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Giraffen im Zirkus



Michael Mettler:   Weiß ich leider nicht. Die Info über Gus' Zeit in Ostafrika habe ich meiner Erinnerung nach aus den Lebenserinnerungen von Ruhe.
(17.06.2007, 13:35)
?:   In welchen Filmen hat denn Gus " mitgespielt " ?
(17.06.2007, 06:44)
Michael Mettler:   @?: Das erwähnte Nashorn war der Nördliche Breitmaulnashornbulle Gus, der m.W. bereits bei seinem langjährigen Vorbesitzer in Ostafrika darauf trainiert worden war, Menschen auf seinem Rücken zu dulden. Gus diente nämlich (zusammen mit seiner damals noch lebenden Kuh) als Film-Nashorn, und dem musste der "Held" schon mal auf den Rücken springen dürfen... Der zahme Bulle wurde von Ruhe dann auch später an eine Filmgesellschaft verkauft.

Ich könnte mir vorstellen, dass Ruhe sehr viel Wert darauf legte, dass seine Pfleger direkten Umgang mit vielen Tieren hatten. Derart umgängliche Tiere brachten bestimmt einen höheren Preis, und zudem belieferte Ruhe ja auch Circusse und Privathalter. Gegenüber den heutigen Methoden mit Clicker, Target und Medical Training wäre er wahrscheinlich sehr aufgeschlossen...
(16.06.2007, 21:08)
Medojed:   Mit Giraffen kann man viel erreichen,wenn man die entsprechende Zeit und Geduld dafür hat. Je jünger das Tier ist, desto einfacher ist es, ihm per Klickertraining einige Sachen beizubringen. In Hamburg hat es der Pfleger damit erreicht, bei einer Giraffe sogar Klauenpflege durchzuführen ! Das konnte ich letztes Jahr selbst beobachten und habe mich anschließend mit ihm lange darüber unterhalten. Mit den jüngeren Tieern klappt es erfahrungsgemäß besser, als mit den Älteren,denen er aber auch ein paar Dinge beibringen konnte. Leider wurde ihm das weitere Arbeiten mit den Giraffen aus Sicherheitsgründen von der Geschäftsleitung untersagt.
(16.06.2007, 18:05)
?:   @Ingo Rossi. Ich weiß, das Krone im Moment nur ein Nilpferd hat, früher gab es aber auch in Breitmaulnashorn dort ( habe ich selbst noch gesehen )Wie dem auch sei, beide Arten sind Herdentiere und haben im Zirkus nichts verloren.
Ein Bild des Hannoveranner Giraffenreiters ist in einem Zooführer-Buch zu sehen: "Zoo,-und Wildparkführer ",Verlag Olde Hansen "Ist aber schon 26 Jahre alt und nur noch antiquarisch erhältlich. Wahrscheinlich wog Herr Funke nicht soviel, und der Giraffenbulle hat gar nicht gemerkt, das da was auf seinem Rücken hockte. In Hannover gab es auch einen Pfleger, der auf einem Nashorn ritt. Waren die Pfleger dort früher nicht ausgelastet ? ( Vorsicht, Scherz ! )
(16.06.2007, 17:58)
Michael Mettler:   @IP66: Da führt der Titel des Threads aber ein wenig in die Irre, "Handzahme Giraffen" oder "Medical Training bei Giraffen" wäre für die gewünschte Richtung eindeutiger gewesen...

Der Stammvater der Rothschild-Giraffenzucht in Hannover, der Bulle Retsch, war seinerzeit so vertraut mit seinem Pfleger Karl Funke, dass dieser ihn striegeln konnte. Da Funke nicht gerade zu den körperlichen Riesen zählte (und selbst als solcher bei einem Sechs-Meter-Bullen Probleme gehabt hätte), turnte der Pfleger zu diesem Zweck einfach am Gitter des Vorgeheges hoch. Wohlgemerkt: Die Giraffe hätte sich der Prozedur jederzeit entziehen können - ein Schritt zur Seite hätte gereicht, und der Bulle wäre außerhalb der Reichweite menschlicher Arme gewesen. Eines Tages stach Funke der Hafer, und er schwang sich ohne jegliches vorheriges Training auf den Rücken des Giraffenbullen - und der blieb stehen und ließ sich striegeln. Das hat der Pfleger später wiederholt getan, es existieren auch Fotos davon. Hätte Retsch nur ein, zwei Schritte mit seinem Reiter nach vorn gemacht, wäre Funke wohl nicht unfallfrei wieder herunter gekommen, denn er brauchte ja das Gitter als Leiter....

Dieses Beispiel soll nur zeigen, was bei einer Zoo-Giraffe möglich ist bzw. war. Ob sich das unter heutigen Versicherungsbedingungen noch durchführen ließe, ist eine ganz andere Frage, und ob Retsch z.B. eine Hufkorrektur zugelassen hätte, genauso.

Kernpunkt scheint jedoch zu sein, dem Tier beizubringen, dass es sich überall berühren lässt. Meines Wissens wird das bei Circus-Giraffen gemacht, indem man Tücher oder Handschuhe an lange Stangen bindet, das Tier unter ruhigem Zureden und mit Leckerli-Gaben an die Berührungen damit gewöhnt und schließlich die "verlängerten Arme" schrittweise verkürzt, bis die direkte Berührung möglich ist. Letztlich handelt es sich dabei um eine Desensibilisierung, wie sie selbst bei domestizierten Tieren wie dem Pferd noch immer nötig ist, um aus dem schreckhaften Fluchttier z.B. ein für Turnierreisen oder Polizeieinsätze brauchbares Reittier zu machen.

Dass Circus-Giraffen weniger Stress bei Transporten haben dürften als Zoo-Giraffen, liegt auf der Hand. Das Zootier lebt Jahre lang in unveränderter Umwelt und muss dann plötzlich in eine Kiste - das Circustier ist hingegen das "Einpacken" gewohnt. Würde man Zoo-Giraffen von Klein auf alle zwei, drei Tage in eine Transportkiste locken und mit ihnen einmal rund um den Zoo fahren, hätten sie wahrscheinlich bei einem späteren "richtigen" Transport weniger Stress.... (Nicht, dass ich diese Methode jetzt propagieren will!) Nicht ohne Grund sind Circustiere, die in einen Zoo gelangen, anscheinend wesentlich anpassungsfähiger an veränderte Haltungsbedingungen als Artgenossen, die ihr ganzes bisheriges Leben im Zoo verbracht haben: siehe diverse Elefanten oder auch das Beispiel der Schimpansin Lady in Gelsenkirchen.

Wozu man Giraffen bringen kann, zeigen doch letztlich auch die Beispiele der allerersten Zoo-Giraffen, die am Halfter zu Fuß (!) quer durch Europa geführt wurden. Dass eine solche Reise unmöglich wäre, wenn man ein störrisches Tier mit Gewalt zum Weitergehen zwänge, ist logisch - angesichts der Kostbarkeit der Tiere hätte man sich einen rabiaten Umgang mit ihnen auch gar nicht erlauben dürfen, sonst wäre das Begleitpersonal wohl vom Absender einen Kopf kürzer gemacht worden...
(16.06.2007, 11:08)
IP66:   Ich möchte doch noch einmal zur Ausgangsfrage zurückkehren und bitten, alle Fragen der Artgerechtheit der Haltung beiseite zu schieben. Es sind ja bei der Haltung der Giraffen im Zirkus gewisse Kenntnisse gewonnen worden, die Bullen waren ja mehr oder weniger handzahm, und meine Frage ist die, ob dergleichen im Zoo sinnvoll wäre, um die Haltungserfolge zu verbessern. Kern der Überegung ist die Suche nach einem Weg, die Tiere weniger schreckhaft werden zu lassen und sie bei kleineren Verletzungen oder Hufkorrekturen ohne Narkose behandeln zu können - da, so dachte ich, könnten Zirkuserfahrungen vielleicht helfen.
(16.06.2007, 10:17)
Ingo Rossi:   Die Tierhaltung im Zirkus ist bestimmt ein schwieriges Thema. Unter gut geführten Zirkussen verstehe ich die, die sich z.B. an die Richtlinien halten und auch regelmässigen Kontrollen unterliegen.
Ob dadurch natürlich eine artgerechte Haltung gegeben ist, bleibt mal dahin gestellt.
Krone hat übrigens kein Nashorn sondern ein Nilpferd.
Der Circus Knie hat in seinem stationären Zoo in Rapperswil mehrere Giraffen und züchtet dort auch.

(16.06.2007, 08:38)
?:   Was versteht man unter einem gut geführten Zirkus ? Bei Krone sitzen die Großkatzen in genauso engen Gittwagen wie in Wanderzirkussen, von den Elefanten, gerade den Krone-Elefanten, wollen wir gar nicht erst reden, und der gut geführte Zirkus Krone hält Herdentiere wie Giraffen und Breitmaulnshörner alleine. Ach ja, ich vergas, sie haben ja den Menschen als Artgenossenersatz. Und nicht zu vergessen, die Giraffe wird ja in einem Spezial-Transportwagen mitgeführt, der nicht mal annährend so hoch ist wie das Tier....Sind Giraffentarnsporte nicht sehr riskoreich, gerade für erwachsene Tiere ? Vom Stressfaktor mal ganz abgesehen, jeder Zoo scheut den Transport von erwachsenen Giraffen wie eine Fledermaus das Licht. Krone hat doch schon mindestens 2 oder 3 Giraffen verheizt, offiziell bestätigt der Zirkus das natürlich nicht.Gott sei Dank ist es ein gut geführter Zirkus,wer weiß, wieviele Giraffen in nicht gut geführten Zirkussen über den Jordan gehen würden.
(16.06.2007, 06:50)
Ingo Rossi:   In gut geführten Zirkussen wie Knie oder Krone haben die Giraffen wohl eine recht lange Lebensdauer. Allerdings gab es in einigen anderen Unternehmen auch etliche Unfälle, unter anderem beim Transport, mit tödlichen Ausgang. Giraffen eigen sich bestimmt nur sehr bedingt zur Haltung im Zirkus.
(15.06.2007, 23:27)
Michael Mettler:   Obwohl ich kein Freund von Giraffenhaltung im Circus bin, scheinen einige Tiere dort relativ lange gelebt zu haben. Nun können Unfälle wie Grabenstürze im Circus natürlich nicht passieren, aber letztlich gibt es dafür andere mögliche Unfallquellen, die wiederum im Zoo nicht vorkommen können - das dürfte sich die Waage halten. Alle mir bisher bekannten Circus-Giraffen waren übrigens Bullen.

Auch aus Hannover ist mir keine besondere Anfälligkeit der Giraffen für Unfälle oder Krankheiten bekannt; sollten etwa doch eher die örtlichen Haltungsbedingungen (Bodenstrukturen, Grabenprofile usw.)
als die Tiere selbst oder der Umgang mit ihnen dafür ausschlaggebend sein?

(15.06.2007, 21:20)
IP66:   Im Forum gab es die Diskussion, ob einiger Giraffenunterarten als Jungtier schneller einem Unfall zum Opfer fallen als andere. Zudem ist mir von dritter Seite berichtet worden, daß Giraffenhaltung generell durch Unfälle, Krankheiten und die Schwierigkeit der Behandlung der Tiere im nicht-narkotisierten Zustand gar nicht so einfach ist, wie ich angesichts der Erfolge in Köln oder Duisburg gedacht hatte.
Mithin die Frage: Ist es im Zirkus gelungen, durch eine Haltung handzahmer Tiere diese Quote wesentlich zu reduzieren? Es wäre ja interessant, Giraffen ähnlich handzahm zu halten wie Okapis und dadurch besser an die Tiere heranzukommen und die Unfallhäufigkeit zu vermindern.
(14.06.2007, 12:01)

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