
| IP66: | Ich neige auch zur Vorsicht, wenn es darum geht, Tierparks in Schilderwälder zu verwandeln. In Köln gibt es ja viele große Tafeln, die sich auf sehr verdienstvolle Weise einzelner Umweltprobleme annehmen - sie werden aber meiner Erfahrung nach noch weniger wahrgenommen als die Gehegeschilder. Eine entsprechende Tafel in Hinblick auf Zirkustiere wäre wohl auch wegen der der falknermäßig gehaltenen Greifvögel neben der Geiervoliere ein wenig scheinheilig, auch wenn man diese gut versteckt. Bei Elefanten kommt hinzu, daß man auch noch die gesamte Arbeitselefantenhaltung in Asien in Frage stellt - was man tun kann, was aber angesichts der entsprechenden Methoden, die ja fast alle Zoos praktiziert haben und z. T. auch heute noch praktizieren wohl auch nicht sehr überzeugend wirken würde. (04.05.2006, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Trotz viel Schreiberei habe ich noch was vergessen, nämlich was die Hinweise auf aufgenommene Circus-Elefanten in den Zoos betrifft: Deren (noch lebende) Anzahl beschränkt sich ja nicht auf die drei beschlagnahmten "Härtefälle" in Osnabrück (Sikkim), Heidelberg (Maya) und Hannover (Dunja). Nach Durchblättern der Bestandslisten der European Elephant Group haben derzeit - wenn ich nichts übersehen habe - elf (!) deutsche Zoos und Safariparks insgesamt fünfzehn frühere Circus-Elefanten im Bestand, die aber überwiegend unter weniger spektakulären Umständen und Gesundheitszuständen in ihr heutiges Zuhause gelangten, teilweise schon vor Jahrzehnten: Augsburg, Zoo Berlin, Duisburg, Hagenbeck, Hannover (neben Dunja auch Jenny), Heidelberg (neben Maya auch - via Hannover - Ilona), Hodenhagen, Magdeburg, Münster, Osnabrück und Stukenbrock. (29.04.2006, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Man darf nicht vergessen, dass die Circus-Szene auch den Spieß umdreht und damit argumentiert, die eigenen Tiere hätten ein abwechslungsreiches Leben, liebevollen Kontakt zu ihren Betreuern und viel Bewegung, während sich ihre Artgenossen im Zoo zu Tode langweilen. (Ich möchte ausdrücklich betonen, dass das nicht MEINE Meinung darstellt!) Der zoologisch wenig informierte Durchschnittsbürger kann sich also aussuchen, wem er eher glaubt - und da sollte man die Wirkung des Circus-Flairs nicht unterschätzen. Weiß nicht, ob eine mahnende Schautafel im Zoo die gleiche Wirkung entfaltet; die meisten Zoobesucher befassen sich ja nicht mal mit dem Inhalt von Gehegeschildern. Eine echte Wirkung würde man wahrscheinlich nur mit einer groß angelegten Kampagne erzielen - nicht ohne Grund werden ja Themen wie Bushmeat, Shellshock usw. auf diese Weise und mit großem Aufwand an die Öffentlichkeit gebracht. Und selbst diese Wirkung dürfte - wie ich befürchte - immer nur von kurzer Dauer sein. Viele Zoobesucher, die angesichts von Fotos von "Gorillas im Kochtopf" entsetzt ihre Unterschrift auf die Liste gesetzt haben, werden wahrscheinlich schon jetzt nichts mehr mit dem Begriff Bushmeat anzufangen wissen (ich irre mich da wirklich gern, wäre aber auf das Ergebnis einer entsprechenden Umfrage gespannt). Damit stelle ich nicht die Aktion als solche in Frage, sondern die Bereitschaft von Otto Normalbürger, sich davon nachhaltig beeindrucken zu lassen. Und deswegen ist da weitaus mehr nötig als eine aufrüttelnde Schautafel am Zoogehege - da ist die Macht der Medien gefragt. Grzimek oder auch Horst Stern haben seinerzeit über das Fernsehen Problemthemen im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit etabliert, ob Robbenmord, Pelzhandel oder die Haltung exotischer Heimtiere. Wie könnte das in der heutigen Zeit aussehen? Würde man wirklich einen Zoochef finden, der im Fernsehen - womöglich im Rahmen "seiner" Soap - Filmsequenzen von Circustieren kommentiert? Und wie sollte er dabei mit der Diskrepanz umgehen, dass womöglich in seinem eigenen Zoo ebenfalls Tierdressuren vorgeführt werden (z.B. Elefanten, Robben, Delfine, Greifvögel) und man der Öffentlichkeit darstellen muss, dass die natürlich "etwas ganz Anderes" sind? Ich fürchte, da wird es an "Freiwilligen" mangeln. Die Diskussion um Fernseh-Tiere (und gerade Schimpansen) ist ja keineswegs neu. Schon Grzimek hat mehrfach die damals aktuelle Serie "Daktari" angeprangert, allerdings stand damals nicht so sehr das Schicksal der gezeigten Individuen im Vordergrund, sondern die realitätsferne Darstellung der Tierarten. Aber auch vierzig Jahre später schauen sich Menschen offensichtlich noch immer gern vermenschlichte Affen an (oder lassen sich mit solchen am Strand fotografieren). Wenn es nach der Meinung vieler Tierschützer geht, hätten Zoos allein dann eine Existenzberechtigung, wenn sie als Auffangstationen für gequälte und beschlagnahmte Wildtiere fungierten. Und zwar nicht nur in gewissem Maße wie jetzt (z.B. für beschlagnahmte Papageien, Reptilien oder eben auch Elefanten), sondern konsequent, was auch hieße: Keine Vermehrung mehr (also auch keine Erhaltungszucht), sondern nur Unterbringung von Individuen bis zum natürlichen Tod (während die Artgenossen in der Natur "in Würde aussterben"). Vom Artenschutzzentrum ex situ zum Exoten-Tierheim also, beinhaltend die Austellung von nicht sozialisierten, körperlich oder psychisch gehandicapten Tieren. Genau DAVON haben sich die Zoos doch erfreulicherweise weitgehend distanziert und fortentwickelt, nur dadurch konnten sie ja ihre heutige Rolle der Arche annehmen. Wenn sich die Zoos nun des Themas Film- und Foto-Schimpansen annehmen, wird das Publikum möglicherweise umgehend die Frage stellen "Und warum nehmt ihr die armen Tiere nicht auf?" Die sachliche Begründung dürfte viele Fragesteller nicht gerade zufriedenstellen. Auch hier möchte ich nochmals betonen, dass ich weder das Totschweigen des Problems befürworten möchte, noch gar kein Problem in Themen wie "Charly" sehe. Ich denke nur, dass in diesem Punkt eher die Tierschutzorganisationen gefordert sein sollten (weil sie sich ausschließlich dem Tierschutz widmen können) als die Zoos, die auch ohne diesen Punkt schon eine Menge Arbeit und Verantwortung zu bewältigen haben. (29.04.2006, 00:00) | ||
| Hannes: | Münster informiert in seinem Affenhaus über Zirkusschimpansen und Straßentiere wie babylöwen und Schimpansen für Fotos in den Südländern (28.04.2006, 00:00) | ||
| Togo: | Zunächst einmal gebe ich Andreas Hartung in allen Punkten Recht , eine Schautafel , die über die Mißstände in Zirkussen aufklärt , sollte doch weiß Gott nicht zuviel für einen Zoo sein , speziell für die Zoos , die ehmalige Zirkustiere aufgenommen haben , Osnabrück und Heidelberg beispielsweise könnten doch an den Elefantenanlagen nicht nur Schilder anbringen , die über die im Bestand befindlichen Zirkustiere aufklären , sondern auch eine Schautafel , die allgemein über die Elefantenhaltung und Tierhaltung im Zirkus aufklären. Mit Verboten kommt man bei den Zirkussen nicht weiter , aber wenn auch die Zoos die Besucher über die Tierquälerei im Zirkus unterrichten , kann man dadurch erreichen , das viele Menschen Zirkusse boykottieren. Salzburg hat ja auch eine Schautafel an seinem Löwengehege angebracht. Das Gleiche sollte eben auch mit einer Tafel an den Schimpansenanlagen geschehen, damit die Besucher Bescheid wissen , wie realitätsfern diese Serie ist.Auch ich sehe das so , das Zoos nicht nur was Artenschutz angeht, sondern auch über solche Belange Aufklärungsarbeit leisten sollten , ein wichtiger Beitrag zum Tierschutz. @Krümmel Widerstand gegenüber dieser Serie erscheint mir Zwecklos, eine Protestaktion , das kann ich Ihnen im Vorraus sagen , wird keinen Erfolg haben, leider. (28.04.2006, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Und wo bitte zieht man dann die Grenze, wenn die Zoos sich des Themas Wildtiere im Fernsehen annehmen sollen? Jeden Tag laufen etliche Werbespots mit dressierten Tieren, es werden Circusvorstellungen gesendet (z.B. "Stars in der Manege"), und etliche Filme von Hollywood bis sonstwo präsentieren Wildtiere in falschen Klischees, die in der Regel von dressierten Tieren dargestellt werden, über deren Schauspielerleben man sich genauso Gedanken machen müsste wie über "Charly" und "Robby". Wenn sich die Zoos dieses Themas wirklich annehmen sollen, dann haben sie REICHLICH (zusätzliche!) Arbeit. Wie sollte denn eine Kampagne der Zoos gegen die fraglichen Fernsehserien aussehen? "Setzt sie ab, sonst dürft ihr bei uns keine Soaps mehr drehen"? Angesichts der Tatsache, dass z.B. viele Zoos mittlerweile selbst dressierte Wildtiere zu reinen Schauzwecken anschaffen, halten und vorführen, wäre das auch Heuchelei: Ich spreche von den Flugschauen, für die vor allem viele Greifvögel ohne Kontakt zu Artgenossen und teilweise in Anbindehaltung gehalten werden. Und was die Vermenschlichung betrifft: Wenn Zoo-Seelöwen in ihrer Show Applaus klatschen, sich "verschämt" die Augen mit der Flosse bedecken oder synchron zu ihrem Trainer eine Pantomime aufführen, informiert der Zoo dadurch auch nicht gerade über das natürliche Leben und Verhalten dieser Tiere, oder? (28.04.2006, 00:00) | ||
| Klaus Schüling: | Wenn die Hauptaufgabe der Zoos und Tiergärten darin besteht, Kenntnis über Tiere und Respekt vor den Tieren zu vermitteln, dann erscheint es mir reichlich verlogen, Sendeformate wie Unser Charly oder diese ZDF -Robben geschichte (wie heißt die noch?) zu tolerieren aber von der TV-Präsenz 3 Stunden vorher zu profitieren. Das darf doch den Zoos nicht egal sein! Hier geht auch nicht um Heimtiere oder Auswüchse der Agrarindustrie sondern um Menschenaffen und Robben - und da sollten die Zoos als Meinungsbildner den Mumm haban, Stellung zu beziehen. (28.04.2006, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Auch da mal die Gegenfrage: Wieso soll sich ausgerechnet ein Organ wie der Tiergarten-Rundbrief, der sich mit Tiergärtnerei befasst, um ein solches Thema kümmern? Zu diesem Zweck gibt es schließlich diverse Tierschutzorganisationen. Sollten diese bis jetzt noch nicht auf das Thema gestoßen sein (die fragliche TV-Serie läuft schließlich schon einige Jahre) und etwas unternommen haben, würde sich die Frage nach dem WARUM stellen. Und falls ein solches Versäumnis besteht, frage ich mich wiederum, warum dafür nun die Zoo-Schiene eingespannt werden soll - dafür ist sie nun doch wieder gut genug...? Und was kommt als nächstes Anliegen an den TG-Rundbrief? Die Situation der Straßenhunde in der Türkei? Damit will ich die Wichtigkeit und Brisanz der Themen keineswegs abwerten. Aber das Thema "Unser Charly" betrifft einen amerikanischen Privathalter, einen deutschen TV-Sender und diverse amerikanische und deutsche Behörden, welche die "Verwendung" der Film-Affen zulassen. Wo ist da der Bezug zum Zoo? (28.04.2006, 00:00) | ||
| krümmel: | Ich finde diese Serie absolut unerträglich. Gibt es denn irgendwo eine Aktion, die Widerstand organisiert. Wäre das nicht etwas für den Tiergarten Rundbrief und Herrn Schüling, eine Protest-Postkartenaktion zu organisieren? (28.04.2006, 00:00) | ||
| Anna T.: | Habe mal gelesen das einer der Schimpansen aus dem Trainingsgelände von S. Martin (Filmtiertrainer in den USA) untergebracht ist war sogar ein Bild dabei. das Gehege war nicht besonders groß und nicht besonders abwechslungsreich gestaltet, ob er anderweitig beschäftigt wurde (wird) weiß ich nicht. Im Nachbargehege war ein anderer Schimpanse unter gebracht woher der stammt wurde aber glaube ich nicht gesagt. (28.04.2006, 00:00) | ||
| Andreas Hartung: | Naja, an einer einzelnen Infotafel pro Zoo sollte es doch nicht scheitern, vielleicht kann man bei solchen Vorhaben auch Ehrenamtliche einbeziehen. Zumal es ja eigentlich auch im Interesse der Zoos sein müsste, sich vom Zirkus abzugrenzen. Weiterhin könnten sich nahegelegene Zoos (wie in NRW) gegenseitig in der Besucheraufklärung ergänzen. Im Thread "Haltungsbedingungen" ging es bei den Haustieren ja mehr um die Optimierung ebendieser, und das sollte man doch sowieso bei allen Tierarten anstreben. (27.04.2006, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Habe zwar nicht auf die ZDF-Site geschaut, aber vor nicht allzu langer Zeit im Fernsehen eine Doku über Tiertrainer gesehen, die Tiere für Filmarbeiten (Spielfilme, Dokumentarfilme und Werbespots)dressieren. Darin wurde auch die amerikanische Trainerin vorgestellt, welche die diversen "Charlys" dressiert. Es wurde so dargestellt, dass die Affen nach Abschluss ihrer Filmkarriere (wobei sie ja nicht nur in "Unser Charly" auftreten) bei ihrer Besitzerin bleiben und dort den Rest ihres Lebens verbringen dürfen; tatsächlich wurden auch einige erwachsene Schimpansen auf dieser "Tierfarm" gezeigt. Laut Äußerung der Trainerin finanzieren die Engagements der jungen Filmtiere den gesamten Unterhalt der Farm, also auch ihrer pensionierten Artgenossen. Ob das Gesagte und Gezeigte die Realität wiedergab, kann ich natürlich nicht beurteilen. Übrigens war vor einigen Jahren in einer Tageszeitung zu lesen, dass damals der Filmschimpanse, der als "Cheetah" in den meisten Johnny-Weissmueller-Tarzanfilmen der 30er und 40er Jahre auftrat, noch immer in einem amerikanischen Zoo lebte! Und da der abgebildete Affe tatsächlich vom Gesicht her der Film-Cheetah ähnelte, schien sich das nicht mal um einen PR-Gag zu handeln. Leider war der Zoo nicht erwähnt, muss ja auch keiner der Großen gewesen sein. Weiß jemand davon was? Was die Aufklärungsarbeit über Circusse betrifft: Im Thread "Haltungsbedingungen" wurde gerade diskutiert, ob Zoos nicht mehr über vorbildliche Heimtierhaltung informieren sollten. Nun also auch noch über Circushaltung. Stellt sich mir allmählich die Frage, welche Ansprüche denn die Zoos noch erfüllen sollen? Artenschutz in situ und ex situ, Erhalt alter Haustierrassen als Gegengewicht zur industriellen Massentierhaltung und - je nachdem, ob entsprechende Tiere zum Bestand gehören - Informationsvermittlung zum Walfang oder zur Überfischung der Weltmeere werden ja schon vielerorts geleistet, aber zum alleinigen Retter der Tierwelt - Arten wie Individuen - können sie nun wirklich nicht werden. Abgesehen davon, dass alle diese gewünschten Aktivitäten Geld kosten - selbst einfache Infotafeln erstellen sich nicht von allein. (27.04.2006, 00:00) | ||
| Andreas Hartung: | Zu den "Unser Charly"-Schimpansen habe ich diese offizielle ZDF-Seite gefunden: http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/20/0,1872,2118420,00.html (dort bei "Rundum"-Service für Charly-Darsteller schauen). Den Vorschlag, dass die Zoos über die Missstände im Zirkus aufklären könnten, begrüße ich sehr, gerade auch deshalb, weil viele selbsternannte "Tierschutzorganisationen" Arbeitsgruppen zum Thema "Zoo/Zirkus" haben und damit diese beiden Einrichtungen mehr oder weniger über einen Kamm geschoren werden. Hier könnten sich die Zoos tatsächlich profilieren und dem unwissenden Besucher aufzeigen, dass sie eben nicht SO viel mit dem Zirkus gemeinsam haben. (27.04.2006, 00:00) | ||
| Togo: | Mich würde mal interssieren , was aus den verschiedenen Schimpansen geworden ist , die für die ( grauenhafte ) Serie "verwendet" wurden , diese läuft ja nun schon seit einigen Jahren.In einen Zoo sind die bestimmt nicht gekommen , denn diese "Verhaltenskrüppel" ließen sich bestimmt nicht mehr in eine bestehende Gruppe integrieren. Was also ist mit den Tieren passiert ? Weiß das Jemand zufällig ? Schade , das das Zdf nicht im Anschluß an jede Folge von"Unser Charly" eine kurze Reportage über das Schicksal der darin "verheizten"Schimpansen zeigt. Das wäre übrigens auch eine Aufgabe der Zoos , anhand einer Informationstafel am Schimpansengehege über die"Wahrheit"von "Unser Charly"zu informieren , denn woher sollen die Zuschauer wissen , was an der Serie falsch sein soll ? Darüber hinaus bin ich der Meinung , das die Zoos auch mehr über die Tierquälerei im Zirkus informieren sollten , so wie es ganz vorbildlich in Salzburg gemacht wird ! Daran sollten sich alle anderen Zoos mal ein Beispiel nehmen ! (27.04.2006, 00:00) |
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