|
IP66:
|
|
Der hamburger Fall scheint mir recht interessant. Wenn wir das berliner Antilopenhaus mit seinem Zentralraum als Sonderfall betrachten, ergaben sich die meisten großen Innenräume der Tierhäuser des Aktienzoos eher zufällig oder aufgrund der Außenproportionen des zu gestaltenden Bauwerkes, und die fraglichen Nutzungen wurden mit dem Wachsen der Artensammlungen hinzuerfunden. Hamburg wäre eines der wenigen Beispiele, bei dem eine Innenraumnutzung eines Zentralbaus (wenn ich mich recht erinnere, eines noch nicht einmal exotisierenden Zentralbaus) mit eingeplant wurde. Das bedeutet zum einen die Abkehr vom beliebteren Typus der Tiergalerie, zum anderen aber auch den Versuch, das berliner Modell zoologisch zu nutzen. Ich neige dazu, die Entwicklung des Aktionärszoos in zwei Phasen zu unterteilen: eine romantische, in der ein englsicher Garten durch Tiere belebt wurde, und eine zoologische, in der eine umfassende Artensammlung angestrebt wurde. Das berliner Antilopenhaus mit seinem Palmenwintergarten würde da noch zu der ersten Phase passen, das hamburger Straußenhaus übersetzt dessen Modell in die zweite. (22.12.2008, 19:04)
|
|
Michael Mettler:
|
|
Im Falle des Hamburger Straußenhauses waren die Reptilientisch von Anfang an eingeplant, es gibt einen Artikel im ZG nebst Grundriss über den Neubau. Leider fehlen derartige Artikel über Köln in der Zeitschrift. (22.12.2008, 17:28)
|
|
IP66:
|
|
Es scheint allerdings, als seien die fraglichen Tierausstellungstische erst nachträglich in vorhandene Freiräume hineingestellt worden - gerade im kölner Haus verdoppelte sich die Fläche des Innenraumes durch die Erweiterung. Einmal mag hierbei eine auch bei der Möblierung von Wohnungen und Museen erkennbare Tendenz eine Rolle gespielt zu haben, Freiräume zu füllen und einen Eindruck von Üppigkeit und Überfluß zu erzeugen. Einem solchen Raumverständnis waren die großzügigen Innenräume der vor 1880 entstandenen Bauten eher suspekt, wobei sich zumindest für das berliner Antilopenhaus das Dilemma ergab, daß in dem Gebäude keine Pflanzen gediehen.
Zum zweiten ergab sich durch die Tische eine wenig raumgreifende Möglichkeit, viele und womöglich verwandte Arten nebeneinander zu zeigen. Die Reptilienhaltung profitierte wohl auch von den neuen Heitmöglichkeiten.
Den kölner Moschustierkäfig würde ich aber noch ein einem anderen Zusammenhang sehen wollen. Es scheint, daß die Antilopenhäuser des dritten Jahrhundertdrittels vor allem auf große Arten ausgerichtet waren, weshalb schon bei der Publikation des berliner Baus manche Logen unterteilt eingezeichnet wurden. Mit dem Anwachsen der Importe kleinerer Hornträgerarten erwiesen sich dergleichen mehrach unterteilte Huftierställe weder als besucherattraktiv noch als besonders nutzbar. Insofern wurden einerseits neue Häuser, andererseits die Tischanlagen entwickelt, wobei Herr Heck in Berlin natürlich über beides verfügte.
Die berliner Juwelenkäfige hingegen stellten keine nachträglichen Einbauten, sondern eine sehr geschickt proportionierte Ergänzung der zentralen Halle des Vogelhauses vor, die man mit etwas Phantasie auch heute noch nachvollziehen kann. Gerade das Klös'sche Vogelhaus vereinigte ja unterschiedlichste Ausstellungsformen, von der schlichten Galerie bis zur kleinen Einzelvirteine, von der Freiflughalle bis zum von Käfigkuben umgebenen Innenhof. (22.12.2008, 10:53)
|
|
Michael Mettler:
|
|
Ja, die Heckschen Kleintiertische (es gab ja auch welche für andere Kleinsäuger) hatte ich dabei auch im Hinterkopf. Im Straußenhaus des Hamburger Zoos gab es übrigens eine sehr große Anlage von Tischterrarien für Reptilien und Amphibien. Und wenn man es genau nimmt, fallen selbst die noch bestehenden "Juwelenkäfige" im Vogelhaus des Berliner Zoos in diese Kategorie. (21.12.2008, 16:55)
|
|
IP66:
|
|
Das fragliche Moschustiergehege hatte Parallelen im berliner Antilopenhaus, wo Heck auf großen flachen Tischen Gehegereihen für Kleinsthuftiere etabliert hatte, die vor die Damenwelt des Kaiserreichs entzückten.
Die Nutzung entsprechender großflächiger Innenräume bedarf noch eingehenderer Untersuchungen - in Köln gab es im heutigen Südamerikahaus ein in ähnlicher Weise eingerichtetes Aquarium. (21.12.2008, 16:24)
|
|
Michael Mettler:
|
|
Ein weiterer Fund in der ZG-Recherche, diesmal ein Besuchsbericht über den Kölner Zoo von 1893. Das Haus wird hier als "maurischer Bau" bezeichnet und mit dem Namen "Dickhäuterhaus" belegt. Als Besatz werden aufgezählt: ein Indischer Elefant, ein Flusspferd, ein Indisches Nashorn, drei Burchellzebras, drei Nordafrikanische Kuhantilopen, drei Beisas, drei "Oryx leucoryx" (nach dem wissenschaftlichen Namen Arabische Oryx, aber wahrscheinlich eher Säbelantilopen; es gab nicht selten Verwechslungen zwischen diesen Arten, noch bis in die 1950er Jahre hinein), ein Paar Zwergzebus und "in einem in der Mitte des Besucherraumes aufgestellten geräumigen Glaskasten zwei Zwergmoschustiere (Tragulus javanicus)" - demnach Kleinkantschils. Zwei Tapire mussten im vorangegangenen Jahr getötet werden (Hautkrankheit/Schwindsucht), so dass diese Tiergruppe derzeit im Haus fehlte. Der Bericht liefert keinerlei weitere bauliche Details. (20.12.2008, 10:38)
|
|
IP66:
|
|
Über ein für die Außenerscheinung wichtiges Detail haben wir hier noch nicht gesprochen: Die Doppelsäulen des älteren Gebäudeteiles trugen Palmetten, die die das Kranzgesims, das das Gebäude umschloß, bekrönten und so für eine malerischere Gesamterscheinung sorgten, als sie heute zu erleben ist. Allerdings zeigt auch diese ja klassische und keinesfalls orientalische Schmuckform, wie stark Herr Felten im Klassizismus der französischen Restauration wurzelte. (19.11.2008, 11:06)
|
|
IP66:
|
|
Da zeigt sich, daß auch die Bearbeitung der Chronik von Herrn Häßlin durch Herrn Nogge keinesfalls alle Quellen aufgetan hat. Der Besatz von 1864 erinnert mich ein wenig an das frankfurter Großtierhaus. 1874 zeichnen sich die neuen Finanzmittel der Gründerjahre ab, und das Haus muß unglaublich dicht besetzt gewesen sein, auch wenn es möglich wäre, daß anstelle der schraffierten Fläche des Bodnis-Plans eine Art provisorischer Elefanten- oder Nashornstall gestanden hat.
Ein zweiter interessanter Gesichtspunkt scheint mir darin zu bestehen, daß der schließlich realisierte Anbau und damit die lange verwendete Lösung eher einen Kompromiß vorstellte. Man scheint zu diesem Zeitpunkt eine Art berliner Modell mit gertrenntem Antilopen- und Elefantenhaus avisiert und dabei eine Lösung angestrebt zu haben, die dem frankfurter Zustand nahe kam: Fortnutzung des Altbaus allein für Dickhäuter durch einen Neubau für Antilopen. Da auch die kölner Rinderallee letztlich berliner Vorbildern geschuldet ist und der nach Berlin gewechselte Direktor vom Rhein aus sicherlich beobachtet wurde, könnte ich mir vorstellen, daß die kölner Kombinationslösung an Platzmangel gescheitert ist. Man hätte im dicht bebauten Bodinuszoo schon Gebäudereihen niederlegen müssen, um den neuen Antilopenbau unterzubringen - bezeichnederweise brauchte es selbst eine Generation später für den Neubau der an Hagenbeck orientierten Anlagen eines Erweiterungsgeländes. An Geldmangel als Ursache für den Kompromiß mag ich nicht recht glauben, wenn ich auf einen Zoo sehe, der sich drei Giraffen, zwei Elefanten und ein Nashorn leisten konnte. (17.11.2008, 10:55)
|
|
Michael Mettler:
|
|
Zusammen mit Oliver Jahn habe ich heute in der Bibliothek der Tierärztlichen Hochschule Hannover die Jahrgänge des "Zoologischen Garten" aus dem 19. Jh. auf der Suche nach allerlei Informationen durchstöbert; viel Stoff für einige unserer Historien-Threads war das Ergebnis. Nebenher fand sich dort auch noch ein von Bodinus geschriebener Kölner Zooführer von 1864 - leider enthielt er keinen Zooplan. Zu diesem Zeitpunkt wurden im "Haus für Giraffen und Antilopen" folgende Arten gehalten: Giraffe, Elenantilope, "Nylghau- oder Pferdeantilope" (der Beschreibung nach eindeutig Nilgau, aber wieder mal ein Warnhinweis darauf, wie einen alte Artbezeichnungen in die Irre führen können) und Dorkasgazelle. Die ebenfalls beschriebene Nordafrikanische Kuhantilope war momentan nicht vorhanden, wurde aber bereits erwartet.
Im ZG fand ich dann noch einen Besuchsbericht von 1874 mit folgenden Tieren für das selbe Haus: zwei Indische Elefanten, ein Nashorn, drei Giraffen (eine acht, die anderen zwei Jahre alt), Burchellzebras, Wildesel (das "Wild-" wird allerdings wegen der ausgesprochenen Zahmheit der Tiere angezweifelt), eine Addaxantilope, einen Gorgon (= Streifengnu), einen Oryxbock, ein Paar "weißstirnige Gazellen" und ein Paar Gnus (= Weißschwanzgnus). Dazu heißt es: "Mit der Erweiterung des Elephantenhauses oder besser durch Beschaffung eines besondern Raumes für diese reizende Thierfamilie dürfte wohl noch eine Vermehrung der Antilopenformen zu erwarten sein." Demnach könnte es damals Überlegungen gegeben haben, das Haus entweder zu erweitern (wie geschehen) oder die Antilopen auszuquartieren.
Pläne des Hauses oder genaue Beschreibungen waren leider nicht zu finden, und bis zu der Zeit, als das Flusspferdgehege entstanden sein muss, sind wir bei der heutigen "Sitzung" noch nicht richtig vorgedrungen. (15.11.2008, 22:27)
|
|
IP66:
|
|
Hannover hat allerdings zumindest im Vergleich mit Köln bei der Errichtung der Elefantenanlage ein wenig Zurückhaltung geübt und ist in der Tat anders strukturiert. Ich persönlich denke, daß es auch im afrikanischen Haustierbereich vom Dromedar bis zum Watussirind für den Besucher attraktive Tiergestalten gibt, die in das Gebäude passen, und wenn man ein Ziegen- oder Schafgehege mit Fütterungsmöglichkeit schafft, könnte das gesamte Gebäude populärer sein, als es heute ist - wobei auch die Variante, nur eine Seite des Hauses diesem Zweck zu widmen und zumindest ein Nashorn zu halten, ihren Reiz hat. (05.11.2008, 19:57)
|
|
Michael Mettler:
|
|
VIELE Großtiere müssen es ja gar nicht sein, nur die in Besucheraugen RICHTIGEN - und an diesem Sortiment hat sich seit Zoogründerzeiten kaum etwas verändert...
Übrigens ist der hannoversche Zoo flächenmäßig kaum größer als der Kölner und hält reichlich Großtiere - wenn auch ohne Parklandschaft. Aber selbst Antwerpen hat trotz kleinerer Fläche, Artenreduzierung, einer Unmenge von Bauhistorie und denkmalgeschützter Parkanlage noch ein recht respektables Sortiment an "Großen". (26.10.2008, 16:01)
|
|
IP66:
|
|
Ob ein vergleichsweise kleiner Innenstadtzoo mit vielen historischen Bauten und Parkstrukturen geeignet ist, viele Großtiere auszustellen, scheint mir zweifelhaft. Daß allerdings die Artenfülle bei den Primaten in jüngerer Zeit abgenommen hat und, wenn ein Teil des historischen Vogelhauses wieder seiner alten Bestimmung zugeführt wird, wohl auch dort nicht wachsen kann, ist offenkundig. (26.10.2008, 15:45)
|
|
Michael Mettler:
|
|
Ich weiß nicht, ob ich das überbewerte, aber das neue und vom Zoo selbst sehr gefeierte Logo des Kölner Zoos enthält neben den Silhouetten von Elefant, Giraffe und Kölner Dom auch die eines afrikanischen Nashorns - dafür bezeichnenderweise keine des bisherigen Spezialgebietes Primaten. Vielleicht ist damit ja das künftige Kölner Dreigestirn des Zoos vorgegeben und die Zukunft der Nashornhaltung gesichert. (26.10.2008, 09:30)
|
|
Michael Mettler:
|
|
Vielleicht ließe sich das Unterbringungsproblem für Spitzmaulnashörner in Köln ganz einfach lösen, wenn man das "Hippoaquarium" umkonzeptionieren und beide Dickhäuterarten dort unterbringen würde - also Nashörner statt Nilkrokodile. Die Nashörner könnten dann eine Innenhalle bekommen, und da man ein transparentes Dach plant, käme dies auch der Hautgesundheit der Tiere zu Gute (in herkömmlichen Ställen werden ja nicht ohne Grund spezielle Solarien für die Rhinos installiert). Man müsste sich lediglich davon verabschieden, das Haus komplett unter das Thema "Biotop Flussufer" zu stellen. Ist aber ohnehin eine Frage der Definition: Ist ein Flusspferd ein Wassertier, das zur Nahrungsaufnahme in die Steppe wandert, oder ein Steppentier, das zum Schutz vor Überhitzung das Wasser aufsucht...? Ansichtssache. Bliebe die Frage, ob die angrenzenden Außenflächen die Einrichtung von Nashornfreianlagen ermöglichen.
Für das alte Elefantenhaus hatte ich meiner Erinnerung nach im Thread "Zoo Köln" schon mal die Idee geäußert, die Giraffenanlage = Savanne bis ans Haus heran zu vergrößern und die andere Hausseite (Sitatungas, alter Elefantenbereich) mit afrikanischen Haustieren zu besetzen (Dromedare, Watussi- oder Dahomerinder, Schafe, Ziegen, Esel) - inklusive Streichelbereich, schließlich ist ja der alte Schaf- und Ziegenbereich auf der anderen Zooseite entfallen. Für diese müsste das Gebäude vermutlich nicht neu isoliert werden, die Luftfeuchte im Haus wäre wahrscheinlich stuckfreundlicher als bei Hippos, und man könnte die mit möglicherweise ökologisch bedenklichen Bahnschwellen verbarrikadierte Längsseite des Hauses in Richtung Giraffen wieder optisch freilegen - darüber würde sich bestimmt auch der Denkmalschutz freuen. Das wäre m.E. eine kostengünstige Weiternutzung des Hauses. (18.10.2008, 13:00)
|
|
IP66:
|
|
Das Poblem des Hauses liegt vor allem in dem mangelhaft isoliertem Dach - das vor wenigen Jahren unter massiver Beseitigung denkmalwerter Substanz neu errichtet worden ist! Hier könnte man einiges tun, und da die Innenwände des Gebäudes nicht dekoriert sind und es ja auch Dämmmaterialien gibt, die ohne die bei der Politik so beliebten massiven Aufdickungen auskommen, halte ich das Gebäude für durchaus heizbar. Allerdings wäre, wenn man den Stuck restauriert, eine geringere Raumtemperatur und vor allem weniger Luftfeuchtigkeit wünschenswert. (18.10.2008, 11:11)
|
|
nurmichael:
|
|
@ Michael Mettler, das wollte ich den Kölnern auch nicht unterstellen. Mir fällt bei Ihrem Gedanken allerdings ein, dass es auch in Namibia Nashörner gibt, wenn auch die Unterart d.b. minor. Zumindest die kommt also auch mit geringen Temperaturen zurecht. (17.10.2008, 21:42)
|
|
Michael Mettler:
|
|
@nurmichael: Auch das hatten wir schon mal; mit weniger wärmebedürftigen Bewohnern wie z.B. Wüstenhuftieren könnte das Haus vermutlich Energie sparend als Tierhaus weiterbetrieben werden. Die Punkte 1. und 2. wären damit erfüllt, bei der Wahl von afrikanischen Arten zusätzlich sogar der Geo-Faktor. Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich befürworte JEDEN Zuchtstandort für Spitzmaulnashörner und somit auch Köln, aber vielleicht muss man sich aus nicht-zoologischen Gründen von der Haltung im alten Haus gedanklich lösen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Zoo - gerade dieser Zoo! - die Haltung aus purer Gedankenlosigkeit am langen Arm verhungern lässt. (17.10.2008, 21:30)
|
|
nurmichael:
|
|
Meine Überlegungen basierten auf denGedanken: 1. das Haus existiert, 2. es steht unter Denkmalschutz und 3. es ist für die Haltung von Nashörnern geeignet. Die Sache mit der Energieschleuder ist ein gewichtiges Argument verpufft aber, wenn das mit dem Denkmalschutz stimmt und es daher erhalten werden muss. (17.10.2008, 21:09)
|
|
Michael Mettler:
|
|
@nurmichael: Wir hatten das Thema schon mal - das Haus soll eine enorme Energieschleuder sein. Angesichts dieses rapide steigenden Kostenfaktors wäre ein Neubau für Nashörner vielleicht sogar billiger. Und selbst wenn: Für die Flusspferd-Nachnutzung würde es sich eigentlich anbieten, wieder auf Panzernashörner umzusatteln, welche im Gegensatz zu Spitzmaulnashörnern die Wasserbecken weiterhin nutzen könnten (aber zugegebenermaßen nicht zum benachbarten Afrika-Parkteil passen würden...).
Vielleicht wäre es für eine Fortführung der Spitzmaulnashornhaltung einen Gedanken wert, die jetzigen Anlagen für Moschusochsen und Bisons umzurüsten; in ersterer wurden immerhin schon mal einige Jahre lang Breitmaulnashörner gehalten, die Stallungen sollten doch also mindestens in punkto Stabilität und Fläche ausreichend sein. Frage ist, wie es dort mit der Energiefrage aussähe. (17.10.2008, 20:59)
|
|
nurmichael:
|
|
Wenn ich denn mal einen Vorschlag machen darf: Das alte Elefantenhaus blickt ja durchaus auf eine Stolze Vergangenheit zurück und ich meine weiter unten im thread mal was über Denkmalschutz gelesen zu haben. Wenn ich das in den Zoo Köln soaps richtig gesehen habe, waren auch die Innenstallungen der bisherigen Nashörner nicht kleiner als in Berlin z.B.. Den Eindruck hatte ich auch von den Außengehegen. Bei der bevorstehenden Ausquartierung der Hippos ständen deren Stallplätze (Innenstall & Tauchbecken, dann verfüllt) für jeweils ein weiteres Nashorn zur Verfügung. Auch die Hippoaußenanlage ließe sich entsprechend umnutzen. Bei wohlwollender Planung ließe sich in Köln also durchaus eine Spitzmaulnashornzucht im alten Elefantenhaus etablieren. (17.10.2008, 20:21)
|
|
IP66:
|
|
Die offizielle Position heißt Entvölkerung und Umgestaltung - zu was auch immer, wobei hier von einer Afrika-Savanne, dort von einem Zoorestaurant geredet wird. Letzteres ist Unsinn, da man das vorhandene Restaurant in der Nachbarschaft weiter betreibt, ersteres hielte ich auch für fatal. Allerdings wird für Flußpferde und Sitatungas ja neu gebaut, und die Abgabe des Nashorns hat man auch schon angekündigt. (16.10.2008, 10:42)
|
|
nurmichael:
|
|
Mit dem Hinweis auf andere Halter für Spitzmaulnashörner macht man es sich recht leicht, die gibt es nämlich kaum noch. Vor allem aber wird ein Zoo den selbst gestellten (Naturschutz-) Zielen mit der Abschiebung einer hochbedrohten Tierart nicht gerecht. @ IP66, trotz ihrer beeindruckenden Auflistung Kölner Bauvorhaben, weiß ich nach wie vor nicht, was mit dem alten Elefantenhaus werden soll. (15.10.2008, 18:21)
|
|
IP66:
|
|
Man möchte gemäß den angebrachten Schildern die Seelöwen in die Eisbärenanlage verlagern. Ob man am Seelöwenfelsen eine fünfte Baustelle aufmachen möchte oder dessen Beseitigung plant, weiß ich nicht. (15.10.2008, 11:13)
|
|
Dennis Ismer:
|
|
Das Papageienhaus wurde mit den Affen besetzt, die wegen der Renovierung des Südamerikahauses ihre Käfige räumen mussten. Manche sollen wohl auch nach der Fertigstellung dort bleiben ( da bin ich mir aber nicht ganz sicher ). (14.10.2008, 15:36)
|
|
Mirko Schmidkunz:
|
|
Ist eigentlich das Papageienhaus schon besetzt worden? Welche Arten sollen dort gezeigt werden? (14.10.2008, 15:15)
|
|
Anna Lena Stephan:
|
|
Was kommt denn jetzt in die sanierte Eisbärenanlage? (14.10.2008, 14:47)
|
|
IP66:
|
|
Derzeit kämpft man mit in Köln vier Baustellen: Neues Bartaffenhaus, Flußpferdhaus und Sanierung der Eisbärenanlage, sowie der Renovierung des Südamerikahauses. Dadurch dürften die finanziellen Mittel für Neubauten dergestalt eingeschränkt sein, daß zumindest in den nächsten Jahren Nashörner nur dort gehalten werden können, wo man das schon immer getan hat, oder man auf diese Form verzichten muß. (14.10.2008, 11:52)
|
|
nurmichael:
|
|
Wie soll es mit der Haltung von Spitzmaulnashörnern in Köln weitergehen? Ist im alten Elefantenhaus oder anderswo im Zoo ein Um-/Neubau von Innenanlagen geplant oder war die Abgabe von Tisa der Beginn des Endes der Haltung dieser Art? (13.10.2008, 20:59)
|
|
IP66:
|
|
1893 wäre für das Becken sicherlich ein akzeptables Datum, 1890 ginge natürlich auch, aber wenn wir es noch weiter nach vorn schieben, müßten wir den sehr avantgardistischen Stil der Beckenform erklären - das Problem habe ich unter ja schon einmal beschrieben.
Ein zweiter Punkt ist aber ebenfalls interessant: Große Kostbarkeiten wie die Pferdeantilope stellte man anch wie vor in dem mit Dickhäutern und Giraffen durchaus gut besetzten Haus aus! (13.10.2008, 18:54)
|
|
Michael Mettler:
|
|
@MA: Ja, das ist das 1890 eingetroffene Tier. Die Herkunft des Bullen kenne ich nicht, beide Tiere kamen aber zusammen über den Tierhändler Reiche nach Köln. (13.10.2008, 17:03)
|
|
Michael Amend:
|
|
Der fragliche ZF nennt ein weibliches Flußpferd, geb. Anfang 1890 in Antwerpen. (13.10.2008, 16:47)
|
|
Michael Mettler:
|
|
Eine weitere kleine Hilfe: 1884 erhielt der Kölner Zoo als besondere Kostbarkeit eine Pferdeantilope, die weiter unten im Thread schon mal als Bewohnerin des Hauses dokumentiert wurde. Zwar kenne ich das Todesdatum nicht, aber 1893 muss sie noch vorhanden gewesen sein: Im selben Jahr erhielt der Zoo Hannover eine Pferdeantilope und wies darauf hin, dass es dieses seltene Tier sonst nur in Köln zu sehen gebe. In der von Michael Amend genannten Artenliste des Plans fehlt die Pferdeantilope, somit dürfte er frühestens 1893 (falls das Tier zeitig im Jahr gestorben war) erschienen sein. (13.10.2008, 15:50)
|
|
Michael Mettler:
|
|
Laut Kölner Archiv kam das erste Flusspferdpaar am 2.9.1890 im Zoo an, der Bulle starb jedoch bereits am 11.10.1890. Ein neuer Bulle kam erst 1900, wobei ich den Monat nicht weiß (Datum unleserlich). Der Zooführer kann also frühestens im Oktober 1890 erschienen sein. (13.10.2008, 15:18)
|
|
IP66:
|
|
Das wäre der Terminus ante für die Flußpferdumsiedlung - wenn wir nur genau wüßten, wann der Zooführer erschienen ist. Dann hätten wir auch den Terminus ante für eine Verlagerung der Giraffen aus dem Anbau - wobei man sich ja nicht ganz sicher sein kann, daß sie nicht doch zwischenzeitlich in einem der Seitengehege untergebracht waren. (13.10.2008, 14:26)
|
 |
Michael Amend:
|
|
Anbei ein Scan eiens Teilauschnittes aus dem Plan des 1890iger Führers,demnach ist das Flußpferd,der Führer spricht von einem Tier,schon im neuen Becken untergebracht. (12.10.2008, 16:40)
|
|
IP66:
|
|
Sagt der Zooführer von 1890 denn etwas zum Standort der Flußpferde - schon im neuen Becken oder auf einer der Anlagen an den Seiten des Anbaus? Die Giraffenhaltung auf der "Vgelhausseite" des Gebäudes dürfte spätestens mit der Errichtung des Flußpferdbeckens notwendig geworden sein. Es wäre möglich, daß schon vor dem Anbau die Anlage entsprechend genutzt wurde, allerdings scheint es, wie Herrn Mettlers von im "zoologischen Garten" belegt, eine Unterbrechung gegeben zu haben. (12.10.2008, 15:17)
|
|
Michael Amend:
|
|
Die Arbeit kann ich mir sparen, sämtliche Informatioen diesbezüglich gibt es hier schon ! (10.10.2008, 17:48)
|
|
Michael Amend:
|
|
Zum Besatz des Elefantenhauses forste ich mal meine alten Kölner Zooführer durch, damit das Altpapier auch mal für etwas gut ist, stimmt's ?
Ich fange mit meinem ältesten an, den ich auf 1890 datiert habe. Im Plan sind 9 Ausläufe eingezeichnet, der Besatz umfasst 10 Arten :
Indischer Elefant
Panzernashorn
Flußpferd ( 0,1, geb. 31.01.1890 in Antwerpen )
Flachlandtapir
Burchell-Zebra
Nördliche Kuhantilope
Beisa
Säbelantilope
Kronenducker in Gemeinschaftshaltung mit Kleinkantschil. (10.10.2008, 17:44)
|
|
Michael Amend:
|
|
Leider finde ich keine technische Erklärung, warum einige meiner Scans, die auf meinem Pc einwandfrei sind, hier undeutlich wiedergegeben werden. (10.10.2008, 17:36)
|
 |
Michael Amend:
|
|
Ich habe eine AK in meinem Bestand, die bei der Klärung, wo die Kölner Giraffen standen, weiterhelfen kann. (10.10.2008, 17:34)
|
|
Michael Mettler:
|
|
...nicht zu vergessen die ebenfalls winters im Haus eingesperrten "Land-Dickhäuter"! (08.10.2008, 16:47)
|
|
IP66:
|
|
Die Idee kann ich gut nachvollziehen. Ich frage mich allerdings, ob zum Zeitpunkt des Einzugs der Flußpferde noch viele Antilopen im Haus standen, da ja die Zahl der Außengehege viel kleiner war als in Berlin oder Hannover. Insofern scheint sich mir der Luftfeuchtigkeitsnutzen eher auf die Tiere ausgewirkt zu haben, deren Käfige sich im Winter in der Halle stapelten, weil sie im Sommer in ungeheizten Außenkäfigen ausgestellt wurden. (08.10.2008, 14:38)
|
|
Michael Mettler:
|
|
Nachdem ich nun gerade einen Artikel des damaligen Frankfurter Zoodirektors Max Schmidt über die Überwinterung von Zootieren im 19. Jh. gelesen habe (siehe auch Beiträge im Frankfurt-Thread), frage ich mich, ob man in Köln mit der Aufnahme von Flusspferden ins Haus nicht sogar zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen wollte. Eine davon war - wie schon vermutet - vielleicht die große Attraktivität, da zeitweise keine Giraffen verfügbar waren, die andere eine bessere Klimatisierung des Hauses im Winter. Schmidt erwähnte nämlich, dass die damals verfügbaren Öfen eine der Gesundheit der Tiere eher abträgliche Luft verursachten und er sich deshalb bemühte, möglichst viele Tiere in Frankfurt kalt oder zumindest kühl zu überwintern. Gerade Antilopen bezeichnete er als besonders empfindlich hinsichtlich des Ofenklimas. Nun waren diese in Köln zusammen mit den Dickhäutern untergebracht, und ich könnte mir vorstellen, dass ein beheiztes Flusspferd-Innenbecken (kann mir jedenfalls kaum vorstellen, dass man es ungeheizt ließ) den angenehmen Nebeneffekt hatte, durch Verdunstung die Raumluft für die empfindlichen Wiederkäuer erträglicher zu gestalten. Schließlich baute man Verdunstungsbecken aus genau diesem Grund andernorts für andere empfindliche Tiere in die Häuser ein, z.B. in Hannover für Affen. (07.10.2008, 15:29)
|
|
IP66:
|
|
Es ist überhaupt bemerkenswert, was Bodinus in der preußischen Hauptstadt noch vor der Reichsgründung bewirken konnte: Er beschaffte nicht nur teure und seltene Tiere, sondern krempelte auch die noch auf Schinkel eingenordete Architekturszene um, organisierte den Landschaftsgarten neu - und daß in einer Stadt mit einem äußerst konservativen Hof und einem nur wenig wohlhabenden und kaum mit den Lebensstandards der westlichen Metropolen vertrauten Bürgertum. Aber das war noch nicht alles - in seiner Elefantenpagode hielt er, wenn ich es recht übersehe, fünf Nashorn-Boxen für die damals kostspieligsten Vertreter des Tierreichs vor! (07.10.2008, 14:45)
|
|
Michael Mettler:
|
|
@IP66: Da ich auch einen zeitgenössischen Artikel über die Umsiedlung von Tieren ins neu errichtete Berliner Antilopenhaus im "ZG" gefunden habe, kann ich nun auch deine Frage vom 22.1.2007 in diesem Thread beantworten: Ja, Bodinus konnte Giraffen beschaffen. Im Erstbesatz des Hauses hatte er drei Stück.
In den alten "ZG" könnte es natürlich auch Berichte aus Köln aus jenen Jahren geben, in denen die Flusspferde angeschafft worden (1890) und ihr Becken errichtet wurde (Jahr?). Leider habe ich hier nur fünf Jahrgänge, die weit davor enden (1879). (07.10.2008, 12:03)
|
|
IP66:
|
|
Man darf nicht vergessen, daß das heutige Dach sich nicht auf der Höhe der historischen Decken befindet - und daß der Anbau nur geringfügig niedriger ist als der ältere Bauabschnitt, auch wenn das von außen, vor allem beim Blick von der Elefantenwiese her, aufgrund der Wandgliederungen anders scheint. Lange wird man die Giraffen dort nicht gehalten zu haben, schon in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg standen sie wieder in jender Ecke, die heute die Sitatunga-Antilopen beherbergt. Die Notiz ist aber insofern interessant, als sie nahe legt, daß der Anbau zunächst keine Flußpferde beherbergte, die man als Sensation ja im Jahresbericht besonders hervorgehoben hätte. Das wiederum ist die erste Quellennotiz, die meine stilistischen Überlegungen bestätigt, die eine Entstehung des heutigen Flußpferdbeckens um 1900 nahelegen. Und da stilistische Eindordnungen, vor allem, wenn es um wenige Jahrzehnte geht, immer ein Risiko bergen, bringt uns, so will mir scheinen, diese Notiz im Verständnis des Hauses ein gutes Stück weiter. (07.10.2008, 09:55)
|
|
Michael Mettler:
|
|
Habe den Thread noch einmal von Anfang an gelesen und festgestellt, dass ich genau den besagten Satz schon mal zitiert hatte... Sorry, das wusste ich nicht mehr. Aber im Gegensatz zu damals stammt er diesmal aus der Originalquelle, die IP66 seinerzeit vermisste, und die gibt leider auch nicht mehr über die Situation her. Außer, dass im selben Jahr eine Giraffe nach zehnjähriger Haltung starb, was zumindest als Beleg für die Haltung ERWACHSENER Giraffen im Haus gewertet werden kann, für die hohe Stallräume unabdinglich sind. Der Text sagt aber nichts darüber aus, ob die Giraffe im alten Hausteil oder im neuen Anbau zu Tode kam. (07.10.2008, 09:47)
|
|
Anna Lena Stephan:
|
|
Der neue Teil ist im Endeffekt, glaube ich, nicht viel niedriger (ist doch dort, wo die Flusspferde sind, oder?). Das Bodenniveau ist teilweise tiefer.
Trotzdem interessant, dass man nicht von vorneherein dann den neuen Teil höher gebaut hat, denn eine Giraffe kann ich mir von der Höhe im ganzen Haus nicht vorstellen. (07.10.2008, 08:35)
|
|
Michael Mettler:
|
|
Im "Zoologischen Garten" (Alte Folge), Bd. 16 von 1875 fand ich vorhin einen Jahresbericht des Kölner Zoos für 1874 und darin folgenden Satz: "Durch die Vergrößerung des Elefantenhauses, welches seit einigen Tagen vollendet ist, bieten sich uns, nachdem die Elefanten, Giraffen und das Rhinozeros in den neuen Anbau hinüber gebracht worden sind, mehrere schöne Räume zum Unterbringen einiger interessanter Antilopenarten dar." Man brachte also die Giraffen als höchste Tiere des Hauses vom höheren alten Gebäudeteil in den niedrigeren neuen! (06.10.2008, 23:13)
|
|
IP66:
|
|
In dem frischen Heft der Zeitschrift des kölner Zoos ist auf S. 108 eine Postkarte abgebildet, die einige hier gestellte Fragen beantworten kann. Es handelt sich um ein nachkoloriertes Exemplar der nicht allerschlechtesten Qualität, das man nicht datiert hat, daß aber eher vor als nach dem ersten Weltkrieg anzusetzen ist. Zum einen gibt es ein Oberlicht über dem Erweiterungsteil, an das ich mich nicht mehr erinnern kann und da, was vielleicht die Datierung erleichtert, keinen maurischen Dekor zeigt. Zum zweiten ist die Eckanlage mit zwei Giraffen besetzt, der linke Bogen ist geöffnet, und und zwar einschließlich Oberlicht, das allerdings auch der Kolorierung zum Opfer gefallen sein kann. Demnach hätten die Giraffen den heutigen Sitatunga-Stall bewohnt. Die Anlagenaufteilung wäre die der Nachkriegszeit, denn es folgt ein niedriger umgittertes Gehege, in dem man kein Tier sieht, das aber, wenn die Kolorierung der Bogennischen stimmt, zwei Zugänge zum Innenraum hatte und demgemäß auch geteilt gewesen sein könnte, und schließlich eine entsprechend abgegrenzte Elefantenanlage mit zwei Tieren, dessen größeres dem Habitus nach als Afrikaner interpretiert werden könnte. Anscheinend war es also trotz der niedrigen Toröffnungen möglich, in dem Haus Giraffen zu halten, und die Bogenfelder waren nicht alle so verglast, wie das der ältere Stahlstich der Frontseite des Ursprungsbaus zeigte.
(21.10.2007, 20:00)
|
|
IP66:
|
|
Den entsprechenden Zooführer hatte ich schon einmal in der Hand. An einen Wintergarten glaube ich nicht, davon hätte etwas im Text gestanden. Ein geplanter Erweiterungsbau ist von den Proportionen her sehr unwahrscheinlich. Unmöglich ist das aber nicht, zumal wenn die Idee der Erweiterung erst während der Errichtung des Ursprungsbaus entstand. Allerdings kann man in einem geplanten Gebäude keine real existierenden Giraffen halten. In Sachen Archiv bin ich skeptisch, wir müssen ja nicht nur bis 1890, sondern bis vor 1865 zurück, und da gibt es selbst im besser überlieferten Berlin kaum Material. (02.07.2007, 11:55)
|
|
Michael Mettler:
|
|
@IP66: Da es anhand der Unterlagen im Kölner Archiv möglich war, die Flusspferde bis 1890 rückwärts nachzuvollziehen, stünden die Chancen für Giraffen wahrscheinlich auch nicht schlecht.
Was die damalige Unterbringung betrifft: Das Buch von Häßlin und Nogge enthält doch ganz hinten ein ausfaltbares Blatt mit Zooplänen verschiedener Epochen, u.a. einen von 1864. Auf diesem ist das Antilopenhaus im Grundriss noch nahezu quadratisch, aber an seiner Rückseite befindet sich ein etwa 2/2 so großer, im Gegensatz zu allen anderen Bauten hell schraffiert eingezeichneter Gebäudeteil, zu dem das größte Außengehege des Hauses gehört. Das könnte eine geplante Erweiterung des Antilopenhauses symbolisieren, aber vielleicht auch einen temporären Bau, eine Art Sommerstall? Oder etwa gar einen "Wintergarten" für die kostbaren Tiere, war man doch damals noch nicht sonderlich geneigt, Tropenbewohner in unseren Wintern in Außenanlagen zu lassen? (01.07.2007, 17:46)
|
|
IP66:
|
|
Im Antwerpenthread wurde jetzt der Nachweis geführt, daß die Giraffen im dortigen ägyptischen Tempel schon immer an der Rückseite untergebracht waren. Damit wird der Fall in Köln ein wenig mysteriös: Am heutigen Bau ist ja kein für Giraffen geeigneter Engang erkennbar, die dem Eingang gegenüberliegende Schmalseiter aber durch den Anbau der Dickhäutererweiterung vernichtet. Insofern ist es möglich, daß dort etwas für Giraffen gestaltet war, von dem wir aber nicht wissen, wie es aussah, und diese Fassade, vielleicht sogar deshalb, weil keine Giraffen zu bekommen waren, zugunsten des Dickhäuteranbaus beseitigt wurde. Ich halte es für wenig wahrscheinlich, daß diese Fassade, die ja auch nicht lange existiert hat, irgendwo überliefert ist. Wobei es jetzt unter mehreren Aspakten interessant wäre, die Giraffenhaltung in Köln zu rekonstruieren, vor allem in der Frühzeit. Aber wie macht man das? Gibt es entsprechende Literatur? Häßlin/Nogge sind zu diesem Thema ja unergiebig? Am ehesten scheinen noch die alten Zooführer interessant zu sein, und es handelt sich hier ja um ein Zoosammlerforum, wo vielleicht ein solcher vor 1880 bereitstehen könnte. (01.07.2007, 17:13)
|
|
Michael Mettler:
|
|
Die ältesten mit genauem Datum versehenen Giraffenfotos der famosen "beeldbank" auf der Antwerpen-HP sind von 1937 bzw. 1938:
http://www.zooantwerpen.be/nl/park/fs_park.asp?ID=170
Zumindest seit dieser Zeit haben die Giraffen also ihren Platz an der Rückseite des Tempels. (28.06.2007, 16:54)
|
|
IP66:
|
|
Das eben ist die Frage! Ich wäre sehr vorsichtig, die heutige Artenverteilung für die der Vergangenheit zu halten, zumal das Haus ja auch Dickhäuter beherbergte, die ebenfalls achsial ausgestellt worden sein könnten. Wichtig ist, daß der antwerpener Bau von Anfang an als Galerie konzipiert war - das ergab sich zum einen auf dem gewählten Vorbild des ägyptischen Tempels, war aber auch, wenn man etwa die entsprechenden Säle des neuen Museums in Berlin als Vorbild vergleicht, eine bewußte Entscheidung - für die Tiergalerie und gegen den Zentralbau. Ich bin bisher davon ausgegangen, daß das kölner Haus ein Nachfolgebau des antwerpener Vorbildes in einem anderen, für einen Aktionärszoo im dem preußischen Landesherren nur bedingt ergebenen Köln besser geeigneten Stil gewesen ist. In beiden Fällen standen hinreichend Stichwerke und Vorbildbauten zur Verfügung, um den Stil den Erfordernissen anzupassen. Wenn jedoch Bodinus vom Galerietyp des antwerpener Vorbildes abgewichen ist und auch noch auf das achsiale Herausstellen einer so eindrucksvollen wie seltenen Tierart wie den Giraffen verichtet hat - Felten war sicher nicht der Architekt, der dergleichen innovativ ersonnen hätte - stellt sich die Frage, wo ein solcher Tiersalon mit einem derartig großen Besucherraum vorhanden gewesen sein könnte - in Paris oder London habe ich nichts passendes gefunden, selbst Museumsräume kommen kaum in Frage, und es bleiben eigentlich nur Kursale wie in Brighton oder Wildbad resp. die Wilhelma-Bauten in Württemberg. Ich will nicht ausschließen, daß ich die Form des Besucherraumes überbewerte, und es mag auch sein, daß wir in der Giraffenfrage einfach zu wenig wissen, muß aber zu bedenken geben, daß die Verbindungen zwischen Köln und Antwerpen sich langsam in Luft auflösen, wenn das tertium comperationis sich Tierbesatz und Exotismus im Allgemeinen beschränkt.
Allerdings läßt sich vor dem Hintergrund eines wenig praktikablen und vom Architekten auch einigermaßen ideenlos realisierten Bau die Genese der Idee des berliner Antilopenhauses besser erklären. (28.06.2007, 14:47)
|
|
Michael Mettler:
|
|
@IP66: Gestanden HABEN? Hat Antwerpen keine Giraffen mehr? Ist zwar schon wieder zehn Jahre her, dass ich dort war, aber meiner Erinnerung nach müssten sich die Giraffen an der dem "Tempeleingang" gegenüber befindlichen Schmalseite des Hauses befunden haben. Die rechte Längsseite gehörte den Elefanten, die linke Arabischen Oryx und Straußen (dort befanden sich früher kleine Gitterausläufe, die ich noch aus den 80ern kenne). Allerdings weiß ich nicht, ob die hohen Giraffen-Stalltore noch den Originalzustand des Hauses wiedergeben oder die Langhälse früher doch an anderer Stelle im Haus untergebracht waren. (28.06.2007, 14:05)
|
|
IP66:
|
|
Ein Detail von Interesse ist mir bei einem jüngeren Besuch in Köln noch aufgefallen, daß hier nicht diskutiert wurde - vielleicht, weil es zu offensichtlich ist: Im ersten Bauzustand war der Innenraum des Gebäudes nahezu quadratisch, auch wenn die dem Haupteingang gegenübergelegenen Ställe etwas tiefer angelegt worden sein können als die der Längsseiten. Das ganze hätte also nicht ausgesehen wie eine Galerie, sondern eher wie ein maurischer Salon, ein relativ geräumiger und gut beleuchteter Saal, an dessen Wänden sich die Tierboxen reihten. Das macht die Frage nach den Giraffen noch etwas interessanter, da es, im Gegensatz zu den Nachfolgebauten, keine hervorgehobene Giraffenbox gegeben haben kann. Ich frage mich momentan, wo die Giraffen in ANtwerpen im ägyptischen Tempel gestanden haben, zumal sie dort auch am Protikus auftauchen, unter jenen Tieren, die man Pharao König Leopold II. darbringt. (28.06.2007, 12:11)
|
|
IP66:
|
|
Es wäre einmal interessant, das Original der von Herrn Nogge angeführten Jahresberichtsnotiz einzusehen. Ich habe mir heute den Anbau noch einmal angeschaut: Eine Giraffenhaltung dort scheint mir unsinnig: Zwar sind die Portale alle gleich hoch und damit in gleider Weise für Giraffen zu niedrig, insbesondere, wenn man sie mit Berlin oder Leipzig vergleicht. Zum zweiten ist aber auch der Anbau um mehr als einen Meter niedriger als der Altbau, und daß ohne alle Not und vor allem in den Ställen. Ein zweites Argument wäre der Einbau niedriger Portale: Wenn man denn Giraffenhaltung vorgesehen hätte, dann wäre es ein leichtes gewesen, höhere Portale einzubauen, während man im Altbau ja schon einen Teil des Gebäudes für Giraffenzwecke nutzte und weiternutzen konnte mit provisorisch erhöhten oder eben nach wie vor niedrigen, aber für die Giraffen irgendwie durchschreitbaren Portalen. Ich bin mir bewußt, daß meine Argumentationin Widerspruch zu der von Nogge zitierten Notiz steht, mir scheinen die baulichen Argumente dennoch deutlich.
Bauliche Ansatzpunkte für Flußpferdställe hinter dem Becken habe ich nicht entdecken können, man sollte es sich aber noch einmal ohne Wasser anschauen, um eventuelle Indizien am Beckenboden entdecken zu können. Das Dach ist vollständig erneuert, die Wand in den 80er Jahren neu gefliest worden. Auf das fehlende Stück Rundbogenfries habe ich hingewiesen, mir will sich aber kein Zusammenhang mit den von ihnen vermuteten Baumaßnahmen erschließen. Theoretisch wäre es natürlich möglich, an einer der Hausseiten einen Stall mit Flußpferdbecken in frankfurter oder wuppertaler Größe einzubauen. Mir scheint dies nach wie vor nachvollziehbar, zumal die Umbauphase für die Flußpferde ja eine Generation nach der ersten Flußpferdhaltung anzusetzen ist, also nicht funkelnagelneue Baumaßnahmen abgerissen werden mußten. Letztlich stehen und fallen aber alle Überlegungen mit der Frage, ob im Anbau Giraffenhaltung möglich gewesen ist oder nicht. Die Jahresberichtsnotiz spricht, wenn auch etwas pauschal, dafür, der Bau dagegen. (09.02.2007, 18:05)
|
|
Michael Mettler:
|
|
Wo wurden eigentlich in Köln Giraffen gehalten, bevor das heutige Haus gebaut wurde? Wieder im Hauptteil des Elefantenhauses, nachdem der Anbau ja ab Anschaffung der Flusspferde komplett durch Dickhäuter blockiert war? Oder gab es über viele Jahrzehnte hinweg gar keine Giraffen in Köln?
In den Jahresberichten aus der Zeit, in der das alte Elefantenhaus renoviert wurde (1981-84), ist übrigens erwähnt, dass erst bei dieser Gelegenheit der Pflegerweg rechts neben dem Flusspferd-Außengehege angelegt wurde. Ebenfalls bei dieser Gelegenheit wurde durch Umbaumaßnahmen innen ermöglicht, dass die Elefanten das Flusspferd-Innenbecken zum Baden nutzen konnten. Leider ist nicht beschrieben, ob sich die Maßnahmen auf eine Zugangstür beschränkten oder das ganze Becken in diesem Zusammenhang verändert wurde. (07.02.2007, 15:26)
|
|
Carsten:
|
|
Im Jahresbericht 2002 steht ähnliches, 1865 kam der erste Elefant nach Köln und lebte fast 10 Jahre in einem Provisorium (enge Wohnung), bis das Giraffen- und Antilopenhaus einen Anbau zur Aufnahme von Elefanten erhielt. (07.02.2007, 13:37)
|
|
Michael Mettler:
|
|
Im Artikel "Elefanten in Köln" von Prof. Nogge, Heft 3/2004 der "Zeitschrift des Kölner Zoo" wird aus einem Jahresbericht für 1874 zitiert: "Durch die Vergrößerung des Elephantenhauses, welches seit einigen Tagen vollendet ist, bieten sich uns, nachdem die Elephanten, Giraffen und das Rhinoceros in den neuen Anbau hinübergebracht worden sind, mehrere schöne Räume zum Unterbringen einiger interessanter Antilopen-Arten dar." Kurioserweise wurde also ausgerechnet die höchsten Tiere (Giraffen) in den niedrigeren Anbau umgesiedelt. Das gibt der Vermutung neue Nahrung, dass der spätere Giraffenmangel zur Anschaffung der Flusspferde geführt haben könnte, und dass das heutige Flusspferdgehege ursprünglich ein Giraffengehege war (und damit die unten angesprochene Panoramawirkung erzielt wurde).
Im selben Artikel findet sich auch ein undatiertes Foto eines Elefanten-Außengeheges mit massiver Gitterumfriedung (gab es laut Text bis 1959), und dabei kann es sich nach der Perspektive nur um das linke äußere Gehege des Anbaues handeln - jenes also, in dem auf den alten Plänen das kleine rechteckige Badebecken zu sehen ist. Im Gehege stehen ein ausgewachsener Asiate und ein junger Afrikaner, die Arten wurden also zumindest zu diesem Zeitpunkt nicht getrennt gehalten. Obwohl es nicht ganz deutlich erkennbar ist, scheint aber wirklich nur ein einziges Stalltor in den Auslauf zu führen, das an der abgeschrägten Hausecke befindliche (heute Flusspferd-Tor) scheint sich außerhalb des rückwärtigen Zaunes zu befinden. Falls man die Umzäunung nicht im Laufe der Jahrzehnte verändert hatte, würde das Foto dafür sprechen, dass das zur Zoomitte weisende Außengehege seit jeher für die Elefantenhaltung gedacht war und folglich das zur heutigen Giraffenanlage weisende für die Nashornhaltung. Letzteres ist dann wohl in den "Nashorn-Pausen" für andere Tiere genutzt worden. (07.02.2007, 13:08)
|
|
Michael Mettler:
|
|
Wenn das auf den alten Plänen erkennbare, kleine rechteckige Becken im linken äußeren Gehege des Anbaues ein Indiz dafür sein sollte, dass die Flusspferde zuerst dort untergebracht waren, müsste es aber auch auf dieser Seite des Hauses ein Innenbecken gegeben haben, das dann erst nachträglich zu einer Stallfläche umgebaut worden sein müsste. Denn es ist nun mal belegt, dass die Flusspferde ab 1890 im Zoo waren (und die überlebende Kuh spätestens ab Anfang 1894 ein voll ausgewachsenes Tier war). Eine reine Landhaltung innen kann ich mir nicht vorstellen, da das Tier in Winter bestimmt nicht ins Außengehege gelassen wurde.
Hätte die Flusspferdkuh in den ersten zehn Jahren die Seiten-Außenanlage bewohnt, aber ein zentral (wie heute) gelegenes Innenbecken, dann hätte man sie wie auch ihre Gehegenachbarn ständig "über Kreuz" aufstallen und rauslassen müssen. Und dann hätte es hinter dem zentralen Innenbecken mindestens einen Stallgang geben müssen, um die heute zugemauerten Tore der Stirnseite für die dortige Gehegebewohner überhaupt nutzen zu können.
Zur notwendigen Größe einer Stallfläche hinter dem Becken: Ob ein Flusspferd im Wasser liegt oder an Land steht, macht für die benötigte Fläche keinen nennenswerten Unterschied - außer der für die Verabreichung des Futters benötigten Fläche an Land. Heute können sich vier Flusspferde in Becken aufhalten und umeinander herum bewegen, also hätte es genausogut auch je zwei "Planstellen" an Land und im Wasser geben können. (06.02.2007, 19:31)
|
|
IP66:
|
|
Das mit dem Besatz stimmt nicht ganz, weil man ja auch wissen müßte, was im Antilopen- und Giraffenteil untergebracht war.
Ihre Theorie bezüglich der Anbautüren ist interessant, allerdings muß man die Entstehungszeiträume beachten: Die Portale sind eine Generation älter als das Außenbecken, wenn, hat man dieses auf die Portale ausgerichtet. Es könnte natürlich sein, daß man das Becken zwischen 1900 und 1908 gebaut hat, als es keine Nashörner mehr gab, und die Anlage bis dahin geteilt war, weil man Platz für (wie viele?) Elefanten, ein Nashorn und zwei Flußpferde brauchte. Das war auch eine gute Gelegenheit, daß ja für die Jahrhundertwende etwas mickrige Haus durch eine neue Außenanlage aufzuwerten. 1908 hat man aber wieder ein Nashorn angeschafft. Ich halte es aber für durchaus denkbar, daß man zwei oder drei Elefanten auf einer Hausseite untergebracht hat - das war ja nach dem Krieg nicht anders, auf der Giraffenhaus seite sogar in Gehegen mit Gräben, in denen die Lauffläche vielleicht sogar ein wenig knapper bemessen war als um 1900.
Ich kenne kaum historische Flußpferdinnenbecken vor 1918 aus eigener Anschauung. Köln ist sehr groß und paßt, wie weiter unten erläutert, auch nicht recht ins architektonische Konzept. Wenn wir aber einen Außenbeckenbau nach 1900 annehmen und davon ausgehen, daß die Flußpferde zuvor auf einer der Seitenanlagen untergebracht waren, ist es ja recht wahrscheinlich, daß man zum großen Außen- auch ein großes Innenbecken gebaut hat. Ich weiß auch nicht, ob die Raumtiefe für ein Becken mit dahinter gelegenen Landboxen (Modell Gelsenkirchen) ausreichen würde. (06.02.2007, 12:22)
|
|
Michael Mettler:
|
|
Bei meinem gestrigen Besuch in Köln habe ich ein paar gezielte Blicke auf den Anbau des Hauses geworfen. Dabei fiel mir auf, dass die beiden Ausstiege des Flusspferd-Außenbeckens genau auf die Stalltüren rechts und links außen fluchten. Ist es eventuell denkbar, dass der hinter dem Becken liegende Landteil ursprünglich als Außenfläche für Elefanten genutzt wurde, um die von IP66 angesprochene Hintergrundwirkung beim Blick über den Teich zu erzielen? Mag vielleicht etwas abwegig klingen, aber in manchen Zoos wurden ja noch bis in die jüngere Zoohistorie Elefanten tagsüber in einem Gehege präsentiert und für die Nacht in einen nicht direkt anschließenden Stall geführt. Beim Kölner Haus wäre es theoretisch möglich, dass Elefanten und Hippos nacheinander das selbe Stalltor nutzen konnten, um dann innen auf die verschiedenen Gelasse aufgeteilt zu werden.
In diesem Zusammenhang wäre auch interessant, ob das Innenbecken der Hippos früher anders geformt war bzw. ob sich hinter ihm womöglich noch eine Landfläche befand. Vielleicht ist es für einen architektonischen Laien wie mich zu einfach gedacht, aber warum sollte das Becken innen geradlinige Formen haben, wenn man außen gleichzeitig (?) eines mit geschwungenen Formen errichtete? Womöglich ist das Innenbecken zwischenzeitlich vergrößert worden, und man wählte die heutige Form, um den Platz bestmöglichen auszunutzen. Wenn heute vier ausgewachsene Hippos in dieses Innenbecken passen, könnte es für nur zwei Tiere seinerzeit erheblich kleiner geplant gewesen sein. Soll heißen, dass die heutigen Flusspferdboxen eventuell auch als Innenkäfige für andere Dickhäuter gedient haben könnten, falls die Hippos auf die jetzige Innenbeckenfläche beschränkt waren/wurden.
Aus einer Tafel im Haus ist übrigens ersichtlich, dass in Köln keineswegs durchgehend Nashörner gehalten wurden. Zwischen dem ersten Tier, dem Panzernashorn Schöne Marie (1872-1900), und dem zweiten, einer Spitzmaulnashornkuh (1908-1923) lagen acht nashornlose Jahre, und bis zum nächsten Tier (Spitzmaulnashornbulle Philipp, 1953-1957) gar dreißig! Wiederum zwölf Jahre dauerte es, bis 1969 mit dem Breitmaulnashornbullen Frankie ein bis heute ununterbrochene Nashornhaltung in Köln (mit drei Arten) begann. Die Flusspferdhaltung war dagegen seit ihrem Beginn 1890 höchstens um wenige Monate unterbrochen, wenn für ein gestorbenes Tier vermutlich nicht sofort Ersatz beschaffbar war. Fehlt also nur noch die Elefantenhistorie, um den Besatz des Hauses um die Jahrhundertwende herum rekonsturieren zu können. (03.02.2007, 11:49)
|
|
IP66:
|
|
Ich denke eher, daß man das Innenbecken in der Achse des Hauses haben wollte, zumal man dort den Stuck nicht gegen Elefantenrüssel sichern mußte und die durch das neue Portal konstituierte Sichtachse so intakt blieb. Es gab aber immer drei Haltungsmöglichkeiten für "Dickhäuter": Die Flußpferdanlage mit zwei Portalen und die beiden Nachbaranlagen mit je einem. In Berlin hielt man ja zumindest zeitweise afrikanische und indische Elefanten getrennt, in Köln halte ich das aber angesichts des sparsamen Anbaus für unwahrscheinlich. Insofern wäre also für Elefanten, Nashorn und Flußpferde hinreichend Platz gewesen, zumal in den wenig anders geschnittenen Außenanlagen der Nachkriegszeit ja auch ig. fünf Elefanten am Leben erhalten werden konnten. Anderenorts war man aber immer bemüht, die Tierhäuser mit entsprechenden Tieren davor als Staffage für Blicke über den angrenzenden Teich zu nutzen, den es auch in Köln gab - und da eignen sich Flußpferde denkbar schlecht. Köln braucht dringend eine zuverlässige Zoogeschichte! Anscheinend ist ja auch mehr Material vorhanden, als Häßlin seinerzeit verarbeitet hat. (29.01.2007, 20:01)
|
|
Michael Mettler:
|
|
@IP66: Nachwuchs kann nicht der Grund für den Umzug gewesen sein - allenfalls GEWÜNSCHTER Nachwuchs. Denn laut Kölner Archiv kam das erste Flusspferdkalb des Zoos erst 1915 zur Welt.
Sollte die Umgestaltung etwas mit dem Wunsch nach Symmetrie zu tun gehabt haben - die Wasserbewohner in der Mitte, flankiert von den Land-Dickhäutern? Der Kölner Ehren-Archivar erzählte mir, dass er auf entsprechende Anfragen hin scon einmal sämtlich in Köln gehaltenen Nashörner und Elefanten aus den alten Unterlagen zusammengesucht hatte (weswegen ich mit meinem Flusspferd-Anliegen offene Türen einrannte, da ihn das Vervollständigen der Dickhäuter reizte). Leider weiß ich nicht, ob die Auflistungen der Elefanten und Nashörner irgendwo publiziert wurden; an ihnen ließe sich vielleicht Einiges nachvollziehen. Zumindest das erste Panzernashorn hat doch m.W. relativ lange im Zoo gelebt? (25.01.2007, 17:57)
|
|
IP66:
|
|
Beim Innenbecken bin ich mir über die Entstehungszeit sehr unsicher. Es muß aber zumindest einen mit dem Außenbecken zeitgleichen Vorgänger gehabt haben. Bis heute zeigt es zwei (!) flache Einstiege, die für eine Zuchtabsicht zeugen - die Frage ist aber, ab wann. das Außenbecken zeigt keinerlei Trennungsmerkmale, es ist von der Ästhetik her auf die große, schwungvolle Rundung ausgelegt und markierte zudem die Prachtanlage auf der Teichseite des Hauses. Eine Anlage von frankfurter oder wuppertaler Ausmaßen könnte man aber auch an einer der Schmalseiten untergebracht haben, zumal dort ja Ihren Angaben nach ein Badebecken verzeichnet war. Ich neige, auch wegen er Gruppierung des Stucks dazu, die Stirnanlage - also die heutige Flußpferdanlage - für die Elefantenanlage zu halten, die um 1900, mit Errichtung des Flußpferdbeckens, umgenutzt wurde, entweder wegen Nachwuchs oder wegen Mangel an Elefanten - da müßte man, so das noch geht, die Bestände durchschauen. Wuppertal hat seine Flußpferdanlage noch eine Generation später mit zwei Tieren besetzt. Die zwei Ausstiege in Köln können auch rein ästhetisch bedingt sein, ich vermute aber, daß das Vorhandensein von zwei Tieren und die Ästhetik sich gleichsam gegenseitig beförderten. (25.01.2007, 17:24)
|
|
Michael Mettler:
|
|
Ich erinnere mich auch daran, dass im Forum von der Abgabe des letzten Zwergflusspferdes berichtet wurde. (23.01.2007, 08:38)
|
|
Mel:
|
|
Das wär schön für das Tier, war leider das letzte mal Sommer 2006 dort. (22.01.2007, 23:46)
|
|
Saya:
|
|
Nee, wenn ich mich richtig erinnere ist das letzte Zwergflußpferd inzwischen glücklicherweise abgegeben. (22.01.2007, 23:40)
|
|
Mel:
|
|
Und da schwimmen sie heute noch, leider. Schade ist kein besonders reizvolles Gehege für die Tiere. (22.01.2007, 23:37)
|
|
Michael Mettler:
|
|
Genau das hatte ich auch im Hinterkopf (zu einer anderen Zeit war dort sogar ein See-Elefant im Elefantenbad einquartiert), das INNENbecken der Flusspferde in Köln soll wohl laut Chronik auch zum Elefanten-Baden genutzt worden sein (meine Frage unten bezog sich auf das AUSSENbecken), und ich meine sowas auch in Zusammenhang mit dem Münchener Warmhaus in seiner Ursprungsversion gelesen zu haben. Ein weiteres zweckentfremdetes Dickhäuter-Badebecken war dann noch das Nashorn-Innenbad im Tierpark Berlin, in dem die Zwergflusspferde landeten... (22.01.2007, 23:29)
|
|
Carsten:
|
|
@ Oliver: Zürich hielt vor Eröffnung des Afrikahauses phasenweise Flußpferde im Elefantenbadebecken. (22.01.2007, 22:51)
|
|
Oliver Jahn:
|
|
@Michael, ganz kurz offtopic, in welchem Zoo wurde denn das Flusspferdbecken als Elefantenbad oder umgekehrt genutzt? (22.01.2007, 21:59)
|
|
Michael Mettler:
|
|
Bei der Anschaffung der Flusspferde muss aber der Bau eines größeren Beckens einkalkuliert worden sein. Als die Tiere 1890 in Köln eintrafen, gab es immerhin schon Haltungserfolge von 27, 28 und 30 Jahren bei Hippos in Paris, London und Amsterdam. Die Kölner mussten also wissen, dass ihre Tiere Chancen hatten, die Endgröße zu erreichen (im Gegensatz zu alten Menschenaffenhaltungen, bei denen ja m.W. kaum für die Zukunft gebaut wurde, weil die Pfleglinge diese ohnehin kaum erlebten) und mit dieser Endgröße auch etliche Jahre im Zoo zu leben. (Obwohl es ja auch wenigstens EINEN Zoo gab, der sowas anscheinend nicht wahrhaben wollte: Halle. Denn der Bulle Jumbo wurde seinerzeit abgegeben, weil er "zu groß" geworden war - das steht so in den dortigen Mitteilungen! Und man ersetzte ihn umgehend durch ein junges Paar....) Und es müsste auch schon bekannt gewesen sein, dass Flusspferde recht schnell wachsen, denn es hatte in anderen Zoos bereits Aufzuchten gegeben (eine davon kam ja nach Köln und muss mit knapp acht Monaten schon ein ganz nettes Kaliber gewesen sein).
Die Erwähnung der beiden Ausstiege finde ich interessant. Gibt es am noch bestehenden Becken sichtbare Anzeichen dafür, dass man ein Trenngitter einziehen konnte? Das spräche nämlich eindeutig für ein von Beginn an auf Zucht ausgelegtes Grundkonzept, im Gegensatz zu manchen anderen Zoos, z.B. Frankfurt und Hannover.
Wurde das Flusspferdbecken in Köln eigentlich auch als Elefantenbad genutzt? Auch das scheint ja in manchen Zoos eine beliebte Doppelfunktion von Dickhäuter-Wasserbecken gewesen zu sein. (22.01.2007, 21:05)
|
|
IP66:
|
|
"Spät" betraf den zeitlichen Ansatz des heute existierenden Beckens. 1890 wäre es halt wirklich die Spitze der Avantgarde, was bei einer so begrenzten Ergänzungsbaumaßnahme wundern würde. Ich halte es aber für möglich, daß die Tiere, die ja noch recht jung waren (Preis und Lob Ihren grandiosen Listen!) erst einmal in einem kleineren Becken untergebracht wurden, um ihnen, als sie groß und stark wurden, dann ein ziemlich schickes neues Jugenstilbecken mit zwei Ausstiegen - für ZWEI Tiere - zu bauen. Für die Zweckbestimmung des Anbaus liegt der Mahdi-Aufstand zu spät - es gab aber wohl schon zuvor Unruhen, weil das Ägypten des Khediven dort eine Art Kolonie einzurichten bestrebt war. Die Frage ist, wie lange Giraffenlieferungen aus dem Sudan möglich waren - die das Ägypten des Khediven zumindest unter Mehmed Ali ja gezielt gefördert hat. Konnte Bodinus beispielsweise für seinen Neubau, der ja in den frühen 70ern fertig wurde, noch Tiere beschaffen?
Der jetzige Anbau ist für Giraffen jedenfalls definitiv zu niedrig.
Die Portale habe ich heute durchgezählt, es sind vier auf jeder Seite, man muß aber für den Ursprungsbau noch zwei Anlagen an der Stirnseite und auch solche auf der Rückseite zum Teich hin annehmen - eine Giraffen- oder drei kleinere Anlagen scheinen mir das wahrscheinlichste. Damit käme man auf 10 + 1 oder 10 + 3, was noch einmal mit den Beständen abgeglichen werden sollte. 10 Logen können es auch in der Zeit nach dem Anbau geblieben sein.
Ein bislang schwer erkläbarer Befund betrifft den Rundbogenfries am so schwer einzuordnenden Flußpferdgehege oberhalb des östlichen Portals. Hier fehlt nämlich genau in der Mitte ein beträchtlicher Teil des Rundbogenfrieses. Denkbar ist irgend ein Nachkriegsanbau, als das Gebäude das einzige intakte und heizbare Haus des Gartens war, der irgendwie angezimmert wurde. Immerhin hat man ihn symmetrisch angezimmert, was bei Provisorien nicht die Regel ist. (22.01.2007, 20:31)
|
|
Michael Mettler:
|
|
@IP66: Die Quellen für den Beginn der Flusspferdhaltung sind "wasserdicht", die Informationen habe ich vom Ehren-Archivar des Kölner Zoos. Es gibt ein genaues Ankunftsdatum (2. September 1890) sowie genaue Todesdaten beider Tiere. Dass die Kuh am 31.1.1890 in Antwerpen geboren wurde, ist laut Archivar im Wegweiser von 1890 auf S. 82 nachzulesen.
So sehr "spät" finde ich den Haltungsbeginn nicht. Rechnet man nur die dauerhaften Haltungen (also keine kurzzeitig eingestellten Leihtiere), dann war Köln nach Berlin (erster deutscher Zoo, ab 1874), Hamburg (alter Zoo), Hannover und Breslau erst der fünfte deutsche Zoo mit Flusspferden (und der einzige, der gleich mit einem Paar begann). Wobei der Plural im Falle von Hamburg und Hannover nicht mal gerechtfertigt ist, denn beide besaßen nur je eine Kuh. Bei Breslau bin ich nicht sicher, nur von einem Bullen weiß ich definitiv. Frankfurt fing erst einige Jahre nach Köln an (ebenfalls mit einer einzelnen Kuh).
Der Mahdi-Aufstand im Sudan soll übrigens laut Buch 1883 begonnen und bis 1899 gedauert haben. (19.01.2007, 12:45)
|
|
IP66:
|
|
Man muß mit der Nogge'schen Ausgabe des Häßlin'schen Buches vorsichtig sein, da der Text für die Neuausgabe bearbeitet wurde, ohne das irgendwelche Quellenstudien erkennbar wären. Häßlin scheint sein Buch in der Nachkriegszeit aus Pressmeldungen und dem sehr bruchstückhaften Zoo-Archiv zusammengestellt zu haben. Bei dem Verfahren kann die Ersthaltung der Flußpferde schnell übersehen worden sein. Interessant wäre es, die Quelle für das Datum 1890 für die Flußpferdersthaltung herauszubekommen - für den Stil des Beckens wäre sie erstaunlich früh, so daß man an eine Unterbringung in einem anderen Gehege, etwa jenem mit dem von Herrn Mettler Badebecken denken könnte (zum Stil der Brüstung zum Buchara-Hirsch-Gehege würde das Datum allerdings passen). So viel ich weiß, stammen alle im Rahmen der Renovierung gemachten Angaben von Häßlin.
Auf die Problematik der Giraffenanlage habe ich shcon hingewiesen, ich halte es ohnedies für wenig wahrscheinlich, daß in dem Haus dauerhaft Giraffen gehalten wurden, da man dann den Anbau anders gestaltet hätte. Was die Zahl der Gehege angeht, müßte sie sich ja nach den Portalen richten, wobei natürlich Teilungen und Zusammenlegungen nicht ausgeschlossen sind. Langhals' Anmerkungen zur Zuverlässigkeit von Zooplänen kann ich nur unterstreichen, ich würde diese eher "tendenziell lesen", d. h. für Köln eine Zusammenlegung von Gehegen in der Zwischenkriegszeit annehmen.
Deshalb wäre ich auch mit der Interpretation der Kästelung etwas vorsichtig. Interessant ist, daß die Fassaden des Hauses nach einem im Frankfreich der Restauration der weit verbreiteten Verfahren gestaltet wurde, daß mit Quadraturen arbeitet - hier würde sich auch eine Wiedergabe des Entwurfsgrundrisses in einer solchen Form anbieten. Oberlichter zeigen die ersten Abbildungen des Hauses auch.
Die Flußpferd-für-Giraffen-These finde ich hochinteressant. Man könnte sich sogar vorstellen, daß ein für Giraffen geplanter Anbau deshalb nicht realisiert und dafür dann der heutige Dickhäuterteil gebaut wurde. Allerdings müßte man da den Beginn der Lieferschwierigkeiten für Giraffen kennen. Leider habe ich kein Handbuch zur Geschichte des Sudans zur Hand - so viel ich mich erinnere, begann die Krise aber erst in den 1880ern. Die Umplanung betrifft allerdings schon die erste Hälfte der 1870er Jahre. das muß allerdings nichts heißen, denn Lieferschwierigkeiten für Giraffen können ja auch schon durch Konflikte im Vorfeld der Mahdi-Krise ergeben haben. Es bleibt allerdings dann immer noch das Problem, daß die Nilpferde erst 1890 kamen - wenn das Datum denn belegt ist - und erst ein gutes Jahrzehnt später ihr Badebecken erhielten - wenn hier nicht irgendein Avantgardist im Werke war, was ich aber für äußerst unwahrscheinlich halte.
Heck erwähnt in seiner Autobiographie die Haltung der Kantschile und Ducker auf den Tischen als Sensation für Berlin, er könnte dies in Köln natürlich ausprobiert haben. Allerdings war der Innenraum, der zur Verfügung stand, in Berlin viel größer, da sich die Nutzung der zentralen Fläche als Palmenhaus ja nicht realisierein ließ. Ich kann mir andererseits jedoch nicht vorstellen, daß man in Köln die Außenanlagen für die Haltung so kleiner Arten wie Kantschile und kleinerer Duckerarten genutzt hat - aber vielleicht weiß Herr Mettler ja etwas über frühe Haltungsbedingungen bei kleinen Antilopen, mir ist nur bekannt, das Heck das Bodinus'sche Antilopenhaus ja um einen Bau mit deutlich kleineren Ausläufen eben für kleinere Antilopenarten ergänzt hat.
Keinem von uns liegen momentan alle Quellen vor. Vielleicht könnte man diese einmal auf einer Seite zusammenstellen.
Interessant wäre es auch, die betreffenden Texte zu scannen, weil es zumindest bis 1900 eine Tendenz gab, die Arten in einem Rundgang zu sortieren.
Seltsam finde ich auch den späten Beginn der Flußpferhaltung. Immerhin gab es doch in der berliner Elefantenpagode, die fast gleichzeitig mit dem kölner Anbau entstand, ein Flußpferdbecken, und in Frankfurt hat man ohne Anbau ja auch ein solches in sein altes Großtierhaus implantieren können.
An eine Zwischenwand zwischen Antilopen- und Dickhäuterteil glaube ich nicht - der Stuck im Haus ist so aufwendig und auf die Längsachse des Hauses hin komponiert, das auch eine Glaswand - und die wäre 1870 noch ziemlich kleinscheibig ausgefallen - jeden Effekt verhindert hätte. Hier hat Häßlin etwas falsch verstanden oder das Haus wurde generell weniger beheizt.
(19.01.2007, 11:53)
|
|
Michael Mettler:
|
|
Habe ich mir eben angesehen. Interessant bei diesem Plan wie auch bei dem von 1864 (ebenfalls von Garthe gezeichnet) ist die "Kästelung" innerhalb des Umrisses des Hauses. Die ist nämlich alles Andere als symmetrisch. Soll das wohl die Dachkonstruktion darstellen, oder etwa die Aufteilung des Innenraumes? (19.01.2007, 09:26)
|
|
Carsten:
|
|
Den Plan von Marco hab ich hochgeladen, zu finden unter:
www.hipposworld.de
dann auf Bildergalerie, Sonstiges (19.01.2007, 00:21)
|
|
Marco:
|
|
@Carsten: Imageshack klappt nicht. Schicke den Plan an die angegebene Adresse! (18.01.2007, 23:33)
|
|
Carsten:
|
|
@Marco: Lade das Bild doch über imageshack hoch, dann brauchst Du keine eigenen Webspace. Unter dem Link findest Du eine Kurzanleitung und eine direkten Link dazu.
http://www.aconcagua2000.de/web/imageshack.html
Dann setzt Du den Link zum Bild hier rein und jeder kann gucken.
Falls das nicht klappt, könnte ich das Bild auch auf meine Website stellen, dann schick mir den Scan unter info@hipposworld.de (18.01.2007, 22:55)
|
|
Marco:
|
|
@Michael Mettler: danke, das grenzt das Alter des Plans ja recht eng ein. Leider habe ich selber nirgends "Webspace" (heißt das so?), sonst könnte ich einen Scan online stellen. Kann ich jemandem einen Scan zu diesem Zwecke schicken? (18.01.2007, 22:33)
|
|
Michael Mettler:
|
|
@Marco: Sehr viel älter kann der Zooführer aber nicht sein, denn die Pferdeantilope (ein Einzeltier) wurde erst ab 1884 gehalten.
Vom "Amerikanischen Tapir" gab es übrigens schon in der Heck-Ära Nachzucht, laut Heck die möglicherweise erste überhaupt in Deutschland. (18.01.2007, 20:26)
|
|
Marco:
|
|
Nochmal klargestellt: Mein Führer stammt nicht gesichert aus 1888, sondern müsste älter sein. Sicher ist dies jedoch auch nicht: Ich vermute es, weil auf dem Plan der Seelöwenfelsen fehlt. Andererseits sind im "Gesammt-Thierbestand des Gartens" auch 2 Robben aufgeführt, welche bei der Aufzählung der Arten zuvor allerdings nicht auftauchen. (18.01.2007, 19:49)
|
|
Michael Mettler:
|
|
@Langhals: "Zwergantilopen" ohne jegliche Artangabe werden in besagtem Buch schon für die Ära Heck (also 1886-88) als "neu angeschafft" erwähnt. Da Heck m.W. in seiner Berliner Zeit Zwergantilopen in einer Art "Tischkäfigen" in der Mittelhalle des dortigen Antilopenhauses ausstellte, könnte ich mir vorstellen, dass das möglicherweise auch in Köln so gehandhabt wurde und die Zwerge keines der Außengehege bewohnten. (18.01.2007, 19:20)
|
|
Michael Mettler:
|
|
1982-84 wurde das Haus renoviert, deshalb habe ich mir die Jahresberichte für diese Jahrgänge mal angesehen. In Heft 1 des 26. Jahrgangs der "Zeitschrift des Kölner Zoo" heißt es über das Haus u.a.: "Die Anschaffung der zwei weiteren Elefanten 1872 und eines indischen Panzernashorns im gleichen Jahre machte eine Erweiterung dringend notwendig. Ein etwas niedrigerer, polygonaler Anbau an der Nordseite des Hauses konnte 1874 festiggestellt werden. Aus der gleichen Zeit stammt der auf Holzsäulen gestützte Vorbau am südlichen Eingang, der von einem mächtigen Elefantenkopf geziert wird."
Kein Wort zu den Flusspferden, und da diese Art erst 16 Jahre später eintraf, war sie wohl nicht von Anfang an geplant. Denn erhältlich waren Flusspferde schon vor 1890: 1879 und 1881 stellte z.B. der Händler Reiche Leihtiere im Zoo Hannover ein. Von Reiche wurde dann auch im September 1890 das erste Paar erworben. Der Bulle, ein Wildfang, starb noch im selben Jahr; die Kuh, im Januar 1890 in Antwerpen geboren, lebte bis 1900 allein in Köln.
Im Buch "Der Kölner Zoo" von Häßlin und Nogge findet sich ebenfalls nichts über den Beginn der Flusspferdhaltung - was ich sehr merkwürdig finde, da für die gleiche Ära (Ludwig Wunderlich) sogar der Erwerb einer Schopfwachteltaube geschildert wird.... Erwähnt wird im entsprechenden Kapitel übrigens, dass die Antilopen winters im ungeheizten Haus verwahrt wurden. Das würde dafür sprechen, dass sich zwischen Altbau und Anbau eine Trennwand befand, denn man wird doch wohl nicht die Elefanten und das Nashorn ebenfalls kalt überwintert haben?
Ganz hinten im besagten Buch gibt es ein ausklappbares Blatt mit Zooplänen von 1864, 1910, 1930 und 1984. Zwar sagen die sämtlich nichts über den Artenbestand des Hauses aus, doch ist auf den beiden älteren wenigstens die Gehegeaufteilung zu erkennen.
Würde man den nach Süden (genauer gesagt wohl Südwesten) weisenden Eingang als 12-Uhr-Position auf einem Ziffernblatt benutzen, dann befanden sich 1864 zwischen 12 und 3 Uhr vier kleine Tortenstückgehege, zwischen 3 und 9 Uhr (die Seite des späteren Anbaues) ein durchgehendes, halbkreisförmiges Großgehege und zwischen 9 und 12 Uhr ein Gehege mittlerer Größe - macht insgesamt 6 Außengehege. Interessant ist dabei, dass sich an der Stelle des späteren Anbaues eine helle, schraffierte Fläche befindet, die an das bestehende Haus angrenzt; es wirkt so, als sei da schon 1864 eine geplante Erweiterung des bestehenden Baukörpers dargestellt worden!
1910 sieht die Gehegeaufteilung ganz anders (und nunmehr symmetrisch) aus: Die Fläche von 12 bis 3 Uhr besteht aus nur noch zwei Gehegen, die zwei gleich proportionierte Gegenstücke auf der anderen Seiten des Eingangs (also 9-bis-12-Uhr-Position) haben. Dann folgt auf beiden Seiten ein die Gehegebereiche trennender Weg zum Haus. Zum Anbau gehören drei Außengehege: Mittig das größte mit dem Flusspferdbecken, außen zwei kleinere, von denen das linke ein rechteckiges Badebecken aufweist (ungefähr ein Drittel der Fläche des Flusspferdbeckens). Die drei Gehege sind im Gegensatz zu den anderen mit einer Doppellinie zum Besucherweg hin abgegrenzt; sieht so aus, als solle dies eine Mauer- oder Grabenabsperrung darstellen, während die anderen Gehege komplett umzäunt waren. Insgesamt also 7 Gehege.
Das rechteckige Badebecken ist auch noch auf dem Plan von 1930 zu sehen, wo allerdings keine Grenzen zwischen den Gehegen eingezeichnet sind. Und: Da gibt es den Weg zum Haus in 9-Uhr-Position nicht mehr.
Bemerkenswert also, dass 1864 sechs Gehege vorhanden waren, 1910 sieben, aber laut dem unten erwähnten Zooführer von 1888 (zeitlich genau in der Mitte dazwischen!) sechzehn Arten im Haus lebten! Hat womöglich Ludwig Heck (1886-88 in Köln) in seiner Ära die "Tortenstücke" noch weiter unterteilt?
Vielleicht ist noch interessant, dass die Anschaffung der Flusspferde in eine Zeit fiel, in der keine Giraffen zu bekommen waren, da zwischen Anfang der 1880er Jahre und der Jahrhundertwende im Sudan der Mahdi-Aufstand herrschte und damit das einzige damalige Fanggebiet unerreichbar war. (18.01.2007, 19:11)
|
|
Langhals:
|
|
Meine ältesten Führer von Köln sind von ca. 1895 und ca. 1901. Im erstgenannten sind am Elefantenhaus 9 Anlagen eingezeichnet. Im Text werden für das Haus 10 Arten genannt, davon werden zei Arten zusammengehalten. Folgende Arten werden genannt : Indischer Elefant,Indisches Nashorn,Nilpferd,Amerik. Tapir,Burchell's Zebra,Kuh-Antilope,Beisa-Antilope,Säbelantilope, Zwergantilope ( Cephalophus pymaeus ) ( könnte das ein Ducker sein ? ),diese zusammen mit Kleinkantschils. Im Plan des ZF 1901 sind nur noch 7 Anlagen eingezeichnet, aber 16 Arten ! werden im Text genannt: Elefant,Tapir,Nilpferd, Beisa,Kuhantilope,Burchell-Zebra,Chapman-Zebra,Somali-Wildesel,
Rappen-Antilope,Pferde-Antilope,Mendes,Säbel,-Hirschziegen-Antilope,Arabische Gazelle, Somali-Gazelle und Zwergantilope. Die im Plan eingezeichneten Gehege können nicht stimmen.Auch in den alten Frankfurtführen stimmt z.B die Anzahl der im Plan eingezeichnetn Rundbau-Gehege nicht. (18.01.2007, 18:31)
|
|
Michael Mettler:
|
|
@IP66: Zuviel der Ehre, da hätte ich bei den Hippos noch etliche "offene Baustellen"...
Laut Kölner Ehren-Archivar traf das erste Flusspferdpaar des Zoos 1890 ein. Auf möglicherweise schon vorher gezeigte Leih-Flusspferde von Tierhändlern - wie in anderen Zoos - gibt es keine Hinweise. (18.01.2007, 16:46)
|
|
IP66:
|
|
Vor Jahren habe ich einmal ein Exemplar des Bodinus-Führer in der kölner Universitätsbibliothek eingesehen, das aber meiner Erinnerung nach keine Gehegeeinteilung vorführte. Wenn wir davon ausgehen, daß die Wiedergabe bei dem Exemplar von 1888 der Realität entspricht, hätten wir drei Gehege mit vier Portalen - je eines auf den Langseiten und die beiden heutigen Flußpferdportale auf der dem Eingang abgewandten Schmalseite des Gebäudes. Wenn wir den Elefanten die größte Anlage einräumen, blieben die Seitenanlagen für Nashorn und Tapir, eventuell für später angeschaffte Flußpferde. Die Haltung von Elefanten auf der Mittelanlage ist deshalb wahrscheinlich, weil diese, wie bei solchen Bauten üblich, als Schauseite über einen Teich ausgerichtet war und da eine relativ hochwüchsige Tierart sinnvoll war. Um 1900 - der Beckenform nach vielleicht sogar ein paar Jahre später - kamen die Flußpferde, die Elefanten mußten die Mittleanlage räumen und auf eine der Anlagen umziehen, auf denen sie dann bis zu Beginn der 80er Jahre gehalten wurden. Zu diesem Zeitpunkt ist wohl auch die Innenkonzeption des Anbaus mit dem Flußpferdbecken in der Gebäudeachse entstanden. Stellt sich also die Frage: Kamen die Flußpferde mit dem neuen Becken oder schon zuvor - vielleicht weiß da ja Herr Mettler bescheid, dem ja kein Flußpferd entgeht, das es gewagt hat, den europäischen Kontinent zu betreten. (18.01.2007, 16:11)
|
|
Marco:
|
|
Flusspferde lebten damals nicht im Haus. Von dem Teil des Hauses, den ich für den Anbau halte, gehen drei Gehege aus.
Zwischen heutigem Pfleger-Ausgang und der genau gegenüber liegenden Seite (also an der heutigen ehem. Elefantenanlage) liegen insg. 5 Gehege, von der Pflegertür und der gegenüber liegenden Stelle gehen offenbar Wege auch für Besucher aus.
Der mir vorliegende Führer ist leider nur eine Artenliste mit Plan, wie die Gehege genau besetzt waren, geht aus ihm nicht hervor.
(Im übrigen muss ich, um Neidern vorzubeugen ;-) darauf hinweisen, dass es leider auch nur ein Nachdruck ist...) (18.01.2007, 15:44)
|
|
IP66:
|
|
Könnten sie einmal versuchen, in Ihrem 1888er Plan das Flußpferdgehege zu finden? Es geht immerhin um die Frage, für welche Tiere der Anbau errichtet wurde. (18.01.2007, 15:05)
|
|
Marco:
|
|
Das Flusspferdbecken hat auf dem Plan von 1935 die gleiche geschwungene Form, wie wir sie heute kennen. Ein Foto zeigt nur zwei Flusspferde am Beckenrand, auf seine Form ist hierbei nicht zu schließen. Die Gehegebegrenzung besteht aus einem Rohr-Zaun.
Der Plan von (vor) 1888 zeigt noch kein Becken, der Platz des heutigen Geheges ist noch in mehrere Gehege unterteilt. (18.01.2007, 00:53)
|
|
Michael Mettler:
|
|
In der Nachkriegszeit wurden im Haus u.a. Weißbartgnus, Oryx und Steppenzebras gehalten (von den Elen und Sitatungas mal abgesehen) - m.W. jeweils paarweise und möglicherweise sogar gleichzeitig. Das habe ich noch von meiner Gnu-Recherche her in Erinnerung. (17.01.2007, 19:37)
|
|
IP66:
|
|
Wir sollten eine Nebenabteilung des Forums einrichten, in der wir dergleichen Erkenntnisse rubrizieren - nebst Abbildungen womöglich.
Bei der Verteilung der Innengehege gibt es ein Mißverständnis: Die Säulen von denen ich sprach, sind die Freisäulen im Innenraum, die ja auch weiter voneinander entfernt stehen, als die Logenöffnungen vorgeben. Daß letztlich, ähnlich wie später in Berlin, das Portal zum Innenraum gleichsam die Rückwand und Kulisse des Außengeheges bildete, halte ich für sehr wahrscheinlich - als bildlicher Beleg für die Erstkonzeption sind die Postkarten aber zu jung.
Das Flußpferdbecken gehört stilistisch in die Zeit um 1900, seine geschwungene Form, insbesondere die Anordnung der Einstiege, läßt an Jugendstil-Vorbilder denken, die in der Zoo-Architektur eher selten sind. Interessant wäre die Beckenform, die der Führer von 1888 verzeichnet - falls er überhaupt eine verzeichnet.
Die zweite Frage wäre die, ob Elefanten und Flußpferde nebst Nashorn im Anbau untergebraucht waren und man den Altbau weiterhin für Antilopen genutzt hat. Ganz seltsam scheint mir auch die Geschichte der Giraffenhaltung. Bei allen Nachfolgebauten (Berlin, Hannover, selbst Leipzig) ist ein Gehege mit besonderer Kulisse und höheren Portalen vorgesehen. Man könnte zwar eine nicht allzugroße Giraffe dazu bewegen, durch eine Öffung mit ebenfalls beiseitegeklappten Oberlicht hindurchzugehen, sie müßte dabei aber den Hals einziehen. Eine sehr frühe Lithographie des Hauses - noch vor dem Anbau des Besucherportals - zeigt Giraffen in dem linksseitigen Gehege der Eingangsfront, allerdings in Gesellscahft anderer Tiere, so daß man sich fragt, wie realistisch die Sache ist.
Ich denke, daß die 10 Außengehege für die kleineren Antilopenarten geteilt worden sind, zumal man ja pro Art nur mit einem oder zwei Exemplaren zu rechnen hat. Es ist auch nicht immer ganz sicher, ob die Zooführer alle vorhandenen Arten aufführen.
Die Beschreibung von 1935 scheint mir ein gewisses Ungehaben zu signalisieren: Die Dickhäuer waren da, wo sie schon immer waren, man hatte eine größere Anlage gestaltet, und die restlichen Antilopenanlagen, die vielleicht noch den Zustand der Erbauungszeit spiegelten, nutzte man dann für allerlei Raritäten, etwa den Ameisenbären.
(17.01.2007, 18:33)
|
|
Marco:
|
|
Nachtrag zu 1935: Auf dem Plan sind 10 Torten-Gehege um das Haus verzeichnet, das Flusspferdbecken existiert schon.
Auf dem Plan von vor 1888 sind es ebenfalls 10 Gehege, aber mit etwas unterschiedlicher Aufteilung. So existiert das Flusspferdbecken nicht, auf der Fläche des Geheges von 1935 sind hier noch 3 Gehege verzeichnet. Dafür ist der Bereich der heutigen Sitatunga-Anlage und die angrenzende Hälfte der ehem. Elefantenanlage als ein Gehege verzeichnet. (12.01.2007, 13:04)
|
|
Marco:
|
|
Der Führer von 1935 (Eisbär) sagt nur:
"Außer den Elefanten sieht man hier noch andere, besonders eindrucksvolle Großtiere, wie Nilpferde, Strauße, Zebras und Antilopen, in den kleineren Gehegen auch noch andere sonderbare Tiergestalten, unter denen der eigentümliche Ameisenbär aus Südamerika vorzugsweise erwähnt zu werden verdient." (12.01.2007, 13:00)
|
|
Marco:
|
|
Ein Führer von vor 1888 ("Wegführer nebst Verzeichniss der Thiere un Plan des Zoologischen Gartens zu Cöln am Rhein"; Titelbild: Eingang mit den beiden Hirschen) gibt folgenden Bestand des "Elephanten- und Antilopenhaus" her:
Indischer Elephant
Afrikanischer Elephant
Indisches Nashorn
Amerikanischer Tapir
Giraffe
Burchell's Zebra
Elen-Antilope
Busch-Antilope
Säbel- oder Leucoryx-Antilope
Weissschwänziges Gnu
Pferde-Antilope
Blässbock-Antilope
Kuh-Antilope
Dorcas-Gazelle
Addra-Antilope oder Dama
Hirschziegen-Antilope
macht zusammen 16 Arten.
Übrigens werden ja heute auch noch Antilopen im "Antilopenhaus" gehalten, nämlich die Sitatungas (allerdings nur so lange, bis das Flusspferdhaus fertig ist). (12.01.2007, 12:56)
|
|
Patrick Kalscheuer:
|
|
Auf jeden Fall gibt es alte Postkarten, auf denen man sehen kann, dass jeder Bogen zu einem Aussengehege gehört. Zudem gab es im September einen "Tag des offenen Denkmals" in Köln, bei der zugehörigen Führung im Zoo wurde eben erklärt, dass jeder der Bögen zu einem anderen Gehege, bzw. einer anderen Art gehörte. Das bezieht sich jedoch nicht auf die Anbauten und wenn ichs richtig erinnere (Alzheimer läßt grüßen) war die Postkarte aus den 1920ern... (12.01.2007, 12:28)
|
|
IP66:
|
|
Es ist richtig, daß der Felten-Bau als Antilopen resp. Huftierhaus errichtet wrude und daß somit der Umbau auch mit einer Änderung im Besatz einherging - wobei ja noch bis in die 70er Jahre im Haus Antilopen gehalten wurde. Ich wäre skeptisch, was die Gleichung ein Bogen resp. Säulenintervall gleich eine Art anbetrifft. Zum einen können die Metallsäulen beim Umbau versetzt worden sein, was wegen der nicht erkennbaren stilistischen Unterschiede zu den Säulen im Anbau einiges für sich hat, zum anderen wurden im berliner Antilopenhaus die jeweiligen Logen recht bald unterteilt, so sie nicht schon geteilt geplant waren. Man müßte einmal die Bodinus- und Funck-zeitlichen Zooführer auf das Artenspektrum durchschauen. Für das frankfurter Dickhäuterhaus kann ich mich an eine "Innenansicht" erinnern, hier stand der Elefant in der Flucht, die übrigen Tiere in Stallungen, die durch mannshohe Öffnungen in der Wand einsehbar waren - wobei die Zeichnung sehr unspezifisch gestaltet war. Es ist erstaunlich, daß in Köln noch keine Innenansicht des Gebäudes vor 1945 aufgetaucht ist. (12.01.2007, 12:20)
|
|
Carsten:
|
|
Mir fällt zu dem Haus spontan noch ein, daß Professor Nogge vor einigen Jahren wegen der Elefantenhaltung angezeigt worden ist. (11.01.2007, 23:05)
|
|
Patrick Kalscheuer:
|
|
... und da ich von Architektur rein gar keine Ahnung habe und nur respektvoll staunen kann, kann ich zu dem Thema nur beitragen, dass es ursprünglich kein Elefanten-, sondern ein Antilopenhaus war und mehr als ein Dutzend (!) verschiedener Arten in diesem Haus untergebracht waren. Was sich teilweise von außen noch an der Anzahl der Bögen erahnen läßt: Jeder Bogen bildete den Gehegeübergang für eine Art. (11.01.2007, 19:40)
|
|
IP66:
|
|
Nachdem daß kölner Elefantenhaus schon öfter in Diskussionen als ältester bewohntes Tierhaus Deutschlands in aufgetaucht ist und ich mich auch schon mehrfach zur Bauphasenproblematik geäußert habe, möchte ich dem Gebäude doch einen eigenen Diksussions-Thread widmen.
Die Schwierigkeit liegt darin, daß der Bau vor den für die Tiergartenarchitektur des 19. Jahrhunderts so wichtigen berliner Bauten der Bodinus-Zeit errichtet wurde, daß es aber eine zweite Bauphase aus den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts gibt, die tückischerweise auf diese Bauten reagiert.
Am Außenbau sind die Dinge einfach zu scheiden, der Kernbau ist der mit den zweigeschossigen Fassaden; Protikus und der jetzt von Flußpferden bewohnte Teil zum Flamingoteich hin wurden angebaut. Die spannende Frage ist jedoch die, wie viel vom Ursprungsbau innen erhalten ist. Leider ist mir keine Innenansicht des Bauwerks bekannt, die dieses Problem lösen könnte. Es gibt jedoch im Inneren Metallsäulen mit an Vorbildern der Alhambra orientierten Kapitellen, die von den Proportionen her eher in die Mitte des 19. Jahrhunderts passen und auch mit den Halbsäulen vergleichbar sind, die den Felten-Bau außen dekorieren. Felten hat, was ebenfalls in den Frühhistorismus Durand'scher Prägung paßt, sogar zwei Säulenrgister aufeinandergestellt, um den hohen Baukörper zu dekorieren. Die Sache wird allerdings knifflig, da dieselben Säulen auch im Erweiterungsbau auftauchen, dafür also entweder extra nachgefertigt oder dorthin versetzt wurden. Wenn man sich allerdings, und das habe ich heute getan, die Stuckierung oberhalb der Kapitelle ansieht, die ebenfalls Alhambra-Vorbildern folgt, aber in der Ornamentaufassung plastischer und üppiger gestaltet ist, so kann man sehen, daß diese im Felten-Bau im Kämpferbereich deutlich weiter auskragt als im Erweiterungsbau. Da der üppigere und plastischere Ansatz der Stukkaturen stilistisch am Außenbau der Erweiterung und auch an der Porktikus auftritt, scheint mir sehr wahrscheinlich, daß der gesamte Innenstuck und vermutlich auch die Position der älteren Säulen nicht vom Felten-Bau herrührt, sondern in Reaktion auf die berliner Bauten erst in den 70er Jahren angebracht wurde, womit das innere Erscheinungsbild dieses Bauwerks jünger ist als die berliner Elefantenpagode, das dortige Antilopenhaus oder auch das frankfurter Dickhäuterhaus. (11.01.2007, 19:24)
|