
| Michael Mettler: | Fällt mir eben noch ein: Einer meiner Hündinnen ist es sehr unangenehm, mit Blicken fixiert zu werden. Als ich sie anfangs noch hie und da zu Zoobesuchen mitnahm, zeigte sich schnell, dass ihr das beidäugige Fixieren nicht nur bei Menschen unheimlich war, denn sie reagierte auf gleiche Weise heftig bei großen Katzen, großen Affen und Eulen - bei denen ja die Augen ebenfalls frontal angeordnet sind - und in etwas schwächerer Form bei Bären (die allerdings auch insgesamt entfernt hundeartig wirken). Bei allen möglichen anderen Tieren war keine entsprechende Reaktion zu sehen. (05.04.2006, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | @Ollo: Wenn Tiere nicht Augen bei anderen Lebewesen als solche wahrnehmen könnten, würden die zur Feindabwehr oder -verwirrung genutzten "Augenflecken" bei vielen Faltern, Fischen und sogar manchen Vögeln wenig Sinn machen! So gibt es sogar Käuze (Perlkau (05.04.2006, 00:00) | ||
| Ollo: | Hier wurde das beidäugige Fixieren angesprochen. Das bringt mich auf ein anderes "Problem", von dem ich nicht wußte, daß es mit diesem Sachverhalt zu tun haben könnte. Und zwar frage ich mich, woher die Tiere so genau wissen, wo unsere Augen sind (und daß die Augen für uns bei der Orientierung das Wichtigste sind). Meistens sehen sie uns ja schon in die Augen und nicht woanders hin. Ein kleiner Hund beispielsweise, dessen eigene Augen sich gerade mal 40 cm über dem Boden befinden, guckt trotzdem diesen riesigen Höhenunterschied hinauf bis in unsere Augen. Die Tiere scheinen irgendwie ein anatomisches Wissen auch über andere Arten zu haben. Konrad Lorenz hat z.B. auch beschrieben, daß ihn eine handaufgezogene Dohle in den Mund füttern wollte, und nicht etwa in die Nase oder die Ohren. Schon erstaunlich. (05.04.2006, 00:00) | ||
| th.oma.s: | @michael mettler: weil es ihnen nicht wirklich gut geht in deutschland und weil es zu viele idioten gibt... und der reiher ist dort nicht scheu wo er aus erfahrung weis nicht beschossen zuwerden und nur dort (05.04.2006, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Eine Bekannte aus Holland erzählte mir, dass z.B. in Amsterdam auf jeden Angler ein Graureiher kommt, der geduldig neben dem Petrijünger wartet, bis ein Fisch für ihn abfällt... Viele der heute allgegenwärtigen Kulturfolger sind dies noch nicht mal lange. So las ich, dass das erste seinerzeit im Stadtgebiet Hamburgs brütende Stockentenpaar (!) Anfang des 20. Jahrhunderts sogar noch in der ornithologischen Fachliteratur Erwähnung fand. Ein früherer älterer Arbeitskollege berichtete, dass er als Kind Vogeleier gesammelt habe und es damals als etwas ganz Besonderes unter den Kindern galt, wenn man am Waldrand ein Amselnest fand. Heute frage ich mich angesichts der unseren Garten regelrecht überflutenden Amseln (bisheriger Rekord: vier gegenseitig imponierende Hähne auf ca. einem Quadratmeter am Ufer unseres Teiches - dazu kommen deren Hennen und die Jungvögel...), warum Amseln eigentlich noch immer geschützt sind. Und aktuell (wenn auch schon seit einigen Jahren) dringen ja die Ringeltauben immer weiter in die Innenstädte vor. (05.04.2006, 00:00) | ||
| Klaus Schwarz: | Nocheinmal "Universal-Angst": Was ist mit den Tieren die auch bei uns als Kulturfolger gelten wie zum Beispiel: Schwalbe, Hausspatz, Stockente? Vor ein paar Jahren als Graureiher in Deutschland noch stark bejagt wurden und daher auch recht selten waren galten diese als extrem Menschenscheu. Inzwischen stehen sie unter Naturschutz und kommen sehr viel häufiger vor und immer mehr Exemplare kommen auch in unmittelbarer Nähe der Menschen vor zum Beispiel an Fluss- und Bachläufen direkt in Innenstädten. (05.04.2006, 00:00) | ||
| IP66: | In Duisburg stehen zwei Schwarzstörche auf der Wisentanlage, und bei meinem letzten Besuch ging es ihnen noch gut. (05.04.2006, 00:00) | ||
| cajun: | @ Ollo: Mir ist diese Theorie nicht bekannt. Wohl eine Bildungslücke meinerseits. Zum Thema Vergesellschaftung von Wisenten fällt mir die frühere Münsteraner Anlage ein. Die Wildschweine konnten durch einen Tunnel aus Draht jederzeit ins Wisentgehege. E (03.04.2006, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Straubing hält Wisente mit Damhirschen zusammen. Andererseits hat ein früherer Münchner Tierpfleger mal geäußert, dass in Hellabrunn alle historischen Versuche einer Vergesellschaftung von Wisenten fehlgeschlagen seien und sich nicht einmal die frei laufenden Pfauen in deren Gehege trauen dürften.... Um auf die Universal-Angst zurück zu kommen: Ich halte es für normal, wenn Tiere dem Menschen aus dem Weg gehen - sie behandeln ihn wie ein anderes Tier auch. Oder geht z.B. ein Reh zu einem Wildschwein, um ihm über's Fell zu lecken...? Dass der Mensch so geartet ist, dass er je nach Situation ein Tier entweder streicheln oder abmurksen möchte, ist ein ganz anderes Thema. Ich sehe jedenfalls keinen besonderen Unterschied darin, ob die Amsel im Garten vor mir oder vor einem meiner Hunde flüchtet, ich würde darin nicht einmal unbedingt "Angst" sehen, sondern nur ein schlichtes Ausweichen. Und was die genetische Verankerung betrifft: Sooo kurz ist ja nun die Geschichte des modernen Menschen auch nicht, und frühere Hominidenarten haben auch schon Tiere bejagt. Eine Selektion auf genetisch verankerte Scheu lässt sich außerdem relativ schnell erreichen. Bei allen möglichen Kleintieren von der Maus bis zum Meerschweinchen gibt es z.B. immer wieder (und trotz langer Domestikation) Exemplare, die sich ungern anfassen lassen und auch ohne schlechte Erfahrungen "menschenscheu" sind; der Mensch selektiert für seine Zwecke natürlich auf das Gegenteil. Würde man speziell mit diesen scheuen Tieren bevorzugt weiterzüchten und die vertrauensseligen ausselektieren (wie es die Natur macht), hätten wir in kurzer Zeit eine menschenscheue Population. Und dieses Prinzip greift ganz sicher nicht nur bei Kleinsäugern. (03.04.2006, 00:00) | ||
| Andreas Hartung: | Wurden nicht im Alpenzoo Innsbruck Wildschweine mit Wisenten zusammen gehalten? Sie konnten aber glaube ich durch schmale, für Wisente unpassierbare Durchgänge einen eigenen Gehegeteil aufsuchen. Gab es dort Probleme mit dieser Vergesellschaftung? (03.04.2006, 00:00) | ||
| Klaus Schwarz: | Aber es gibt doch weltweit auch durchaus Tierarten die keine Angst vor den Menschen haben. Zum Beispiel: Leistenkrokodil - viele auch tödtliche Übergriffe Flußpferd - laut Statistik in Afrika eines für den Menschen am gefährlichsten Tiere Eisbär - Problem Hudson Bay Nun haben wir ja dieses Problem in Deutschland mit unseren seit Jahrtausenden bejagten Wildtieren nicht und die meisten größeren Arten sind ausgerottet. Aber noch immer gilt es zum Beispiel als Unklug eine Wildschweinrotte mit Frischlingen aufzuschrecken! In Polen, im Schutzgebiet für Wisente sagt man, dass man auch am besten um eine Wisentherde mit Kälbern oder einen einzelnen Stier besser einen Bogen macht und seit ich in einer Zeitschrift Bilder gesehen habe, wie Wisente Wilschweine in der Luft zerrissen und zerfleischt haben, halte ich auch große Wildrinder für ziemlich gefährlich! (03.04.2006, 00:00) | ||
| Matthias Papies: | So erfolgreich sind die Masken am Hinterkopf leider auch nicht mehr. Durch den jahrzehntelangen Gebrauch haben die Tiger diesen "Trick" mittlerweile durchschaut. (03.04.2006, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Die "Blitzkrieg-Hypothese" gibt es nicht nur für Nordamerika, sondern z.B. auch für Australien; auch dort ist die Megafauna kurz nach der Besiedlung durch den Menschen erheblich geschrumpft. Es stimmt nicht ganz, dass Tiere überall dem Menschen ausweichen, selbst wenn sie ihn nicht als Bedrohung kennen. Die Polarwölfe auf Ellesmere Island verhielten sich jedenfalls sehr vertraut, als ihre ersten Erforscher auftauchten. Und vertraut muss ja nicht gleich heißen, dass die Tiere völlig distanzlos wären - so blöd darf auch ein Großraubtier gegenüber einer für ihn neuen Lebensform nicht sein, die Evolution begünstigt immer die Vorsichtigen. Und von einer Universalangst ALLER Tierarten zu sprechen, halte ich für maßlos übertrieben - siehe Amphibien und Reptilien, aber auch Fische, die einem Taucher nicht mehr ausweichen als jedem anderen großen Lebewesen auch. Tatsache ist, dass unser beidäugiges Fixieren viele Tiere irritiert, da sie es in erster Linie von Beutegreifern kennen. Und selbst auf solche macht es Eindruck, nicht umsonst tragen die Waldarbeiter in den indischen Sundarbans erfolgreich menschliche Masken am Hinterkopf, um Tigerangriffen vorzubeugen! (01.04.2006, 00:00) | ||
| Ollo: | @ Cajun Daß Tiere in Ausnahmesituationen unberechenbar werden können, ist bekannt. Gemäß der Universal-Angst-Theorie (so heißt sie glaube ich bei Hediger) nehmen aber selbst Großkatzen und Bären vor dem Menschen reißaus. Deinem Beitrag nach zu urteilen zw (01.04.2006, 00:00) | ||
| Dirk K: | In Nordamerika wird es ja auch so gehandhabt, dass Bären, die in Wohngebiete eindringen, eingefangen werden und danach weit weg wieder ausgesetzt werden. Dann werden sie mit Hunden und Gummigeschossen so weit wie möglich weggetrieben. Diese Methode soll tatsächlich funktionieren, die Tiere bleiben fort. (01.04.2006, 00:00) | ||
| cajun: | @ Ollo: Dann wissen sie sicher auch , dass unsere Vorfahren, die ja in viel direkterem Kontakt zu großen Carnivoren lebten, durchaus ab-und an auf deren Speisezettel standen. Ist doch auch heute noch so, dass man auf Safaris nicht unbedingt im Löwenrudel (01.04.2006, 00:00) | ||
| Ollo: | Mein letzter Beitrag bezog sich auf Cajun. (01.04.2006, 00:00) | ||
| Ollo: | Das dachte ich mir schon, daß diese Beispiele jetzt kommen. Dronte und Riesenalk sind z.B. auch wegen ihrer Zutraulichkeit ausgerottet worden. Aber es ist halt einfach so, daß auch Tiere, denen nie etwas angetan wurde, den Menschen meiden. Warum kann man z.B. ganz sicher sagen, daß Braunbären, Wölfe oder Luchse bei uns für den Menschen nicht gefährlich wären. Da muß doch mehr dahinterstecken. (01.04.2006, 00:00) | ||
| Werner Weyler: | Ein interessantes Thema, ich kann allerdings auch die Sache nicht erklären, aber es würde mich auch mal interessieren. Als Kind ( vor mehr als 40 Jahren ) ging ich mit meinem Onkel über die Weide seiner Jungrinder ( ich glaube Färsen sagt man dazu ). Die Rinder zeigten sich interessiert und kamen näher, behielten aber eine gewissen Abstand ein. Der Onkel sagte mir dazu, dass ich keine Angst haben muss, in den Augen der Rinder sei ich riesengroß. Warum dies denn so sein soll weiß ich allerdings bis heute noch nicht. Meine Größe war damals weit unter dem Stockmaß der Rinder. (01.04.2006, 00:00) | ||
| cajun: | Also ist es nicht z.B. auf Galapagos heute noch so, dass man hautnah an Tiere heran kann, ohne das ein Fluchtreflex erfolgt? Zumindest war es zu Darwins Zeiten so. Tiere flüchten überall dort vor Menschen, wo sie schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht haben. Ist doch sogar ein Theorie, dass die nordamerikanischen Ureinwohner sich diese unängstliche Verhalten der amerikanischen Tiere zu nutzen machten und zu deren Ausrottung maßgelich beitrugen ( "Overkill", "Blitzkrieg-Hyphotese"). An Menschen nicht gewöhnte Tiere reagieren häufig neugierig und unängstlich. Gerade das ist doch vielen endemischen Inselarten zum Verhängnis geworden. (01.04.2006, 00:00) | ||
| Ollo: | Hab mir schon öfter Gedanken darüber gemacht, woher die Universal-Angst aller Tierarten gegenüber dem Menschen kommt. Selbst Arten, die größer als der Mensch werden und/oder die Tiere erbeuten, die mindestens menschengroß sind, gehen uns aus dem Wege. Genetisch verankert kann diese Angst eigentlich nicht sein, dafür ist der moderne Mensch doch zu neu auf der Welt. Ein wichtiger Punkt sind sicherlich schlechte Erfahrungen, die Tiere direkt mit dem Menschen gemacht hatten, oder die ihnen vom Muttertier überliefert worden sind. Doch das allein kann nicht des Rätsels Lösung sein. Auch in sonst menschenleeren Gebieten weichen die Tiere uns aus. Ich habe mir überlegt, daß der moderne Mensch einfach zu "künstlich" ist, deshalb bei den Tieren überhaupt keine Reaktion darauf vorgegeben ist, und sie deshalb vorsichtshalber die Flucht ergreifen. Unter "künstlich" verstehe ich so etwas wie Gerüche von Kleidung, Seifen, Parfüm, oder unnatürliche metallische oder Motorgeräusche. Was meint Ihr zu diesem Thema? (01.04.2006, 00:00) |
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