses mit vorgesetzten Glasscheiben abgeschirmt waren und neben Orangs wohl auch Schimpansen enthielten (siehe Foto auf der Nebenseite). Demnach waren auf dieser Seite des Hauses vorher keine Freianlagen vorhanden, sondern nur an der West- und Nordseite. Auf S. 120 ist dann zu sehen, dass die heutige Brillenlanguren-Außenanlage für die damaligen Schimpansen zwar nur mit Glas begrenzt, aber oben offen war. (29.08.2007, 12:11)
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Es tut mir leid, wenn ich Verwirrung erzeugt habe. In der Tat sind die meisten Greifvogelanlagen des 19. Jahrhundert um einen zentralen Käfig angeordnet, wie man das noch heute in Frankfurt oder Antwerpen nochvollziehen kann, aber es handelt sich eben doch um Reihen von Käfigen. Bei den Affen gab es diese Käfigreihen lange nicht, und viele der ersten Affenhäuser besaßen zwar mehrere Innenkäfige, aber außen nur die eine zentrale Gemeinschaftsanlage. Sicherlich näherten sich Häuser wie das alte Affenhaus in Köln dann dadurch dem Muster der Greifvogelkäfigreihen an, in dem sie diesen einen Gemeinschaftskäfig beibehieleten, aber um diesen herum weitere, deutlich kleinere Käfige versammelten. Mein EIndruck ist aber der, daß man sich wegen dieses Gemeinschaftskäfigmodells lange nicht zum Bau von Häusern entschließen konnte, deren größter Käfig als Menschenaffenkäfig geeignet gewesen wäre, mit dem Ergebnis, daß die Menschenaffenhaltung sehr häufig in anderen Gebäuden stattfand und schließlich eigene Gebäude zu diesem Zweck errichtet wurden. Es gibt zwar Gegenbeispiele, vor allem das Affentropenhaus in Berlin, die Regel ist das aber - bis heute - nicht.
Wuppertal wäre ein solches Beispiel, wo ein Haus mit "Menschenaffenoption" schon in der Zwischenkriegszeit errichtet wurde, mit gegenüber den Bauten des 19. Jahrhunderts deutlich vergrößertem Grundriß. Man hatte ja ursprünglich im Inneren sogar Freianlagen eingerichtet, die sich dann aber als nicht ausbruchssicher erwiesen, also sehr innovativ geplant. Interessant wäre, ob nach der Beseitigung der Gräben die Schimpansen nur hinter Gitter oder auch noch hinter einer Glasscheibe gehalten wurden. (29.08.2007, 11:59)
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Michael Mettler:
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P.S. Das Zitat von Schürer entstammt der 125-Jahre-Chronik.
@IP66: Oder hatte ich Ihre Äußerung fehlgedeutet und Sie meinten mit dem Neubau das heutige Haus für Niedere Affen (als Nachfolger des Gründerzeit-Affenhauses)? (28.08.2007, 20:32)
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Michael Mettler:
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Bei den Greifvogelgalerien dachte ich an Beispiele wie Antwerpen oder Frankfurt, bei denen sich der größte Käfig in der Mitte befindet und eher einer Gemeinschaftshaltung diente als der Ausstellung eines Einzeltieres wie die kleinen Käfigen rechts und links daneben.
Zu Wuppertal: Eine längere Menschenaffenhaltung begann doch aber nicht erst mit dem heutigen Menschenaffenhaus! Der heute mit Brillenlanguren besetzte Raum im Affenhaus und dessen (damals noch anders umgrenzte) Außenanlage wurden einige Zeit für Schimpansen genutzt. Zwar nennt Schürer die Menschenaffenhaltung im alten Haus einen "verlustreichen Notbehelf", doch wurden nicht nur vorübergehend jüngere Tiere gehalten, sondern mindestens eine Gruppe bis zum fortpflanzungsfähigen Erwachsenenalter, denn der jetzige Schimpansenmann Epulu kam noch dort zur Welt. (28.08.2007, 20:23)
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Ich würde das eher bestreiten. Greifvogelgalerien leben ja von einer Fülle von Einzelkäfigen, die durch besonders große oder auffällig geformte Beispiele rhythmisiert werden, für Raubtierhäuser wird sehr früh die Galerieform verbindlich, und auch die Bärenburgen haben haben schon zur Jahrhundertmitte mehrere Abteile, sogar in derart kleinen Anlagen wie Wuppertal. Das entspricht auch dem Bedürfnis des Aktionärszoos, eine Tierausstellung mit entsprechend vielen Arten und Vergleichsmöglichkeiten zu bieten, ähnlich einem nach Schulen oder Techniken sortierten Museum der Zeit. Bezeichnenderweise verschwinden die großen Hirschgehege des Biedermeiers zugunsten der Hirschalleen (Berlin ist da wieder einmal ein schönes Beispiel), und die Bärengruben verwandeln sich in die Bärenburgen. Ich erkläre es mir so, daß der Affenhaustypus durch die frühen Anlagen bei den Besuchern so beliebt geworden war, daß man den Gesellschaftskäfig beibehielt und die restlichen Käfige ergänzte, wie man ja auch das Bärengrubendetail, die Tiere von oben füttern zu können, bei den neuen Burgen beibehalten hat. (28.08.2007, 19:40)
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Michael Mettler:
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War das historische Grundmodell "großer Zentralkäfig plus Nebengelasse" damals nicht auch bei anderen Tiergruppen üblich? Ich denke da z.B. an Bärenburgen, Raubtierzwinger (mit Löwen als Mittelpunkt) oder Greifvogelgalerien. (28.08.2007, 18:18)
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Das entspricht ungefähr der Situation in Köln oder Berlin. Berlin hatte unter Heck ein eigenes "Glashaus" für empfindliche Affen - die übrigen waren im ersten Raubtierhaus untergebracht und löste diese Situation, wie Hannover, in der Zwischenkriegszeit durch den Bau des großen Affenpalmenhauses, in dem dann allerdings auch die Menschenaffen saßen. In Köln gab es das kleine Affenhaus aus der zweiten Jahrhunderthälfte, doch hier löste man das Menschenaffenproblem dadurch, daß man um die Jahrhundertwende in dem für die damalige Zeit überaus geräumigen Vogelhaus Menschenaffenkäfige einbaute. Es wäre zu fragen, ob dieses Vogelhaus nicht auch deshalb so groß ausgefallen ist, weil man dort Menschenaffen zeigen wollte. In Wuppertal war das Affenhaus aus der Zoogründungszeit so klein, daß an Menschenaffenhaltung erst mit der Errichtung des noch heute bestehenden Neubaus zu denken war.
Typologisch sieht die Entwicklung so aus, daß die Affenhäuser das ganze 19. Jahrhundert hindurch nach dem Modell der biedermeierlichen Bauten errichtet wurden, d. h. um einen großen Gesellschaftskäfig für niedere Affen, den selbst späte Beispiele wie Schönbrunn oder gar das Affenpalmenhaus in Berlin noch zeigen. Zwar versammelte man um diesen einen großen Käfig immer mehr Einzel- und Ersatzkäfige, die Bauten blieben aber aufgrund dieses Vorbildes klein, so daß man vielleicht einmal ein Menschenaffenkind ausstellen konnte, für dieses dann aber den beliebten Gesellschaftskäfig räumen mußte. Hinzu kam das Problem der Ansteckung, dem man zwar nach dem berliner Modell mit Käfigen hinter Glas hätte begenen können - doch da dies für die härteren Affen bald kein Problem mehr war und durch die Kombination von Glas und Gitter auch wenig besucherfreundlich gewesen wäre, hat man auf diese Umbauten verzichtet und ist auf Provisorien ausgewichen, die, wenn der Menschenaffe starb, schnell anders genutzt werden konnten. Mithin entstand für die Zoos, die nur ab und an einen jungen Schimpansen zeigen konnten, das Problem einer dauerhaften Unterbringung erst, wenn dieser länger lebte, also mit Beginn des 20. Jahrhunderts. Ein Gegenbeispiel wäre allerdings die Haltung in Nürnberg, wo das Haus im alten Tiergarten auch für Orangs genutzt wurde. Im neuen Zoo wurde dann aber sogleich ein eigener Bau für Menschenaffen errichtet und die Tieraffen auf einige Freianlagen verteilt.
Leider weiß ich über das Zwischenkriegszeitaffenhaus in Hannover sehr wenig - es scheint eine Galerie ohne Gesellschaftskäfig gewesen zu sein, mit nicht allzu spannenden expressionistischen Gestaltungselementen. Ich kenne es aber zu wenig, um es in Vorbildreihen einordnen zu können (28.08.2007, 12:06)
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Michael Mettler:
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@IP66, um auf eine alte Frage zurück zu kommen: Nach dem, was ich bisher über die hannoversche Bauhistorie herausfinden konnte, sind hier Menschen- und Niedere Affen wohl nur selten im selben Haus gehalten worden.
Zur oder kurz nach der Zooeröffnung 1865 entstand das erste Affenhaus, das 1881 einem Brand zum Opfer fiel und 1882 in leicht erweiterter Form wieder errichtet wurde. Dieser Bau bestand bis 1924. Für diese lange Zeit finden sich nur äußerst wenige Hinweise auf Menschenaffen, die (vielleicht auch nur für kurze Zeit) möglicherweise dort untergebracht waren.
1887/88 entstand ein Schlangenhaus, in dem ein besonderes Abteil für Menschaffen vorgesehen war. Dieses bewährte sich jedoch entweder nicht oder wurde nie entsprechend genutzt, denn schon 1894 wurde es zu einem Becken für Alligatoren umgebaut.
1924 wurde zur Wiedereröffnung nach kurzzeitiger Schließung des Zoos jenes Affenhaus gebaut, das bis 1977 stand. Möglich, dass darin hie und da ein Menschenaffe eine Gastrolle spielte. 1931 begann die Pacht-Ära Ruhes, der 1933 ein Haus für kleine Raubtiere in ein kleines Menschenaffenhaus umbauen ließ. Dieses wurde 1943 zerbombt und nach dem Krieg nicht wieder aufgebaut, während das durch Bomben lediglich beschädigte große Affenhaus renoviert werden konnte. 1956 wurde dann das Tropenhaus eröffnet, das für Menschenaffen, aber auch für besonders empfindliche Niedere Affen (z.B. Neuweltaffen) konzipiert war.
Für frühe Gibbon-Haltungen gibt es auch nur wenige Hinweise, wie die Menschenaffen auch haben sie wohl in der Vor-Ruhe-Ära nur Neben- bis Gastrollen gespielt. Ich nehme aber an, dass man sie ab 1933 eher im Menschenaffenhaus als im großen Affenhaus unterbrachte, da auch sie wahrscheinlich vorwiegend als Flaschenkinder in Ruhes Hände kamen. (27.08.2007, 21:16)
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Carsten Horn:
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Hab noch ne Zahl für Berlin Zoo gefunden, Anlage der Gibboninsel 1962 (27.08.2007, 12:43)
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IP66:
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Hübsch wäre es ja, wenn die ein oder andere Anlage, die hier diskutiert wurde, durch eine Abbildung ergänzt werden könnte.
Der Verzicht auf lebende Bäume scheint mir einen stilistischen Quantensprung zu bedeuten, so seltsam das heute auch klingen mag. Die berliner Anlage war ja der Versuch, aus Felsen eine Freianlage zu konstruieren, und zwar, anders als in Köln oder bei Hagenbeck, nicht aus künstlichen Betonkulissen, sondern aus echtem, im Steinbruch gewonnenem Material. Das ist eine Entwicklung, aber eine solche, die noch immer versucht, mit natürlichen Mitteln so etwas wie die Illusion eines natürlichen Lebensraumes darzustellen. Die gelsenkirchener Insel und ihre frankfurter Nachfolger hingegen - letztere habe ich mir vor einigen Tagen noch einmal angesehen - wollen gerade dies nicht mehr: Sie strenge runde geometrisch definierte Form signalisiert ganz deutlich, daß es sich um künstlich hergestellte Ersatzlebensräume handelt, auf denen sich die Tiere durchaus wohlfühlen, aber auch gut sichtbar und als in Gefangenschaft gehalten erkennbar sein sollen. Das ist in etwa jene Überlegung, die dazu führte, die berüchtigten White Cubes für Kunstprodukte aller Art, ohne die man schon 1950 kein Museum mehr moderniesieren konnte - auch hier wurden die einheitlichen Stilräume des späten 19. Jahrhunderts und die den Genmälden oder anderen Kunstgegenständen angepaßten Wandbespannungen und Deckenstrukturen abgeschafft, um zu verhindern, daß diese vom Exponat ablenkten. Ähnliches kann man ja auch an Klettergerüsten erkennen, aber an jenem noch gut erhaltenen für Klammeraffen in Stuttgart. Die ersten White Cubes für Menschenaffen entstanden m. W. in jenem frankfurter Haus, das jetzt zum Abriß freigegeben ist. (25.08.2007, 18:24)
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Michael Mettler:
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Möglicherweise ist die Frankfurter Affeninsel durch eine andere inspiriert worden, auf deren wahres Alter ich erst jetzt stieß: Die zuletzt für Anubispaviane genutzte Insel im Ruhrzoo Gelsenkirchen war bereits 1949 zur Eröffnung des Zoos fertig! Erstbesatz waren Rhesusaffen, für welche sich die Insel aber als nicht ausbruchsicher erwies, deshalb wurden sie bald durch Mantelpaviane ersetzt. Im Laufe der Zeit gab es dort noch andere Arten, darunter 1959 (im Eröffnungsjahr der Frankfurter Insel) eine Horde von 20 Panama-Klammeraffen.
Als älteste deutsche Gibbon-Freianlage (wenn auch nicht Teich-Insel) könnte sich die kleinere Freianlage des in den 30er Jahren errichteten Affenfelsens in Berlin erweisen, denn laut der 125-Jahre-Chronik war diese für "Kletteraffen" wie Gibbons, Kapuziner usw. gedacht (im Gegensatz zu den "Felsenaffen" auf der gegenüber liegenden, größeren Freianlage). Hat jemand Vorkriegszooführer aus Berlin, in denen Gibbons für diese Anlage erwähnt werden? (21.08.2007, 15:21)
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Michael Mettler:
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... und nun habe ich eben noch entdeckt, dass die hannoversche Gibbon-Insel von 1961 einen direkten Vorgänger im selben Zoo hatte. Quelle ist ein Zooführer, der 1960/61 erschienen sein muss (Titelmotiv: gezeichneter Tiger; Ereignisse von 1960 werden darin erwähnt, auf die spätere Gibbon-Anlage gibt es jedoch keinerlei Hinweis). Da findet sich neben den Resten der historischen Felsenanlage ein Ententeich mit einer kleinen Insel, "auf der Affen untergebracht sind. Meist handelt es sich bei den hier gezeigten Affen um Gibbons aus Ostasien. (...) Zum Schlafen beziehen die Gibbons Fässer, die in den Zweigen aufgehängt wurden." Vielleicht war das die "Testanlage" für den späteren Neubau. Im vorangegangenen Zooführer (erschienen 1958/59) taucht die Insel noch nicht auf. (17.08.2007, 20:02)
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Michael Mettler:
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Eine deutsche Erfindung waren Gibbon-Inseln jedenfalls nicht, dafür fand ich nun den Beweis in "Knaurs Affenbuch" - das erschien 1957, also noch vor dem Bau der Frankfurter Insel. Hier heißt es über Gibbons: "Schon in Frankreich und England kann man sie das ganze Jahr hindurch im Freien halten (...) Besonders schön aber kommen diese Affen zur Geltung, wenn man sie auf einer baumbestandenen Insel mitten in einem Teich unterbringen kann..."
Wenn Hannover also irgendeine Neuentwicklung für seine Anlage von 1961 beansprucht, dann scheint es sich nur darum zu handeln, dass hier möglicherweise erstmals auf lebende Bäume verzichtet wurde.... (16.08.2007, 22:05)
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Michael Mettler:
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@Tim Sagorski: Ich kann zwar nichts zu Vorfällen in Dortmund sagen, aber nachdem es anderswo schon dazu gekommen sein soll, dass Gibbons Enten fingen, könnte es für Vögel auf den Gibbon-Inseln ungemütlich sein. Auf der Wasserfläche der alten Gibbon-Insel in Hannover gab es eigentlich immer Stockenten und Teichhühner sowie über lange Zeit Nilgänse, aber ich kann mich nicht daran erinnern, jemals einen dieser Vögel auf dem Landteil der Gibbons gesehen zu haben - und Nilgänse sind ja bekanntlich nicht wehrlos. Bei der heutigen Anlage ist die Insel dichter bewachsen und ich gehe häufig dran vorbei, ohne auf die Bewohner zu achten; da kann ich das schlechter beurteilen. (14.08.2007, 20:10)
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Tim Sagorski:
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Nur zur Info : Die Dortmunder Gibbon-Insel entstand damals auf dem Erweiterungsteil (wo sie sich auch heute noch befindet), als "Baujahr" habe ich 1966 recherchiert... Also erstaunlicherweise auch eine sehr frühe Insel, wenn auch nicht die Erste ! :o)
Dazu mal eine Frage : Weiß jemand, ob es irgendwann mal Probleme zwischen Gibbons und den damals reichlich vorhandenen Wasser- und Stelzvögeln auf der Anlage (Rothalsgänse, Weißstörche, Pelikane, usw.) gab ??? Hab nämlich nie einen gefiederten Bewohner auf einer der Inseln gesehen, wenn ich mich recht entsinne... Generell scheinen die Dortmunder Siamangs ja ohnehin nur die, Überwinterungshaus gesehen, linke Insel zu nutzen, während die rechte Insel, die ja auch schon "Hulocks", Kattas und Klammeraffen beherbergte, immer ziemlich verwaist aussieht !
(14.08.2007, 19:59)
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Ich bräuchte aber die Abbildungen und die Veröffentlichungsrechte, sonst wird es schwierig. Das beträfe vor allem die Anlagen in Frankfurt, Hannover und Friedrichsfelde, und vielleicht eine der Inselanlagen, Wuppertal, Köln oder Berlin. (04.08.2007, 11:01)
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Michael Mettler:
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@IP66: Nur zu! (03.08.2007, 21:04)
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Wenn man entsprechende Abbildungen auftreiben kann, könnte sich aus den Erkenntnissen des Gibbon-Threads und den Überlegungen zu Inselanlagen für Gibbons ein hübscher Artikel für den Tiergartenrundbrief schneidern lassen. (03.08.2007, 19:18)
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Michael Mettler:
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Wenn ein Sachzwang in Hannover vorgelegen haben sollte, dann dürfte dieser wohl in den beschriebenen Eingewöhnungsschwierigkeiten von Gibbons unter Tropenhaus-Bedingungen (zu hohe Temperatur, zu geringer Luftaustausch) gelegen haben. Somit war es vielleicht ein Zusammenspiel von Pflicht und Kür, dass diese Anlage geplant wurde.
Denn die hannoversche Gibbon-Anlage war ja keinswegs von Anfang an auf Zucht (also Paarhaltung) ausgelegt, sondern hatte einen ständig wechselnden, bunt gemischten Besatz. Allerdings war sie von vornherein ausschließlich für Gibbons und Klammeraffen gedacht, während die Frankfurter Insel schon allein wegen ihrer viel größeren Bodenfläche vielseitiger nutzbar war. Hätte sich der Besatz damals nicht bewährt, hätte man sie z.B. auch als Spielanlage für junge Menschenaffen nutzen können (eigener Gedanke, habe darüber nie etwas gelesen). (03.08.2007, 13:18)
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Das Ergebnis zeigt, daß man in Frankfurt recht innovativ war - auch wenn man sagen muß, daß es eine Art Zwischenlösung war, die den Anfang machte, da es sich ja um eine an ein projektiertes Affenhaus anzubauende Freianlage handelte. Allerdings ist auch hier die Idee sehr spannend, die Freianlagen mit einem Affenhaus zu verbinden, daß dann auch noch, andes als daß in Berlin, den Galerietypus durch die Einfügung des Zwischentraktes mit den heutigen Tupaja-Vitrienen ebenfalls neu interpretiert hat. Allerdings war bis auf die Gibboninsel nichts an diesem Bauwerk fundamental neu - den Affenfelsen gab es schon bei Hagenbeck, die Affengalerie hatte man selber schon im Menschenaffenhaus neusachlich umgestaltet, und selbst die Verknüpfung verschiedener Galerieflügel hatte das Affentropenhaus in Berlin vorgemacht.
Hannover hat dann die architektonischen Konsequenzen aus der frankfurter Idee gezogen, diese im Sinne des neuen Lebensraum-Substitutionsprinzips neu und vorbildlich gestaltet, wobei dieser Idee aber nur wenige Zoos gefolgt sind . am konsequentesten vielleicht noch Kronberg und Friedrichsfelde. Die Frage, die ich mir derzeit stelle, ist die, ob es, durch die Affenhaussituation oder irgendwelche anderen äußeren Zwänge zu diesem relativ kostspieligen Bau für Gibbons gekommen ist oder ob man tatsächlich der Idee folgte, einmal exemplarisch für eine ganz bestimmte Affenart etwas künstlerisch neues zu gestalten. Diese Frage müßte man in ähnliche Weise auch für Kronberg und Friedrichsfelde stellen. (03.08.2007, 11:11)
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Michael Mettler:
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Nach neuestem Stand der Dinge kann ich zur bislang frühesten Gibbon-Insel in Deutschland nun die Frankfurter küren. Wie sich herausstellte, konnte das vermutete Erscheinungsdatum von zwei meiner alten Kronberg-Zooführer nicht stimmen, und auch wenn ich noch immer kein genaues Baudatum der Anlage weiß, steht nunmehr wenigstens fest, dass es sie Anfang 1960 noch nicht gab. Und in einer Tierbestandsliste vom Mai 1961 waren noch keine Gibbons enthalten. Der Entstehungszeitraum der Anlage lässt sich also immerhin auf irgendwann zwischen 1961 und 1964 (Fotos im Buch, siehe unten) eingrenzen. Damit hat Frankfurt mit der 1959 eingeweihten Insel die Nase vorn, und möglicherweise war Hannover (1961) dann sogar noch vor Kronberg. (02.08.2007, 23:19)
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Michael Mettler:
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@IP66: Vor dem Krieg hat Ruhe das getan, zumindest mit Orangs, von denen er mehrere größere Transporte bekam. Die berühmten Orangs des Dresdener Zoos unter Brandes stammten aus diesen Importen. In der Nachkriegszeit dürfte es schwierig gewesen sein, an erwachsene Menschenaffen heranzukommen; gefangen wurden m.W. nur noch Jungtiere, und es gab wohl nur selten die Gelegenheit, aus einem Zoo oder Circus adulte Tiere zu übernehmen. (25.07.2007, 18:55)
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Es ist zwar nicht ganz einfach, Holzhütten zu datieren, aber jene in Dortmund könnte durchaus für die Frühdatierung sprechen - wobei das Ganze ein Mischsystem war: Die dem nachmaligen Giraffenhaus benachbarte Insel hatte einen einsehbaren Winterkäfig, die andere am nachmaligen Löwenhaus nicht.
Ich denke auch, daß Versuch und Irrtum eine große Rolle bei Anlagenbesetzungen gespielt hat und noch immer spielt. Allerdings ist die Ästhetik der hannoveraner Anlage recht stark auf Gibbons hin angelegt, während die frankfurter Plattformen die Ausstellung verschiedener Arten möglich machte und wohl auch so gedacht war.
Was das hannoveraner Haus angeht, steht die Nutzung natürlich quer zu meiner These von der Gibbonverdrängung durch Menschenaffenhäuserbau. Was mich überrascht ist, daß Ruhe nicht auch mit ausgewachsenen Menschenaffen gehandelt hat. (25.07.2007, 18:10)
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Drac:
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@Michael Mettler
Bezüglich Frankfurter Insel und Gute Kletterer.
In der von mir verlinkten Ein Platz für Tiere Folge wird auch darauf eingegangen.
Grzimek sagt, dass die Insel für Gibbons geplant war, sie dann aber den (?) Guereza draufgesetzt haben, dieser aber nur kurze Zeit später über das Wasser gesprungen sei, und sie die Insel deshalb doch für Gibbons einsetzen müssen.
War also bei den Guerezas weniger Test (und ich nehme mal an bei den Kattas genauso) als einfaches Trial and Error Verfahren ;) (25.07.2007, 17:30)
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Michael Mettler:
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Laut "Grzimeks Tierleben" beendete man die Inselhaltung von Weißhandgibbons in Köln seinerzeit, weil sich die Affen zu geschickten Vogelfängern entwickelt hatten und man um die weltberühmte Entensammlung fürchtete...
Auf einen weiteren Vorkriegs-Affenfelsen machte mich übrigens Oliver Jahn noch aufmerksam: In der vom Leipziger Zoo betriebenen "Zweigstelle" in Chemnitz gab es einen Pavianfelsen, der quasi das Probemodell für den erst danach in Leipzig gebauten gewesen sein könnte. (25.07.2007, 17:28)
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Michael Mettler:
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@Dortmunder: Da hast du Recht. Zwar hatte ich den erwähnten Zooführer in der Hand (in dem die Inseln als noch neue Anlage bezeichnet werden), aber habe ihn aus dem Kopf um 10 Jahre falsch datiert (1981). Weder die Chronik des Zoos noch die des Fördervereins geben leider ein genaues Entstehungsdatum der Anlagen wieder, und Zooführer erschienen auch damals schon nur alle Jubeljahre.
@IP66: Das hannoversche Tropenhaus war ja gerade NICHT für erwachsene Menschenaffen und Dauerhaltung gedacht, sondern zur Eingewöhnung junger Menschenaffen, aber auch von empfindlicheren anderen Arten wie Languren, Gibbons, Klammer- und anderen Neuweltaffen, für die das alte Affenhaus von 1924 nicht geeignet war (jedenfalls nicht für Frischimporte). Damals waren auch die späteren Innenkäfige der herangewachsenen Menschenaffen noch in kleinere Abteile untergliedert, wie man auf einem Foto in der 100-Jahre-Chronik erkennen kann. Platzmangel dürfte also hier nicht der zwingendste Grund für die "Ausgliederung" der Gibbons gewesen sein.
Letztlich war die "Laufstange" eine Art Äquivalent zur Bügelhaltung von Papageien (ebenfalls "lustige" Tiere). Wie wurden denn Affen in den (Wander-)Menagerien gehalten - womöglich ähnlich? (25.07.2007, 12:48)
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IP66:
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Eine Vorform der Laufstange, eine Art Laufstab mit angeleintem Affen, gab es auch schon in der Jahrhundertmitte vor dem ersten berliner Affenhaus. Wobei die hannoveraner Lösung vielleicht auch das Problem beschreibt: Man brauchte große Affenhäuser, um die erwachsenen Menschenaffen unterbringen zu können. Zwei neue Häuser für Affen wollte sich aber niemand leisten, und so blieben entweder Altbauten oder Provisorien übrig, manchmal auch garnichts, wie in Köln. Da bedeutete die Möglichkeit, Affen anderweitig unterzubringen, eine gewaltige Chance, einerseits den Artenbestand zu erhöhen, andererseits Geld zu sparen - war doch ein Neubau einer Gibboninsel viel preiswerter als ein großes Affenhaus. Daß auch kleinere Zoos wie Dortmund die preiswerte Möglichkeit aufgriffen, wundert nicht, zumal ja die meisten Gibbons aktiver und damit für Besucher interessanter sind als erwachsene Menschenaffen in Paarhaltung. Wenn man die Zahl der neu errichteten Menschenaffenhäuser mit der der neuen Häuser für niedere Affen vergleicht, wird das Phänomen auch statistisch greifbar.
Ich weiß nicht, ob vor 1945 im frankfurter Menschenaffenhaus Gibbons gehalten wurden (in Nürnberg war das wohl so), aber interessant ist, daß nur wenige der neuen Menschenaffenhäuser auch Gibbons vorsahen - entweder waren die Haltungserfolge auf den Insel zu durchschlagend, als daß man konventionelle Haltungsformen bevorzugen konnte, oder man setzte neue systematische Kenntnisse um. (25.07.2007, 11:58)
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Dortmunder:
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@ Michael Mettler :
Die Dortmunder Gibbon-Anlage müsste doch eigentlich schon länger bestehen (also seit Anfang der 70er mindestens)... In meinem ältesten Dortmunder Zooführer (Titelbild : Gibbon) ist sie schon aufgeführt und auch fotografiert, soweit ich weiß... Und dieser Zooführer müsste doch schon aus dem Jahr 1971 sein, oder ? (25.07.2007, 11:36)
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Michael Mettler:
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Nach einem Abend angeregter Recherche (und staubiger Finger...) kann ich jetzt noch ein paar ergänzende Ergebnisse melden.
Affenfelsen: Laut Dittrichs "Auf Safari in Europa" wurde in Breslau 1938 ein Pavianfelsen eröffnet. Dieser erwies sich jedoch nicht als ausbruchsicher, weshalb man die Affen auf eine Teichinsel umsiedelte und die Felsenanlage mit Mähnenschafen besetzte.
Gibbon-Inseln: Ab 1962 müsste es die Insel am Duisburger Äquatorium gegeben haben, erst 1975 kam die im Teich am Haupteingang hinzu. 1965 wurde an das Menschenaffenhaus im Berliner Zoo eine zweite Freianlage angebaut, die auf einem Foto von 1966 mit Gibbons besetzt ist und noch heute von Siamangs bewohnt wird. Für Dortmund fand ich kein Datum, die Inselanlage neben den Afrikagehegen müsste aber erst Ende der 70er entstanden sein. Interessant ist, dass 1973 gleich drei Zoos mit neuen Inseln aufwarten konnten: Stuttgart für Klammeraffen, München und Saabrücken für Gibbons.
Die Frankfurter Anlage kann nicht lange mit Gibbons besetzt gewesen sein, schon Anfang der 60er kam eine größere Gruppe der Mexikanischen Klammeraffen und bewohnte die Anlage dann allein. In einem International Zoo Yearbook von 1965 werden die Frankfurter Affenanlagen sehr eingehend beschrieben und für die Insel ausschließlich Klammeraffen erwähnt. Zudem wird darauf hingewiesen, dass der vier Meter breite Wassergraben für gute Springer wie Kattas oder Guerezas nicht breit genug sei - durch eigene Tests ermittelt?
Für die Kronberger Gibbon-Anlage konnte ich noch immer kein genaues Datum ermitteln, habe dafür aber ein Kuriosum entdeckt: Im Buch "Tiere im Opel-Freigehege" von 1964 wird erwähnt, dass die dortigen Gibbons in verschiedenen Gruppen gehalten werden mussten, weil sie sich schlecht vertrugen (überhaupt schien man damals Gibbons in den meisten Zoos noch für Hordentiere zu halten). Fotos zeigen, dass ein Paar Weißhandgibbons im hinteren Teil des Teiches auf einer offensichtlich schwimmenden Insel aus Holz untergebracht war, die geschätzt zwei bis drei Meter im Quadrat maß, zwei Schlupfkästen hatte und mit einem in Pyramidenform aufgestellten Gerüst aus relativ dünnen Bambusstangen bestückt war. Gibbons auf einem "Hausboot" wären also die weitere Variante...
Durch Dittrichs Buch kam ich auf einen weiteren möglichen Vorreiter der Inselhaltung für Gibbons: Paris-Vincennes. Weiß jemand, seit wann die dortige Gibbon-Insel bestand? Da der Park 1934 eröffnet wurde, könnte es sich hier also sogar um eine Vorkriegsanlage handeln. (25.07.2007, 00:26)
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Michael Mettler:
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Übrigens: Bei der Eröffnung des Tropenhauses in Hannover (1956) gab es vor dem Haus eine zwischen zwei hohen Säulen befestigte, waagrechte, lange Bambusstange, an der ein Gibbon mit einer Art Laufleine befestigt war, so dass er die Stange entlang laufen oder hangeln, aber der nicht eingezäunten Konstruktion nicht entfliehen konnte. Dieses Prinzip könnte Haltungen handaufgezogener Gibbons in deren Heimatländern entlehnt worden sein - eine sehr ungewöhnliche "Freianlage". (24.07.2007, 20:37)
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Michael Mettler:
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Ich hätte da noch einen Verdacht für die erste Gibboninsel, den ich aber mangels passender Literatur nicht überprüfen kann: Der Zoo von Cleres in der Normandie, gegründet 1919/20 vom Zoologen Jean Delacour, der auch die europäische Erstzucht des Weißwangengibbons verzeichnen konnte (das wurde jedenfalls aus Anlass der späteren deutschen Erstzucht in Hannover 1976 hier im Jahresbericht erwähnt). Nach dem Wenigen, was ich über Delacours Park gelesen habe, handelt(e) es sich um eine klassische Parkanlage, besiedelt mit Parkwild und Parkgeflügel, sowie große Volierenkomplexe für Vögel (Fasanen waren Delacours Spezialität) und eben Gibboninseln in den Teichen.
Die alte hannoversche Anlage war ja eigentlich ein extremes Beispiel für funktionale Tierhaltung: Gibbons betreten im Freileben selten den Boden, also lassen wir ihn doch einfach in der Anlage weitestgehend weg, schließlich können sie ja hangeln und schwingen.... Die im Dreieck aufgestellten, miteinander verbundenen Kletterbäume erlaubten sogar einen "Hangel-Rundlauf" und damit ein problemloses Ausweichen ohne "Sackgassen". Nach dem Ertrinken eines Jungtieres wurden allerdings die drei winzigen, kreisrunden Inseln später mit einer größeren Landfläche verbunden. Im Gegensatz zu den Anlagen in Frankfurt und Kronberg war nicht mal das Haus einsehbar; allerdings waren die Weißwangengibbons auch im Winter meistens draußen und nutzten tagsüber nur selten das Haus, um sich aufzuwärmen. (24.07.2007, 20:08)
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IP66:
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So würde ich es auch abstufen: Zum einen gab es in den meisten Gründerzeitteichen aus ästhetischen Gründen Inseln, die man gut umnutzen konnte - wie etwa in Köln. Zum anderen gab es völlige Neubauten nach dem Muster von Hannover, die dann naturgemäß nicht mehr Teil eines englischen Gartens, sondern eines Architekturkonzeptes als Natursubsitution waren. Und dazwischen gibt es abstufungen: Auf den kölner Inseln im Pelikanteich wurden ein paar Natursteinblöcke als Dekoration und Befestigung eingebaut, was Herrn Lenné oder dem Fürsten Pückler sicher nicht gefallen hätte, und in Kronberg versuchte man, mit weniger Beton und weniger Geld etwas zu bauen, was dann doch wie Architektur aussah. Ich fürchte, daß die ersten Haltungen Früchte eines Provisoriums und die jeweiligen Entstehungsdaten schwer nachzuweisen sein werden (24.07.2007, 15:58)
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Michael Mettler:
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@IP66: Wo genau ist die Grenze zwischen einer künstlichen und einer natürlichen Insel? Ich nehme an, in den wenigsten Zoos gibt und gab es Inseln, die schon vor Gründung des Zoos dort waren und ohne Zutun des Menschen entstanden sind. Das besagte Foto im Kölner Zooführer zeigt eine mit Steinblöcken eingefasste Insel, deren Boden aus einer ebenen Sandfläche (?) besteht. Allerdings befindet sie sich in einem Teich, während die Frankfurter Variante eher eine Freianlage mit speziell dafür erstelltem Wassergraben ist und die hannoversche im Prinzip auch, nur dass der Graben auf Kosten der Landfläche zu einem Bassin wurde. Auch in Kronberg dürften Teich und Gibboninseln gleichzeitig entstanden sein.
@Drac: Unser Fokus liegt ja derzeit auf Deutschland, es ist natürlich ohne weiteres möglich, dass die Grundidee aus einem anderen Land kommt, womöglich sogar aus Übersee. Es würde mich nicht mal wundern, wenn sie erstmals in irgendeiner kleinen Tierhaltung umgesetzt wurde, z.B. weil es für den Betreiber billiger war, ein paar Kapuziner o.Ä. auf einer Enteninsel auszusetzen als einen attraktiven Großkäfig zu bauen - und im Winter, wenn solche Kleinzoos eh wenig besucht werden, kamen die Tiere dann halt in einen schlicht gehaltenes, kleines Quartier und man konnte ebentuelle Kritik dadurch abfedern, dass die Tiere ja "nur" für den Winter darin ausharren mussten. (Was übrigens noch heute und auch in großen Zoos mit vielen Vogelarten so gemacht wird...) (24.07.2007, 13:45)
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Drac:
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Wenn man sich diese Ein Platz für Tiere Folge ansieht:
http://www.wdr.de/themen/global/webmedia/webtv/getwebtv.phtml?ref=80002
Bei dem Beitrag über Guerezas, dann erwähnt unser aller Jugendheld zwar, dass die Inseln zwar neu sind, aber es hört sich nicht so an, als wären diese Inseln eine Weltpremiere, es scheint sie so wie ich das raushöhre schon irgendwo mal gegeben zu haben (24.07.2007, 13:19)
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IP66:
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Kronberg und Frankfurt sind allerdings künstliche Inseln, letztere im Grunde ja eine Freianlage, die an ein Tierhaus angeschlossen werden sollte. Ich vermute, daß die Inselhaltung deshalb attraktiv war, weil sie keinen Großbau erforderte und in den meisten Zoos die überlieferten Affenhäuser zu klein oder zerstört waren. (24.07.2007, 11:41)
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Michael Mettler:
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Ich habe bei einem Gespräch mit Oliver Jahn (der zwar noch immer offline, aber nicht aus der Welt ist...) ihn als historisch Begeisterten animiert, uns bei der Spurensuche zu helfen. Und das hat er prompt mit Erfolg getan, denn er grub umgehend zwei Gibboninseln aus, die älter als Köln und Hannover (wenn auch nur geringfügig) und sogar beide für ganzjährige Haltung ausgerichtet sind .
Da wäre zum einen die heute von Klammeraffen bewohnte Anlage in Frankfurt, mit deren Bau 1958 begonnen, die 1959 fertiggestellt und laut Jahresbericht mit Gibbons und Klammeraffen besetzt wurde. Kurioserweise waren zwei der drei Freianlagen und die dazugehörigen Innenräume früher fertig als das eigentliche Affenhaus.
Für die zweite Anlage fanden wir kein definitives Erstellungsdatum: Es ist die Gibbonanlage in Kronberg, die IP66 schon in Verdacht hatte. Im Zooführer von 1958 ist sie weder erwähnt noch im Plan eingezeichnet, in der nächsten Ausgabe von 1960 existiert sie bereits. Somit liefern sich die beiden hessischen Zoos nach aktuellem Stand ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die erste deutsche Gibboninsel. Wuppertal kam übrigens mit 1966 erst später hinzu. Bliebe festzustellen, dass Gibboninseln anscheinend eine Zeitlang sehr "in Mode" waren.
Die beiden Dresdener Affenfreianlagen entstanden übrigens laut der 100-Jahre-Chronik ab 1924, der Pavianfelsen laut einem alten Zooplan, der Oliver Jahn vorliegt, als dem Affenhaus unmittelbar angeschlossene Freianlage.
Ebenfalls von Oliver kommt der Hinweis, dass das Anthropoidenhaus in Halle zumindest ab 1908 einen "Garten" hatte, in dem junge Schimpansen mit Klammeraffen, Jungbären und Steinbockmischlingen vergesellschaftet werden sollten (nachzulesen in der Hallenser Chronik). In diesem "Garten" wurde später ein Kleiner Panda gehalten, und zwar auf einer grabenbegrenzten Freianlage (von diesem Tier gibt es sogar ein Foto in der Chronik). Die Frage ist nun, ob es den - anscheinend relativ schmalen - Graben schon 1908 gab und dieser den "Garten" zur ersten Affenfreianlage machte. Allerdings kann ich mir kaum vorstellen, dass man glaubte, Steinbockmischlinge mit ihren Kletter- und Sprungfähigkeiten in einer solchen Anlage (be)halten zu können.
Was uns einfiel, aber von uns beiden mangels Materials nicht überprüfbar ist: Wie sah es eigentlich in Sachen Affenfreianlagen mit dem Hamburger Zoologischen Garten aus? (24.07.2007, 02:10)
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IP66:
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Freianlagen sollte auch das Affenhaus in Wuppertal bekommen - allerdings waren die Gräben so schmal dimensioniert, daß die Tiere heraussprangen, so daß man sowohl im Innenraum wie bei den Außenanlagen wieder zud en Gitterkuben zurückkehrte. Die dresdner Anlagen kenne ich nicht, aber wenn dort eine Freianlage mit einem klassischen Affenhaus kombiniert worden wäre, hätten wir ein Vorbild für Frankfurt. Wie alt ist denn die Freianlage zwischen den Haustiergehegen? (23.07.2007, 19:58)
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Michael Mettler:
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Angesichts der Entwicklung der Freianlagen in der ersten Hälfte des Jahrhunderts ist es schon fast kurios, dass in Hannover 1924 ein Pavianfelsen entstand, der sich an die Vorbilder aus Hamburg und Köln anlehnte, im Gegensatz zu diesen aber deutlich kleiner war und keinen Graben bekam, sondern in einer großen Volierenanlage platziert wurde. Er bestand bis in die 60er Jahre. (23.07.2007, 18:46)
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th.oma.s:
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in bezug auf bührung wäre auch das alte vorkriegsaffenhaus in dd (mantelpaviananlage) und das affenparadies von brandes (im übrigen m.e. unter Dr Lücker gekonnt moderni-siert) zu beachten. (23.07.2007, 17:54)
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Der DDR-Thread hat ja einige Ergebnisse erbacht, wobei, wenn ich es recht übersehe, die Priorität Hannovers nicht in Frage gestellt wird. Allerdings ist die friedrichsfelder Anlage mit 1969 sehr spät entstanden - aber manches in DDR-Zoos sah ja älter aus, als es war. Immerhin, gerade Zoos wie Magdeburg oder Friedrichsfelde hatten ähnliche Probleme wie Köln, und da sprach sich diese Möglichkeit, teure Affenkäfige zu sparen, schon herum.
Wichtig für unsere Inselüberlegungen sind aber auch noch Wuppertal (naturalistisch, aber schon sehr früh mit festem Haus) und Kronberg.
In unsere Affenfreianlagen-Überlegungen muß man die Büring'schen Bauten in Leipzig natürlich einbeziehen. Sie waren ja eine echte Alternative zu den Hagenbeck'schen Felseninseln. (23.07.2007, 11:39)
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Michael Mettler:
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@IP66: Dittrich schreibt in "Auf Safari in Europa" von drei Affeninseln in Köln: je eine für Kattas, Krallenäffchen und - anscheinend an anderer Stelle im Zoo - Weißhandgibbons. Das Buch ist von 1966, aber es ist stark anzunehmen, dass die Besuche des Autoren über mehrere voran gegangene Jahre verteilt waren.
Ich habe mir den Kölner Zooführer aus dem Jubiläumsjahr 1960 (Titelbild Fischuhu) zur Hand genommen. Dort heißt es "Über Winter im Affenhaus, über Sommer auf einer Insel im Teich, halten sich die überaus schlanken Weißhandgibbons auf." Einer davon ist auch auf einer Insel abgebildet (samt Kletterbaum, Tauen und altem Weinfass als Unterschlupf), und der Rand der Insel sieht tatsächlich nach Steinquadern aus. Im Plan des Zooführers sind zwar nur die beiden Affeninseln im Großen Weiher als solche bezeichnet, aber wenn man SEHR genau hinschaut (im Zweifelsfall mit Lupe), kann man auf zwei Inseln im "Großen Teich mit Wassergeflügel" (Nr. 68; das Gewässer, was bis nahe an die Sitatunga-Anlage reicht) kleine "Strichmännchen" erkennen, die Affen (und damit wohl Gibbons) darstellen sollen. (22.07.2007, 20:51)
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IP66:
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Die beiden Inseln im großen Weiher - im jetzigen Elefantenpark - wurden in den 60ern im Sommer für Kattas genutzt - da das jeden Sommer neu geschah, können das in einem Jahr natürlich auch Gibbons gewesen sein, zumal der Affenhausmangel im kölner Zoo in diesem Jahrzeht notorisch war - der Altbau stand nicht mehr und das Lemurenhaus war noch nicht gebaut. Es ist sehr wahrscheinlich, daß diese beiden mit einem Ast verbundenen Inseln mit dem Ausbau des neuen Geländes eingerichtet wurden, da es dort noch lange zu wenig Tiere gab und man vom Nebeneingang direkt auf dei Affen hinunterschaute. Im Flamingoteich und im Bergweiher gibt es keine Inseln, so daß nur noch die im heutigen Rosaflamingoteich bleibt, die in der Tat aus dem 19. Jahrhundert stammt, als der Weihern noch bis zum giraffenseitigen Ende der Rinderallee reichte. Bei beiden Inseln wäre ein davonpringen möglich gewesen, beide besitzen heutzutage keine Trauerweiden mehr. Allerdings sind die meisten dieser Bäume in Zoo und Flora bei einem Sturm in den 80ern umgeworfen oder stark beschädigt worden. Eine dritte Insel, auf der, wenn ich mich recht erinnere, eine Trauerweide stand, ist jene im Pelikanteich, der allerdings schon sehr lange zur Pelikanhaltung benutzt wird. Ob diese Insel wie der Teich schon im 19. Jahrhundert bestand, weiß ich nicht, sie auf jeden Fall zu Zeiten Windeckers mit den typischen Bruchsteinen (man kennt sie von den Bärenanlagen) befestigt worden. Ich meine mich aber auch zu erinnern, daß in den 60ern auf einer solchen Insel auch Greifvögel, zumindest kupierte Kondore gehalten wurden. Zudem ist letztere Insel die von der Fläche her kleinste, auf der nur mit Mühe Kletteräste hätten untergebracht werden können. (22.07.2007, 20:00)
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Michael Mettler:
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Leider habe ich die Kölner Verhältnisse zu wenig vor Augen, womöglich existiert die damalige Gibboninsel in einem der Teiche des alten Zooteils noch heute (wenn auch ohne Gibbons); zumindest damals stand laut Zeitschrift eine Trauerweide darauf. Interessant wäre zu wissen, ob diese Insel ein Entkommen der Gibbons hundertprozentig ausschloss, weil sie weitab vom Ufer lag.
Die Gibbon-Anlage in Hannover, wo ja keine vorhandene Insel im Teich genutzt, sondern das Bassin samt Insel(n) neu errichtet wurde, soll ein Nebenprodukt der Erkenntnis sein, dass man auch psychologische Grenzen für Gehege nutzen kann. In der 125-Jahre-Chronik wird ja darauf hingewiesen, dass Hagenbeck Gräben baute, über welche die Tiere nicht springen KONNTEN (weil sie mit ihren Fähigkeiten unüberwindbar waren), während Hannover ab den 60er Jahren Gräben einsetzte, über welche die Tiere nicht (bzw. nur in Ausnahmefällen) springen WOLLTEN (weil sie sich als Revierinhaber in den ihnen gesteckten Grenzen sicher fühlten). Das brachte die Besucher räumlich wieder näher an manche Tiere heran.
Tatsächlich waren sowohl die hannoversche Gibbonanlage von 1961 wie auch die heutige nicht unüberwindlich; es dauerte allerdings bei der ersteren m.W. bis in die 70er Jahre, bis erstmals Affen ausstiegen: Ein Klammeraffe, der entdeckte, dass er aufrecht gehend durch den Teich waten konnte, und ein Gibbon, der eine Technik entwickelt hatte, den Dachüberstand des Hauses zu überwinden. Von der heutigen Anlage musste die Gruppe Weißwangengibbons herunter genommen werden, als der Mann entdeckte, dass er über den Wassergraben springen kann; die jetzigen Gelbwangengibbons haben das anscheinend noch nicht entdeckt... (22.07.2007, 18:45)
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IP66:
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Man wird die Argumentation vermutlich etwas seltsam finden, aber ich denke, daß man darüber nachsinnen darf. Die hannoveraner Gibboninsel war, ähnlich wie jene für Klammeraffen in Stuttgart ja ein Gesamtkunstwerk, in dem Klettergerüst, Affengestalt und Gebäude eine Art abstrakte Skulptur bilden sollten - sozusagen ein bewohnter Tatlin-Entwurf. Gerade Hannover und Stuttgart haben ja versucht, relativ eng an der aktuellen Architektur orientierte Anlagen zu schaffen. Wir dürfen allerdings das in Fragen abstrakter Skulptur ein wenig zurückgebliebene Ost-Berlin nicht vergessen, wo es auch recht früh eine Gibboninsel mit Haus gab, die in eine ähnliche Richtung tendiert, auch wenn es ihr dank Bambusgestänge und Affenhütte gelungen ist, die Formalismus-Vorwürfe diverser Parteitage zu unterlaufen.
Wichtig in unserem Zusammenhang wären aber auch noch die Gibbonanlagen der münchner Menschenaffenstation.
Dabei ist der Schritt von einer Haltung auf einer vielleicht noch aus dem 19. Jahrhundert stammenden Insel im Ententeich hin zu einer anspruchsvoll gestalteten Anlage ja kein so ungewöhnlicher: Nachdem man erkannt hat, daß man die Affen in dieser Weise halten konnte, lohnte es sich auch, dauerhaft Geld in eine solche Haltung zu investieren, die dann auch, formal wie ästhetisch, dem Anspruch auf Substitution des natürlichen Lebensraumes durch menschliche Gestaltung entsprach. (22.07.2007, 14:27)
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Michael Mettler:
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Habe inzwischen ein wenig recherchiert. Wenn überhaupt, kann Hannover allenfalls für sich in Anspruch nehmen, die erste GANZJÄHRIGE Gibbon-Inselhaltung gehabt zu haben. Denn in einer Kölner Zeitschrift von 1960 fand ich die Bemerkung "unser Weißhandgibbon, der früher im Sommer auf einer Insel lebte" - mit "früher" muss ein Zeitraum zwischen 1958 und 1960 gemeint sein, denn im 1958er Zooführer ist weder von Gibbons noch von einer Affeninsel die Rede. Also wäre nunmehr die Frage, ob es vor Köln schon Gibboninseln gab.
Der Berliner Zoo richtete erst nach Hannover eine Doppelinsel für Gibbons ein, und zwar 1962; hier war die Anlage aber wie in Köln nur im Sommer nutzbar, die Affen überwinterten im Affenhaus. Der Tierpark Berlin griff dagegen das Prinzip mit dem angegliederten Gibbonhaus auf, doch entstand die Anlage erst 1969. (21.07.2007, 21:14)
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Michael Mettler:
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War eigentlich die Freianlage der Münchener Menschenaffenstation von 1936 die erste Freianlage für Menschenaffen überhaupt?
Und, um das Thema abzurunden, auch wenn es möglicherweise nicht die Vorkriegszeit betrifft: Wann wurden erstmals Gibbons auf Inseln gehalten? Die Gibboninsel in Hannover von 1961 wird in einer der Chroniken als wichtiger Beitrag des Zoos zur Tiergartenbiologie bezeichnet. Gab es vorher wirklich noch keine Anlage dieser Art? (21.07.2007, 20:23)
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IP66:
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Ich denke, daß mit der Reformbewegung um 1900 die Idee von Freianlagen auch jenseits Hagenbeck'scher Bemühungen in der Luft lag. Hinzu kam die Möglichkeit, relativ viele Affen auf einmal zu importieren und der Charakter des alten hannoveraner Zoos als englischer Garten, in den sich eine derartige Insel natürlich besonders gut einpassen ließ. Ob in Hannover auch meine These greift, daß die Großkäfige der alten Häuser um diese Zeit für länger lebende Menschenaffen gebraucht wurden, weiß ich nicht.
Wenn man sich den Gründungsgrundriß des stellinger Tierparks anschaut, fällt auf, daß Hagenbeck außer den drei Panoramen nur recht konservative und umzäunte Multifunktionegehege gebaut hat. Dazu paßt die Zurückhaltung bei Affenfreianlagen. (20.07.2007, 11:13)
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Michael Mettler:
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Nach nun etwas gezielterer Nachsuche kann ich Ergänzungen melden:
Es gab tatsächlich ZWEI Affenfelsen bei Hagenbeck - und die sogar lange Zeit gleichzeitig! Der erste, heute nicht mehr existierende entstand 1913 nach Entwurf von Lorenz und Heinrich Hagenbeck; ihr Vater Carl Hagenbeck erlebte die Fertigstellung nicht mehr. Lorenz Hagenbeck schildert in seinem Buch, dass sein Vater zuletzt mit den Planungen eines neuen Affenhauses beschäftigt war, sagt aber auch: "Freianlagen für Affen glaubte Vater nicht bauen zu können." Dieser ältere, mit Mantelpavianen besetzte Felsen befand sich am Nebeneingang, nahe dem Hauptgebäude (heute alte Dressurhalle). 1924 entstand dann die zweite Anlage, genannt "Affenparadies", die anscheinend der Ursprung des heutigen Pavianfelsens war und zu ihrer Eröffnung 800 (!!) Rhesusaffen enthielt. Der Zooführer von 1926 gibt Aufschluss darüber, dass diese Anlage als Multifunktionsanlage konzipiert war: "Trotzdem ist die Anlage nicht nur für Affen berechnet, sondern sie kann auch mit anderen Tieren, z.B. Stelz- und Schwimmvögeln, Groß- und Kleinbären, Nagetieren aller Art usw. besetzt werden. (...) Der Felsen kann aber auch beliebig breit und hoch von Wasser umzogen werden, so dass auch Schwimmvögel auf demselben untergebracht werden können."
Die Nürnberger Affeninsel von 1912 war ein Fehlschlag, da dort wie in Hannover Makaken (Rhesus) untergebracht wurden, die durch den Teich entkamen.
Als Ergänzung zur begonnenen Liste wäre noch München anzuführen, wo 1929 das "Affenfreiland" (Pavian-Anlage) eröffnet wurde, im selben Jahr wie Zürich und ähnlich strukturiert, wenn auch naturnäher - sie hat für meinen Geschmack sogar ein wenig Ähnlichkeit mit der später entstandenen Berliner Löwensteppe.
Und jetzt wird es interessant: In "Tiere im Zoo" von 1925 beschreibt Knottnerus-Meyer das "Affenparadies" im Zoo von Rom, eine Freianlage mit Trockengraben und Kletterbäumen: "Der Versuch, der in Rom mit dieser Haltung der Affen gemacht wurde, ist der erste seiner Art. In Hannover hatte man Affen auf einer Insel im Teiche freigelassen. Die Liebe zum Wasser aber und die Schwimmtüchtigkeit der Affen lassen diese Art doch wohl als weniger praktisch erscheinen."
Der Zoo von Rom wurde 1911 eröffnet und war komplett von Hagenbeck geplant - der sich laut Schilderung seines Sohnes nicht an Affenfreianlagen heran traute. Also wurde das "Affenparadies" wohl erst später errichtet. Sollte Hannover mit seiner Affeninsel von 1911 etwa DOCH die erste Affenfreianlage überhaupt präsentiert haben...? (19.07.2007, 18:16)
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Michael Mettler:
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Die hannoversche Affeninsel dürfte nicht lange bestanden haben, obwohl ein Jahr später noch eine ähnlich geartete Nasenbärinsel als "Gegenstück" eingerichtet wurde. Ein in der 100-Jahre-Chronik abgedruckter Zooplan von 1912 zeigt interessanterweise weder die eine noch die andere.... Nun waren ja die auf der Insel angesiedelten Makakenarten schwimmfähig (was man vielleicht vorher noch nicht wusste), mag also sein, dass sich die Einrichtung deshalb nicht bewährt hat. Denn es ist kaum anzunehmen, dass der Schwimmvogelteich, in dem sich die Insel befand, auf der Besucherseite affensicher eingezäunt war. Außerdem musste man die mehreren Dutzend Makaken ja irgendwo überwintern... Immerhin ist die Insel durch ein Foto in der besagten Chronik dokumentiert.
Zu Stellingen: Das Datum 1924 bzw. 1925 fand ich in einem der Bücher über den Tierpark. Und ich erinnere mich, dass im Buch von Lorenz Hagenbeck "Den Tieren gehört mein Herz" geschildert wird, dass Carl Hagenbeck zwar einen Affenfelsen plante, seine Söhne aber noch zu seinen Lebzeiten ein besseres Modell entwarfen und schließlich in die Tat umsetzten (also nicht schon zur Eröffnung des Parks). Aber dazu will ich noch mal genaueres Quellenstudium betreiben. (19.07.2007, 13:58)
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IP66:
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Bei Hagenbeck gab es einin größeren Vorgänger als den heutigen Felsen, der ursprünglich als Sammelanlage für alles und jedes, einschließlich Jungbären, benutzt wurde. Sven P. Peter weiß sich, ob dieses "Affenparadies" 1907 bestand und zumindest als Idee Hannover beeinflußt hat. Inselhaltung gab es auch im alten Zoo von Nürnberg, wohl nicht erfolgreich.
Die berliner Felsanlagen sind alle relativ spät entstanden und evrsuchen, etwa durch die Verwendung von Naturstein, eine gewisse Distanz zu den neuen Erfindungen zu wahren. Im Grunde dachte sich Heck den Felsen wohl als ein Haus mit zwei Freianlagen als Ergänzuung zum Affentropenhaus, in dem die Großkäfige ja zunehmend durch ausgewachsene Menschenaffen besetzt waren. (19.07.2007, 11:40)
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Michael Mettler:
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Auf der Suche nach Vorkriegs-Bärenfreianlagen (siehe Eisbären-Thread) fiel mir auf, dass auch die Anfänge der Freianlagenhaltung von Affen einen Blick wert wären. Vom Gefühl her hätte ich einige Anlagen (z.B. den Berliner Pavianfelsen) an den Anfang der Entwicklung gestellt, aber die Jahreszahlen belehrten mich eines Besseren. Bisher habe ich folgende Daten gefunden:
1911 Affeninsel in Hannover (in bestehendem Teich errichtet; felsiges Ufer, Naturboden, Klettergerüste; besetzt mit großer Horde Rhesus und Javaneraffen)
1914 Pavianfelsen mit Wassergraben in Köln (besteht noch)
1924/25 Affenfelsen mit Trockengraben bei Hagenbeck (Vorgänger der heutigen Anlage?)
1929 Affenfreianlage mit Trockengraben in Zürich (eher Plattform als reine Felsanlage), mit der heutigen identisch?
1930 Affenfelsen mit Trockengraben in Basel (besteht noch)
1932 Pavianfelsen mit Trockengraben in Berlin (besteht noch)
Das waren bisher nur Zufallsfunde bzw. Nebenprodukte anderer Recherche, deshalb ist die Liste mit Sicherheit unvollständig. Ich kann mir nicht recht vorstellen, dass die Affeninsel eine hannoversche Erfindung war (obwohl ich das als Hannoveraner zugegebenermaßen reizvoll fände...) - wann und wo gab es ältere Affenfreianlagen?
(18.07.2007, 18:41)
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Oliver Jahn:
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Vielen Dank Ralf Seidel. Das alte Affenhaus kenne ich nur noch als Lagerraum mit einem Käfig für Karakale an der Stirnseite. Leider habe ich das Haus nie gesehen, denn in einem Zooführer von 1954 steht noch, es seie eines der schönsten Affenhäuser in Deutschland.Und was wurde hier nicht alles gehalten. Nicht nur Affen! Gepard, Flughunde, sogar Quastenstachler. Das Flusspferdhaus hingegen kenne ich noch sehr gut. Lange Zeit lebten im oberen Bereich an der Stirnseite des U-Ganges ja auch die Zwerggürteltiere.
Vor 1920 war dort, wo später das kleine Landabteil der Hippos war, eine Anlage für kleine Pandas. Als der Umbau 1920 erfolgte war dann der Landbereich der Hippos allerdings noch deutlich größer. Später wurde das Haus ja dann mit einem Anbau versehen, so dass die Hippos nur noch scharf links um die Ecke nach außen konnten und dann aufs Wasser zu. In einem Zooführer von 1952 habe ich gesehen, dass das Außenbecken der Hippos mal ein mannshohes Gitter hatte! Das kenne ich auch nicht mehr. Aber die Treppe zu den Schimpansen und Hippos runter, die kenne ich noch! Dieser winzige Besucherraum, der auch noch oft einfach zugeschlossen war.Man sah dort fast nichts. Es war stockdunkel, die Decke sehr tief und die Scheiben waren immer geschwitzt und nicht entspiegelt. Das Flusspferdaußenbecken war auch nicht gerade groß, aber es gab in keinem anderen Zoo die Möglichkeit, einem Hippo so nahe zu kommen, wie in Halle. Das hat mich schon als Kind beeindruckt, obwohl wir in Magdeburg selber Flusspferde hatten. Für mich, als Kind, waren die ewig weit weg, im Gegensatz zu Halle. (21.02.2006, 00:00)
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Ralf Seidel:
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@Oliver Jahn, das Anthropoidenhaus gab
es seit 1904, 1920 wurde es dann durch Umbau und Erweiterung zum Flusspferdhaus. Die untere Etage bewohnten die Flusspferde, die obere Etage meines Wissens nach die Schimpansen. Das Haus war damals für Besucher wohl (21.02.2006, 00:00)
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Oliver Jahn:
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@ IP66 architektonisch würde ich aber die leipziger Anlage nicht einfach als Affenfelsen bezeichnen. Auch wenn es kein begehbares Haus ist, so ist doch der Charakter ein ganz anderer, als der der genannten klassischen Affenfelsen. (21.02.2006, 00:00)
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Torben:
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Wobei jedoch die Innenräume in Hamburg für Besucher begehbar sind (Pavian-Otter-Haus). Oder hat sich daran mittlerweile etwas geändert? (21.02.2006, 00:00)
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IP66:
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Die meisten Denkmalschutzgesetze legen sehr viel Wert auf Originalsubstanz, viele Denkmalschutzbehörden orientieren sich daran aber nur am Rande. Ich halte für wichtig, daß der historische Zustand für einen uninformierten Betrachter ablesbar ist - wie etwa bei der Neueinrichtung des alten wuppertaler Elefantenhauses oder im Vogelhaus in Köln - das Affenhaus nur insofern war, als es an einer Schmalseite wohl von Anfang an Menschenaffenkäfige gab. Die Zwischenkriegszeit ist bei den niederen Affen insofern architektonisch in drei Punkten intressant:
1. Die Haltung von erwachsenen Menschenaffen wird häufiger, deshalb braucht man dafür Großkäfige, wenn man nicht, wie in Frankfurt, gleich ein eigenes Haus errichtet.
2. Der Typus einer bepflanzten Halle mit seitlichen Käfigen wir für Affenhäuser adaptiert (Berlin, Wuppertal)
3. Affenhäuser sind die ersten, die sich von Stilbautypus lösen, da sie sich für dergleichen nie sonderlich geeignet haben.
In diesem Zusammenhang sind die Affenfelsen naturgemäß weniger interessant oder zumindest erst da, wo sie mit eigenständigen Affenhäusern verbunden werden, wie in Frankfurt oder Zürich. Hamburg oder Köln "verstecken" die Innenräume ja im Felsen. (21.02.2006, 00:00)
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Sven P. Peter:
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Der Affenfelsen in Hagenbeck feierte letztes Jahr sein 75. Jubiläum und zu diesem wurde den Pavianen ein neues Innengehege gebaut. (18.02.2006, 00:00)
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Michael Mettler:
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Wenn wir schon bei Affenfreianlagen sind: Sind die Pavianfelsen bei Hagenbeck sowie in Köln und Berlin nicht auch Vorkriegsbauten? (18.02.2006, 00:00)
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Oliver Jahn:
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@ Ralf Seidel, ist das neue Haus für die Mandrills und Zwegflusspferde auch auf dem Fundament und mit den originalen Außenmauern des Anthropoidenhauses errichtet?
Zwar kein Haus im klassischen Sinne, aber architektonisch sehr interessant und vor 45 erbaut (17.02.2006, 00:00)
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Michael Mettler:
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Frage an IP66 als offensichtlichen Architekturkenner: Welche Kriterien muss eigentlich ein Gebäude - in unserem Fall ein Zoohaus - erfüllen, um immer noch als halbwegs original gelten zu können?
Ist zwar kein Affenhaus, aber ich wollte dafür nicht extra einen neuen Thread eröffnen: Im hannoverschen Zoo stand ja über Jahrzehnte eine Greifvogelvoliere, die vorher im alten Hamburger Zoo gestanden hatte. Ich nehme an, dass man beim Umzug nach Hannover nur die Metallkonstruktion überführte und nicht auch die Steine der rückwärtigen Mauern oder gar die Fundamente. Genau letzteres blieb aber nach dem Abriss der Metallkonstruktion übrig und dient noch heute als "Grundlage" der Strandvogelvoliere, die somit in Teilen "historisch" genannt werden könnte. Aber dürfte man deswegen die heutige Strandvogelvoliere als "Überbleibsel" der Hamburger (!) Großvoliere bezeichnen?
Viele Zoohäuser sind ja in Etappen verändert oder anderen Zwecken zugeführt worden, siehe jene Vogelhäuser, die zeitweise (Basel) oder schließlich endgültig (Köln) zur Affenhaltung dienten. (17.02.2006, 00:00)
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Torben:
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Ich bin mir zwar nicht ganz sicher, wann es erbaut wurde, aber da das "kleine Affenhaus" in Duisburg gleich neben dem stilgleichen 1935 erbauten "Raubtierhaus" stand, denke ich mal es lässt sich ebenfalls vor 1945 datieren. Nach dem Bau des ÄQUATORIUMS 1961 wurde das halbrunde Gebäude als "Kleines Raubtierhaus" für Kleinraubtiere genutzt und im Laufe der Zeit inoffiziell in "Zoologisches Raritätenkabinett" umbenannt, da hier im weitesten Sinne "Sonderlinge" wie Beutelteufel, Wombats, Erdferkel, Fossas, Palmroller u.ä. gehalten und teils recht erfolgreich gezüchtet wurden. Zuletzt wurde es noch für Teile des Fossabestandes sowie junge Nebelparder und Leoparden genutzt, ehe es dann 1993 endgültig dem Erdboden gleich gemacht wurde. Jetzt gibt es an dieser Stelle eine Grün-Insel. (17.02.2006, 00:00)
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Zoosammler:
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Das Baseler Vogelhaus, auch wenn es seit einigen Jahrzehnten nicht mehr für Affen genutzt wird. (17.02.2006, 00:00)
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Ralf Seidel:
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In Halle gab es neben dem großen Affenhaus noch das Anthropoiden-Haus,später dann Menschenaffen-Affen-Flußpferdhaus. Das Haus wurde schon früher zweistöckig genutzt, unten die dicken Tiere vom Nil, darüber schwerpunktmäßig die Schimpansen. Nach der Schließung des großen Affenhauses aus Geld-und Materialmangel zog ein kleiner Teil des Primatenbestandes
(Mandrills, Husarenaffen, verschiedene
Meerkatzenarten) in das inzwischen umgebaute Haus mit seinen kleinen, vom Besucher durch Glas getrennten Innenkäfigen.Außenkäfige gab es nicht, lediglich das Dach Konnte durch Hydraulik etwas geöffnet werden. Dieses Haus wurde zwar damals als modern gepriesen, konnte aber nie den Charme und die Stimmung des eigentlichen Affenhauses (heutiges Schimpansenhaus)
wiedergeben, das ich noch aus frühesten Kindertagen in Erinnerung habe. (17.02.2006, 00:00)
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Oliver Jahn:
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Poznan und Wrozlaw haben beide noch Affenhäuser aus der Zeit, als sie noch Zoo Posen und Breslau waren. (17.02.2006, 00:00)
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Oliver Jahn:
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In Halle wurde das neue Haus für die Schimpansen erbaut, aus dem Affenhaus aus den 20er Jahren. Dieses stand ja die ganze Zeit über im Zoo, wurde nur ab den 70er Jahren als Lagerraum genutzt. Die Fundamente und Außenmauern sind aber noch erhalten geblieben, was man beim Wiederaufbau im Rohbau nach Entkernung noch sehr deutlich erkennen konnte. (17.02.2006, 00:00)
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Stefan Schubert:
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Das Kölner Südamerikahaus ist sicherlich ein Kandidat für diese Rubrik, wenn auch ursprünglich nicht zu diesem Zweck errichtet. In den beiden ältesten Zoos in Wien und Paris (Jardin de Plantes) sind die Affenhäuser ebenfalls weit vor dem letzten Krieg erbaut! Das Nürnberger Haus müsste zur Ursprungsausstattung des neuen Zoo´s gehören! (17.02.2006, 00:00)
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Niels:
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Das Affenhaus im Zoo Leipzig ist 1900/01 erbaut. (17.02.2006, 00:00)
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IP66:
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Aus der Diskussion der Affenhaltung im hannoveraner Zoo hat sich - zumindest bei mir - die Frage ergeben, wie viele Affenhäuser existieren, die vor 1945 errichtet wurden: Paradebau ist sicher das wuppertaler Haus, die Idee der Nachfrage kam mir in Zürich, wo ein deutlich bescheideneres Affenhaus steht. Außerdem Menschenaffenhaus in Frankfurt fallen mir keine Beispiele mehr ein. (17.02.2006, 00:00)
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