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Zukunft München



IP66:   Die Frage, wann ein zur Tierausstellung errichtetes Gebäude als Denkmal zu gelten hat und erhalten werden sollte, wurde hier schon mehrfach angesprochen. Wichtiger scheint mir allerdings, daß auch heutige Zoos bestimmte Einstellungen spiegeln, bestimmte Besucher bevorzugen, bestimmte, sehr zeitgebundene Ideale verfolgen - und ebendeshalb eine nur für kurze Zeit gültige Vorstellung von Zoo spiegeln. Das Urteil "gefällt mir!" speist sich ja aus ebensolchen Bedingtheiten und Zwängen. Da nun aber, von Gelsenkrichen einmal abgesehen, kein Zoo so neu ist, daß er nicht zu großen Teilen aus Anlagen besteht, die eben nicht diesen aktuellen Umständen entsprechen, stellt sich die Frage, wie man damit umgeht. Und da finde ich den Weg, Anlagen so zu nutzen, daß sie artgerechter Tierhaltung dienen, aber daneben und darüber hinaus auch noch als Beispiele vergangener Zoowirklichkeiten fungieren, sehr interessant. Zum einen entspricht er der öffentlich geförderten Bildungsinstitution Zoo, die eben auch über ihre Vergangenheit informiert. Zum zweiten spart man Geld, denn die jeweilige Neuerrichtung eines Zoos im Abstand von etwa 15 Jahren ist ziemlich kostspielig und wurde bisher auch nirgendwo praktiziert. Zum dritten vermeidet man auf diesem Wege ähnlich aussehende Anlagen und schafft Anreize, auch andere Zoos zu besuchen, und zwar auch für Interessenten, die nicht das zoologische Artenspektrum im Auge haben. Schließlich, und das scheint mir ein wichtiger Bildungsgedanke, wird durch dergleichen Beispiele auch die Bedeutung heutiger Neubauten dergestalt relativiert, daß man sie auch nur als eine von vielen Lösungen ansieht und ihnen deshalb gelassener gegenübersteht, eben auch da, wo sie nicht errichtet werden.
Der Nationalsozialismus spielt da eine große Rolle insofern, als sich, wie man das in Nürnberg eben noch nachvollziehen kann, die Vorstellung von Zoo, Landschaftspark und Tiergartenarchitektur recht augenfällig änderte. Hinzu kommt, daß der Landschaftsgärtnerei und den Architekten hier künstlerisch äußerst überzeugendes gelunden ist. Wer möchte, der sollte diese Diskrepanz erleben dürfen, und ich fände, daß da eine Schautafel an der Raubtierschlucht keine zu viel wäre. München hingegen hat versucht, seine nationalsozialistisch geprägte Anlage nach einem Generalbauplan der 60er umzumodeln. Neu sind die Gehege auch nicht, tiergerechter nicht zwingend, und ob der Pavianfelsen heutige Besucher ästhetisch befriedigt, kann man diskutieren. Auffällig ist allerdings, daß man in München die Geschichte, wenn sie in der Gestalt des vom Mehrheitsbesucher goutierten Großtierhauses daherkommt, für kommentierungswürdig hält, bei dem vom Herrn Mettler erwähnten Bergtierfelsen aber jede Information vermeidet. Umgekehrt fände ich es interessanter: Da, wo der Besucher sich historisch gesichert wähnt, darf man ihn durchaus alleine lassen, da, wo er nichts böses denkt, wäre ein Hinweis nützlich.
(07.10.2006, 17:42)
Michael Mettler:   @Jakub: Ja, beide Arten habe ich vor vier Wochen noch in München gesehen. Die Zuchtgruppe der Dorkasgazellen lebt auf der Kamelanlage, ein paar überzählige Böcke zusammen mit den Mhorrgazellen.
(06.10.2006, 09:05)
Jakub:   Bitte, ich möchte jemanden fragen, werden in Hellabrunn noch Silbergibbonen und Dorkas-Gazellen gepflegt? Ich möchte diesen Zoo besuchen und gennante Tiere zu sehen.Danke
(06.10.2006, 08:43)
Michael Mettler:   Um von der Vergangenheit Münchens mal wieder auf die Zukunft zurück zu kommen: Im 2005er Geschäftsbericht ist u.a. davon die Rede, dass es im laufenden Betrieb letztendlich auch darum ginge, die Arbeitsplätze für die Zukunft zu sichern. Gibt es denn aktuell irgendwelche Umstände, die den Tierpark in seiner jetzigen Form bedrohen - von der Konkurrenz auf dem Freizeitsektor (die im Geschäftsbericht ebenfalls angesprochen wird) mal abgesehen?
(09.09.2006, 18:47)
Nils Kley:   @Zoosammler: der Deutschen liebstes(?) Thema: ich zitiere jetzt nicht die leider von den Neonazi immer wieder in Beschlag genommenen Bspe. der Schandflecken anderer Nationen, möchte aber darauf hinweisen, dass auch andere mehr als genug Dreck am Stecken haben-deswegen aber nicht einen derartigen Kult der ständigen Selbstkasteiung-wenn Ihnen der Ausdruck genehmer ist-betreiben.
Sich selbst immer wieder darin zu verstärken, die Untaten der Nazis wären historisch gesehen beispielslos, bagattelisiert/relativiert die Zahl der Opfer der russischen Gulags, der
chinesischen Kulturrevolution,der Ruanda-Genozide von 1994 u.v.m.-oder sind diese Toten weniger einer Erinnerung wert?
Immer nur den Alb der Verfehlungen vergangener Zeiten als fortwährendes Kainsmal aufgestempelt zu bekommen, ist der Sache nicht zweckdienlich-und fördert nur die Ablehnung v.a. seitens der jüngeren Generation, die nicht ständig für die Untaten ihrer Vorväter
(falls die überhaupt daran beteiligt waren) zur Buße gezwungen werden wollen. Das ist unter "Selbstegeißelung" gemeint-die fortwährende dt. Bereitschaft, in allem eine Möglichkeit zu sehen, um
sich selbst schwermütig an die Altlasten der Vergangenheit zu erinnern-anstatt seine Lehre daraus zu ziehen und weiter nach vorne zu blicken.
Es gibt mehr als genug Stätten in D, in denen man an die Nazi-Greuel erinnert wird-und mehr als eine Geschichtsschulstunde verweilt lange bei diesem Thema.
Zwar sollte man nicht die Vergangenheit vergessen; ebensowenig hilft es aber, seinen Blick nur nach hinten zur richten. Alte Zoo-Gebäude, gebaut in der Zeit von 1933-1945, als eine Art Schrein "Wider dem Vergessen" wie in einem Freilichtmuseum aufzubewahren, liegt weder im Interesse der meisten Zoobesucher(die mit ihrer Familie einen angenehmen Tag erleben und nicht wieder die allgegenwärtige Moral-Keule über sich ergehen lassen wollen), noch der Zoobetreiber(Verstellung des ohnehin meist schon knappen Baugrundes)und den Tieren(denen ist es, wie Herr Mettler und ich schon bereits sagten schnurz ist, wer ihr Gehege wann gebaut hat-solange es passt). Der Hinweis "vor der Nazizeit" sollte vielmehr daran erinnern, das es auch ein "Leben vor den Nazis" gab(was man auch Ausländern klar machen sollte-v.a. Engländern)
-aber auch hierfür muss der Zoo nicht unbedingt Denkmäler aufstellen. Es reicht, wenn der historische geprägte Zoo seine besonders denkwürdigen Gebäude soweit es geht ins moderne Haltungs-und Präsentationskonzept integriert-und wenn es nicht anders geht, alte, marode Zoogebäude(mögen sie noch so bedeutsam für den lokalen Historikerverein sein) beseitigt, um nicht zum Freilichtmuseum mit unmoderer Haltung zu verkommen. Dass dies gelingt, zeigt z.B. Wien. Wie problematisch das Stehenlassen eines alten Gebäudes zwecks notwendiger Erweiterungens ein kann, zeigt das Elefantenhaus Münchens. Womit der Bogen zum eigentlichen Thema geschlagen
wird...;)
Herr Mettler hat durchaus Recht: schon jetzt sind die unter Kohl(alsbald auch die unter Schröder) gebauten Gebäude "Geschichte"-und wie die Nazis ist auch Kohls Regierungszeit Teil der deutschen Geschichte. Sollen wir deshalb die Zooegbäude dieser Zeit auch aufbewahren?

Die Zoos haben schon mehr als genug Aufgaben, derer sie kaum Herr werden; beschweren wir sie also nicht noch mit weiteren unerfreulichen Diensten an die Menschheit; das sollen auch mal andere übernehmen.
(09.09.2006, 17:22)
Michael Mettler:   Dass ein Zoo in erster Linie für Menschen gemacht ist, bei dieser Einstellung bleibe ich. Schließlich wird er von Menschen gebaut, um anderen Menschen Tiere zu zeigen. Kein Tier bezieht aus eigenen Stücken ein Zoogehege (von Mäusen u.a. "Untermietern" mal abgesehen), und kein Tier braucht Panzerglasscheiben oder Elektrodrähte. Und wenn der Zoo nicht für Publikum - also Menschen - gemacht wäre, dann könnte man ihn unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit wesentlich geringeren Bau- und Unterhaltskosten als Erhaltungszuchtstation irgendwo auf die "grüne Wiese" bauen.

Was ich mit meinem saloppen Vergleich - man beachte den Smiley dahinter - ausdrücken wollte: Jede Zeit hat ihre Baugeschichte, und jeder Bau drückt irgendwo den Zeitgeist bzw. eine Ideologie (die ja nicht zwangsläufig politisch geprägt sein muss) aus - man betrachte nur mal die Beton-Ära der 60er und 70er mit teilweise futuristischem Anklang (die Architekturkenner mögen mir meine laienhafte Ausdrucksweise verzeihen), zu einer Zeit, als durch Raumflug und Mondlandung die Zukunft in aller Köpfe war. Oder die heutige Zeit mit einer Mischung aus "Zurück zur Natur" (deshalb Kunstfelsen statt Mauern) und Technikverliebtheit (dazu fallen mir gleich wieder die Münchener Primatenanlagen ein). Auch das spiegelt unsere momentane Situation wieder: Natur ist toll und wünschenswert, aber Technik ist Alltag.

Und trotzdem unterstelle ich, dass Otto Normalbesucher nur schlichtweg unterscheidet zwischen "gefällt mir" und "gefällt mir nicht". (Und er beurteilt ja auch Tieranlagen danach, ob sie nach SEINEM Geschmack naturähnlich sind - siehe Wüstenantilopen auf grüner Wiese). Man kann das Nürnberger Flusspferdhaus urig oder stimmungsvoll finden, ohne von seiner NS-Vergangenheit zu wissen. Und ob die Münchener Gemsenanlage angelegt wurde, um "deutsches Wild im deutschen Wald" zu präsentieren oder zu irgendeiner anderen Zeit schlichtweg eine attraktive Anlage zu erstellen, macht unter dem Strich weder für den Normalbesucher noch für die Bewohner einen Unterschied. Dass sich interessierte Spezialisten damit befassen, ist doch auch kein Problem, oder?

Ich war nie sonderlich geschichtlich interessiert, aber in Hannover ist meines Wissens der Maschsee in der NS-Zeit per Hand ausgeschachtet worden. Spaziere ich an dessen Ufern nun entlang, weil mir die Gegend gefällt, oder weil ich mir angesichts des Sees immer wieder klarmachen will, in welch dunkler Ära er angelegt wurde? Und genausowenig betrachte ich persönlich den Tierpark Hellabrunn oder den Tiergarten Nürnberg als Symbol oder Mahnmal. Wollte ich in dieser Hinsicht "politisch korrekt" sein, müsste ich es schließlich auch als Diskriminierung bezeichnen, wenn bei uns Zootiere in Bauten untergebracht sind, die wie Paläste, Tempel oder Wohnhäuser anderer Völkerstämme aussehen.
(09.09.2006, 16:35)
Zoosammler:   Ich möchte hier eigentlich keine historische Diskussion anfangen, aber Einiges kann man so einfach nicht stehen lassen.
@?: Man müsste den Nürnberger Tiergarten "so gesehen" GERADE besuchen. Wie unsachlich ihr Beitrag war, äußert sich meiner Meinung nach schon darin, dass sie Nürnberg als "den schönsten und besten Zoo in Deutschland" bezeichnen - das ist lediglich ihr subjektiver Eindruck und das ist nicht den Nazis zu verdanken.
@Michael Mettelr: Wenn man alles vergessen, streichen und ignorieren würde, was die "breite Masse" nicht weiß, nicht interessiert oder nicht versteht, dann wäre die Welt aber um Einiges ärmer. Und zwischen Bauten, die in der NS-Zeit entstanden sind und solchen, die aus der Regierungsphase von Helmut Kohl stammen, besteht doch der Unterschied, dass die aus der Ära-Kohl nicht in irgendeiner Weise in Verbindung zu den politischen Verhältnissen stehen und nicht Teil einer von der Regierung verordneten (und vom Volk größtenteils mitgetragenen) Propaganda sind. Genau das ist m.M. nach der springende Punkt, der solche "Ideologiearchitektur" von anderen unterscheidet und der dafür sorgt, dass, bleiben wir beim Beispiel, Tiergehege nicht immer gleich Tiergehege ist.
@Nils Kley: "Keine andere Nation beschäftigt derart ausgiebigst und selbstkritisch mit seiner jüngeren Geschichte(...)wie die deutsche" - das ist traurig - für die andere Nationen. Außerdem kommt, da werden sie mir ja wohl zustimmen, hinzu, dass auch keine andere Nation eine derartige Geschichte HAT. Es leuchtet mir immer noch nicht im Entferntesten ein, was das mit Selbstgeißelung zu tun hat: Selbstgeißelung wäre für mich, wenn wir alle mit einem schlechten Gewissen für das rumlaufen wurden, was in der Nazizeit unter unserer Eltern/Großeltern/Urgroßeltern-Generation geschah - dafür besteht in der Tat kein Grund, das wäre absurd. Allerdings ist es unsere Pflicht als Citoyens Dinge in Erinnerung zu behalten, vielleicht auch, ohne erhobenen Zeigefinger, zu ermahnen - uns selbst und andere. Mit in der Vergangenheit "verweilen" hat das alles wiederum absolut überhaupt nichts zu tun. Sie selbst haben angeregt, sich auch wieder stärker mit all dem Erwähnenswerten zu beschäftigen, was VOR der Nazizeit lag: Ist das dann auch "Verweilen" in der Vergangenheit? Muss man alles über Bord schmeißen, weil man sonst im Früher lebt oder müssen wir nicht vielleicht gerade weil wir im Heute leben und an Morgen denken, Früher auch in unserem Bewusstsein haben?
Um den Bogen zurück zum Thema Zoo zu schlagen: Den Tieren ist es in der Tat egal - um die geht es in dieser Diskussion im Grunde auch gar nicht, aber der Zoologische Garten ist Teil der Kultur, der Menschenkultur - und vielleicht hat er in dieser, der Kultur (der Menschen) auch einige gewichtige Aufgaben zu erfüllen.
Gerade die, die immer wieder betonen, der Zoo sei auch (manche behaupten sogar "in erster Linie") für die Menschen da, die nehmen jetzt das Befinden der Tiere zum EINZIGEN Kriterium für Entscheidungen und Entwicklungen in der Themenwelt "Zoo" - das mag mir nicht einleuchten.

Mir ist bewusst, dass dies ein humorloser spießiger Beitrag war, meiner Meinung nach war er aber nötig.
(09.09.2006, 15:57)
?:   So gesehen dürfte man auch den ganzen Nürnberger Tiergarten nicht besuchen, der wurde nämlich an seinen heutigen Platz verlegt, um Platz zu machen für das Reichsparteitaggelände. "Dank"den Nazis verfügt Nürnberg nun über den schönsten und besten Zoo in Deutschland, an seinem alten Platz hätte der Zoo keine Chance gehabt, sich weiterzuentwickeln.
(07.09.2006, 09:31)
Michael Mettler:   Wenn eine Tieranlage tiergerecht, optisch attraktiv und sogar noch naturnah gestaltet ist, ist es mir (und den Tieren wohl erst recht) völlig wurscht, ob sie zur Kaiserzeit, zur NS-Zeit oder in der Regierungsphase von Helmut Kohl errichtet wurde und irgendwas symbolisieren soll, was sowieso nur Eingeweihte wissen... :-)

Ich als Architekturbanause empfinde z.B. weder das Flusspferdhaus noch die Gesamtanlage des Nürnberger Tiergartens als Mahnmal für den Faschismus, und mit Hellabrunn geht es mir genauso. Und ich nehme an, dass ich damit die breite Masse repräsentiere.
(07.09.2006, 00:26)
Jelle:   Michael,

Dass koenne gegen ISIS sprechen ..., aber die EAZA Behoerden haben ihren Mitgliedern fuers 2007 versprochen dass ALLE MITGLIEDERN ISIS angehoerig seind muessen .......!
(07.09.2006, 00:21)
Nils Kley:   @Zoosammler: Sie haben es schon richtig angeschnitten : " so abwegigen Dingen wie Zooarchitektur". Keine andere Nation beschäftigt derart ausgiebigst und selbstkritisch mit seiner jüngeren Geschichte(unter zunehmender Verdrängung dessen, was davor vielleicht Interessantes vonstatten ging)wie die deutsche-so weit, dass Aspekte gesucht werden, die wirklich nur sehr bedingt dazugehören. Das sollte mit dem Begriff "Selbstgeißelung" deutlich gemacht werden-dass diese allumfassende, intensivste Beschäftigung mit vergangenem Übel nicht auch noch den dt. Zoos aufgedrückt werden muss. Den Tieren ist's egal, unter welchen Regime ihr Gehege entstand(Hauptsache, es passt)-und den meisten Tiergartenbesuchern ehrlich gesagt auch. Wer dennoch in der Vergangenheit verweilen will, kann z.B. zu Büchern wie "Nilpferde an der Isar" greifen.
(06.09.2006, 22:48)
Zoosammler:   Mit Verlaub, wieso ist denn das Stehen-lassen eines Bauwerkes als Denk-/Manhmal "deutsche Selbstgeißelung"?
Wir müssen das aber nicht unbedingt erörtern, da es mit dem Thread nichts zu tun hat.
Ich finde es aber durchaus interessant hier und da mal zu sehen, wie weit die faschistische Ideologie eingebrannt worden ist, dass sie sogar vor so abwegigen Dingen wie Zooarchitektur keinen Halt machte - und somit jeden Lebens-/Kulturbereich einnahm. Sich das ab und zu zu verdeutlichen, was ist daran "Selbstgeißelung"?
(06.09.2006, 22:26)
Nils Kley:   @IP66: Mit Verlaub, aber man muss nicht zwangsläufig alles zum Mahnmal umfunktionieren, nur weil es zur Zeit des NS-Regimes gebaut wurde...Mir geht das Wohl der Tiere, die unter einer nicht ihren Ansprüchen gemässen altmodischen Haltungseinrichtung leiden, über eine Weiterführung der allgegenwärtigen dt. Selbstgeißelung.
Darüber, dass allerdings z.B. beim Dschungelzelt eine wirkliche Haltungsverbesserung nicht unbedingt zu betrachten ist, dürften wir uns indes einig sein.;)
(06.09.2006, 22:18)
IP66:   Das Museum für moderne Kunst, daß im münchner Orang-Paradies einziehen soll, müßte aber doch heftig gegen eine Provinzialarchitektur einspielen ... Mich haben die Umbauten bei meinem Besuch vor ein paar Wochen aber auch nur bedingt gefreut. Die Menschenaffenstation ist ein wichtiges Denkmal nationalsozialistischer Architektur, was vor allem der Gibbontrakt und der Eingang vom faschistischen Zooteil her gut nachvollziehen lassen. Und da liegt auch das Problem. Im Gegensatz zu Nürnberg ging es in München lange darum, diese Vergangenheit vergessen zu machen - ein Furor, dem sogar die Raubtieranlagen aus der Gründungszeit des Zoos zum Opfer fielen, obschon sie älter waren als die Nationalsozialisten. Bei den Menschenaffen scheint man nunmehr das Geld zum Abriß nicht mehr ausgeben zu wollen, und deshalb wird fleißig maskiert, wobei in der großen Halle vor allem die Verkleidungen der 70er durch eine etwas verspätete Postmoderne ersetzt wurden. Die Außenanlage für die Orangs schließt ein wenig an das Kleinaffenhaus an - eine Anlage, die mir immer als Beispiel dafür dient, was herauskommt, wenn Staatshochbauämter ogranisches Bauen versuchen - jetzt klettern die Orangs halt im zweiten Versuch. Ansonsten sind die in den Beiträgen geschilderten Probleme denen von Münster vergleichbar: Man hat den Zoo zwischen 1960 und 1970 nach einem Standardplan umgebaut, und da, wo diese Standards veraltet wirken, tauchen die Schwierigkeiten auf. Interessant ist, daß der faschistische Teil postiv beurteilt wird, wo es um Freianlagen und nicht um begehbare Tierhäuser geht.
(06.09.2006, 12:02)
Nils Kley:   Gewiss, München hat wie jeder Zoo gewisse Mackel-da fallen mir nicht nur die bereits erwähnten Fälle ein, sondern z.B. auch solche Altbaulasten wie die Matelpaviananlage oder die Einstellung der Hinterwälder Rinder.
Glanzlicher sind u.a. die Mhorrgazellenanlage(für die der Direktor ein gewisses Faibel hat), Villa Dracula's Fledermäuse(inklusive Panikreaktionen mancher Besucher;)oder das Schildkrötenhaus mit solch originellen Bewohnern wie Australische Bulldoggenameisen, Neuguinea-Flossenfuß oder Vasa-Papageien.
Was das Menschenaffenhaus angeht: ursprünglich war das Krokodilbecken nicht mit Hechtalligatoren, sondern Westafrikanischen Stumpfkrokodilen besetzt. Da aber nur ein Austieg vorhanden und die Art mitunter "etwas" territorial ist, kam es zu schwerwiegenderen Kämpfen untereinander-was mit dem Alligator-Ersatz endete.
Ursprüngliche Intention beim Bau dieses Gebäudes war es, dem Besucher die Entwicklung des Lebens über Korallen und Fische zu Amphibien und Reptilien und schlußendlich zu den
höheren Primaten vereinfacht zu versinnbildlichen.
Und zur kruden Mischung bzw. Nichteinhaltung der Zoogeographie-die ist durch den jeweils verfügbaren Tierbestand bedingt und war in der
Vergangenheit noch weitaus skurriler;)
(05.09.2006, 22:19)
Michael Mettler:   @Sacha Beuth: Ich besuchte München erstmals 1982, aber wenn ich mir die alten Zooführer anschaue, muss ich feststellen, dass München in Sachen Geokonzept wohl NOCH NIE konsequent war - es war also schon immer verwässert. Denn es gibt schon ewig die "Mixreviere" Primatenstation, Warmhaus, Polarium, Großvoliere, Raubtierhaus (nachfolgend Dschungelzelt) und Kinderzoo, und mit dem Schildkrötenhaus kam ein weiteres hinzu. Da sind sogar manche erst in jüngerer Zeit auf "Geo" umgestellten Zoos konsequenter.

Auch ich finde - um nicht nur zu kritisieren - speziell viele Huftieranlagen in den Parkteilen Europa, Asien und Afrika herrlich. Die Aussicht, dass irgendwo in "Afrika" (oder etwa nicht dort??) demnächst ein Giraffenhaus gebaut werden soll, begeistert mich nur im Hinblick darauf, dass die Giraffen dann hoffentlich mehr Platz (vor allem Stallraum) bekommen. (@Sitara: Man könnte übrigens auch die Elefanten aus dem jetzigen Haus nehmen, um den Giraffen den nötigen Platz einräumen zu können...) Ich befürchte nur, dass auch dieses Bauwerk als optischer Fremdkörper in der Parklandschaft stehen wird.

Auch wenn ich als Kunstbanause damit Architekturfans vor den Kopf stoße: Bei den Neubauten der letzten Jahre entsteht bei mir eher der Eindruck, dass sich da jemand verwirklichen wollte und die Tiere dazu dienen, den Bau der Architekturdenkmale zu rechtfertigen. Das so genannte "Orang-Utan-Paradies" könnte ich mir jedenfalls genausogut in einem Museum für moderne Kunst vorstellen.
(05.09.2006, 20:33)
Sacha Beuth:   Besuche den Tierpark Hellabrunn seit 1990 im Schnitt alle zwei Jahre. Kann fast die gesamte, unten genannte Kritik unterschreiben. Und obwohl ich Hellabrunn nach wie vor für einen der schönsten Landschaftszoos Europas halte, gibt es noch andere Dinge die mich stören:
- Es wurden und werden teilweise immer noch zu viele Haustierarten gehalten, die den Wildtieren den "Platz wegnehmen". Es reicht eine Hausziegenart, eine Hausschafart und eine Hausrindart. (Von den einst als pädagogisch so wertvoll bezeichneten "rückgezüchteten" Auerochsen und Tarpane will ich gar nicht erst sprechen.
- Das einst einmalige Geokonzept wird immer stärker verwässert. Schneeziegen in Eurasien, Kleine Pandas in Afrika usw. Warum hat man aus dem Urwaldhaus nicht einen rein afrikanischen Urwald gemacht (Gorillas und Schimpansen nebst Süsswasserfischen, Reptilien, Amphibien und Vögeln aus dem Kongogebiet)? Und hat man eine Vergesellschaftung Dianameerkatze/Gorilla oder Gorilla mit neu anzuschaffenden Guerezas überhaupt in Betracht gezogen?
- neben den bereits kritisierten Anlagen für Eisbären, Robben und Dschungelzelt (Wieso letzteres? Ist doch ziemlich artgerecht, wenn die Raubkatzen durch die Dachgitter im Innengehege Tropenvögel fangen können - Ironie) fällt mir auch noch die vor wenigen Jahren renovierte Königspinguinanlage ein. Konnte beim besten Willen keine markante Verbesserung - wohlgemerkt für die Tiere - zur alten Anlage entdecken.
Dafür sind die meisten Huftieranlagen sehr gelungen (besonders für Elch und Gämsen) ebenso das Gehege für Afrik. Wildhunde und das Landschildkrötenhaus beim Nebeneingang.
(05.09.2006, 19:19)
Sven P. Peter:   In Nürnberg haben die Seelöwen doch sogar eine Wiese.

Ich persönlich finde das Urwaldhaus gar nicht mal so schlecht, aber Raubtierhaus und Haustiergehege kann man vergessen.

Robben haben in München neben dem Betonboden auch kiesabschnitte im Gehege.
(04.09.2006, 20:52)
Hannes:   @Michael
deswegen habe ich auch "NAHEZU" alle geschrieben ;-)
Ja stimmt ich glaube in Rheine und Nordhorn gibts Naturboden. Osnabrück hat das leider versäumt.
(04.09.2006, 20:28)
Michael Mettler:   @Hannes: Einige neuere Zoo-Anlagen - vor allem für Seehunde - bieten Naturboden, da gibt es durchaus einen gewissen Trend. "Kein Zoo in Deutschland" stimmt also nicht mehr.

@Jelle: Der Zoo Berlin ist ebenfalls nicht mehr ISIS-Mitglied, wie ich gerade erfuhr. Aber das muss nicht unbedingt gegen einen Zoo sprechen, vielleicht spricht es ja auch gegen ISIS...?

@Lollo: Das mit dem Eisbärengehege verstehe ich auch nicht. Aber nachdem ich nun bei meinen Hippo-Recherchen nachträglich Einiges von dem Wirbel um die Abgabe der Flusspferde gelesen habe, würde ich vermuten, dass man mehr Proteste wegen der Abgabe der Eisbärin befürchtet als wegen des Geheges!
(04.09.2006, 20:09)
Lollo:   Frankfurt hat Sandteile für die Seelöwen und Seehunde und auch das Delphinarium Harderwijk bietet es den Seehunden, Kegelrobben und Seelöwen an. Wieso kann Sand für die Tiere nicht angenehm sein ?
In der Natur liegen Robben auch auf Stränden. Augsburg wird , nachdem die Seehunde schon einen Sand,-und Naturbodenteil haben, auch für die Seelöwen einen solchen schaffen. Ich kenne zwar die neue Anlage noch nicht, aber wie ich Rheine kenne, haben die Seehunde dort bestimmt auch einen Sandteil. Wie sieht es denn in Berlin aus, dort wurden dort auch die Robbenanlagen erneuert.
(04.09.2006, 20:01)
Hannes:   Lollo hat gesagt das die Robbenanlagen in München nur aus Beton bestehen und dies kritisiert.
Auch ich möchte das kritisieren aber für soziemlich ALLE Zoos in Deutschland.
Ob Beton, Kunstfels oder Stein, kein Zoo hat Sandflächen für die Tiere. Das kann doch nicht sonderlich angenehm sein. Wer kann mir Robbenanlagen nennen welche mit Sand etc ausgestattet sind?
(04.09.2006, 19:17)
Jelle:   Tierpark Hellabrun ist aus ISIS gezogen. Rapportiert nicht mal mehr an die US Behoerden .........!!!
(04.09.2006, 19:01)
Lollo:   Das Giraffenhaus soll an das Afrika-Gehege angebaut werden. Das ist aber noch geplant, da gibt es noch nichts konkretes dazu.Der Eisbären-Mann ist gestorben, München hat jetzt nur noch das Weibchen, möchte aber einen neuen Mann haben. Das kann ich nicht verstehen, denn die Eisbären-Anlage ist eine ganz schreckliche Betonwüste ! Wie kann man denn heute noch Eisbären in so einer so für Bären-Haltung ungeeigneten Anlage halten ? Das ist Tierquälerei ! Warum gibt man die Bärin nicht ab und baut erst eine natürliche Anlage für die Eisbären ? Das ist doch viel wichtiger als ein neues Giraffenhaus. Auch die Robbenbecken bestehen nur aus Beton. Raubtierhaus und die Affenhäuser finde ich, obwohl neu, völlig mißlungen. Wer hat sich denn mal den Kinderzoo genauer angesehen ? Die Tierhaltung dort ist auch nicht toll. Die Gehege sind alle viel zu klein, ein Schwein einzeln zu halten ist Tierqüälerei ( ich habe nachgefragt, die Sau wird immer künstlich befruchtet, hat für ein paar Wochen Ferkel, die dann verkauft werden, und ist dann wieder alleine )Tierquälerei, nenne ich soetwas. Die Innenboxen für die Zwergrinder sind winzig, die können sich gerade so einmal umdrehen. Die Gehege sind außerdem stinklangweilig für die Tiere. Aber wie die Haflinger gehalten werden, ist unerhört. Die Tiere stehen in einem winzigen, gepflastern Auslauf, kein Naturboden, kein Gras, kein Sand zum wälzen. Stattdessen werden die Tiere den ganzen Tag zum Ponyreiten verwendet und müßen ganztägig im Kreis laufen.Die Tiere sind am Gebiß untereinander angebunden, reisst ein Tier den Kopf herum, passiert das schmerzhaft allen anderen Tieren auch. Im Winter ist kein Ponyreiten, da stehen die Tiere den ganzen Tag in ihrem winzigen Betonverschlag und langweilen sich zu Tode. Jeder schaut nur, wie die exotischen Tiere im Zoo gehalten werden, aber für Haustiere interessiert sich keiner, die sind egal, mit denen kann man das ja machen. Ich finde den Münchener Zoo schön, mit Ausnahme des Kinderzoos, dem Polarium und den neuen Tierhäusern.
(04.09.2006, 18:25)
Sitara:   @ Michael Mettler: Dieser Beurteilung des Hellabrunner Primatenhauses kann ich voll zustimmen. Auch ich war sehr enttäuscht als ich es vor ein paar Jahren zu Gesicht bekam. Das trifft zweifelsohne auch auf andere Gehege zu. Die Raubtieranlage hat keine Verbesserung für die Tiere erbracht, ebensowenig wie das hier bereits erwähnte neue Nashornhaus. Wie sieht es denn mit dem Neubau eines Giraffenhauses aus? Wo wird es seinen Platz finden? Bekommen dann endlich die Elefanten den freiwerdenden Raum zugeteilt?
(04.09.2006, 16:20)
Michael Mettler:   Nachdem ich nun am Samstag gerade dort war und die neuen Affenanlagen gesehen habe (auch das Urwaldhaus kannte ich noch nicht), will ich nur hoffen, dass DAS nicht der Baustil kommender Anlagen werden soll. Ich habe Hellabrunn immer als Landschaftszoo bewundert, aber die neuen Affenanlagen scheinen unter dem Motto zu stehen "Bloß weg von der Natur"! Wenn in anderen Zoos Gehege "Geschichten erzählen", dass sich Tiere einen verfallenen Palast "zurückerobert haben", dann erzählt der Münchener Primatenkomplex in meinen Augen, dass sich die Affen eine Industriebrache zurückeroberten.... Abgesehen davon, dass im Urwaldhaus durch die reichhaltige Verwendung großer Glasfronten auf beiden Seiten des Besucherweges (hier Menschenaffen, dort Aquarien/Terrarien) dank bester Schallreflexion an einem gut besuchten Tag eine fast unerträglich laute Geräuschkulisse durch die Besucher entwickelt. Ich will nicht hoffen, dass das der neue Hellabrunner Standard wird!
(04.09.2006, 15:45)
Lollo:   Ein eigenes Giraffenhaus ist auch in Planung.
(31.08.2006, 06:33)
Sven P. Peter:   Die Eisbärenanlage wurde nun immer noch nicht umgebaut...
Die Ozelote können nun auch ins ehemalige Panther/Löwen-Innengehege. Das Aussengehege wird für einen unverträglichen Luchs vorbereitet.
(30.08.2006, 21:50)
Nils Kley:   Nach Umsetzung der beiden Löwen zud en Weibchen wurde die Ozelot-Anlage erweitert. Die Keas haben ihr neues Gehege neben dem Elefantenhaus bezogen. Die neue Anlage für die Orang-Utans, Silbergibbons, Spinneaffen, Mandrille und Diana-Meerkatzen ist fertig und schon größtenteils besetzt, allerdings noch nicht ganz fertig.
(30.08.2006, 21:45)
Sven P. Peter:   Also die Eisbärenanlage sollte doch dieses Jahr in Angriff genommen werden und das ehemalige Panther/Löwen-Gehege wird wohl grade umgebaut.
(16.06.2006, 00:00)
dennis:   Weiß jemand was München als Neubauten so für die nächsten jahre geplant hat?
(16.06.2006, 00:00)

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