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Wie finanzieren sich Zoos eigentlich?



Michael Mettler:   @Ulli: Nicht gegen die Zoofreunde, und ich habe aus gutem Grund geschrieben BEFAND, denn die Situation hat sich längst geändert. Nur ging das meines Wissens nicht, ohne die Satzung des Vereins und damit seine Zielsetzung zu ändern. Und als das Problem seinerzeit auftauchte, hörte ich durchaus von Zweifeln, wozu der Verein denn noch dienen solle, wenn er seinen eigentlichen Zweck nicht mehr erfüllen dürfe. Das meinte ich mit der "Identitätskrise".
(20.10.2006, 22:11)
Ulli:   Die Zoofreunde Hannover haben in den Letzten einen großen Teil der Tierarztpraxis finanziert, sie haben 25000 Euro pro Jahr für die Zooschule beigesteuert - eine Summe, die der Zoo selbst nicht willens oder in der Lage ist, selbst zu finanzieren und in Zukunft fördert sie den Zoo-Besuch von sozialschwachen Kindern, damit sie überhaupt einmal in den Genuss eines Zoobesuches kommen. Ich möchte hier nur anmerken, daß es, so lange der Zoo ein Städtischer Betrieb war, im Rahmen des Sommerferienpasses immer einen Gratis-Zoobesuch für Kinder gab.

Alle Massnahmen der Zoofreunde Hannover möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich loben.
(20.10.2006, 10:54)
Ulli:   Zu den 80 Prozent - Ich kann mich nur auf die herausgegebenen Zahlen berufen, und die enden in Hannover mit dem Jahresbericht 1992. Herr Machens macht aus seinen Zahlen eher ein Geheimnis und zitiert Zahlen meist nur auszugsweise in einem konkreten Themenzusammenhang - manchmal kann man dann versuchen, aus diesen Versatzstücken ein zusammenhängendes Puzzle zu erstellen.

Die Zoofreunde Hannover haben keine (!) Identitätskrise, Herr Machens macht nur wenig Werbung für den Verein. Manchmal kommt mir es sogar wie ein stiefmütterliches Betrachten seitens der Zooverwaltung vor. Ob es dabei um ein kluges Verhalten handelt, muss jeder für sich selbst beantworten.

Eine Reihe von Zoos sind sehr stolz auf ihre Zoofördervereine und betreiben einen regen Austausch. Dies traf auch für Hannover bis zum Amtsantritt von Herrn Machens zu.

Zu dem kommerziellen Betrieb möchte ich nur anmerken, daß die Zoogesellschaft Osnabrück als Träger des Zoos sehr wohl gemeinützig ist und die Beiträge steuerlich absetzbar sind. In Hannover trat das Problem der Gemeinnützigkeit erst mit der Übernahme der Gastronomie in Eigenregie des Zoo Hannover auf.

Zum Bonoboland (Bernhard): Ich ging davon aus, daß die Stadt Frankfurt einen Großteil der Kosten trägt, zu Deinen Ausführungen kann ich nichts sagen, finde das Modell aber interessant.

In Hannover versucht Herr Machens zur Finanzierung des Yukon Bays eine ähnliche LÖsung anzustreben. Hier geht es aber um die Übergabe des Zoogrundstückes und dessen Rückmietung.

Zum Schluß möchte ich auch noch Emmen erwähnen. Auch hier wurde ein großer Teil des Ausbaus durch öffentliche (europäische) Fördermittel finanziert.
(20.10.2006, 10:45)
Bernhard:   @Ulli: ich meine letzthin gelesen zu haben, dass das Bonoboland in Frankfurt aufgrund der schlechten finanziellen Sitution der Stadt Frankfurt privat finanziert wird (public privat partnership), d.h. ein Privatinvestor baut und finanziert die Anlage und der Zoo kauft mit einer jährlichen Rate die Anlage an.
(19.10.2006, 23:36)
Michael Mettler:   @IP66: Der Förderverein in Hannover befand sich bereits in einer "Identitätskrise", da es eine merkwürdige gesetzliche Regelung gibt, dass der Geschäftsbetrieb eines Zoos in bestimmten Rechtsformen nicht in den Genuss eines Fördervereins kommen darf - das betrifft natürlich nicht nur Hannover, sondern auch viele andere nicht-kommunale Zoos und sonstige Einrichtungen, zu denen sich Fördervereine gebildet haben. Vielleicht gibt es hier jemand, der sich damit detaillierter auskennt, solche Sachen sind nicht gerade mein Ding. Es drehte sich aber wohl darum, dass die GmbH nicht als gemeinnützig anerkannt war, weil sie sich auf kommerziellem Wege selbst finanzieren muss, und deshalb keine Spendenquittungen ausstellen durfte usw.
(19.10.2006, 21:32)
IP66:   Stimmt das wirklich mit den hannoveraner 80 Prozent? Man muß sich ja fragen, welches Kapital wo wie abgeschrieben wird, wo Stiftungs- und Spendengelder bleiben (Hannover hat doch einen Förderverein), wer mit welchem Tarif wo angestellt ist usf. Im 19. Jahrhundert waren Zoos ja Aktiengesellschaften mit Bilanzpflicht und keiner hat im Sinne einer solchen Gesellschaft längerfristig Gewinn abgeworfen. Sollte das im 21. Jahrhundert anders sein?
(19.10.2006, 20:27)
Ulli:   Die Einnahmen der Zoos selbst resultieren in der Regel zu über 80 Prozent aus Eintrittsgeldern (siehe z.B. die Jahresberichte des Zoo Hannover bis 1992), darüber hinaus gibt es Erlöse aus Kiosken, Spenden, Verpachtungen der Gastronomie etc.

Manche Zoos wie der Zoo Hannover betreiben die Gastronomie in Eigenregie, ursprünglich mit der Absicht damit die Finanzierung des Zoos zu verbessern. Ich persönlich hatte darunter auch die Tierhaltung selbst verstanden. Nun wurde aber aus den Überschüssen der Gastronomie der Indiensaal finanziert – eine für mich eher fragwürdige Entscheidung. Interessanterweise können die Zoofreunde Hannover den Zoo nun nicht mehr direkt fördern, weil es sich nunmehr um ein kommerzielles Unternehmen handelt.

Die Zoos haben neben den eigenen Einnahmen aber auch erheblichen Zuschussbedarf der öffentlichen Hand. Viele öffentliche Zoos haben einen Zuschussbedarf von annähernd 50 Prozent, Osnabrück hat dagegen als privates Unternehmen (Zoogesellschaft) nur einen Zuschussbedarf von 15 Prozent (2005). Hagenbeck war lange stolz darauf, ohne öffentliche Zuschüsse auskommen zu können, die letzten Monate haben aber gezeigt, dass dies kaum mehr aufrechtzuerhalten ist.

Zoos in privater Hand haben sicher den Vorteil, manches schneller und ohne viel Bürokratie verwirklichen zu können. Manche Anlagen wie in Walsrode oder auch in Osnabrück konnten ihre beträchtliche Größe vielleicht auch nur deshalb erreichen, weil sie weitgehend privat organisiert sind.

Dennoch möchte ich nicht ungeteilt das hohe Lied auf die Privatisierung singen.

Walsrode ist ein Beispiel dafür, dass solche Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten geraten können, der Tierpark Herberstein ist ein anderes Beispiel.

Manche Investitionen (speziell große Tierhäuser) lassen sich oft nur durch öffentliche Finanzierung stemmen (Großkatzenhaus und Bonobohaus in Frankfurt, Elefantenhaus in Wuppertal usw.). Manchmal dauert es länger, dafür sind die finanziellen Mittel zur Verwirklichung größer und die Neigung zu kostensparenden Kompromisslösungen geringer.

Öffentliche Zoos haben (aus politischen Gründen) einen erheblich günstigeren Eintritt, was für viele Personen den Besuch überhaupt erst ermöglicht.

Für die Mitarbeiter eines Zoos ist es meiner Ansicht nach ebenfalls günstig, nach dem TVÖD (früher BAT) beschäftigt und bezahlt zu werden.


(18.10.2006, 10:54)
IP66:   Wie so ein Amtszoo funktioniert - und was dabei an Geld verschwendet wird - habe ich in Dortmund erfahren. Eine kleine Anregung zur Beschilderung wurde von mir per E-Mail an den Zoo geschickt, ging aber erst einmal an das zuständige Amt, daß sie auf Gefährlichkeit kontrollierte, dann an den Zoo weiterleitete, der in einem stolzen Umschlag mit Brief und Siegel antwortete. Dergleichen kostet ja sowohl Arbeitszeit wie Geld, was aber weniger aus der städtischen Trägerschaft als aus der Steinzeitlichkeit der Verwaltungsmethoden resultiert - vielleicht kann ich ja bei einer größeren Anfrage einen reitenden Boten empfangen.
(15.10.2006, 15:09)
Zoosammler:   Selbstredend bringt eine Entwicklung nicht nur Vorteile mit sich, auch wenn ich die genannten durchaus sehe.
Das umgekehrte Beispiel zu dem von Thomas W. erstellten Zukunftsszenarion findet man gerade in Hamburg, wo davon gesprochen wird, dass es schier "unrealistisch" ist, als Zoo ohne öffentliche Mittel auskommen zu wollen.
Im Übrigen ist ja auch in Deutschland die Zoofinanzierung schon immer ein Mix gewesen, ich sage nur "Von Bürgern für Bürger", Spenden, Speisen und Sponsoren sind nicht zu unterschätzende Einnahmequellen - Mittel für den Bau neuer Anlagen etc. werden häufig aus Spendengeldern aufgebracht, ich denke, das Geld der Staatskasse wird v.a. hauptsächlich für die Sicherung des laufenden Betriebs benötigt.
(11.10.2006, 14:20)
Ben:   Zu Hannover: Wenn der Zoo nicht zur GmbH gemacht worden wäre, dann hätte Hannover ziemlich sicher seit 1994 keinen Zoo mehr.
(11.10.2006, 09:13)
Michael Mettler:   Wobei diese "Unabhängigkeit" anscheinend den großen Vorteil mit sich bringt, z.B. schneller und flexibler Bauten und Umbauten umsetzen zu können. Bin in solchen Sachen zwar kein Insider, aber in Hannover herrschte z.B. damals große Erleichterung, als man sich von der Stadt abnabeln konnte - unter städtischer Leitung wäre die Entwicklung der letzten zehn Jahre wohl nicht möglich gewesen.

Wie kommunale Träger ihre Zoos einschätzen, zeigt das Beispiel Dortmund: Der Zoo fällt dort in den Arbeitsbereich "Sport und Freizeit" (steht so sogar auf dem Titel des Zooführers) und wird - siehe Jahresbericht - in einen Topf geschmissen mit Bädern, Grünanlagen und Inlineskater-Wegenetzen. Soviel zum Thema Bildung und Artenschutz - bei den Trägern scheint das NICHT an oberster Stelle zu stehen.
(11.10.2006, 08:43)
Thomas W.:   Diese Art der Finanzierung ist allerdings ein Sonderfall für Deutschland. In Holland und den U.S.A. finanzieren sich viele Zoos mittlerweile selbst. Deswegen zahlt man da auchmal 15-20 euro eintritt. Ich denke, früher oder später wird das auch in Deutschland so kommen.
(11.10.2006, 00:29)
Zoosammler:   Pauschal kann man das nicht sagen, aber der Normalzoo in Deutschland ist eine öffentliche Einrichtung wie etwa viele Schwimmbäder, Theater, Opernhäuser, Universitäten, etc. und wird daher zu einem Großteil von seinem jeweiligen Eigentümer (meist die Kommune, bei der Wilhelma das Land Baden-Württemberg) finanziert.
(10.10.2006, 21:34)
sleipnir:   Hallo!
Ich bin der Faszination Zoo ja noch nicht allzu lange verfallen, von daher meine unwissende Frage.
Aber wie ist es, wie finanzieren sich Zoos in Deutschland, nur über die Eintrittspreise und eventuelle Spenden oder gibt es eine irgendwie geartete staatliche Förderung?
Ich weiß es wirklich nicht!
(10.10.2006, 21:23)

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