
| Walter Koch: | Drei Anlagen für je eine Zebra-Art halte ich für den TP für angemessen und rich- tig. Persönlich hab ich nur ein Problem mit dem "Quadratisch, praktisch, gut" in der Bauplanung. Ein vorzeige Gehege ist für mich dagegen die Savannen/Nashorn Anlage, trotz der ständigen Kunstfelsen und was ich für wichtiger halte, der fehlenden größeren Absperrgehege (mit mind.1500qm) im Ruhr- zoo, pardon Zoom. (27.11.2006, 22:56) | ||
| Ollo: | Ich denke, in der Praxis wird das in den verschiedenen Tiergärten sehr unterschiedlich gehandhabt. Ich kann mal zwei Beispiele aus mir näher bekannten Einrichtungen anführen, nenne aber die Namen mal nicht. Im Tierpark A soll eine relativ spektakuläre Anlage errichtet werden. Dazu bildet sich im Vorfeld eine Arbeitsgruppe, die meiner Erinnerung nach aus fünf Personen besteht (Tierarzt/Kurator, Hausarchitekt, Zuständiger für die Unterhaltssicherung, Vertreter der Tierpfleger, Pädagogin). Die einzelnen Gruppenmitglieder sammeln für sich Informationen und tauschen diese in Abständen von vielleicht drei Wochen auf Sitzungen miteinander aus. Auch aufwendige Exkursionen in Tiergärten, in denen bereits jüngere Anlagen für die betreffenden Arten bestehen, gehören zur Vorbereitung. Ist natürlich alles in allem sehr aufwendig. Tierpark B ist ein Amt der Stadt. Hier tritt der Parkleiter mit jeweils einem Kollegen aus dem Bau- und Grünflächenamt zusammen. Auch Wünsche von bestimmten Amtsleitern oder gar vom Bürgermeister werden berücksichtigt. Ein Austausch mit anderen Tiergärten findet nicht statt. Alle Personen sind Laien, und nicht selten wird das auch im Ergebnis deutlich. Da kann es schonmal vorkommen, daß mehrere Gehege exakt gleich aussehen, daß der Besucher zwischen zwei Zaunfronten entlanggeführt wird, oder daß Anlagen auf eine Lebensdauer von vielen Jahrzehnten ausgelegt werden. Mal eine Frage: Warum konnte oder kann der Blaskiewicz eigentlich im TP Berlin seine unzeitgemäßen Ideen ohne Widerstand in die Tat umsetzen? Seine Vorstellungen entspechen ja definitiv überhaupt nicht dem Zeitgeist. Wowereit hat doch mal gesagt, aus dem TP müsse eine Erlebniswelt werden, und dann baut der Blaskiewicz drei Anlagen für je eine Zebraform ... (27.11.2006, 17:38) | ||
| Michael Mettler: | Bei den ersten Plänen zum damaligen Hannover-Umbau sollen seinerzeit ebenfalls Pfleger einbezogen gewesen sein. Ob das in allen Phasen weitergeführt wurde, weiß ich nicht. (27.11.2006, 13:12) | ||
| Stefan Schubert: | Prof. Jauch, Direktor der Wilhelma, sprach einmal in einem Interview vom gefährlichsten Tier im Zoo und meinte die/den Architekten! Laut ET&C werden in Leipzig die Pfleger in den Vorplanungen zu Neubauten mit einbezogen! (27.11.2006, 12:07) | ||
| Michael Mettler: | @sleipnir: Diese Namensgebung gabs im Berliner Zoo früher auch, die kleinen, würfelförmigen Käfige mittendrin (heute immer zu mehreren zusammengefasst) hießen "Juwelenkäfige". Aus dem gleichen Grund wie in Frankfurt: Dort wurden Vogelarten gehalten, die besonders klein, besonders bunt und besonders heikel waren und die man vorsichtshalber nicht in Gemeinschaftsvolieren setzte. (26.11.2006, 22:31) | ||
| sleipnir: | @ Michael Mettler und IP66: Ja, meine Frage bezog sich auf den "Juwelensaal", wußte nur nicht, das er so heißt! (26.11.2006, 20:16) | ||
| Michael Mettler: | @IP66: Ich vermute, dass sich die Frage von sleipnir auf den "Juwelensaal", also die Vorhalle des Hauses mit den kleineren Vogelarten bezog. Da ist der Galerieeffekt noch gegeben und der Sockel sehr viel höher. So weit ich mich erinnere, war Grzimek ein Verfechter des Prinzips, dass Tierunterkünfte in Häusern höher liegen sollten als der Zuschauerraum; für das Frankfurter Giraffenhaus erwähnte er dies jedenfalls ausdrücklich. (26.11.2006, 19:43) | ||
| IP66: | Die Aufsockelung der Volieren in den Frankfurter Vogelhallen hat wohl ästhetische Gründe. Selbst in den Giraffen- und Elefantenhäusern der 50er hat man das so gehandhabt, um den Tieren durch eine Art Sockel eine besondere Würde zu verleihen. Außerdem war es bis in die 80er Jahre hinein üblich, zwischen nachgeahmter Natur und den anschließenden Park- oder Architekturräumen Grenzen zu markieren, um zu verdeutlichen, daß die Nachahmung eben nur Nachahmung war. Der Clou in Frankfurt liegt jedoch darin, daß die Glasräume mit einer Ecke in den Besucherraum geschoeben wurde und man somit von der Galeriesituation wegkam, die man an den Bauten der Zwischenkriegszeit kritisierte. Ich habe den Sockel in den Vogelhallen allerdings nie als so hoch empfunden. Im Freiflugraum des berliner Vogelhauses hat man die Sache ähnlich gehandhabt: Hier wurde der Weg durch das Haus versenkt, die Grenze durch Mauern verdeutlicht (26.11.2006, 18:28) | ||
| sleipnir: | Mag schon sein, dass das woanders ähnlich gehandhabt wird, der Sinn erschließt sich mir aber trotzdem nicht, bei Kleinsäugern, Reptilien etc. ist es ja verständlich, als meist bodenbewohnende Arten wäre es ziemlich mühsam, müsste man sich ständig bücken um diese Tiere zu sehen, aber bei Vögeln, die, wie in Frankfurt gesehen, fast ausschliesslich im höchsten Geäst sitzen??? (26.11.2006, 16:46) | ||
| Michael Mettler: | Damit sich Zwei-Meter-Menschen nicht bücken müssen, um rein zu sehen :-) Nee, im Ernst: Kleinvogelvolieren (und andere Kleintieranlagen) gehen doch in vielen, wenn nicht sogar den meisten Zoos nicht bis zum Fußbodenniveau herab?? (26.11.2006, 15:14) | ||
| sleipnir: | An das Frankfurter Vogelhaus habe ich auch gleich gedacht, wobei mir ein Aspekt doch negativ auffiel: Insbesondere die kleineren Volieren fangen alle erst so auf Hüfthöhe an und gehen dann so bis vielleicht zwei Meter fünfzig oder drei Meter, in fast allen Volieren saßen die Vögel aber recht weit oben und man mußte sich echt den Hals verrenken um überhaupt was zu sehen. Hab mich echt geärgert und mich gefragt, welcher Sinn da wohl hintersteht und warum dieser Volieren nicht schon auf Bodenniveau beginnen und dann nicht ganz so hoch sind ! (26.11.2006, 14:57) | ||
| Michael Mettler: | Dann würde mir als Positivbeispiel spontan das Frankfurter Vogelhaus (pardon, die Faust-Vogelhallen) einfallen - auch wenn für die meisten Arten Außenvolieren fehlen (was ja bei der Haltung von Tropenvögeln nicht selten der Fall ist). Schon Jahrzehnte alt, aber fast unverändert und immer noch "zeitgemäß". (26.11.2006, 14:42) | ||
| Carsten: | @Michael: Zeitgemäß sowohl für den Bewohner wie auch für den Besucher, wobei natürlich die Geschmäcker verschieden sind. (26.11.2006, 11:08) | ||
| Michael Mettler: | @Carsten: Ich denke, es sind vor allem die Häuser und Anlagen für die Publikumslieblinge unter den Großtieren, die immer relativ schnell wieder auf Missfallen stoßen. Man hört viel seltener Kritik über ältere und jüngere Hirschgehege, Vogelhäuser oder Terrarienhäuser. Es gibt noch immer Hirschgehege, die eigentlich ungeeignet für die artgerechte Haltung sind, so dass man den männlichen Tieren zur Brunft die Geweihe absägen muss. Welch Sturm der Empörung würde sich regen, wenn man aus ähnlichem Anlass Großkatzen die Eckzähne oder Elefanten die Stoßzähne absägen würde.... Zur Ursprungsfrage: Zeitgemäß für WEN - Tier oder Mensch? Manch alter Menschenaffen-Innenkäfig ist zwar optisch nach heutigen Maßstäben grottenhäßlich, bietet den Bewohnern aber im Gegensatz zur optisch gefälligeren "Terrarienhaltung" reichlich Klettermöglichkeiten. (26.11.2006, 09:41) | ||
| Carsten: | Vermutlich nicht, kommt drauf an, was in dieser Zeit an Entwicklung und Erkenntnissen zusammenkommt. Ich frage mich heute schon, ob das Haus nach den modernsten Erkenntnissen gebaut ist, ich denke ein größerer Landteil wäre nicht verkehrt gewesen, vor allem da die Tiere über die Wintermonate ja nicht rausgehen. Gibt es eigentlich in irgendeinem Zoo ältere Tierhäuser, so mindestens 10-15 Jahre alt, welche so weitsichtig geplant wurden, daß sie ohne Umbauten heute noch zeitgemäß sind? (25.11.2006, 19:19) | ||
| IP66: | Eine provokante Frage? Wird man in 15 Jahren das neue Flußpferdhaus in Gelsenkirchen so viel besser beurteilen als heute das münchner Nashornhaus? (25.11.2006, 19:01) | ||
| Ingo Rossi: | Was man alles so in Zoos planen und vielleicht auch verplanen kann, sieht man auf www.zooarchitektur.com und dann durchklicken. Jede Menge Ideen jeglicher Art... (24.11.2006, 19:36) | ||
| Hans St.: | Ich hab mal mit Hr. Nelz (alter Tierpfleger aus München) über die "neuen" Gebäude in Hellabrunn geredet, der konnte aus Tierpfleger-Sicht auch nur noch den Kopf schütteln. (24.11.2006, 14:58) | ||
| sleipnir: | Ich bin nun wirklich kein Fachmann auf diesem Gebiet, aber ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass neue Anlagen und Häuser nur von Architekten geplant werden, denen ich im Durchschnitt mal kein allzu großes Wissen über die Lebensbedürfnisse der einzelnen Tierarten zutraue. Andererseits, mit Blick auf das schon angesprochene Dschungelzelt in München??? Da scheint wohl wirklich niemand mit "Tierverstand" mitgearbeitet zu haben! (24.11.2006, 13:56) | ||
| Jennifer Weilguni: | Soweit ich weiss, muss die Stadt solche Vorhaben ausschreiben und dann gibt es einen Architektenwettbewerb. Im Zoo Karlsruhe etwa kann man in einer Vitrine neben dem Restaurant einige wunderschöne Modelle für das neue Elefantenhaus begutachten. Inwiefern aber der wissenschaftliche Apsekt und die artgerechten Bedingungen an die Architekten weitergegeben werden, weiss ich nicht, nur soviel, dass es wohl einige Tierpfleger gibt, die hinterher mit entstandenen Bauwerken nicht wirklich zufrieden sind, so dass ich davon ausgehe, dass sie nur bedingt mit in die Planung einbezogen werden, wenn überhaupt. (24.11.2006, 07:58) | ||
| Jennifer Weilguni: | Noch ein kleiner Nachtrag. Im Münchner Affenhaus hat wohl Jane Goodall bei der Planung mitgeholfen. (24.11.2006, 07:58) | ||
| Hans St.: | Hallo zusammen, mich würde interessieren, wie normalerweise eine neue Anlage oder ein neues Tierhaus geplant wird. Sitzt hier vereinfacht dargestellt der Zoodirektor mit dem Architekten zusammen, in wie weit sind die Praktiker (Tierpfleger etc.) mit eingebunden, evtl. auch externe Zoologen ?? Die frage kommt auf, da ich mir nicht vorstellen kann, daß solche Projekte wie das schon öfters hier angesprochene Nashornhaus in München, oder die Raubtieranlagen (Dschungelzelt) ebenfalls in München realisiert würden, wenn erfahrene Praktiker mit reden könnten. Mich würde außerdem interessieren, ob es zu den zahlreichen Kritiken bezügl. der o.g. Bauten irgendeine Stellungnahme der Zoo-Verantwortlichen von München gibt. Über Infos würde ich mich sehr freuen. Viele Grüße Hans St. (24.11.2006, 07:31) |
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